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Predigt und Liturgie - Andere achten

Text: Philipper 2,3-4
Tut nichts aus Eigennutz  oder um eitler Ehre willen,  sondern in Demut  achte einer den andern  höher als sich selbst,  und ein jeder sehe nicht  auf das Seine,  sondern auch auf das, was dem andern dient.

Liebe Konfirmandinnen! Liebe Konfirmanden! Liebe Eltern und Paten! Liebe Gemeinde!

Gut seht Ihr heute aus! Festlich gestylt! Aufgeregt, nicht mehr, weil Ihr Euch vorstellen müsst, sondern aufgeregt, ob es auch wirklich ein schönes Fest wird, und ungeduldig, der Gottesdienst möge nicht zu lange dauern.  Die eine oder andere wird vielleicht schon mal überschlagen: Hat sich der kirchliche Unterricht gelohnt?  Ob ich mir meinen großen Wunsch erfüllen kann?
Eure Eltern sind froh, alle Vorbereitungen abgeschlossen zu haben. Doch die Fragen bleiben: Was wird mein Kind nun tun? Wird es seinen Weg finden? Welche Werte wird es für sich bewahren?
Eure Paten erinnern sich noch an manche Begegnung mit Euch als Kleinkind,  als Schulanfänger. Was habe ich eigentlich  meinem Patenkind mitgegeben, damit es glauben, lieben und hoffen lernt? Was sollte ich ihm heute nochmals ans Herz legen?
Euere Großeltern freuen sich: Das wir das noch miterleben dürfen! Wie groß und erwachsen sie doch geworden sind! Und denken selbst wehmütig zurück: Wie war das damals bei uns…?
Das Presbyterium fragt sich: Haben die Jugendlichen verstanden, was es heißt:  heute Ja zum Glauben zu sagen? Erkennen die jungen Menschen, dass wir für sie offene Türen haben, dass sie bei uns willkommen sind?
Und als Pfarrer frage ich mich jedes Jahr wieder: Habe ich Euch wirklich alles mitgegeben? Reichen diese zwei Worte: andere achten, um sich im Leben zu Recht zu finden?

Gut seht Ihr aus! So habe ich es anfangs gesagt. Doch wichtiger als Euer Outfit ist, dass Ihr wisst: Gut seid ihr dran. Und heute mit der Konfirmation wird Euch dies jeder und jedem persönlich bestätigt: Gut seid Ihr dran.

Bei einer Pfarrerfortbildung vor vielen Jahren lernte ich einen Begriff aus der Schauspielkunst kennen. Es ist das englische Wort „spine“. Ins Deutsche übersetzt heißt der englische Begriff „spine“ zunächst wörtlich Rückgrat. Das Rückgrat verleiht uns Menschen den aufrechten Gang. Und manchmal sagen Erwachsene über einen anderen anerkennend: Der/die hat Rückgrat bewiesen; wenn er/sie seine/ihre  Überzeugung glaubwürdig in Wort und Tat bezeugt.
Im kirchlichen Unterricht geht es mir genau darum, dass Ihr erfahrt und erkennt:
Wer ist das Rückgrat meines Lebens? Und ich antworte:
Gut seid Ihr dran. Denn das Kreuz Jesu ist Eure Stärke.
Wer gibt meinen  Leben eine unverwechselbare Identität? Und ich antworte:
Gut seid Ihr dran. Denn das Kreuz Jesu gibt Euch Eure Einmaligkeit.
Wer gibt meinen Leben immer wieder eine Perspektive? Und ich antworte:
Gut seid Ihr dran. Denn das Kreuz Jesu gibt Euch Halt. Daran  könnt Ihr Euch aufrichten und ausrichten lassen.

Im übertragenen Sinn bedeutet „spine“ die innere Haltung. Denn das ist das Entscheidende in der Schauspielkunst, mit welcher inneren Haltung eine Rolle gespielt wird. Nur so wird die Rolle glaubwürdig und wirkt auf die Zuschauenden überzeugend.
Und genau um diese innere Haltung geht es auch beim christlichen Glauben und christlichen Leben. Es geht um die Frage:
Lasse ich mich auf Gott ein, der bereits bei Eurer Taufe Ja zu einer jeden und einem jeden gesagt hat?
Der mich nicht wegen meines Outfits, meiner schulischen oder sportlichen Leistung oder wegen meines Vermögens achtet, sondern allein um meiner selbst willen achtet. Ohne Vorleistung, ohne Verdienst, allein aus Gnade.
Es geht um die Frage:
Lass ich mich in meinem Denken, Reden und Handeln von seinem Wort leiten?
Denn Gottes Ja ist in Jesus Christus Mensch geworden. Darum erinnert Paulus seine Gemeinde in Philippi damals wie heute daran:

