Predigt "aDvent - wie die Hoffung - Durchhalten"

Text:Matthäus 24,1-14
1 Und Jesus ging aus dem Tempel fort, und seine Jünger traten zu ihm und zeigten ihm die Gebäude des Tempels.
2 Er aber sprach zu ihnen: Seht ihr nicht das alles? Wahrlich, ich sage euch: Es wird hier nicht ein Stein auf dem andern bleiben, der nicht zerbrochen werde.
3 Und als er auf dem Ölberg saß, traten seine Jünger zu ihm und sprachen, als sie allein waren: Sage uns, wann wird das geschehen? Und was wird das Zeichen sein für dein Kommen und für das Ende der Welt?
4 Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Seht zu, dass euch nicht jemand verführe.
5 Denn es werden viele kommen unter meinem Namen und sagen: Ich bin der Christus, und sie werden viele verführen.
6 Ihr werdet hören von Kriegen und Kriegsgeschrei; seht zu und erschreckt nicht. Denn das muss so geschehen; aber es ist noch nicht das Ende da.
7 Denn es wird sich ein Volk gegen das andere erheben und ein Königreich gegen das andere; und es werden Hungersnöte sein und Erdbeben hier und dort.
8 Das alles aber ist der Anfang der Wehen.
9 Dann werden sie euch der Bedrängnis preisgeben und euch töten. Und ihr werdet gehasst werden um meines Namens willen von allen Völkern.
10 Dann werden viele abfallen und werden sich untereinander verraten und werden sich untereinander hassen.
11 Und es werden sich viele falsche Propheten erheben und werden viele verführen.
12 Und weil die Ungerechtigkeit überhand nehmen wird, wird die Liebe in vielen erkalten.
13 Wer aber beharrt bis ans Ende, der wird selig werden.
14 Und es wird gepredigt werden dies Evangelium vom Reich in der ganzen Welt zum Zeugnis für alle Völker, und dann wird das Ende kommen.

Liebe Gemeinde!
Ist das ein adventlicher Text? Er redet vom Ende der Welt, in der wir leben. Mir fällt es nicht leicht, das zu hören. Ich denke, das geht Ihnen ebenso. Was wir da zu hören bekommen, will nicht so recht passen zu unseren Adventsbräuchen und Weihnachtsvorbereitungen. Wir wünschen uns vielmehr im Advent Stille und Harmonie, Tannenduft und Kerzenschein.

Doch Jesus zeigt uns hier andere Bilder und beschwört andere Stimmungen herauf. Es sind Bilder von Krieg und Gewalt, von Hungersnot und Erdbeben. Bilder, die unsere Adventsstimmung stören. Bilder, die uns täglich aus dem Fernseher in schrecklicher Weise vertraut sind. Wir bekommen sie täglich zu sehen und oft genug vergeht uns das Hören und Sehen. "Volk wird sich gegen Volk erheben" - in der Sprache unserer Zeit heißt das: Ethnische Konflikte. Es gibt viele, die aus diesen Worten Jesu und den Nachrichten heraushören wollen, dass unsere Zeit Endzeit ist, dass das Ende unmittelbar bevorsteht. Dem kann ich mich nicht so anschließen. Denn erstens weiß ich nicht, wozu das gut sein soll, so zu denken. Wenn mein Christsein plötzlich anders werden müsste, wenn ich weiß, dass Übermorgen Jesus wiederkommt, dann stimmt mit meinem Christsein heute doch etwas nicht.

Wir sollen so leben, dass wir jederzeit bereit sind für die Wiederkunft Christi. Zweitens kann ich das gar nicht beurteilen, ob es heute mehr oder weniger Kriege und Katastrophen gibt als früher. Was wissen wir schon von vergangenen Zeiten! Und drittens unterstützt Jesus solche Überlegungen ganz und gar nicht. Er sagt klipp und klar: Er wird völlig unvermutet kommen. In unserem Text gibt er auf die Frage der Jünger nach dem "wann" auch überhaupt keine Antwort!

