Predigt "Ankunft Zukunft"

Liebe Gemeinde!
Es ist noch nicht lange her, dass wir auf verschiedenen Sendern des Fernsehens oder Radios die unterschiedlichsten Jahresrückblicke für das Jahr 2005 gesehen oder gehört haben. Ging es Ihnen ähnlich wie mir, dass Sie dachten, das vergangene Jahr war eines der ereignisreichsten und schwersten in den letzten 50 Jahren?


Seit einigen Tagen nun werden wir überschüttet von Vorausblicken auf das vor uns liegende Jahr, das heute beginnt. Es ist die Rede vom Mozartjahr, vom Deutschlandjahr im Hinblick auf die Fußball-WM in eigenem Land, olympische Winterspiele in Turin, und nicht zuletzt ist allerorten von Aufbruch die Rede. Es heißt, dass ein "Schwung aus dem Jammertal" von Nöten ist und allenthalben werden wir aufgefordert, wieder neues Vertrauen in die Politik und ihrer Lösungsmöglichkeiten zu setzten.

Bleibt nur die Frage zurück, ob das alles ist, was wir uns von dem vor uns liegenden Jahr 2006 erhoffen. Nach wie vor drückt die hohe Arbeitslosigkeit auf unsere Stimmung und gerade wir Christen können und wollen nicht wegschauen von den Problemen der Menschen, die sich immer mehr auch auf unsere Gemeinden auswirken. Und sind wir nicht aufgefordert neue Maßstäbe zu setzen und immer wieder neue Wege zu gehen, um Gottes Reich sichtbar zu machen? Vielleicht aber müssen wir selbst erst wieder das gelobte Land erobern, wie es in längst zurück liegenden Tagen Josua aufgetragen wurde. Doch wie er spüren wir, dass dies nur möglich ist, wenn wir in den verschiedensten Lebenslagen einen verlässlichen Ansprechpartner haben, der uns versteht, uns den Rücken stärkt, uns zuhört und uns signalisiert, dass er - komme was wolle - zu uns steht.

Diese Gedanken sind nicht neu. Auch Josua gehen sie durch den Kopf, als er mit dem Volk Israel an der Grenze zum gelobten Land steht. Er weiß, dass wir Menschen schnell an unsere Grenzen stoßen, weil es viele Dinge gibt, die wir nicht in unserer Hand haben. Unvorhersehbar ist vieles, was auf Josua und das Volk Israel zukommt. Vor diesem Wagnis sich auf Unbekanntes einzulassen, sehnt er sich nach 100%-iger Sicherheit. Josua spürt, dass die Fußstapfen seines Vorgängers zu groß sind und er denkt sich, was Mose geleistet hat, kann ich niemals leisten! Angst kriecht in ihm hoch! Die Aufgabe ist zu groß, ich werde scheitern. Doch mitten in seine Gedanken hinein, ganz unvermittelt hört er staunend, dass Gott zu ihm spricht: I

ch lese im 1 Kapitel des Buches Josua die Verse 1 - 9:
1 Nachdem Mose, der Knecht des Herrn, gestorben war, sagte der Herr zu Josua, dem Sohn Nuns, dem Diener des Mose:
2 Mein Knecht Mose ist gestorben. Mach dich also auf den Weg und zieh über den Jordan hier mit diesem ganzen Volk in das Land, das ich ihnen, den Israeliten, geben werde.
3 Jeden Ort, den euer Fuß betreten wird, gebe ich euch, wie ich es Mose versprochen habe.
4 Euer Gebiet soll von der Steppe und vom Libanon an bis zum großen Strom, zum Eufrat, reichen - das ist das ganze Land der Hetiter - und bis hin zum großen Meer, wo die Sonne untergeht.
5 Niemand wird dir Widerstand leisten können, solange du lebst. Wie ich mit Mose war, will ich auch mit dir sein. Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht.
6 Sei mutig und stark! Denn du sollst diesem Volk das Land zum Besitz geben, von dem du weißt: Ich habe ihren Vätern geschworen, es ihnen zu geben.
7 Sei nur mutig und stark und achte genau darauf, dass du ganz nach der Weisung handelst, die mein Knecht Mose dir gegeben hat. Weich nicht nach rechts und nicht nach links davon ab, damit du Erfolg hast in allem, was du unternimmst.
8 Über dieses Gesetzbuch sollst du immer reden und Tag und Nacht darüber nachsinnen, damit du darauf achtest, genau so zu handeln, wie darin geschrieben steht. Dann wirst du auf deinem Weg Glück und Erfolg haben.
9 Habe ich dir nicht befohlen: Sei mutig und stark? Fürchte dich also nicht und hab keine Angst; denn der Herr, dein Gott, ist mit dir bei allem, was du unternimmst.

