Predigt und Liturgie - Christmette 2007
Drei merkwürdige Gäste und ein guter Stern
Erzähler: Diese Nacht ist die Nacht der wundersamen Geschehnisse, hervorgerufen von der Geburt des Kindes im Stall zu Bethlehem. Eine solch eigenartige Gesichte will ich heute Nacht erzählen, die in keinem Buch verzeichnet ist
Die vornehmen Leute aus dem Osten hatten den Stall und die Krippe noch nicht lange verlassen, da trug sie in Bethlehem zu. Wie die Reitergruppe der Könige gerade am Horizont verschwand, näherten sich drei merkwürdige Gestalten dem Stall. Die erste trug ein buntes Flickenkleid und kam langsam näher. Zwar war sie wie ein Spaßmacher geschminkt, aber eigentlich wirkte sie hinter ihrer lustigen Maske sehr, sehr traurig. Erst als sie das Kind sah, huschte ein leises Lächeln über ihr Gesicht. Vorsichtig trat sie an die Krippe heran und strich dem Kind zärtlich über das Gesicht. Vorsichtig trat sie an die Krippe heran und strich dem Kind zärtlich über das Gesicht.
Sie: "Ich bin die Lebensfreude. Ich komme zu dir, weil die Menschen nichts mehr zu lachen haben. Sie haben keinen Spaß mehr am Leben. Alles ist so bitterernst geworden."
Erzähler: Dann zog sie ihr Flickengewand aus und deckte das Kind damit zu.
Sie: "Es ist kalt in dieser Welt. Vielleicht kann dich der Mantel des Clowns wärmen und schützen."
Erzähler: Darauf trat die zweite Gestalt vor. Wer genau hinsah, bemerkte ihren gehetzten Blick und spürte, wie sehr sie in Eile war. Als sie aber vor das Kind in der Krippe trat, schien es, als falle alle Hast und Hektik von ihr ab.
Sie: " Ich bin die Zeit",
Erzähler: Und sie strich dem Kind zärtlich über das Gesicht.
Sie: " Eigentlich gibt es mich kaum noch. Die Zeit sagt man, vergeht wie im Flug. Darüber haben die Menschen aber ein großes Geheimnis vergessen. Zeit vergeht nicht. Zeit entsteht. Sie wächst wie Blumen und Bäume. Sie wächst überall dort, wo man sie teilt."
Erzähler: Dann griff die Gestalt in ihren Mantel und legte ein Stundenglas in die Krippe.
Sie: "Man hat wenig Zeit in dieser Welt. Diese Sanduhr schenke ich dir, weil es noch nicht zu spät ist. Sie soll dir ein Zeichen dafür sein, dass du immer soviel Zeit hast, wie du dir nimmst und anderen schenkst."
Erzähler: Dann kam die dritte Gestalt an die Reihe. Die hatte ein geschundenes Gesicht voller dicker Narben, so als ob sie immer und immer wieder geschlagen worden wäre. Als sie aber vor das Kind in der Krippe trat, war es, als heilten die Wunden und Verletzungen, die ihr das Leben zugefügt haben musste.
Sie: "Ich bin die Liebe.“
Erzähler: Und sie strich dem Kind zärtlich über das Gesicht.
Sie: "Es heißt, ich sei viel zu gut für diese Welt. Deshalb tritt man mich mit Füßen und macht mich fertig."
Erzähler: Während die Liebe so sprach, musste sie weinen und drei dicke Tränen tropften auf das Kind.
Sie: " Wer liebt, hat viel zu leiden in dieser Welt. Nimm meine Tränen. Sie sind, wie das Wasser, das den Stein schleift. Sie sind wie der Regen, der den verkrusteten Boden fruchtbar macht und selbst die Wüste zum Blühen bringt."
Erzähler: Da knieten die Lebensfreude, die Zeit und die Liebe vor dem Kind des Himmels. Drei merkwürdige Gäste brachten dem Kind ihre Gaben dar. Das Kind aber schaute die drei an, als ob es sie verstanden hätte. Plötzlich drehte sich die Liebe um und sprach zu den Menschen, die dabeistanden.
