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Predigt - 1Joh4,16b-21

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus!
Amen

1. Joh.4, 16b-21
16b Gott ist Liebe. Wer in der Liebe lebt, lebt in Gott, und Gott lebt in ihm.
17 Auch darin hat die Liebe Gottes bei uns ihr Ziel erreicht, dass wir dem Tag des Gerichts voller Zuversicht entgegensehen; denn so wie Christus mit dem Vater verbunden ist, so sind ja auch wir es in dieser Welt. Die Liebe kennt keine Angst.
18 Wahre Liebe vertreibt die Angst. Wer Angst hat und vor der Strafe zittert, bei dem hat die Liebe ihr Ziel noch nicht erreicht.
19 Wir lieben, weil Gott uns zuerst geliebt hat.
20 Wenn jemand behauptet: »Ich liebe Gott«, und dabei seinen Bruder hasst, dann lügt er. Wenn er seinen Bruder, den er sieht, nicht liebt, dann kann er Gott, den er nicht sieht, erst recht nicht lieben.
21 Christus gab uns dieses Gebot: Wer Gott liebt, muss auch seinen Bruder lieben.
Gute Nachricht 1997

Liebe Gemeinde, das Wort Liebe ist ein herrliches Wort. Es wird oft gebraucht und auch oft missbraucht. Nicht zuletzt durch platte Schlagertexte, vielleicht aber auch durch bittere Erfahrungen ist das Wort Liebe zu einem recht abgegriffenen Ausdruck geworden. So kann es sein, dass es uns schwer fällt, die Aussage: Gott ist Liebe, positiv zu sehen und zu hören.

Wenn jemand spricht: Ich liebe Gott, und hasst seinen Bruder, der ist ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, wie kann er dann Gott lieben, den er nicht sieht?

Angesicht der Lieblosigkeit, die unter uns Menschen herrscht, kann man auf den Gedanken kommen, dass die Liebe und das damit verbundene Verhalten zueinander nicht mehr existieren.

So scheint es, dass wir nach unserer Leistungsfähigkeit bewertet werden, und nicht mehr danach, ob wir in der Lage sind für den Nächsten Liebe entgegenzubringen.

Aber gerade das ist es, worauf es Gott ankommt, die Liebe. Er fragt nicht danach, wer dieser oder jener Mensch ist und was er leisten kann. In Christus hat Gott sichtbar gemacht, dass wir das Leben nicht aushalten können, wenn wir nicht so lieben, wie Gott uns liebt.

Ein jeder und eine jede von uns braucht einen Menschen, den er liebt und dieser wiederum uns liebt. Darum hört Gott mit seinem Lieben nicht auf, denn niemand von uns soll sagen können: Ich habe keinen, der mich liebt und keinen, den ich lieben kann.

Wir sind Gottes geliebte Kinder, er hat uns lieb, er meint es gut mit uns, so sagt es uns die Bibel. Können wir ermessen, was uns da gesagt wird? Und hat das Auswirkungen für unser Leben?

Liebe Gemeinde, volkstümlich redet man ja oft vom lieben Gott. Aber mit dieser Redewendung wird sicher nicht immer das zum Ausdruck gebracht, was Gottes Liebe wirklich ist.

Für viele Menschen geht es doch nach einem ganz einfachen Schema: Ein liebes Kind ist ein Kind, das tut, was ich will. Wenn es nicht tut, was ich will, ist es kein liebes Kind mehr.

Auf Gott übertragen bedeutet das: Gott ist der liebe Gott, wenn er tut, was ich möchte und was ich mir wünsche. Wenn er das nicht tut, dann ist der liebe Gott kein lieber Gott.

Gott ist die Liebe. Und das ist seine ernsthafte Absicht, dass er nicht allein der sein will, der liebt und geliebt wird. So wie Gott sein Lieben auf alle Menschen ausdehnt, so erwartet er dieses auch von uns im gleichen Maße.

Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt.

Gott lehrt es uns durch Jesus Christus. Er macht es uns vor, damit wir es nachmachen können. Dies ist nicht nur eine Lebensaufgabe, sondern die Erfüllung des Lebens.

Ja, zur Erfüllung des Lebens will Gott uns verhelfen mit allem, was er an uns geschehen lässt. Sicher, manchmal ist uns dies alles unerträglich, aber dadurch bringt er uns zum Lieben, auch wenn sich unser ärgster Feind in den Weg stellt.

Und dieses Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe. Dieses Gebot haben wir von ihm, ja, wir haben es seit zweitausend Jahren.

