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Predigt - Aus Trauer wird Freude

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus
Amen.

Der heutige Predigttext, liebe Gemeinde, berichtet von Geburt, von Abschied und Ende, sowie von einem Neuanfang. Der Text, er berichtet uns vom Abschied Jesu und der kommenden Geburt des Reiches Gottes.

Bei dem Text handelt es sich um eine der vielen Abschiedreden, die Jesus mit seinen Jüngern führt. Aus dem Abschied soll ein Neuanfang werden und aus dem Schmerz soll eine unendliche Freude werden.

Die Jünger, sie hatten lange gebraucht, bis sie es begriffen hatten, dass Jesus sie nicht im Stich lassen wollte. Von ihren eigenen Sorgen waren sie so gefangen, dass sie nicht über den Abschied Jesu hinaussehen konnten.

Und als sich Gegner Jesu sich über ihren Sieg freuten, da waren sich die Jüngerinnen und Jünger sicher, dass es für sie keine Freude mehr geben würde.

Joh 16,16-23
16 »Es dauert nur noch kurze Zeit, dann werdet ihr mich nicht mehr sehen. Und es dauert noch einmal eine kurze Zeit, dann werdet ihr mich wieder sehen.«
17 Einige seiner Jünger sagten zueinander: »Was meint er damit, wenn er zu uns sagt: ›Es dauert nur noch kurze Zeit, dann werdet ihr mich nicht mehr sehen. Und es dauert noch einmal eine kurze Zeit, dann werdet ihr mich wieder sehen?‹ Und was bedeutet es, wenn er sagt: ›Ich gehe zum Vater?«
18 Sie überlegten hin und her: »›Eine kurze Zeit‹, hat er gesagt. Was heißt das? Wir wissen nicht, wovon er redet.«
19 Jesus merkte, dass sie ihn gern gefragt hätten. Er sagte zu ihnen: »Überlegt ihr miteinander, was ich meinte, als ich sagte: ›Es dauert nur noch kurze Zeit, dann werdet ihr mich nicht mehr sehen. Und es dauert noch einmal eine kurze Zeit, dann werdet ihr mich wieder sehen‹?
20 Ich sage euch: Ihr werdet weinen und klagen, aber die Welt wird sich freuen. Ihr werdet traurig sein, doch eure Traurigkeit wird sich in Freude verwandeln.
21 Es geht euch wie der Frau, die ein Kind bekommt: Während der Geburt macht sie Schweres durch, aber wenn das Kind dann geboren ist, sind alle Schmerzen vergessen, so groß ist ihre Freude über das Kind, das sie zur Welt gebracht hat.
22 Auch ihr seid jetzt traurig; doch ich werde wieder zu euch kommen. Dann wird euer Herz voll Freude sein, und diese Freude kann euch niemand mehr nehmen.
23 An jenem Tag werdet ihr mich nichts mehr zu fragen brauchen. Ich versichere euch: Wenn ihr dann den Vater in meinem Namen um etwas bittet, wird er es euch geben.
GNÜ 2009

In unserem Predigttext, liebe Gemeinde, geht es um Angst und Freude, um Abschied und Wiedersehen.

Jesu Worte waren für die Jünger keine Beruhigung, sie trugen eher zur Verwirrung bei. Was bedeutet denn:

„noch eine kurze Zeit“?

„Wir verstehen nicht, was er sagt“.

Eine Art Rätselrede für die Jünger.

Wir können schnell sagen: Na klar, da redet Jesus von seinem baldigen Tod und von seinem Auferstehen wenige Tage darauf. Doch das ist, so denke ich, nur die halbe Wahrheit.

Dass die Jünger Jesus bald wieder sehen würden, damit meint der Evangelist Johannes nicht nur die relativ kurze Zeit der Begegnungen mit dem Auferstandenen. Er meint nicht nur Ostern, sondern auch Pfingsten. Der Evangelist Johannes, er meint auch die Begegnung mit dem Heiligen Geist, der den auferstandenen Jesus Christus auf der Erde vertritt.

Kann man sich vorher schon auf einen endgültigen Abschied vorbereiten? Kann man sich wirklich mit dem Gedanken vertraut machen, dass ein bestimmter Mensch, ein Partner, ein Kind, Vater oder Mutter auf einmal nicht mehr da ist?

Diese kurze Zeit war für die damaligen Christen zum Problem geworden, denn sie hatten mit der Wiederkunft Christi noch zu ihren Lebzeiten gerechnet. Wann kommt Jesus Christus wieder mit seinem Reich der Gerechtigkeit und des Friedens?

