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Gottesdienst - Kerb 2005 - Dialogpredigt

Wir möchten heute von einem Mann erzählen, der Geschichte gemacht hat. Dabei spielen die Fäden, die Sie in der Hand halten eine Rolle. Da ist zunächst der graue Faden, der Faden des Alltags. Es erinnert an das Einerlei des Lebens: Aufstehen - Essen und Trinken - zur Arbeit gehen - Probleme wälzen - Konflikte lösen - kämpfen - müde werden - schlafen. So beginnt auch die Alltagsgeschichte unseres Mannes.

Nun spann uns nicht so lang auf die Folter, wen meinst du denn konkret? Was du da erzählst, das könnte ein jeder, eine jede von uns sein.

Also der Mann heißt Petrus, der Fischer. Er ist vermutlich in einem sehr engmaschigen Erewartungsgeflecht aufgewachsen. In weit aus stärkeren Maße als wir ist er geprägt worden von den Forderungen an einen redlichen, frommen Bürger seiner Zeit. Es gab klare Anweisungen: das ist gut und das ist schlecht. Das sollst du tun und das sollst du besser sein lassen.

Aha, Petrus, den kenn ich doch. Da gibt es viele Geschichten über ihn in der Bibel. Aber was ist so besonders an ihm?

Na, das Besondere ist, dass er Jesus begegnet. Eines Tages setzt Jesus sich in sein Boot und predigt den Menschen am Ufer. Dann bittet er Petrus auf den See hinaus zu fahren.

Die Geschichte kennt wohl jedes Kind. Unerwartet macht Petrus den größten Fischfang seines Lebens. Das soll etwas Besonderes sein?

Ja, denn hier wird deutlich, wofür der blaue Faden steht. Mit Gott machst du ganz neue Erfahrungen. Schau: bisher lebt Petrus von seinen kleinen Zügen Fischzügen  - auf dem See bei Nacht. Oftmals erfolglos wie in der letzten Nacht. Doch gegen das Wort Jesu: "Fahr hinaus!" - kommt er mit all seiner Erfahrung nicht an.

Wie gut, sonst hätte Petrus die Großzügigkeit nicht kennen gelernt.
Genau, die meine ich. Der wunderbare Fischzug gegen alle Alltagserfahrung lässt Petrus erschrecken: "Herr geh von mir hinaus." Doch Jesus sagt nur: "Komm, folge mir nach!"

Du willst sagen, Gottvertrauen bringt Farbe ins Leben. Doch warum hältst du einen violetten Faden in der Hand?

Das Gottvertrauen beflügelt Petrus. Er wird ein 100 % Nachfolger. Fasziniert ist er. Ich will dir folgen, Herr, - auch dorthin, wo normalerweise kein Mensch gehen kann. So tritt er über das Boot und geht über die aufgetürmten Wellen auf Jesus zu.

Dabei erlebt er aber richtig Schiffbruch, als die Angst größer wird als die Wellen, sein Glaube überspült wird, da beginnt er zu sinken. Da löst sich sein Glauben wie Seifenblasen auf.

Aber - vergiss nicht - Petrus geht nicht unter. Denn Jesus hält ihn, rettet ihn. Dafür steht der violette Faden, Wohl dem, der von dieser Hand weiß, die durch alle Niederlagen trägt.

Jetzt verstehe ich. Du meinst, dass der Glaube kein Vertrauen in das eigene Vermögen, in die eigne Stärke ist, sondern allererst Vertrauen auf Gott meint. Und unsere Niederlagen demzufolge Lernschritte des Glaubens sind.

So kannst du es sehen. Darum erinnert der grüne Faden an die Hoffnung des Glaubens. In einem neueren Kirchenlied heißt es so treffend: "Es heißt, dass einer mit mir geht, der's Leben kennt, der mich versteht, der mich zu allen Zeiten kann geleiten. Es heißt, dass einer mit mir geht. Sie nennen ihn den Herren Christ, der durch den Tod gegangen ist..." (EG 209,3+4a)

Und solch eine Niederlage hat Petrus nicht nur einmal erlebt. Ich meine mich erinnern zu können, wie stark er sich fühlt, als Jesus sein Leiden und Sterben andeutet. Herr, sagt Petrus, wenn sie dich alle verlassen... Ich nicht! Da strotzt er nur so von Selbstvertrauen und dann...