Und es scheint, dass es uns immer noch nicht gelingen will dies in unserem Inneren zu beherzigen und mit allen Konsequenzen zu verwirklichen.

Liebe Gemeinde, natürlich wird so das Wesen der Liebe und auch das Wesen der Liebe Gottes völlig falsch beschrieben.

Wenn das Gottes Liebe wäre, das zu tun, was jeder so von ihm haben will, dann würde diese Liebe ein Chaos verursachen, denn die unterschiedlichen Wünsche der Menschen führen bei dem, was der Mensch zu realisieren vermag, oft genug zum Chaos, zum Krieg und zu lebensbedrohlichen Situationen.

Und wenn wir plötzlich von Hass und Neid überwältigt werden, dann sollten wir dies nicht auf die leichte Schulter nehmen. Denn, wer seinen Bruder hasst, der ist ein Totschläger, so unser Predigttext.

Aber Gottes Liebe besteht nicht darin, alle unsere Wünsche zu erfüllen. Auch die Liebe von Eltern zu ihren Kindern ist ja nicht einfach daran ablesbar, dass sie ihren Kindern alle Wunschträume verwirklichen.

Die Liebe ist mehr als nur eine fromme Sehnsucht. Sie hat in dieser Welt Gestalt angenommen. Gott ist uns zuvorgekommen, er hat den ersten Schritt getan. Gott hat nicht gewartet, bis wir dazu bereit waren, dem Hass und der Zwietracht den Abschied zu geben. Gottes Liebe zeigt sich anders. In besonderer Weise hat sie sich gezeigt in seinem Sohn Jesus Christus, der sich den Menschen und insbesondere den Armen, den Bedrückten, den Traurigen und auch den Verachteten zuwandte.

Liebe praktizierte Jesus, indem er selbstlos und opferbereit lebte; indem er den Menschen nahe war, wenn sie Sorgen und Nöte hatten und ihnen Vertrauen schenkte.

Der ihnen half; der ihnen offen und ehrlich gegenübertrat; der sie mit der Wahrheit konfrontierte.

Liebe praktizierte Jesus, indem er Unrecht als Unrecht ansprach und nicht alles mit dem scheinbar frommen Mäntelchen der Nächstenliebe zudeckte.

Ja, Jesus praktizierte Liebe, indem er aber auch vergeben konnte und den Menschen einen neuen Anfang ermöglichte.

Liebe Gemeinde, Liebe macht nur dann Sinn, wenn man einander auch vertrauen kann. Das Vertrauen sollte auch tief genug sein, um eine Krise zu überstehen.

Jede Beziehung muss sich einmal bewähren. Bestand hat sie nur dann, wenn die Liebe so tief verwurzelt ist, dass sie den Stürmen einer Krise widerstehen kann.

Oft aber ist es so, dass wir meinen, uns vor unseren Nächsten absichern zu müssen. Dann fehlt das Vertrauen zum Partner oder zum Freund. Fehlendes Vertrauen weist auf fehlende Liebe hin. Fehlende Liebe durchsteht eine Krise nicht.

In der Beziehung mit Gott ist es nicht anders. Angesichts von Unglücksfällen oder von Krankheiten fehlt uns oft das Vertrauen in die Liebe Gottes.

Es ist ja auch schwer, wenn man einen Schicksalsschlag erleidet, eine schwere Zeit durchsteht oder eben eine persönliche Krise durchmacht.

Einerseits ist es dann verständlich, wenn man dann in Zweifel gerät, andererseits zeigen unsere Zweifel und Ängste auch, was uns an Vertrauen und Liebe noch fehlt.

Ein Baum braucht die Stürme, um mit seinen Wurzeln in die Tiefe zu wachsen um an Stärke zu gewinnen. In der Notlage lernen wir die Geduld.

Die Geduld bewahrt uns. Die Bewahrung lässt uns weiter hoffen. Und die Hoffnung lässt uns nicht zugrunde gehen. Gerade in der Krise zeigt sich, wie tief unsere Liebe zu Gott, unsere Liebe zum Nächsten oder zum Partner wirklich ist. Gott ist Liebe!

Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. Wo Missgunst und Feindschaft überwunden werden und die Menschen einander lieben, da ist Gott mitten unter ihnen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus Amen.

Erstellt: 23.4.2011
Zuletzt aktualisiert: 18.5.2011 10:48 Uhr
Redakteur (nicht zwingend Autor): Anders Grüning

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