In unserem Predigttext, liebe Gemeinde, sind mit dem Wiedersehen, die nachösterlichen Erscheinungen des Auferstandenen gemeint und nicht die Wiederkunft am Ende der Zeiten.

Dies erweist sich durch die Tatsache, dass nur die Jüngerinnen und Jünger den Auferstandenen gesehen haben und nicht die ganze Welt.

Was heißt eine kurze Zeit? Bis heute begleitet uns diese Frage.

Unabhängig von Zeit und Raum, so denke ich, führt Gott im Ablauf unserer Zeit, durch seinen Sohn Jesus Christus das Werk unserer Erlösung durch.

Dabei spielt der Zeitpunkt meines Erachtens keine Rolle, er sollte aber zu unserer Lebzeit sein; denn unsere Hinwendung zu Jesus ist dann der Anfang unseres neuen Lebens.

Mit Christus wird das Neue, das Unvorhersehbare, das Überraschende kommen. Die Freude, die uns dann überkommt, ist Kennzeichen eines neuen Lebens. Durch seinen Geist will er uns helfen, dass wir so werden wie er.

Als das irdische Leben Jesu mit der Verurteilung und seinem Kreuzestod endete, war die Lebensfreude der Jüngerinnen und Jünger dahin. Und als dann noch Jesu Gegner sich ihres Sieges freuten, waren sie sich ganz sicher, dass es für sie niemals mehr Freude geben würde.

Der seelische Druck all dieser Ereignisse ließ sie alles vergessen, was Jesus ihnen über die Freude, die der Trauer folgen sollte, gesagt hatte.

Scheiden tut weh, liebe Gemeinde, ja, ein endgültiger Abschied tut weh. Wer sich diesem Schmerz aussetzt, kennt auch die Freude des Wiedersehens und wer den Schmerz des endgültigen Abschieds kennt, kennt auch die Freude, die uns niemand nehmen kann.

Lassen wir uns von unseren Sinnen nicht beirren, wenn wir Jesus jetzt noch nicht sehen können. Nach seinem Tod konnten die Jüngerinnen und Jünger Jesus drei Tage auch nicht sehen.

Es dauert noch eine kurze Zeit und die Jüngerinnen und Jünger haben den Auferstandenen wieder gesehen und nun ist er für immer da.

Wer sich von ihm an die Hand nehmen lässt, für den fängt die Freude an, die aus Gottes Herrlichkeit kommt. Alles, was uns bedrückt und belastet, ist vorübergehend und wird von der Freude über die endgültige Nähe Gottes überwältigt.

Die Jünger haben geweint und getrauert, als Jesus tot war. Sie haben sich eingesperrt aus Angst. Die Gegner aber haben triumphiert.

"Die Welt wird sich freuen."

Mit "Welt" meint der Evangelist Johannes die Menschen, die nichts mit Jesus zu tun haben wollten.

Doch die Trauer hat nicht das letzte Wort. Aus Trauer wird Freude werden. Jesus ist realistisch und ehrlich: Es gibt keinen Abschied ohne Trauer, ohne Weinen, ohne Klagen. Ob das ein Abschied von einem Menschen ist, der stirbt, ein Abschied, weil einen der Partner verlässt, oder vielleicht auch der Abschied von einem Kind, das aus dem Haus geht.

An der Traurigkeit geht es nicht vorbei. Man kann sie nicht wie ein Hindernis umfahren. Für den Tunnel, der durch den Berg geht, gibt es keinen alternativen Weg. Wer auf die andere Seite kommen will, muss durch.

Die Traurigkeit wird in Freude verwandelt. Das heißt doch: Freude fällt nicht einfach vom Himmel. Freude ist verwandelte Trauer. Freude ist ein Verwandlungsprozess. Die Trauer ist der Stoff, aus dem die Freude gemacht wird.

Am Ende steht nicht der Schmerz, am Ende steht ein neues Leben, am Ende steht die Freude über eine neue Glaubenssicherheit.

Ja, am Ende ist Freude darüber, dass wir nicht alleine sind, so wie es uns Jesus am Ende seines irdischen Wirkens versprochen hat: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.
Amen

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus
Amen.

Erstellt: 15.5.2011
Zuletzt aktualisiert: 23.5.2011 20:01 Uhr
Redakteur (nicht zwingend Autor): Anders Grüning

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