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Geistliches Wort – "Den Glauben leben"

Aus der Konfirmationspredigt: Den Glauben leben

Es war eher eine schüchterne Anfrage eines Konfis: „Warum sollen wir denn die Aussagen des Glaubensbekenntnisse gerade in ein Haus setzen?“ und nach einer kleinen Pause: „Das Bekenntnis gehört doch in die Kirche oder?“

„Du hast schon Recht. In der Kirche sprechen wir es Sonntag für Sonntag im Gottesdienst. Es erinnert uns daran, welchem Gott wir unser Vertrauen schenken, auf wen wir hören und von welchem Geist wir uns leiten lassen. Der Glaube bestimmt unseren Alltag. Darum haben wir diese Vorlage erstellt. Sie soll Euch anleiten, den Glauben in den Alltag hinein zunehmen.“ 

Heute an Eurer Konfirmation bekräftigt Ihr nun mit Eurem Ja, diesen Glauben in Eurem Alltag zu leben. Dieses Ja liegt begründet in dem dreifachen Staunen: Woher komme ich? Wozu bin ich da? Wohin gehe ich?

1. Du bist einmalig

Es gibt seit etwa fünfzigtausend Jahren Menschen auf dieser Erde. Bis zum heutigen Tag haben viele Milliarden Menschen gelebt. Zurzeit bevölkern rund 7 Milliarden die Erde: Schwarze, Rote, Gelbe, Weiße, Alte und Junge, Große, Kleine, Dicke und Dünne, Blonde, Dunkelhaarige, Brünette, Rothaarige, welche mit viel und welche mit wenig Haaren. Sie haben verschiedene Vor- und Familiennamen. Es gibt aber immer wieder einige, die etwas gemeinsam haben, im selben Jahr, ja am selben Tag, sogar zur selben Stunde oder Minute geboren sind, die denselben Namen tragen, gleich groß oder gleich schwer sind. Manche sehen sich auch ähnlich durch Zufall oder weil sie verwandt sind. Einige sind auch gleich geschickt oder gleich weniger geschickt, sie haben denselben Beruf und das gleiche Hobby. Und trotzdem ist kein einziger von all denen du. Du bist von all den vielen, die es auf dieser Welt gab und gibt, einmalig. In einem Tauflied heißt der Refrain:

Du bist gewollt, kein Kind des Zufalls,
keine Laune der Natur, ganz egal,
ob du dein Lebenslied in Moll singst oder Dur.
Du bist ein Gedanke Gottes, ein genialer noch dazu.
Du bist du, das ist der Clou, ja der Clou. Ja, du bist du!

Von Gott kommst Du her. Du bist einmalig. Du bist ein von Gott gewollter und geliebter Mensch.

2. Du bist erlöst

Im kirchlichen Unterricht haben wir uns besonders intensiv mit Jesus Christus beschäftigt. An ihm können wir wie in einem Spiegel erkennen, wie groß Gottes Liebe zu uns Menschen, ja zu unserer Welt ist. Jesus geht im Vertrauen auf Gott seinen Weg. Sein Leiden und Sterben mag menschlich gesehen ein Scheitern gegenüber den Realitäten der Welt zu sein. Doch Gott schweigt nicht. Sein Leben schaffendes Wort überwindet Hass und Neid, Leid und Tod. Er weckt Jesus auf. Diese Botschaft erschüttert und erregt immer noch Menschen. So dichtet der Kabarettist und Christ Hanns Dieter Hüsch:

Ich bin vergnügt erlöst befreit
Gott nahm in seine Hände
Meine Zeit
Mein Fühlen Denken
Hören Sagen
Mein Triumphieren
Und Verzagen
Das Elend
Und die Zärtlichkeit

Vergnügt, erlöst, befreit: Für mich bringt keine andere Formel besser auf den Punkt, was einen evangelischen Christen ausmacht – oder in meinen Augen ausmachen sollte. Befreit von Ängsten, erlöst von Sünden, wer sollte da nicht vergnügt leben können?  Wer sollte da nicht fröhlich sein? Wer sollte da nicht lachen?

Denn genau daran sollten Christen zu erkennen sein, dass wir bei allem Ernst des Lebens doch spüren lassen, was der tiefe Grund unseres Lebens ist, dass wir durch Jesus Christus  erlöst sind.

Irgendwo habe ich folgendes gelesen: Im Jahre 1920 haben die Europäer im Durchschnitt täglich 19 Minuten gelacht – im Jahre 2007 nur noch 6 Minuten.

Ist es da nicht an der Zeit auf die Frage „Wozu bin ich da?“  darauf fröhlich in unserem Alltag mit Herz, Mund und Händen zu antworten: Dazu bin ich da: Meinen Glauben zu leben. Vergnügt, erlöst, befreit.

3. Du bist nicht allein

Mit Eurer Konfirmation werdet Ihr heute als mündige Christen hinein genommen in  die weltweite Kirche. Wenn ich Euch gleich einzeln beim Namen nenne, Euren Denkspruch vorlese und Gottes Segen erbitte, dann dürft ihr gewiss sein: dass jede und jeder vor Gott wichtig ist. Dann empfangt Ihr Gottes Geist als Euren steten Freund und Begleiter. Er will Euch wie uns alle für das Gute begeistern und uns mit seiner Liebe erfüllen.

Darum bittet der Liederdichter Paul Gerhardt:

Hilf mir und segne meinen Geist
mit Segen, der vom Himmel fleußt,
dass ich dir stetig blühe;
gib, dass der Sommer deiner Gnad
in meiner Seele früh und spat
viel Glaubensfrüchte ziehe,
viel Glaubensfrüchte ziehe.

Lasst  also die Früchte des Geistes auch in Eurem Leben wachsen:

„Liebe, Freude, Frieden, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung“
(Galater 5,22-23).

Denn der Geist führt uns zu anderen, vor allem zu denen, die ärmer sind als wir. In gelebter Solidarität mit denen, die auf Hilfe angewiesen sind, kann der Heilige Geist unser Leben mit seinem Licht überfluten.

Wohin gehe ich? lautet die letzte Frage. Und wir können nur mit dem Psalmbeter sprechen:

„Dein guter Geist leite mich!“
(Psalm 143,10).

Amen.

 

Gesegnete Pfingsten wünschen Ihnen

Ihr Prädikant Manfred Zuzak und
Ihr Pfarrer Wolfgang Fleißner

Erstellt: 3.6.2011
Zuletzt aktualisiert: 3.6.2011 07:34 Uhr
Redakteur (nicht zwingend Autor): Anders Grüning

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