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Predigt - 14. Sonntag nach Trinitatis 2009

Text:    Lukas 17,11-19
11 Und es begab sich,  als er nach Jerusalem wanderte, dass er durch Samarien und Galiläa hin zog.
12 Und als er in ein Dorf kam, begegneten ihm zehn aussätzige Männer;  die standen von ferne
13 und erhoben ihre Stimme und sprachen: Jesus, lieber Meister, erbarme dich unser!
14 Und als er sie sah, sprach er zu ihnen:  Geht hin und zeigt euch den Priestern! Und es geschah, als sie   
     hingingen, da wurden sie rein.
15 Einer aber unter ihnen, als er sah, dass er gesund geworden war, kehrte er um und pries Gott mit lauter  
     Stimme
16 und fiel nieder auf sein Angesicht zu Jesu Füßen und dankte ihm. Und das war ein Samariter.
17 Jesus aber antwortete und sprach: Sind nicht die zehn rein geworden? Wo sind aber die neun?
18 Hat sich sonst keiner gefunden, der wieder umkehrte, um Gott die Ehre zu geben, als nur dieser Fremde?
19 Und er sprach zu ihm: Steh auf, geh hin; dein Glaube hat dir geholfen.

1.Spr    Guten Morgen, hast Du das hier gelesen: Gute Manieren sind angesagt! Bei einer Umfrage, die das     Allensbach-Institut durchführte, gaben 87 Prozent der Deutschen gute Manieren als eine der wichtigsten     Tugenden an.

2.Spr     Hallo! Schön Dich zu sehen! Klar,gute Manieren gehören wieder zum guten TonAuch der Caritas-    Verband startete jüngst seine Kampagne "Soziale Manieren für eine bessere Gesellschaft". Junge     Menschen, Kinder und Jugendliche, besuchen Benimmkurse, in denen sie nicht nur lernen, das Besteck     kniggekonform zu benutzen, sondern erfahren darüber hinaus, dass Schmatzen und Niesen am Tisch     unerwünscht sind.

1Spr    Warum werden jetzt so alte Tugenden wieder neu entdeckt, als ob es die 68er nie gegeben habe, die     gegen solche vermeintlich überholten Etiketten Sturm liefen?

2Spr    Meines Erachtens gibt es dafür einen handfesten Grund: der erste Eindruck eines Menschen entscheidet     mitunter über die berufliche Karriere und das persönliche Glück. Soziologen wissen: wer sich benimmt,     hat bessere Chancen einen Job zu bekommen und einen Partner/eine Partnerin zu finden.

1Spr Hier in der Zeitung steht: „Gute Manieren sind ein wertvolles Standbein für die berufliche Zukunft."     Aber ist das     nicht nur Fassade, Etikettenschwindel so zu sagen, wenn nichts dahinter steht?

2Spr  Na, denk doch mal nach! "Bitte" und "Danke" sagen zu können gehört sicher zu den elementarsten     Eigenschaften, die im mitmenschlichen Umgang eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen. Nicht nur,     um einen guten Eindruck zu hinterlassen oder sich bei jemandem einzuschmeicheln. Wer bitten und     danken kann und dies auch bewusst äußert, weiß, dass es im Leben Abhängigkeiten gibt, dass wir     Menschen aufeinander angewiesen sind. Wir leben nun einmal nicht aus uns selbst heraus, sondern wir     sind - ob wir wollen oder nicht – eingebettet in ein mannigfaltiges Beziehungsgeflecht.

1Spr Du meinst also: Wer dankt, der  sieht die Welt mit anderen  Augen, weil er weiß: niemand lebt sich     allein. So gesehen hast Du wohl Recht, ist die Rückbesinnung auf gute Manieren durchaus zu begrüßen,     aber nur wenn sie nicht aus reiner Berechnung geschieht, sondern tatsächlich Ausdruck eines neuen     Bewussteins ist.

2Spr    Ja,  das Danken ist nicht nur gut für unsere Nächste und unseren Nächsten, sondern auch wichtig für uns     selbst. Danken ist ja nicht nur Anerkennung der Liebe und Mühe, die uns geschenkt wird und von der     wir leben, sondern auch ein Geständnis, wie sehr wir auf andere angewiesen sind, wie sehr wir einander     brauchen.
    Kranke Menschen werden dies vor allem wissen. Und wir dürfen uns ruhig angesichts des heutigen     Evangeliums daran erinnern lassen, dass wir alle nicht heil sind und uns nicht selber erlösen können.     Wir müssen uns um Gesundheit und Wohlergehen bemühen, um eine Verbesserung unserer     Lebensverhältnisse zu erreichen. Und ich denke, dass dies uns eine von Gott auferlegte Pflicht und     Schuldigkeit ist. Allerdings können wir uns deshalb nicht alles leisten.

1Spr    Das leuchtet ein: Wir Menschen brauchen Hilfe. Und wir brauchen mehr Hilfe, als unsere Nächsten uns     geben können. Dies ist auch die Situation der Aussätzigen. Ihnen ist nach menschlichem Ermessen nicht     mehr zu helfen. Ihr Schicksal ist besiegelt. Sie sind umstrickt von todbringender Fäulnis. Darum bleiben     sie auch in der Ferne stehen. Jesus aber hört ihr Rufen und erhört sie. Er ruft sie zu sich. Er schickt sie     zu den Priestern. Sie werden gesund. Und nur einer kehrt zu Jesus zurück. Die hatten wohl keine     Manieren. Die kannten das Wort „Danke“ wohl nicht.

