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Predigt - Auf ein festes Fundament bauen

Text: 1.Korinther 3,10-15

Liebe Gemeinde!

"Auf ein festes Fundament bauen". dazu lädt der diesjährliche Partnerschaftssonntag mit der Synodalregion Rubengera/Ruanda ein. Zum 14. Mal feiern wir ihn. Damit greift der Partnersonntag ein Wort des Apostels Paulus aus dem 1.Korintherbrief auf.

10 Ich nach Gottes Gnade, die mir gegeben ist, habe den Grund gelegt als ein weiser Baumeister; ein anderer baut darauf. Ein jeder aber sehe zu, wie er darauf baut.
11 Einen andern Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.
12 Wenn aber jemand auf den Grund baut Gold, Silber, Edelsteine, Holz, Heu, Stroh,
13 so wird das Werk eines jeden offenbar werden. Der Tag des Gerichts wird's klar machen; denn mit Feuer wird er sich offenbaren. Und von welcher Art eines jeden Werk ist, wird das Feuer erweisen.
14 Wird jemandes Werk bleiben, das er darauf gebaut hat, so wird er Lohn empfangen.
15 Wird aber jemandes Werk verbrennen, so wird er Schaden leiden; er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer hindurch.

"Auf ein festes Fundament bauen"

Im Juni war eine Delegation unseres Kirchenkreises in Rubengera, um das Gemeindezentrum, das "Centre Ubucuti", d.h. Haus der Freundschaft seiner Bestimmung zu übergeben. Bis auf das Dach wurde es durch Eigenleistung errichtet. Äußerlich fertig, fehlt es noch an diversen Einrichtungen, damit das Haus als Ausbildungs-, Tagungsstätte und Gemeindezentrum richtig genutzt werden kann. Doch der Mangel lässt die Gemeinden nicht resignieren. Ihre Freude ist überschwänglich; denn sie haben ganz konkret erfahren, wie tragfähig der Glaube ist: Einen andern Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.
Möglich wurde die Finanzierung dieser und anderer Kirchenneubauten auch durch die Spenden und Kollekten aus den Gemeinden unseres Kirchenkreises. Die Dankbarkeit der Christen in Rubengera wurde der Delegation bei jeder sich bietenden Möglichkeit bezeugt.

"Auf ein festes Fundament bauen"

Daneben wird auch ein Schulgeldprojekt, das im November 2000 vom SFR auf Bitten der Partner geschaffen wurde, gefördert. Es ist ein Langzeitprojekt. Zurzeit wird 45 Kindern und Jugendlichen ein regelmäßiger Schulbesuch ermöglicht. Das Diakoniekomitee in Rubengera leistet hervorragende Arbeit. Es sucht die SchülerInnen aus, verpflichtet sie zum Schulbesuch und kontrolliert diesen regelmäßig. Wer dem nicht nachkommt, der fällt raus und der/die Nächste rückt nach. Die Warteschlange ist unübersehbar lang. Die Kirchen dort haben erkannt, Schulbildung ist überlebenswichtig. Darum wollen sie im übertragenen Sinne mithelfen, dass die Kinder und Jugendlichen ein solides Grundwissen als Fundament für die spätere Berufsausbildung erhalten.

"Auf ein festes Fundament bauen"

Ruanda ist ein im Inneren zerrissenes Land. Die Versöhnung nach dem Genozid bleibt ein schwieriges Thema. Der Besuch einer nationalen Gedenkstätte hat die Delegation sehr berührt. Auch zehn Jahre nach dem Bürgerkrieg sind noch viele Opfer nicht würdig bestattet. Die Aufarbeitung der Geschehnisse wird noch Jahre dauern. Dennoch bemühen sich die Gemeinden Wege der Versöhnung zu gehen im Vertrauen auf Jesu Christus, der für uns gestorben ist,

 "So sind wir nun Botschafter an Christi Statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi Statt: Lasst euch versöhnen mit Gott!"
(2.Kor.5,21)

"Auf ein festes Fundament bauen"

Aids ist eine jede Familie betreffende Realität mit verheerenden Folgen für die betroffenen Menschen. Das Anti-AIDS-Programm der presbyterianischen Kirche Ruandas und das staatliche Projekt beginnen langsam Wirkung zu zeigen. Die Menschen müssen über Aids und seine Verbreitungsmöglichkeiten ausführlich informiert und es muss auch ein Umdenken bei den Menschen im Punkto Verhütung erreicht werden.

"Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan."
(Matthäus 25,40)

"Auf ein festes Fundament bauen"

Zum ersten Mal wurde die Regierung im letzten Jahr demokratisch gewählt. Nach den vorausgegangenen Kommunalwahlen ist dies ein Schritt in Richtung Demokratisierung. Doch das Fundament ist schwach. Die Skepsis auf einen wirklichen Neufang wächst. Sie ist wohl auch berechtigt, denn Ruanda ist, obwohl von der Regierung geleugnet, in dem Krieg in Ost-Kongo verwickelt. Dort geht es um das wertvolle Coltan, dass z.B: für den Bau vom Handys benötigt wird, und natürlich um Macht. Denn der Ost-Kongo ist reich an Bodenschätze, etwas, was dem Land Ruanda fehlt. Darum ist dieser Grenzbereich so interessant für die Regierung. Hier bleibt es für die christlichen Gemeinden eine unaufgebbare Pflicht auf dem Fundament Jesu Christi ´für Frieden zu sorgen:

