|

Predigt - 2. Sonntag nach Trinitatis

Text. Epheser 2,17-22

(17) Er ist in diese Welt gekommen und hat Frieden verkündet - Frieden für euch, die ihr fern von Gott wart, und Frieden für die, die das Vorrecht hatten, in seiner Nähe zu sein.
(18) Denn dank Jesus Christus haben wir alle - Juden wie Nichtjuden - durch ein und denselben Geist freien Zutritt zum Vater.
(19) Ihr seid jetzt also nicht länger Fremde ohne Bürgerrecht, sondern seid - zusammen mit allen anderen, die zu seinem heiligem Volk gehören - Bürger des Himmels; ihr gehört zu Gottes Haus, zu Gottes Familie.
(20) Das Fundament des Hauses, in das ihr eingefügt seid, sind die Apostel und Propheten, und der Eckstein dieses Gebäudes ist Jesus Christus selbst.
(21) Er hält den ganzen Bau zusammen; durch ihn wächst er und wird ein heiliger, dem Herrn geweihter Tempel.
(22) Durch Christus seid auch ihr in dieses Bauwerk eingefügt, in dem Gott durch seinen Geist wohnt.

Liebe Gemeinde!
Komm, bau ein Haus, das uns beschützt… so haben wir eben gesungen. Und unser kleiner Täufling wird sich insgeheim fragen: Warum ein Haus bauen. Wir haben doch ein ganz neues Haus. Und toll ist es darin. Es gibt eine Menge zu entdecken. Mein großer Bruder hilft mir dabei, jeden Tag etwas Neues kennen zu lernen.
Du hast vollkommen Recht. Ihr besitzt ein schönes Haus und einladend ist es außerdem. Es steht für alle offen -  gerade heute, wo Deine Taufe gefeiert wird.

Komm, bau ein Haus, das uns beschützt… wir Erwachsene wissen, was alles nötig ist, um  ein Haus zu bauen, damit es unseren  Vorstellungen und Ansprüchen genügt. Denn wir wollen uns in dem Haus wohl fühlen. Ganz und gar zuhause sein.
Von einem Haus ist auch  im heutigen Predigttext die Rede, nämlich von dem Hause Gottes.

Textlesung

Uns wird zugesagt:

"Ihr seid jetzt also nicht länger Fremde ohne Bürgerrecht, sondern seid - zusammen mit allen anderen, die zu seinem heiligem Volk gehören - Bürger des Himmels; ihr gehört zu Gottes Haus, zu Gottes Familie."

Das ist ein Zuspruch, der vieles vermittelt, wonach wir Menschen immer wieder suchen: Geborgenheit, Sicherheit, Anerkennung, Zugehörigkeit, Identität, Gemeinschaft, Verbundenheit, Solidarität ... All das schwingt in diesen wenigen Worten mit.
Und in dieses Haus wirst Du heute aufgenommen. Gott lädt Dich ein. Er schenkt Dir mit der Taufe sein Versprechen:

„Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“
(Jesaja 43,1)

Du darfst wissen und spüren: hier in diesem Haus Gottes bin ich immer willkommen. Hier finde ich Geborgenheit und Anerkennung. In einem Lied heißt es: Du bist gewollt, kein Kind des Zufalls, keine Laune der Natur, ganz egal ob du dein Lebenslied in Moll singst oder Dur. Du bist ein Gedanke Gottes, ein genialer noch dazu. Du bist du...Das ist der Clou, du bist du. Ja, du bist du.
Wer das spürt und weiß, der kann sich mit offenen Augen und Ohren unsere Gegenwart und ihren Anforderungen stellen. Und die, das wissen wir Erwachsene sind riesengroß.

Nehmen wir nur z.B. das in jedem Fall beeindruckende Sparpaket, das die Bundesregierung nun auf den Weg gebracht hat. Es wirft die Frage auf: Ist der soziale Frieden in unserem Land in Gefahr?
Auch wenn vieles noch vage formuliert ist, befürchten nicht wenige, dass die Lasten ungleich verteilt werden - und die ohnehin schon Schwachen den Löwenanteil des Schuldenabbaus zu tragen haben. Die politische Auseinandersetzung bekommt da durchaus martialische Züge. "Der gesellschaftliche Kampf hat seit gestern begonnen", so drückt es DGB-Chef Sommer aus und konstatiert den Regierenden "Kaltherzigkeit". (URL: www.spiegel.de/...)

