Geistliches Wort – "Erntedank"
Erntedank, was ist das für ein Fest? Ist es ein Überbleibsel aus einer Zeit, in der es noch von der jährlichen Ernte abhing, ob man den Winter überlebte? Erntedank, der Name scheint in Zeiten zu weisen, in denen vor allem die Landwirtschaft das Leben in der Gesellschaft bestimmte und nicht die Industrie und der Dienstleistungsbereich. Heute haben wir ganzjährig Nahrungsmittel in selbstverständlicher Fülle oder sogar Überfülle. Wozu also noch Erntedank feiern?
Es geht auch heute beim Erntedankfest in erster Linie darum, bewusst Gott für die Ernte von Nahrungsmitteln zu danken. Wenn auch der direkte Bezug zu den ureigenen Ernteprodukten in unserer heutigen Gesellschaft viel zu häufig fehlt, weil die Milch aus der Tüte und eine Vielzahl von Gemüsesorten aus der Dose kommen sowie Fisch und Fleisch in den Tiefkühltruhen lagern. Erntedank soll neben dem Dank für Essen und Trinken auch dazu anregen immer wieder den Dialog zwischen Landwirtschaft und Verbraucher zu suchen.
Dass wir hier in Deutschland und Europa keine Not haben, ist nicht selbstverständlich - nicht nur mit Blick auf die fernen Länder. Die immer wieder entstehenden Hurrikans mit ihrer sintflutlichen Zerstörungen machen deutlich, mit welcher Naturgewalt innerhalb kürzester Zeit Häuser und Dörfer aber auch die auf dem Feld stehenden Früchte vernichtet werden können.
In der Geschichte vom reichen Kornbauern (Lukas 12, 13-21) sagt Jesus uns:
"Sammelt euch Schätze, die vor Gott reich machen!"
Was mit diesem "reich sein" vor Gott gemeint ist, lässt Jesus im Gleichnis offen. Deutlich wird uns aber, wie vergänglich materielle Güter sind, wie schnell Wohlstand bedeutungslos werden kann. Unser Leben soll deshalb aus Geben und Nehmen, Haben und Loslassen bestehen. Die Erntedankzeit ist für uns wichtig, weil sie uns hilft, uns immer wieder bewusst zu machen, dass auch das tägliche Brot nicht eine Selbstverständlichkeit ist, wie es nach außen hin so oft erscheinen mag.
Das schwerste Wort
heißt nicht Popocatepet,
wie der Berg in Mexiko.
Und nicht Chichicastenago,
wie der Ort in Guatemala.
Und nicht Quagadougou,
wie die Stadt in Afrika
Das schwerste Wort heißt für viele
Danke!
(Josef Reding)
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