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Predigt - 1Petr1,3-9

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus! Amen.

Geht es Ihnen manchmal auch so, dass Sie den Alltag mit all den Belastungen am liebsten hinter sich lassen würden − um dann frei zu sein von der wirtschaftlichen Situation unseres Landes, frei zu sein von all den Reformen unserer Regierung, die die Reichen noch reicher und die Armen noch ärmer werden lassen?

Ja, manchmal möchte man allem entfliehen und einmal alles Belastende hinter sich lassen. Ja, frei sein von Wirtschaftskrisen und rechter Gewalt, frei sein von den Sorgen, was morgen sein wird, frei sein von finanziellen Einschränkungen, Einsamkeit und Krankheit.

Und wenn wir dann aus diesen unserer Träume der Freiheiten erwachen, dann lassen uns die Ängste vor all dem nicht mehr los. Ängste, die hat es schon immer gegeben. Die Angst ist wohl schon so alt wie die Menschen. Unsicherheit vor dem, was da alles auf uns zukommen wird, scheint die Ursache unserer Ängste zu sein.

In dieser Situation, liebe Gemeinde, da überrascht uns der überströmende Lobpreis unseres heutigen Predigttextes, den wir bereits in der Epistel gehört haben; er klingt so sicher und zuversichtlich. Hat denn der Verfasser des Briefes eine klare Antwort? Ja und nein; auch für ihn gibt es offene Fragen.

Doch das Tolle daran ist, dass er sicher ist, woher eine Antwort zu erwarten ist.

1 Petr 1,3 -9
3 Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus! In seinem großen Erbarmen hat er uns neu geboren und mit einer lebendigen Hoffnung erfüllt. Diese Hoffnung gründet sich darauf, dass Jesus Christus vom Tod auferstanden ist.
4 Sie richtet sich auf das neue Leben, das Gott schon jetzt im Himmel für euch bereithält als einen Besitz, der niemals vergeht oder verdirbt oder aufgezehrt wird.
5 Wenn ihr Gott fest vertraut, wird er euch durch seine Macht bewahren, so dass ihr die volle Rettung erlangt, die am Ende der Zeit offenbar wird.
6 Deshalb seid ihr voll Freude, auch wenn ihr jetzt -wenn Gott es so will -für kurze Zeit leiden müsst und auf die verschiedensten Proben gestellt werdet.
7 Das geschieht nur, damit euer Glaube sich bewähren kann, als festes Vertrauen auf das, was Gott euch geschenkt und noch versprochen hat. Wie das vergängliche Gold im Feuer auf seine Echtheit geprüft wird, so wird euer Glaube, der viel kostbarer ist als Gold, im Feuer des Leidens geprüft. Wenn er sich als echt erweist, wird Gott euch mit Ehre und Herrlichkeit belohnen an dem Tag, an dem Jesus Christus sich in seiner Herrlichkeit offenbart.
8 Ihn liebt ihr, obwohl ihr ihn nie gesehen habt. Auf ihn setzt ihr euer Vertrauen, obwohl ihr ihn jetzt noch nicht sehen könnt. Und darum jubelt ihr mit unaussprechlicher und herrlicher Freude.
9 Denn ihr wisst, dass euer Vertrauen, euer Glaube, euch die endgültige Rettung bringen wird.
Gute Nachricht 1997

Wie klingt dieser Text in unseren Ohren? Aus welcher Richtung haben wir bisher eine Antwort erwartet? − Waren wir bislang nicht immer der Meinung, dass die Lösung unseres Handels liege darin, dass wir perfekter werden?

Ja, wir sind der Meinung, dass die Lösung darin liege, unser gegenwärtiges Tun immer mehr zu perfektionieren, Fehlerquellen auszuschalten und unsere Leistung in allen erdenklichen Bereichen zu steigern.

Das tun wir im Beruflichen und wir machen es auch in unserer Gemeinde: immer mehr Aktivitäten und immer bessere Werbung. Doch der Erfolg wächst nicht dem Einsatz entsprechend. Wir können, je nachdem, den Bestand erhalten.

Unser heutiger Predigttext, liebe Gemeinde, setzt allerdings an einer ganz anderen Stelle an: Wiedergeburt und neue Zeugung.

Was können wir uns unter Wiedergeburt vorstellen? Vielleicht verstehen wir diesen Begriff am ehesten, wenn wir uns klarmachen, was unsere natürliche Geburt für unsere Existenz bedeutet. Wenn wir geboren werden, ist vieles von dem, was in unserem Leben einmal geschehen wird, bereits vieles vorgezeichnet.