Liebe Gemeinde,
die Ermutigung Gottes naht zur rechten Zeit. Das ist es, was er vor seiner schwierigen Aufgabe braucht! Zu wissen, dass es jemanden gibt, der da ist und ihn und sein Volk beschützt. Gott spricht den tröstlichen Satz: "Wie ich mit Mose war, will ich auch mit dir sein. Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht."

Josua atmet auf! Er ist nicht allein. Das tut ihm gut! Doch er spürt, dass auch von ihm etwas verlangt wird. Denn die Zusage Gottes ist an eine Haltung gebunden, die unserer Meinung nach nur schwer durchzuhalten ist. "Sei nur mutig und stark, und achte genau darauf, dass du ganz nach der Weisung handelst, die mein Knecht Mose dir gegeben hat. Weiche nicht nach rechts und nicht nach links davon ab, damit du Erfolg hast in allem, was du unternimmst. Über dieses Gesetzbuch sollst du immer reden und Tag und Nacht darüber nachsinnen, damit du darauf achtest, genau so zu handeln, wie darin geschrieben steht. Dann wirst du auf deinem Weg Glück und Erfolg haben."

Auch wir stehen vor einem Wagnis. Das Neue Jahr liegt vor uns, noch dunkel und verborgen in dem, was es uns bringt. Ist die Zusage, die Gott dem Josua gibt, nicht auch für uns genau die Zusage, die wir uns wünschen? Mitten in unseren Überlegungen, wie das Jahr werden wird, welche "Schicksalsschläge" uns treffen könnten? Denn letztlich wissen wir nicht, wie wir mit dem, was auf uns zukommt, umgehen werden. Diese Erkenntnis macht Angst und lähmt nicht selten unsere Entscheidungen. So brauchen auch wir einen, der uns niemals fallen lässt, uns nie verlässt und komme was wolle, an unserer Seite steht. Dieser Beschützer und Begleiter, ja Freund unseres Lebens ist Gott selbst. Auch wenn sich viele schwer tun zu glauben, dass dieser Gott sich um jeden Menschen ganz persönlich kümmert. Wer außer ihm könnte uns denn unsere Würde und Selbstachtung erhalten, oder zurückgeben, wenn sie auf der Strecke geblieben ist?

Bei aller Unsicherheit und bei allem Unbekannten, das auf uns wartet, können wir, wie einst Josua, mutig und stark das Neue Jahr erobern. Es ist ein weiteres Jahr, das uns dieser, uns oft unbegreifliche Gott, schenkt. Mögen uns andere Menschen verlassen, oder wir das Gefühl haben, in ein schwarzes Loch zu fallen: Wir können uns an jedem neuen Tag sein Wort in Erinnerung rufen: "Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht" und das Neue Jahr mit Mut und Zuversicht angehen.

Doch so, wie es damals wichtig war, das Gesetz Gottes gut zu kennen und danach zu handeln: Weder rechts noch links von diesem Weg abzuweichen, so ist es für uns wichtig zu fragen: Wie sehr richten wir unser Leben heute nach dem Willen Gottes aus?

Betrachten wir es Tag und Nacht und lassen "dieses Buch der Weisung nicht aus unserem Mund", wie Gott es Josua vorschreibt? Ich denke keiner unter uns kann dies so behaupten. Aber wer in dem Bewusstsein lebt, dass er oder sie das eigene Leben Gott verdankt und Gott in der Nähe weiß, kann getrost und unverzagt das neue Jahr beginnen.

Bei aller Unsicherheit und bei allem Unbekannten, das auf uns wartet, wir können getrost und unverzagt das Neue Jahr erobern. Es ist ein weiteres Jahr aus Gottes Ewigkeit, und aus Gottes Hand können wir das, was es uns bringen wird, annehmen. Es kann Freudiges aber auch nur schwer zu Tragendes sein. Jetzt wissen wir es noch nicht. Wir haben unsere Zukunft auch nicht in der Hand. Doch wir können Gott vertrauen, der diese Zukunft für uns bereithält. So wie Gott uns im vergangenen Jahr begleitet hat und nahe war, manchmal spürbar nah, manchmal eher weiter weg, so wird Gottes Begleitung uns auch in diesem neuen Jahr zugesagt: "Denn dein Gott ist bei dir in allem, was du tust". So ermutigt und gestärkt lassen Sie uns dieses Jahr im Namen Jesu begrüßen und beginnen.

Erstellt: 15.1.2006
Zuletzt aktualisiert: 11.4.2010 11:59 Uhr