Sie: "Man wird dieses Kind zum Narren machen, man wird es um seine Lebenszeit bringen und es wird viel leiden müssen, weil es bedingungslos lieben wird. Aber weil es Ernst macht mit der Freude und weil es seine Zeit und Liebe verschwendet, wird die Welt nie mehr so wie früher sein. Wegen dieses Kindes steht die Welt unter einem neuen, guten Stern, der alles andere in den Schatten stellt."
Erzähler: Darauf standen die drei Gestalten auf und verließen den Ort. Die Menschen aber, die all das miterlebt hatten, verstanden in diesem Kind liegen verborgen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis. Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig, und an dieser Fülle habt ihr teil in ihm, der das Haupt aller Mächte und Gewalten ist. (Kolosser 2,3+9-10)
Liturgie
Orgelvorspiel
Lied: EG 45,1-4 Herbei o ihr Gläubigen
Begrüßung
Es ist Nacht geworden
Durch die Dunkelheit sind wir hierher gekommen.
Es ist dunkel wie in jeder Nacht,
und doch ist diese Nacht nicht wie die anderen Nächte.
Diese Nacht ist eine besondere Nacht.
Diese Nacht hat ein Geheimnis.
In dieser Nacht hat sich der Himmel geöffnet.
Gott ist Mensch geworden.
Deshalb nennen wir sie heilige Nacht.
Gott erscheint auf Erden. Ein Kind, neugeboren im Stall.
In das Dunkel der Nacht fällt das Licht.
Gott ist Mensch geworden.
Das feiern wir heute.
Im Namen Gottes, in der das Leben wohnt,
im Namen Jesu Christi, der Mensch geworden ist,
und im Namen der Heiligen Geisteskraft, die uns Hoffnung
und Lebensfreude schenkt.
Kirchenchor: Die schönste Zeit im Jahr
Gebet
Gott, heute Nacht ist heilige Nacht
Wir horchen in diese Nacht der Nächte hinaus.
Die Botschaft der Engel möchten wir hören.
Den Lichtglanz des Sterns von Bethlehem möchten wir sehen.
Deine Ankunft in der Welt möchten wir spüren.
Noch sind wir voller Eindrücke dieses Tages.
Darum bitten wir dich:
Lass uns zur Ruhe kommen.
Ankommen.
Bei dir und bei uns selbst.
Öffne unsere Herzen und Sinne.
Mach uns empfänglich für das Wunder dieser Nacht.
Darum rufen wir zu dir: Kyrie eleison
Kyrieruf: EG 178.9
Weihnachtspsalm
Sieh umher,
sieh dich um
und in dich hinein,
ob du ein Licht siehst
und es selber nicht verdunkelst;
ein Licht, das sich erleuchtet
und alles erhellt, was der Hoffnung dient.
Und siehe:
Das Volk, das im Finstern wandelt,
sieht ein großes Licht
und über denen, die da wohnen im finstern Lande,
scheint es hell.
Sieh umher,
sieh dich um
und schau hinter die Kulissen:
Das ist das Volk,
das im Finstern wandelt,
und sich eingerichtet hat,
immer ein wenig mit Angst besetzt,
aber auch mit der Sehnsucht,
sich über die Angst hinwegzusetzen,
um eines Tages dem Glück zu begegnen.
Und siehe:
Das Volk, das im Finstern wandelt,
sieht ein großes Licht,
über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell.
Sieh umher,
sieh dich um,
ob du die kleine Hoffnung entdeckst,
gewickelt, aber nicht eingewickelt,
geboren, aber nicht konstruiert,
lebendig - und nicht tot zu kriegen.
Denn klein ist der Keim
aller Hoffnung, und
bevor der Baum blüht und Früchte trägt
wird er gepflanzt im Acker unserer Sehnsucht
für den Frieden und Gerechtigkeit.
Und siehe:
Das Volk, das im Finstern wandelt,
sieht ein großes Licht,
über denen, die da wohnen im finstern Lande,
scheint es hell.
Sieh umher,
sieh dich um,
in dich hinein,
ob in dir diese Hoffnung keimt,
du diese Früchte trägst,
und frieden eine ansteckende Gesundheit ist
für dich .- und die, mit denen du lebst.
Dann siehe:
Das Volk, das im Finstern wandelt,
sieht ein großes Licht,
über denen, die da wohnen im finstern Lande,
scheint es hell.