Wir sind Kinder einer bestimmten Zeit. Wir haben bestimmte Eltern und wir gehören einem bestimmten Volk an. Wir haben auch bestimmte Anlagen, die es im Leben zu entfalten gilt. Durch all diese Dinge sind wir geprägt.

Durch die Wiedergeburt aber, wird etwas ganz entscheidendes für unser künftiges Leben festgelegt. Wir haben einen Herrn, der den Tod überwunden hat. Wir haben einen Vater, der uneingeschränkt und unwiderruflich „Ja“ zu uns sagt.

Ja, wir dürfen eine Hoffnung haben, die uns keine Macht auf Erden streitig und zunichte machen kann. So ist Gott bei unserer Wiedergeburt, also bei unserer Taufe, in seiner Liebestat der ausschließlich aktive.

Durch diese neue Zeugung in der Taufe werden wir zu Töchtern und Söhnen Gottes und somit zu seinen Erben. Dieses Erbe ist unverdient und von unseren persönlichen Fähigkeiten bzw. Unfähigkeiten vollkommen unabhängig.

Nicht einmal durch den Tod kann dieses Erbe verloren gehen oder zerstört werden, da es von Gott kommt. Das will uns der Verfasser unseres heutigen Predigttextes sagen: „Habt Mut, ihr wisst doch, dass eure Zukunft gesichert ist. Das kann euch Gelassenheit und Kraft geben. Lebt weiter so entschlossen, wie Gott es von euch will!“

Dieser neue Ansatz bei Gott und nicht bei uns verunsicherten Menschen ist Grund zur Freude, Hoffnung und Dank, denn durch seine Macht werdet ihr durch den Glauben bewahrt zur Seligkeit.

Glauben und Vertrauen, so wie wir es in unserer Sprache und nach unserem Verständnis ausdrücken bedeutet sich geborgen fühlen, weil wir uns verstanden und geliebt wissen.

Doch wo gibt es noch echte Liebe in dieser Welt, nicht nur die Liebe zwischen Mann und Frau oder die Liebe zwischen Eltern und Kinder?

Nein, die Liebe als Bereitschaft für meine Nächste und meinen Nächsten, die Vertrauen schafft, diese Liebe ist heute einfach nicht mehr da. Eine jede und ein jeder denkt nur an sich, niemand hat Zeit mehr für den anderen. Das ist bitter, liebe Gemeinde. Diese Bitterkeit verspüren wir nicht nur in unseren vier Wänden zu Hause, nein, diese Bitterkeit knistert auch überall dort, wo Menschen miteinander gezwungen sind miteinander in Heimen zu leben.

Liebe, sie beginnt vielleicht an einem ganz anderen Ende, als wir erwarten, nämlich dort, wo wir von unserer Nächsten und unserem Nächsten nicht mehr verlangen, als wir selbst bereit sind zu geben. Hierzu bedarf es allerdings der Geduld mit sich selbst und mit dem, was man ist und ebenso des Dankes.

Damit, liebe Gemeinde, öffnete sich nicht nur der Blick für unsere Nächsten, nein, sondern auch für die Macht Gottes, die uns durch die Zeiten führt. Seine Liebe ruft uns immer wieder in die Bereitschaft des Angenommenwerdens.

Das Erwachen durch die Liebe Gottes zum Leben ist mehr als das Erwachen der Natur. Das neue Leben, das Gott nach seiner Barmherzigkeit einer jeden und einem jeden von uns gibt, der sich von uns zu Christus rufen lässt, ist etwas ganz anderes.

Unsere Hoffnung darauf, dass Gott am Ende der Weltgeschichte in der Auferstehung uns zu einer unvorstellbaren Vollkommenheit führt, ist mehr als ein Hoffen auf den Frühling.

Die Macht, durch die Gott uns zum Glauben führt und im Glauben erhält, ist mehr als die Macht des Frühlings. Die Botschaft von seiner Herrlichkeit, die wir durch Jesus Christus angeboten bekommen und zur Wirklichkeit wird, bereitet mehr Freude, alles andere in dieser Welt.

Diese unvergleichlichen Taten Gottes stellt uns der Verfasser des heutigen Predigttextes vor Augen. Gott will, dass wir als Christen leben. Gott will uns im Glauben bewahren. Er will, dass wir unser Erbe bei ihm wirklich einmal antreten. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist, als alle unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus Amen.

Erstellt: 23.4.2011
Zuletzt aktualisiert: 18.5.2011 10:48 Uhr
Redakteur (nicht zwingend Autor): Anders Grüning

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