Predigt "Abschluss Weihnachtszeit"

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus Amen.

Heute, liebe Gemeinde, feiert die Kirche nochmals ein großes Fest. Es ist ein vergessenes Fest, der letzte Sonntag nach Epiphanias. Wir feiern heute das Ende und den Abschluss der Weihnachtszeit.

Noch einmal durchschreiten wir die Heilsgeschichte Gottes und preisen die weihnachtliche Neuschöpfung des Menschen. Denn wir sind von Gott geachtet, indem er Mensch wurde. − Hoffentlich ist dieser weihnachtliche Glanz noch in unseren Herzen.

Aber es gibt auch Menschen, die verachtet werden, geschlagen und bedrängt werden, so wie auch Gott als Mensch verachtet, geschlagen und bedrängt wurde. Mit nur wenigen Worten fasst der Apostel Paulus all das zusammen, was von dem Bild eines Menschen im Angesicht Gottes zu sagen ist.

2. Kor 4, 6 - 10
6 Gott hat einst gesagt: „Licht strahle auf, aus der Dunkelheit“! So hat er auch sein Licht in meinem Herzen aufleuchten lassen und mich zur Erkenntnis seiner Herrlichkeit geführt, der Herrlichkeit Gottes, wie sie aufgestrahlt ist in Jesus Christus.
7 Ich trage diesen Schatz in einem ganz gewöhnlichen, zerbrechlichen Gefäß. Denn es soll deutlich sichtbar sein, dass das Übermaß an Kraft, mit dem ich wirke, von Gott kommt und nicht aus mir selbst.
8 Ich bin von allen Seiten bedrängt, aber ich werde nicht erdrückt. Ich weiß oft nicht mehr weiter, aber ich verzweifle nicht.
9 Ich werde verfolgt, aber Gott lässt mich nicht im Stich. Ich werde niedergeworfen, aber ich komme wieder auf.
10 Ich erleide fortwährend das Sterben, das Jesus durchlitten hat, an meinem eigenen Leib. Aber das geschieht, damit auch das Leben, zu dem Jesus auferweckt worden ist, an mir sichtbar wird
Gute Nachricht 1997

Soweit der Predigttext aus 2. Kor 4, 6 – 10, den wir bereits in der Epistel hörten.

Von Gott hoch geachtet und von den Menschen bisweilen tief verachtet, so erleben wir uns und auch andere in dieser schlimmen Anspannung. Aber wir zerbrechen nicht, das lässt Gott nicht zu.

Und darum, liebe Gemeinde, feiern wir an diesem Sonntag und auch an den kommenden Sonntagen ─ Gott. Ja, wir feiern, dass wir die schlimmen Anspannungen ertragen können und dass wir beim Hören seiner Worte und beim Singen der Lieder und beim Gebet Erlösung erfahren können.

Wir feiern aus der Tiefe unserer Herzen ─ Gott, der uns sein Licht, Jesus, gegeben hat. Aus der Tiefe unserer Herzen feiern wir Gott, der uns trägt, damit wir uns ertragen.

Die Undurchschaubarkeit unserer Welt und die Unsichtbarkeit Gottes bereiten unserem Glauben Schwierigkeiten. Jesus hat zwar gesagt: Selig sind, die nicht sehen und doch glauben, aber damit hat er, so denke ich, die unmittelbare und natürliche Wahrnehmung gemeint, die sich unseren Augen erschließt.

„Licht strahle auf, aus der Dunkelheit“! So hat er auch sein Licht in meinem Herzen aufleuchten lassen und mich zur Erkenntnis seiner Herrlichkeit geführt, der Herrlichkeit Gottes, wie sie aufgestrahlt ist in Jesus Christus.

Liebe Gemeinde, im heutigen Predigttext kommt einer zu Wort, der in den Umkreis dieses Lichtes geraten ist. Er sagt, wie sich das bei ihm ausgewirkt hat.

Wenn Paulus auf das für ihn wichtigste, grundlegende Ereignis seines Lebens zurückblickt – man nennt es oft seine „Bekehrung“, dann kann er davon nur in großen, geradezu überschwänglichen Worten sprechen: Licht, heller Schein, Erleuchtung, Herrlichkeit.

Das was Gott am Anfang der Schöpfung getan hat, nämlich die Welt ordnen, dem Bedrückenden Chaos ein Ende setzen, der Finsternis ein Licht entgegensetzen, das ist auch mit Weihnachten geschehen.

Da ist ein Licht entzündet, das uns Menschen im Herzen berührt, da ist ein Licht aufgegangen, das uns tiefer berührt als alle anderen Lichter dieser Welt, da ist ein Licht erschienen, dessen Leuchtkraft kein Ende hat, so dunkel es auch um uns sei. Dieses Licht trägt den Namen Jesus Christus.