Ich glaube, dass Jesus mit seinen Worten etwas ganz anderes will. Er will seine Jünger und uns ernüchtern. Jesus sagt seinen Jüngern und damit auch uns: Eure Welt kommt an ihr Ende. Die Welt, in der wir leben, in der wir zuhause sind, in der wir uns eingerichtet und es uns bequem gemacht haben - diese Welt kommt an ihr Ende. Und all unsere Bemühungen um Frieden, um Versöhnung, unser Einsatz gegen Not und Hunger werden nie bleibenden, durchschlagenden Erfolg haben. Wenn an einer Stelle Frieden geschlossen werden konnte, bricht dafür an drei anderen Stellen Streit und Krieg neu aus. Wenn eine Not gelindert werden konnte, stehen viele andere Hilfesuchende da. Und all unser Einsatz wird immer zu wenig sein. Wie eine zu kurze Decke, die man hin- und herziehen kann und die doch nie alles bedecken kann. Im Grunde haben wir das ja längst geahnt. Was unsere Gegenwart bestimmt, die Hoffnung auf mehr Wachstum und Wohlstand und Fortschritt und Gesundheit, das meiste davon steht auf tönernen Füßen. Nur wahrhaben will es keiner. Hinschauen möchten wir nicht gerne. Aber Jesus will, dass wir hinschauen und nicht die Augen verschließen.

Wer aber beharrt bis ans Ende, der wird selig werden. Und es wird gepredigt werden dies Evangelium vom Reich in der ganzen Welt zum Zeugnis für alle Völker, und dann wird das Ende kommen. So hören wir am Ende unseres Predigttextes: das Ende kommt ganz gewiss, aber nicht das Ende der Welt generell, sondern das Ende einer Welt, die nicht so ist, wie Gott sie will. Verantwortliches Reden vom Ende der Welt heißt für mich daran zu erinnern, dass eine Welt ohne Gott bestimmt bleibt von Krieg, Hunger, von Leid, von Menschen verursacht. Eine Welt ohne Gott hat keine Zukunft und wird zu Ende gehen.

Verantwortliches Reden vom Ende der Welt heißt für mich die Hoffnung wach halten, dass Gott nicht nur zu Weihnachten als Kind in der Krippe zu uns kommt, sondern als der Retter, wie es im Lobgesang der Maria heißt: "Er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen. Die Hungrigen füllt er mit Gütern und lässt die Reichen leer ausgehen." Darum glauben Christen nicht an den Weltuntergang, sondern an den wiederkommenden Herrn. "Die Herren dieser Welt kommen und gehen. Aber unser Herr kommt!", hat Gustav Heinemann auf dem Essener Kirchentag 1953 gesagt.Wegen dieser adventlichen Hoffnung gilt es nicht die Ängste weiter zu schüren, sondern vielmehr von der wachsenden Saat erzählen, die überall schon dort sichtbar ist, wo Menschen den Glauben an Gott ernst nehmen.

Wenn wir gleich die kleine Annika taufen, so kommt eine Hoffnung in unsere Welt, nicht nur für die glücklichen Eltern und Paten, Großeltern und Verwandten sondern für alle, auch in diesem Kind kommt die neue Welt schon hier auf Erden. Wir haben Verantwortung dafür, dass dieses Kind wachsen und gedeihen kann.

Im Abendmahl, das wir heute miteinander feiern, will Jesus uns begegnen und uns ganz nahe sein. Er gibt uns nicht nur eine Sicherheit, ein Unterpfand für seine Gegenwart, sondern er gibt sich uns darin sich selbst. Unfassbar - und dennoch wahr.

Meine Konfirmanden fragen sich manchmal: "Was hat er da gepredigt? Was kann ich mit nach Hause nehmen?" Und ich antwortet Euch kurz und bündig: Heute am 2. Advent geht es um den 2. Buchstaben des Wortes "Advent", um das "D" wie Durchhalten. Die Hoffnung auf eine neue Welt ist durchzuhalten. Das gelingt, wo wir Jesus unsere Herzen und Türen öffnen. Amen.

Erstellt: 31.12.2004
Zuletzt aktualisiert: 11.4.2010 11:02 Uhr
Redakteur: Simone Schreiner