„Seid so unter euch gesinnt, wie es auch der Gemeinschaft in Christus Jesus entspricht.“
(Philipper  2,5)

Im Vorstellungsgottesdienst habt ihr das mit Euren Worten dargelegt, was ist mir wichtig, dass andere geachtet werden.
Dabei habt Ihr Euch zu Jesus Christus bekannt, der selbst Petrus, der ihn verleumdet hat, achtet, indem er ihn neu in seine Nachfolge ruft.
Dabei habt Ihr Euch zu Jesus Christus bekannt, der selbst zu den Menschen geht, die der gängigen Meinung nach nur zu verachten sind. Bei Zachäus, der wegen seines Berufes als Oberzöllner verachtet und gesellschaftlich gemieden wurde, kehrt Jesus ein, nimmt seine Gastfreundschaft an und schenkt ihm so seine Achtung. Den Kritikern hält Jesus entgegen:

„denn auch er ist Abrahams Sohn.“
(Lukas 19,9)

Dabei habt Ihr Euch zu Jesus Christus bekannt, der selbst Judas, der ihn verraten hat, nicht ausschließt von seinem letzten Mahl, sondern ihn als Person an seinem Tisch einlädt. Er lässt nicht uns bezahlen, sondern steht für unsere Schuld selbst gerade.
So achtet uns Gott.
Ihr habt Euch dabei zu Jesus Christus bekannt, indem Ihr aufgezählt habt, was tue ich dafür, dass andere geachtet werden, u.a. durch so einfache Sätze wie: Ich rufe meinen Klassenkamerad nicht mit Schimpfnamen, sondern nenne ihn bei seinem richtigen Namen. Besonders Eure Filmbeiträge haben eindrücklich gezeigt, wie dies in Eurem Alltag aussehen könnte.
Fürwahr gut seid Ihr dran, wenn Ihr heute Ja sagt zu Gott als Eurem Freund und Euch auf Jesus Christus verlasst. Er ist Euer Rückgrat.
Fürwahr gut seid Ihr dran, wenn Ihr auf  Euren Lebensweg das Leitwort „andere achten“ mitnehmt. Darum erhaltet ihr ein T-Shirt mit dem Bild, das auch auf dem Liedblatt abgedruckt ist. Wo wir andere achten,  Mensch, Tier und Pflanze, da wächst Neues, das bringt Hoffnung ins Leben. Ein afrikanische Sprichwort sagt es sehr treffend:

„Viele Kleine Leute, an vielen kleinen Orten, die viele kleine Schritte gehen, können das Gesicht der Welt verändern.“

Fürwahr gut seid Ihr dran, Denn Gottes Ja stärkt Euch. Jeden Tag neu. Amen.

Liturgie

Wochenspruch: 2.Kor 5,17

Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.

Kyrie

Gott,
manchmal sehen wir dich nicht,
obwohl du uns doch
so nahe bist.
Manchmal kennen wir dich nicht,
obwohl du doch
unser Vater bist.
Manchmal begreifen wir dich nicht,
obwohl du uns
dein Wort gegeben hast.
Kyrie Eleison ...

Kollektengebet

Gott,
durch deinen Sohn
Jesus Christus
sehen wir dich
von Angesicht zu Angesicht,
kennen wir dich
wie einen Vater,
begreifen wir dich
in Wort und Tat.
So bitten wir dich:
Lass uns spüren,
dass wir in dir sind
und du in uns bist;
dass uns mehr verbindet
als unser Glaube,
nämlich:
deine unendliche Liebe zu uns.
So sei bei uns
alle Tage
bis an der Welt Ende.

Fürbitten

Gott,
lass uns verantwortungsvoller miteinander reden und handeln.
Was uns Menschen anvertrauen -
ihre Gefühle,
ihre Worte,
ihr Leben,
aber auch ihre materiellen Güter -,
damit wollen wir nicht leichtfertig umgehen,
sondern darauf achten,
es bewahren
und ehren.
Lass uns erkennen,
dass es viele Gottheiten in dieser Welt gibt,
aber nur du unser Gott bist,
der uns geschaffen hat
und uns wie seine eigenen Söhne und Töchter liebt.
Lass uns in deinem Wort leben,
in deinem Geist handeln
und mit deiner Liebe einander begegnen.
Lass uns dem Frieden dienen,
der Barmherzigkeit genüge tun
und unter deiner Gnade gesegnet sein.

Erstellt: 14.4.2008
Zuletzt aktualisiert: 31.3.2011 17:04 Uhr
Redakteur: Anders Grüning

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