So wollen wir, dass durch uns ein Licht, das Licht der Güte Gottes entfacht würde und in die Herzen unserer Nächsten hineingetragen würde. Holt auch ihr euch dieses Licht. Denn Gott sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten und in meinem Herzen aufleuchten und mich zur Erkenntnis seiner Herrlichkeit führen.

Unser Unvermögen, unser Verstand, unser Denken und auch unser Unglaube hindern uns oft genug daran in den Schein dieses Lichtes zu kommen. Aber, liebe Gemeinde, wenn uns Gottes Wort ergreift, dann erfahren wir den hellen Schein. Stückweise erfahren wir dann die Güte Gottes und wachsen in seiner Erkenntnis.

Sein Licht, der helle Schein macht uns lebendig und unser Leben wird zu einem ständig neuen Suchen, zu einem Wachsen im Glauben. Sein Licht, der helle Schein macht uns lebendig zu einer Dienstbereitschaft an meiner Nächsten und an meinem Nächsten. Sein Licht, der helle Schein erwärmt uns und ermutigt uns auch andere in diesen Lichtkreis hineinzurufen.

Und dabei geht es, liebe Gemeinde, um die Erkenntnis der Klarheit Gottes im Angesicht Jesus Christi. Mit anderen Worten, wer von uns über Gott Klarheit gewinnen will, der braucht und soll nicht länger aus der Ferne nach ihm Ausschau halten. Wir sollen in das Angesicht Jesu Christi schauen, in dem sich Gottes Klarheit widerspiegelt.
Gott hat sein Geheimnis gelüftet und sich bei uns vorgestellt. Jesus Christus ist das Ebenbild des lebendigen Gottes. Und dieser Gott hat uns von der Dunkelheit befreit. Gott hat uns hell gemacht. Ja, Gott hat uns zu neuen Menschen gemacht. Unser Glaube hat uns neuen Mut gegeben, Mut zum Leben.

Und diesen Schatz trage ich in einem ganz gewöhnlichen, zerbrechlichen Gefäß. Denn es soll deutlich sichtbar sein, dass das Übermaß an Kraft, mit dem ich wirke, von Gott kommt und nicht aus mir selbst.

Die Schätze unseres Lebens, das, was unser Leben reich macht, stecken in zerbrechlichen Gefäßen. Wir selbst sind wie Tonkrüge. Wir sind von Erde genommen und kehren wieder zu ihr zurück. Und ein jeder Krug geht irgendwann einmal zu Bruch − ein jedes Leben geht irgendwann einmal zu Ende. Unser Leben ist genauso zerbrechlich wie ein Krug.

Die Gute Nachricht versteht unter dem genannten Schatz: die von Gott selbst gegebene Gewissheit der Vergebung der Sünden zu haben und durch die Gnade Gottes auf das Ziel des ewigen Lebens zuzugehen. Diese unsere Orientierung ist ein reines Geschenk an uns, die wir dadurch zu Christen werden.

Der Grund und das Ziel dieser neuen Existenz liegen allein in der Liebe Gottes, die in Jesus Christus Wirklichkeit geworden ist.

Jesus Christus bietet viel von diesem Licht, er vermag vieles aufzubrechen von den irdischen Einengungen unseres Lebens. Wenn wir davon sprechen, wenn wir davon hören, dann klingt das oft nach sehr wenig, nach großer Hilflosigkeit.

Es ist auch oft sehr wenig, es ist oft der Ausdruck unserer Hilflosigkeit, weil wir gerne als Menschen mehr machen können und auch wollen. Aber gerade in dieser irdischen Hilflosigkeit wird dann sichtbar, dass die Macht Gottes größer ist.

Dass es eben nicht unser Vermögen ist, das unser Leben hoffnungsvoll macht, sondern dass Gott es selber ist. Wir sind die Gefäße des Lichtes, wir geben diesen Schatz weiter, aber wir haben ihn nicht in der Hand.

Heute, liebe Gemeinde, feiert die Kirche nochmals ein großes Fest. Es ist ein vergessenes Fest, der letzte Sonntag nach Epiphanias. Wir feiern heute das Ende und den Abschluss der Weihnachtszeit.

Noch einmal ist in der Epistel die Rede von viel Licht und Verklärung und im Wochenspruch wird Gott als Sonne dargestellt.

Noch einmal durchschreiten wir die Heilsgeschichte Gottes und preisen die weihnachtliche Neuschöpfung des Menschen. Denn wir alle sind von Gott geachtet, indem er Mensch wurde. − Hoffentlich ist dieser weihnachtliche Glanz noch in unseren Herzen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Erstellt: 7.2.2010
Zuletzt aktualisiert: 15.4.2010 14:15 Uhr
Redakteur: Anders Grüning