Nun gehören parteistrategische Scharmützel zum politischen Alltagsgeschäft. Doch dieses Mal treffen sie vielleicht sogar den Nerv der Bevölkerung. Denn schon seit längerem schwindet in diesem Staat das Vertrauen in die Politiker, das richtige Gespür für die Sorgen und Nöte der Menschen zu besitzen. Nicht umsonst hat Joachim Gauck, beredter Kandidat für das Bundespräsidentenamt, von einer "Sprachstörung" gesprochen, die zwischen Regierenden und Regierten herrsche und davon, "dass die Regierten nicht mehr den Adressaten finden, an den sie sich eigentlich wenden wollen." (URL: www.zeit.de/...) Da ist sicher etwas dran und man darf sich die Frage stellen, woran das liegt.

Kann es sein, dass sich immer mehr Menschen in diesem Land, ob nun deutsche Staatsbürger oder nicht, als "Fremde ohne Bürgerrecht" fühlen? Sinkende Wahlbeteiligungen und wachsende Politikverdrossenheit lassen diesen Schluss zumindest nachdenkenswert erscheinen.

Dabei gibt es ja den Wunsch nach Identifikation und Verbundenheit. Ereignisse wie die Fußballweltmeisterschaft in Südafrika lassen dies erkennen. "Public Viewing", deutlich Flagge zeigen, gemeinsam mit anderen feiern - all das zeugt von einer Sehnsucht nach Gemeinschaft und ich wage zu behaupten, dass die sich nicht auf das Anfeuern der eigenen Nationalmannschaft beschränkt. Es ist das Wir-Gefühl, nachdem alle suchen und dieses Wir ist im Hinblick auf die politischen Entscheidungsträger verloren gegangen.

Dieses Wir-Gefühl im Hause Gottes entspringt nicht einer Laune, einem Zufall. Vielmehr gibt es einen Grund für diese Zusage: "die Apostel und Propheten".
Deine Eltern und Paten sind für Dich solche „Apostel und Propheten“. Sie  bezeugen Dir täglich immer neu Zuwendung und Geborgenheit, Ansprache und Liebe.
Es wird berichtet, dass der König Friedrich II im Mittelalter Neugeborene ihre Mütter wegnahm und in einem Raum einschloss, wo sie regelmäßig von einer Amme, deren Mund verknebelt war, gestillt, gewaschen und gewickelt wurden. Man wollte auf diese Weise herausfinden, welche Sprache die Kinder erlernen. Doch sie starben alle nach wenigen Wochen.  Es fehlte die Ansprache, die Stimme.

Darum ist es eine wichtige Aufgabe für uns als Erwachsene, von dem Hause Gottes zu erzählen, damit die Seele eines Kindes nicht verkümmert. Darum ist es so wichtig, dass wir ihnen erzählen, auf welchem Fundament wir unser Leben aufbauen. Darum ist überlebenswichtig zu erzählen von Jesus Christus, der "der Eckstein dieses Gebäudes" ist.
Ihm haben wir zu verdanken, dass Gemeinschaft, das das Wir gelingt. Wie wir wissen, musste er dafür teuer bezahlen. So wichtig war es ihm, dass wir mit dazu gehören, dass er sein Leben dafür gab. Auch daran erinnert die Taufe. Wir werden hinein genommen in die neue Welt Gottes, erleben einen Frieden, den die Welt nicht kennt, in der es keine Verlierer und Gewinner, keine Armen und Reichen, keine "Leistungsträger" und "Sozialschmarotzer" gibt, in der wir uns nicht als Fremde im eigenen Land fühlen müssen.

Dazu bist Du, sind wir alle, immer wieder neu eingeladen:
Komm, wohn mit mir in diesem Haus begieß mit mir diesen Baum, dann wird die Freude wachsen… Amen.

Erstellt: 10.3.2011
Zuletzt aktualisiert: 31.3.2011 16:35 Uhr
Redakteur (nicht zwingend Autor): Anders Grüning

Kommentare [KEINE Anfragen!]

Keine Kommentare
Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*
*
*


*
Bei neuen Kommentaren benachrichtigen.