...wird er kleinlaut und beginnt zu stottern. "Ich kenne diesen Menschen nicht!", als die Magd mit den Finger auf ihn zeigt: „Du warst doch auch mit diesem Jesus von Nazareth unterwegs!"
Dreimal leugnet er in jener Nacht, ehe der Hahn kräht.

Ja, vielleicht hat er sich zuviel zugemutet, als er den Hof des Hohenpriesters betrat. Also geht er hinaus und vergießt bittere Tränen über sein Versagen. Daran erinnert der schwarze Faden. Eine totale Niederlage. Es ist alles aus. Endgütig.

Nein, auch hier gibt es etwas Besonderes. Jesus sieht ihn an. Wortlos. Dieser Blick ist wie ein Türspalt, der noch offen ist. So fällt wenig Licht in das schwarze Loch der Seele.

Also ich weiß nicht. Zunächst  überrollen die Ereignisse um Jesus - die Verhöre, die Auspeitschung, die Kreuzigung - die Stunden und Tage. Da weint einer über seine Vermessenheit, seinen Hochmut, über seine Schwäche. Da sehe ich keinen noch so kleinen Hoffnungsschimmer.

Und dennoch bleibe ich dabei, dass darin unerwartet Hoffnung liegt. Schau, hier in der Kirche gibt es im Chorraum ein Kreuzigungsbild. Es spricht mich immer wieder an. Der Künstler hat das Kreuz grün gestaltet. Da liegt unsere Hoffnung begründet. Genau das will der grüne Faden andeuten.

Du meinst, Jesus überlässt uns nicht selbst. Wir sind nicht allein mit unseren Niederlagen, unseren bedrückenden Erfahrungen. Es gibt einen Neuanfang, eine zweite Chance, wie manche sagen.

Gewiss. Petrus hat einen solchen Neuanfang erlebt. In der österlichen Zeit begegnet er dem Auferstandenen am See Tiberias.

Dreimal fragt ihn Jesus. "Simon hast du mich lieb." Darauf antwortet Petrus jedes Mal: "Herr, du weißt es!" Und dann erhält er den Auftrag: "Weide meine Lämmer!"

Siehst du, anschaulicher kann das Evangelium nicht erzählt werden: Gott denkt nicht an dein oder mein Versagen. Gott denkt an den weiteren Weg, an die Zukunft. Sie will er bauen mit dir und mir, mit uns allen. Deshalb spannt der das Netz neu, fügt den gelben Faden ein. Er weist auf die Sonne, die über ihn aufgeht. Die Sonne des Glaubens, die täglich neu uns leuchtet.
Erstaunlich, dass auf Menschen wie Petrus Gott seine Kirche gegründet hat, auch auf die Gefahr hin, dass sie an Glaubensfurcht unterzugehen, an Überschätzung zu scheitern droht, Niederlagen durchleidet, am Boden liegt.

Erstaunlich finde ich, dass Gott solch Langmut mit uns Menschen, mit seiner Kirche hat, die sich in so vielen Konfessionen zeigt, - gestern wie heute und auch noch morgen.

Sag mal, was besagt der rote faden in deiner Hand. Ist der zufällig übrig geblieben oder hat er auch eine Bedeutung.

Oh, ja, beinahe hätte ich es vergessen. Ohne diesen Faden wäre alles nichts. Denn davon leben wir als Einzelne wie als Gemeinde und Kirche. Der Faden erzählt von der Liebe, mit der Gott uns umfängt. Mit Liebe beginnt er immer wieder neu die Geschichte. Die persönliche Geschichte wie die Kirchengeschichte.

Du meinst, Gottes Liebe ist der rote Faden. Darüber können und dürfen wir uns freuen, wie es in einem Kinderlied so schön heißt. "Gottes Liebe ist wie die Sonne. Sie ist immer und überall da."

Ja, so ist es. Darum feiern wir Kerb, Kirchweih; denn Gottes Liebe gilt uns und wir sollen sie anderen mit Herz, Mund und Händen zeigen.

Dann lass uns jetzt das Fischernetz als Zeichen der Nachfolge knüpfen.

Erstellt: 14.8.2005
Zuletzt aktualisiert: 2.4.2011 09:24 Uhr
Redakteur: Anders Grüning

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