"Lass ab vom Bösen und tu Gutes; suche Frieden und jage ihm nach!"
(Psalm 354,15)

"Auf ein festes Fundament bauen"

Was die Delegation wohl so beeindruckt hat, ist zum einen die tiefe Glaubensfreude der Gemeinden, die oftmals lange Wege durch die Hügel machen müssen und dabei alle nur erdenklichen Strapazen auf sich nehmen, alles, um einen Gottesdienst besuchen, Gemeinde erleben zu können. Beeindruckend ist wohl auch, dass die Menschen sich von den vielfältigen Schwierigkeiten und enormen Problemen nicht einschüchtern lassen. Sie scheinen nicht zu resignieren, sie rufen nicht nach dem Staat und warten, dass andere endlich mal was tun. sondern sie setzen beherzt auf dem Fundament Jesu Christi sichtbare Zeichen des Glaubens.

Was können wir davon lernen?

Heute findet nach diesem Gottesdienst eine Gemeindeversammlung statt. In ihr wird die Haushaltssituation eine große Rolle spielen. Die Kirchensteuern gehen weiter bergab. Die Zeiten, wo wie selbstverständlich alles aus der Kirchenkasse bezahlt werden konnte sind vorbei. Allein die jährlichen Unterhaltskosten unserer Gebäude, 2 Kirchen, 2 Gemeindehäuser, 1 Pfarrhaus können nicht mehr aus dem laufenden Haushalt finanziert, geschweige denn Renovierungen durchgeführt werden. Darum bin ich sehr, sehr dankbar, dass es in Windesheim beim Projekt Kirchenvorplatz-Neugestaltung so gut Hand in Hand gearbeitet wurde und wird, so dass der 1. Teil innerhalb eines Jahres verwirklicht werden konnte. Ein Hoffnungszeichen lebendigen Glaubens!

Wenn wir nachher uns beraten, dann geht es ja nicht um Aufgabe des Fundamentes, das in Jesus Christus gelegt ist. Der Präses der westfälischen Landeskirche, Alfred Buß, hat in einem epd- Interview es sehr treffend gesagt:

"...Ich hoffe, dass es mir gelingt, eine vielgestaltige Kirche auf Kurs zu halten in einer Zeit, in der sie umgebaut werden muss und zwar nicht als Wachstumskirche wie früher, sondern als schrumpfende Kirche. Wir werden älter und wir werden wenigere Menschen, das bedeutet, dass wir uns kleiner setzen müssen. Es kommt darauf an, dass wir diesen retardierenden Prozess positiv gestalten und nicht als Niedergang begreifen..."

In diesem Prozess sind auch wir als Kirchengemeinde, Nun geht es darum unsere Strukturen an die Gegebenheiten anzupassen und auch kaufmännisch klug zu handeln. Die redliche Haushalterschaft steht auf der Tagesordnung. Sie fordert meiner Erkenntnis nach tiefe Einschnitte in das bisher so Selbstverständliche.

Der Perspektivausschuss hat dazu viel Einschneidendes, aber auch Hoffnungsvolles vorgelegt. Er hat ein Vier-Säulenmodell für unsere Gemeinde entwickelt: Reduzierung von Personalkosten, Reduzierung oder optimalere Ausnutzung der Gebäuden, Förderung der ehrenamtlichen Arbeit und Erschließung neuer Finanzquellen.

Der Superintendent hat in dem Gespräch mit dem Presbyterium am vergangenen Mittwoch unterstrichen, dass wir diese Herausforderung als Chance begreifen sollten, damit das Evangelium wieder Menschen begeistert.

So gesehen geht es um einen Umbau auf dem von Jesus Christus gelegten Fundament. Da sind neue Ideen gefragt und kein Verharren im Gestern. Es könnte sein, dass bei einem "So ist es und so soll es bleiben" es uns dann ergeht wie Lots Frau, die sich zurückwandte und zur Salzsäule erstarrte. Vielmehr geht es um den Mut "Weniger ist mehr", um die Konzentration der Kräfte, um Entlastung der Mitarbeitenden durch Förderung statt durch Forderung.

Was können wir davon lernen?Der Apostel Paulus erinnert seine Gemeinde und uns daran, dass es einen Tag der Offenbarung gibt, an dem sich erweisen wird, was Bestand hat und was nicht. Es wird eine Feuerprobe kommen. Will der Apostel mit Rute und Stock Menschen in Angst und Schrecken gefangen halten? Nein, er warnt, weil es etwas zu verlieren gibt. Nicht unser Leben ist in Gefahr, sondern unsere Bestimmung. Wir sind dazu bestimmt, Gottes Tempel zu sein. Daran dürfen wir mitbauen. Lasst es uns wie die Schwestern und Brüder in Rubengera tun:

"Und auch ihr als lebendige Steine erbaut euch zum geistlichen Hause und zur heiligen Priesterschaft, zu opfern geistliche Opfer, die Gott wohlgefällig sind durch Jesus Christus."
(1.Petrus 2,5)

Amen.

Erstellt: 31.12.2004
Zuletzt aktualisiert: 3.4.2011 16:35 Uhr
Redakteur: Anders Grüning

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