Apfelbäumchen pflanzen

Geistliches Wort - Vikar Ingo Lüderitz

Jetzt springen Knospen der Obstbäume wieder auf. Die Luft ist erfüllt vom Blütenduft. Frühling. Die Tage werden wärmer, abends bleibt es länger hell. In der Natur wird alles neu. Nur die Welt bleibt die alte. Die Nachrichten sind auch weiterhin gespickt mit Katastrophenmeldungen. Der verheerende Bombenanschlag in Madrid hat uns alle zusammenzucken lassen. Die Betroffenen sind verzweifelt. Die Hörenden sind erschrocken - und bald darauf holt sie der eigene Alltag wieder ein.

Was täten Sie, wenn morgen die Welt untergehen würde? Noch einmal so richtig auf die Pauke hauen - oder den Kopf in den Sand stecken? Martin Luther, der Reformator, hat folgende Antwort gegeben: "Wenn morgen die Welt unterginge, so pflanzte ich heute noch ein Apfelbäumchen."

"Unsinn, Quatsch," mögen manche denken, "noch etwas zu pflanzen, wo morgen doch sowieso alles egal ist." Doch für mich steht dieses Apfelbäumchen als Zeichen der Hoffnung. Eine Hoffnung die Stärker ist als alle Unheilsansagen. Eine Hoffnung, dass der Tod und die Gewalt nicht das letzte Wort haben werden. Eine Hoffnung die zum anderen sagt: "Ich tue, was ich für richtig und sinnvoll halte, allen Unkenrufen zum Trotz."

In unserer komplizierten und gefährlichen Welt brauchen wir solche Apfelbäumchen als Zeichen der Hoffnung. Ein solches Apfelbäumchen kann sein, dass einer nicht wieder zurückschlägt, sondern auf den anderen zugeht. Ein solches Apfelbäumchen kann sein, dass man miteinander zusammen redet, anstatt sich nur gegenseitig zu beschuldigen. Ein solches Apfelbäumchen kann sein, dass man von seinem Reichtum etwas abgibt, damit der andere auch etwas zu leben hat.

Es ist Frühling! Und auch wenn morgen die Welt nicht untergeht. Einen Platz, um einen Apfelbaum zu pflanzen, findet jeder. Ich wünsche ihnen einen segensreichen Frühling.

Vikar Ingo Lüderitz

Erstellt: 9.1.2005
Zuletzt aktualisiert: 27.3.2009 17:56 Uhr
Redakteur: Simone Schreiner