2Spr Das ist uns nicht überliefert, dass die anderen neun undankbar gewesen wären. Sicher nicht. Alle sind     wohl dankbar und erfreut gewesen über ihre Heilung und dass sie nun wieder rein sind. Sie werden es     nicht einfach gehabt haben, in ihr normales Leben zurückzukehren. Ihr Aussatz war zwar geheilt, aber     sie hatten lange Zeit - vielleicht Jahre oder Jahrzehnte - in sozialer Isolation verbracht, hatten keinen     Anteil am gesellschaftlichen Leben. Dorthin zurückzukehren ist oft schwieriger als man denkt. Wer     einmal längere Zeit krank gewesen ist und das Haus oder die Klinik nicht verlassen konnte, wird     ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Es dauert eine Zeit lang, bis man sich im Alltag wieder     zurechtfindet.
    Aber Du hast Recht: nur einer kehrt zurück. Warum? Ich denke: Er allein erkennt in Jesus den Messias.     Er allein erkennt, dank seiner Heilung, dass in Jesus Gott am Werk ist. Er kommt zurück und lobt Gott     durch Jesus. Für die andern ist der Tempel die Stätte Gottes, der Ort, an dem man Gott Dank und Lob     darbringt; die Stätte, wo über rein und unrein befunden wird.

1Spr    Du meinst also: es geht hier nicht vordergründig um gute Manieren: „Gib mal schön die rechte Hand.     Sag mal Danke!“ – wie Erwachsene das Kindern so beibringen. Du meinst, es geht um Glauben. Den     hatten die anderen neun doch auch! Oder?

2Spr    Ja, bei allen zehn Männern stand am Anfang ein Stück Glauben. Aber nur bei einem vollendete sich der     Glaube, und das geschah durch Dank. Er allein erkennt, dass in Jesus Gott Fleisch und Blut     angenommen hat, dass in Jesus uns göttliche Macht und Liebe begegnet und dass, indem ich ihm danke,     ich Gott Dank sage. Einer allein erkennt, dass in Jesus Gott seinen Fuß in diese Welt gesetzt hat.
    Und darum wird ihm nicht nur Heilung und Reinheit zuteil, sondern Heil. Zu ihm sagt der Herr: „Steh     auf und geh! Dein Glaube hat dir geholfen!" Er wurde nicht nur gesund, sondern gerettet, nicht nur rein,     sondern erlöst, nicht nur wieder in die menschliche Gemeinschaft aufgenommen, sondern in die     Gemeinschaft der vom Tod Erlösten. Immer wird es auf diesen Glauben ankommen, für uns und unsere     Nächsten. Und auch für uns wird es darauf ankommen, in diesem Glauben zu wachsen und fest zu     gründen.

1Spr     Du meinst also: In solchen Situationen braucht man Zuspruch, sucht man nach Selbstvertrauen - und     genau das ist es, was Jesus dem Samariter schenkt. "Dein Glaube hat dir geholfen" - dieser Zuspruch     schenkt Selbstvertrauen für die neue Zukunft, die er gewonnen hat! Und damit verändert sich meine     Einstellung zu mir, zu meinem Nächsten, zu Gott.

2Spr     Du kennst bestimmt das Sprichwort: „wessen Herz voll ist, dessen Mund geht über.“  D.h. Ich darf auch     in der Öffentlichkeit den Geber nicht verschweigen. Ich kann und darf Gott vor anderen Menschen     bekennen und bezeugen. Das hat der Samariter erkannt: „Gott war es, der durch Jesus heilte, ja rettet.     Nur wenn ich Jesus verehre, kann ich in der Nähe Gottes bleiben.“

1Spr    Darüber staune ich: Was jenen Aussätzigen damals angeboten war, das gilt bis heute. Das Angebot Jesu     gilt auch nicht nur wenigen, sondern der ganzen Welt, nicht nur damals sondern auch jetzt hier und     heute. Jesus, sein Evangelium und seine Liebe, ist nicht nur Vergangenheit, sondern Gegenwart. Was     der Apostel Petrus  vor dem Hohenrat bekennt „In     keinem andern ist das Heil, auch ist kein andrer     Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir sollen selig werden.“ Das gilt auch     heute noch.

2Spr    Ja, so wird unser Gottesdienst, in dem wir Gott loben und ihm danken, jedes Mal zu Gottes Dienst an     uns. Er macht Mut zum Leben und er schenkt uns die Kraft für den Alltag. Darauf dürfen wir vertrauen    als Einzelne, wenn wir in diese neue Woche gehen, ebenso als Gemeinde, wenn wir gleich in der     Gemeindeversammlung über viele Anliegen uns austauschen und beraten: "Steht auf und geht! Ihr habt     einen Glauben, der Euch hilft." 

1Spr    Danke für das Gespräch. Bis zu nächsten Sonntag an gleicher Stelle.

2.Spr Auch ich danke Dir dafür und wünsche uns allen: Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle     Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Erstellt: 11.3.2011
Zuletzt aktualisiert: 31.3.2011 16:39 Uhr
Redakteur (nicht zwingend Autor): Anders Grüning

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