Chronik der evangelischen Kirche in Windesheim
![]() Evangelische Kirche Windesheim |
Erstmals wird die evangelische Kirche in Windesheim in der Chronik erwähnt, als Papst Eugen II. 1147 der Abtei Deutz (Köln) ihre Besitzungen bestätigt. Aus dieser Zeit stammt noch der Turm des heutigen Baues. Später in der Geschichte ging die Kirche mit den Besitzungen der Abtei an die Rheingrafen über. 1467 gingen Pfarrsatz und Zehnter an die Stiftskirche zu Kirn. 1520 wurde die Kirche diesem Stift einverleibt. 1504 wurde die Kirche zerstört, 1517 neu eingeweiht. Das heutige Schiff entspricht dem damaligen Neubau. Der Anbau der Sakristei erfolgte im 18. Jahrhundert.
Um 1557 wurde das lutherische Bekenntnis eingeführt. Das seit 1688 bestehende Simultaneum (gemeinsame Benutzung der Kirche durch beide Konfessionen) wurde 1898 aufgelöst.
Der Turm
Der Turm (12. Jahrhundert) hat drei durch Lisenen gegliederte Geschosse. In den beiden unteren sind einfache Schlitze, das oberste Geschoss hat 2 auf Mittelsäulen gekuppelte Rundbogenfenster unter Blendbogen, darüber 3 auf Säulen gekuppelte Rundbogenfenster. Die Kapitelle der Mittelsäulen bestehen aus Wulst und Kehle. Der Kämpfer endet in seiner Schnecke. Eine Basis trägt Eckblatt. Der Turmhelm ist eine achtseitig geschieferte Pyramide.
Das Kirchenschiff
Das Schiff hat 5 Fensterachsen und ist vermutlich beim Neubau um ein Seitenschiff (Südseite) gekürzt worden, so dass Chor und Turm nicht mehr die Mittelachse bilden. An der Südseite ist das Türfenster eines ehemaligen Seitenschiffes erhalten geblieben.
Chor
Der Chor, vermutlich aus der Zeit vor 1504 (wegen des gleichen Sockelgesimses mit der Nordwestseite), schließt mit 5 Seiten des Achtecks unmittelbar an die Südseite an. Er hat zweiteilige Fenster mit Fischblasen-Maßwerk. Chor und Langhaus haben einen gemeinsamen Dachfirst, so dass das Chordach schief sitzt. Die Sakristei wurde im 18. Jahrhundert im Nordosten angebaut.
Decke
Die Decke enthält Reste eines nicht mehr vorhandenen Gemäldes (Hl. Michael mit Drachen). Im Chor sind u. a. die 4 Symbole des Evangelilisten (Markus = Löwe, Matthäus = Engel, Lukas = Stier und Johannes = Adler), über der Kanzel der Narr ("wir sind Narren um Christi willen", 1. Kor. 4, 10), verschiedene Kreuzzeichen und reiche Arabesken zu sehen.
Die Kanzel
Die Kanzel (1790) ist verziert mit Pilastern und Lorbeergehängen. Der Schalldeckel besitzt einen vasenbekrönten Mittelpunkt. Bis 1968 stand die Kanzel an der Stelle, wo sich heute das Taufbecken befindet. Das Taufbecken aus rotem Sandstein, ursprünglich aus dem Mittelalter, wurde 1967 renoviert.
Das Abendmahlsgerät besteht aus 3 Kannen aus Zinn (um 1750), von Gabriel Syren hergestellt, je 2 silbernen Kelchen, 22,5 cm hoch, und Tellern (um 1837), gemacht von Busch.
Orgel
Die Orgel, 1792 erbaut von der Firma Stumm, Rhaunen, wurde 1969 von der Firma Gebrüder Oberlinger restauriert. Sie hat 30 Register und 5 Setzerkombinationen, feststehend Orgel, Plenum und Tutti, 2 Manuale und 2 Pedalkoppeln. Der Prospekt weist reiches Schnitzwerk (1792) auf, an den Seiten Vasen und Fruchtgehänge, auf dem Mittelteil Aufsatz mit Musikinstrumenten. Bis zur letzten Renovierung befand sich die Orgel im Chorraum.
Kirchentüren
Die Kirchentüren aus Bronze, 1967 eingebaut, zeigen die Taufszene "Jesus am Jordan". Über der Tür an der Nordseite steht die Inschrift: Ann DNI XVC - XVII JARR. Die Sakristei hat eine spätgotische Tür.
Die Glocken der Kirche
Die ehemals drei Glocken - um 1650 wurde durch Blasen eines Horns zum Gottesdienst gerufen, da die Glocken geraubt waren - , gegossen von Rincker in Sinn und aus kriegsbedingten Gründen eingeschmolzen, wurden am 13.07.1948 - 4 Stück an der Zahl - , gegossen vom Bochumer Verein Glockengießerei, in den erneuerten Glockenstuhl eingebaut.
Die Umschriften lauten:
1. Glocke: Nr. 238, 1946, BVG, Im Gedenken an Otto Schmitt,
"Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, haltet an am Gebet." (Römer 12, 12)
2. Glocke: Nr. 226, 1946, BVG, Im Gedenken an Rudolf Sinß,
"Alle eure Dinge lasst in der Liebe geschehen." (1. Korinther 16, 14)
3. Glocke: Nr. 505, 1947, BVG, Familien Siedentopf und Großmann, Bannmühle, "Wachet, stehet im Glauben!" (1. Korinther 16, 13)
4. Glocke: Nr. 653, 1947, BVG, Im Gedenken an Otto Knodel,
"Haltet an am Gebet. (Kolosser 4, 2)
Renovierungen
In diesem Jahrhundert wurde die Kirche um 1932 innen renoviert, 1966-69 erfolgte eine völlige Renovierung der Kirche. Im Innenraum wurde die Orgel aus dem Chorraum an die Westseite, die Kanzel an die Sakristeiseite versetzt, die Empore heraus genommen, das Gestühl und der 1947 gestiftete Holzleuchter (Walter Dielhenn), die Grabsteine im Kirchenboden sowie der Sandsteinaltar völlig entfernt, und die Reste der unter Putz aufgedeckten bemalten Holzdecke fanden im Chorraum ihren neuen Platz.
Die ehemalige Friedhofsmauer wurde 1990 ortstypisch mit rotem Sandstein wieder aufgebaut.
Eine erneute Außenrenovierung der Kirche erfolgte 1995-97, um vor allem Feuchtigkeitsschäden zu beheben. Im Jahr 2000 schloss sich daran die Innenrenovierung an. Dank der jahrzehntelangen Sammlung der Frauenhilfe und des Frauenchores konnten in den folgenden Jahren im Chorraum drei neue Fenster des Künstlers Hans Loser aus Hargesheim eingebaut werden. Als nächstes Projekt ist die Neupflasterung des Eingangsbereiches vorgesehen.