Lied: EG 47,1-2+4 Freu dich, Erd und Sternenzelt
Weihnachtsgeschichte im Dialekt 1
Lied: EG 24,1-6 Vom Himmel hoch
Weihnachtsgeschichte im Dialekt 2
Lied: EG 35,1+3+4 Nun singet und seid froh
Weihnachtsgeschichte im Dialekt 3
Lied: EG 40, 1- 3 Dies ist die Nacht, da mir erschienen
Predigt: s. o.
Kirchenchor: Wiegenlied
Glaubenskenntnis
Wir glauben an Gott, den Ursprung von allem
was geschaffen ist,
die Quelle des Lebens,
aus der alles fließt,
das Ziel der Schöpfung,
die auf Erlösung hofft.
Wir glauben an Jesus Christus,
den Gesandten der Liebe Gottes,
von Maria geboren.
Ein Mensch, der Kinder segnete,
Frauen und Männer bewegte,
Leben heilte und Grenzen überwand.
Er wurde gekreuzigt.
In seinem Tod
hat Gott die Macht des Bösen gebrochen
und uns zur Liebe befreit.
Mitten unter uns ist Jesus Christus gegenwärtig
und ruft uns auf seinen Weg.
Wir glauben an Gottes Geist,
Weisheit von Gott,
die wirkt, wo sie will.
Sie gibt Kraft zur Versöhnung
und schenkt Hoffnung,
die auch der Tod nicht zerstört.
In der Gemeinschaft der Glaubenden
werden wir zu Schwestern und Brüdern,
die nach Gerechtigkeit suchen.
Wir erwarten Gottes Reich. Amen
Lied: EG 56, 1-+4-5 Weil Gott in tiefster Nacht erschienen
Fürbittengebet
Gott, du hast Wohnung unter uns genommen
und überall, wo Menschen wohnen, willst du bei uns sein.
Wir bitten dich heute Abend für die Menschen,
die mit Sorgen und Verzweiflung in diese Nacht gehen,
nicht wissend, wo sie und ihre Familien in Zukunft leben werden.
Steh ihnen bei, daß sie eine Perspektive finden.
Hilf uns, Sorgen und Güter miteinander zu teilen.
Wir rufen: Gott, erhöre uns.
Wir denken vor dir heute Abend an die Männer und Frauen,
die in unserer Zeit kein Dach über dem Kopf haben
und nicht wissen, wo sie heute oder morgen zur Ruhe kommen.
Steh ihnen bei, dass sie Hilfe finden.
Hilf uns, an ihrer Not nicht vorbei zu sehen.
Wir rufen: Gott, erhöre uns.
Wir denken vor dir heute Abend an die Menschen,
die andere in ihrer Not beraten und begleiten
und täglich gegen die Teufelskreise der Armut ankämpfen.
Steh ihnen bei, dass sie Mut, Energie und Hoffnung nicht verlieren.
Hilf uns, die uns brauchen, nicht allein zu lassen.
Wir rufen: Gott, erhöre uns.
Wir bitten dich heute Abend auch für alle,
die glücklich und sicher leben
und sorglos dem Morgen entgegensehen.
Steh ihnen bei und gib ihnen ein offenes Herz
für ihre Mitmenschen.
Hilf uns allen, in Gerechtigkeit und Frieden miteinander zu leben.
Wir rufen: Gott, erhöre uns.
Vaterunser
Segen
Nicht, dass jedes Leid Dich verschonen möge,
noch dass Dein zukünftiger Weg stets Rosen trage,
keine bittere Träne über Deine Wangen komme
und kein Schmerz Dich quäle -
dies alles wünsche ich Dir nicht.
Sondern:
Dass dankbar Du allezeit
bewahrst die Erinnerung an gute Tage.
Dass mutig Du gehst durch Prüfungen,
auch wenn das Kreuz auf Deinen Schultern lastet,
auch wenn das Licht der Hoffnung schwindet.
Was ich Dir wünsche:
Dass jede Gabe Gottes in Dir wachse,
dass einen Freund Du hast,
der Deiner Freundschaft wert.
Und dass in Freud und Leid
das Lächeln des Mensch - gewordenen Gotteskindes
Dich begleiten möge. Amen.
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