Chronik

"Gott loben, das ist unser Amt ..."


So steht es im bei Posaunenchören äußerst beliebten Notenbuch "Lobt Gott" gleich zu Beginn geschrieben. Nun kommt der Evangelische Posaunenchor Windesheim bereits seit 50 Jahren diesem Auftrag nach. Ein halbes Jahrhundert - Zeit zum Feiern, gewiss. Aber auch Zeit, darüber nachzudenken, wie aus einer kleinen Gruppe engagierter (Neu-) Bläser im Jahr 1953 einer der größten, bekanntesten und erfolgreichsten Posaunenchöre der evangelischen Kirche im Rheinland wurde. Eine wahre Erfolgsgeschichte, mit Höhen und Tiefen, an der heute immer noch weiter geschrieben wird.

Erntedankfest 1953

Erntedankfest 1953

Im Sommer des Jahres 1953 besuchte ein Posaunenchor aus Dortmund die evangelische Kirchengemeinde Windesheim. Unter dem Eindruck der Musik des Dortmunder Vereins beschlossen einige Windesheimer die Gründung eines eigenen Posaunenchores. Man nahm Gespräche mit dem damaligen Windesheimer Pfarrer Erwin Gestrich auf und fühlte sich zur Gründung eines Evangelischen Posaunenchores Windesheim ermutigt.

Acht Tage vor dem Erntedankfest 1953 versorgte eine Abordnung des Dortmunder Chores die Windesheimer Bläser so gut es ging mit dem notwenigen bläserischen Basiswissen. Eine Woche später folgte dann der erste Auftritt als Posaunenchor: "Danket dem Herrn" und "Großer Gott wir loben dich" sollten als die ersten Choräle in die Geschichte des Posaunenchores eingehen. Als Gründungsmitglieder sind in den Quellen verzeichnet: Pfarrer Erwin Gestrich, Heinrich Hörpel, Simon Ohler, Walter Hartmann, Helmut Schneider, Wilhelm Mähringer, Friedhelm Becker und Wilhelm Zuck.

1954 wuchs der junge Chor, dem das damalige Presbyterium keine großen Zukunftschancen prognostizierte, nochmals um sechs junge Mitspieler: Friedel Kauer, Dieter Kasper, Erich Schmitt, Walter Velten, Hans-Werner Hartmann und W. Gestrich.

Posaunenchor 1963

Posaunenchor 1963

Die Aufzeichnungen im ersten Band des Schriftführerbuches, damals von Helmut Schneider geführt, beginnen mit der Generalversammlung vom 1. Juni 1962. Mitgründer Pfarrer Erwin Gestrich wurde zu dieser Zeit nach Köln versetzt und gab den Taktstock zunächst an Kurt Weber weiter.

Kurze Zeit später folgte als neuer Dirigent Heinrich Hörpel. Unter seiner Leitung konnte sich der Windesheimer Posaunenchor weiter etablieren, zweitweise zählte man über 30 aktive Mitglieder.

In den 60er Jahren begann eine Zeit der Kontinuität für den Evangelischen Posaunenchor Windesheim. Die stürmischen Gründerjahre waren vorbei, man feierte zehnjähriges, dann 15-jähriges Jubiläum. Gründungsmitglied Walter Hartmann wurde am 25. Februar 1966 zum Ersten Vorsitzenden gewählt und sollte es bis 1998 bleiben. Dirigent Heinrich Hörpel leitete den Chor von 1962 bis ins Jahr 1982 hinein, als eine junge Dame namens Christel Weyh, geborene Hartmann, das Dirigat übernahm

Posaunenchor 1983

Posaunenchor 1983

Selbstverständlich kamen auch die gesellschaftlichen Aktivitäten nie zu kurz. So unternahm man jedes Jahr eine mehr oder weniger ausgiebige Fahrt und veranstaltete ein jährliches "Spießbratenessen", aus dem sich im Laufe der Jahre das beliebte "Sommerfest" entwickeln sollte. Bereits seit 1954 verkündet der Posaunenchor um sechs Uhr morgens an Ostersonntag die Auferstehung Christi. Ob Weihnachten, Ostern, Konfirmation, Erntedankfest oder Reformation: Die Windesheimer Bläserinnen und Bläser gestalteten an allen kirchlichen Festtagen den Gottesdienst mit und wurden auch außerhalb der Kirche zu einer festen  Größe in der Gemeinde.

Ebenfalls zur festen Einrichtung wurde das seit 1980 regelmäßig stattfindende Jahreskonzert in der evangelischen Kirche. Nimmt man die Aufzeichnungen des Schriftführerbuches zur Hand, scheint der Chor ausgerechnet zu dieser Zeit in eine kleine Krise geraten zu sein - scheinbar ließ der Probenbesuch etwas zu wünschen übrig. 1981 äußerte sich Christel Weyh auf der Generalversammlung: "Vor allem sollten die Chorproben ernster genommen werden. Denn das wirkt sich ganz bestimmt positiv auf das spätere Ergebnis aus." Der damalige Erste Vorsitzende Walter Hartmann appellierte: "Zieht mit, kommt in die Übstunden, denn es macht keine Freude, wenn die Dirigentin nur vor halbem Chor steht." Und abschließend stellte Heinrich Hörpel fest: "Wir wollen unsere Eigenständigkeit als Posaunenchor bewahren. Wir wollen nicht über unseren Schatten springen - und erst recht wollen wir keine Extravaganzen. Sinn und Auftrag des Chores müssen gewahrt bleiben." Die Worte schienen gefruchtet zu haben, die kleine Krise war überstanden - 1983 feierte der Evangelische Posaunenchor Windesheim seinen 30. Geburtstag.

 

Posaunenchor 2003

Posaunenchor 2003

Mit Elan und einer guten Stammmannschaft eilte der Windesheimer Posaunenchor durch die 80er Jahre, hinein in die letzte Phase des vergehenden Jahrtausends. Die Liste aller aktiven Musikerinnen und Musiker zählte 1993, man feierte mittlerweile das 40-jährige Bestehen, 34 Personen. Eine beeindruckende Zahl, liegt die durchschnittliche Größe eines Posaunenchores doch wesentlich niedriger.

Hans-Jürgen Theobald übernahm 1998 das Amt des Ersten Vorsitzenden aus den Händen des nunmehr zum Ehrenvorsitzenden ernannten Gründungsmitglieds Walter Hartmann. Eine Ära ging zu Ende. 32 Jahre lang prägte Walter Hartmann den Posaunenchor Windesheim und ist ihm nicht nur als Ehrenvorsitzender, sondern auch als aktiver Musiker mit seinem Tenorhorn im Bass bis heute erhalten geblieben. Mit dieser Zäsur wurde ein Generationswechsel beendet, der in den späten 70er Jahren mit der Dirigententätigkeit von Christel Weyh seinen Anfang nahm.

Der Evangelische Posaunenchor Windesheim feiert nun im Jahr 2003 seinen 50. Geburtstag. Damit ist er alt geworden, ohne wirklich alt zu sein. Mitglieder der Gründergeneration spielen heute noch aktiv mit, immer wieder sind junge Musikerinnen und Musiker im Laufe der Zeit dem Chor beigetreten. Nach wie vor zählt der Posaunenchor Windesheim mit über 30 aktiven Bläserinnen und Bläsern zu den größten, bekanntesten und erfolgreichsten Posaunenchören der evangelischen Kirche im Rheinland. Und wie 1953 heißt es auch heute noch "Gott loben, das ist unser Amt."

Erstellt: 5.6.2005
Zuletzt aktualisiert: 10.1.2010 11:16 Uhr
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