Predigt "Brot des Lebens"
Text: Johannes 6,32-35
32 Da sprach Jesus zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel.
33 Denn Gottes Brot ist das, das vom Himmel kommt und gibt der Welt das Leben.
34 Da sprachen sie zu ihm: Herr, gib uns allezeit solches Brot.
35 Jesus aber sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.
Liebe Gemeinde!
In dieser Woche haben wir uns an vier Abenden mit den Ich – bin - Worten Jesu aus dem Johannesevangelium beschäftigt. Daher habe ich für den heutigen Sonntag eines der 7 Ich – bin – Worte Jesu ausgesucht, das wir nicht besprochen haben.
Textverlesung
Im Zusammenhang mit diesem Ich – bin – Wort Jesu geht es um mehre Variationen von Brot.
Zunächst einmal geht es um das alltägliche Brot, das den knurrenden Magen füllt. Viele von uns kennen noch Zeiten, da war das Brot oft hart und knapp. Da musste man jeden Pfennig genau ansehen. Und es wird einem dann bewusst, wie wichtig das „tägliche Brot“ ist. Damals macht Jesus immerhin einige Tausende satt, so dass sie ihn begeistert zum König machen wollen, zum Brotkönig.
Zum anderen ist Brot das Zeichen des Lebensnotwendigen schlechthin. Unübertroffen hat Martin Luther in seinem Kleinen Katechismus auf die Frage: “Was heißt denn tägliches Brot?“ geantwortet:
Alles, was Not tut für Leib und Leben,
wie Essen, Trinken, Kleider, Schuh,
Haus, Hof, Acker, Vieh, Geld, Gut,
fromme Eheleute, fromme Kinder, fromme Gehilfen,
fromme und treue Oberherren, gute Regierung,
gut Wetter, Friede, Gesundheit, Zucht, Ehre,
gute Freunde, getreue Nachbarn und desgleichen.
Und dass Jesus den nagenden Hunger nach dem täglichen Brot sehr ernst nimmt, macht das Gleichnis vom Weltgericht deutlich: „Denn ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mir zu trinken gegeben“, sagt er zu den Gerechten, die gar nicht bemerkt haben, dass sich hinter einem Hungrigen, einem Durstenden Jesus selbst verbirgt. (Matthäus 25,35)
Zum dritten geht es um das Brot des Lebens, das für Zeit und Ewigkeit satt macht und den Lebenshunger endgültig stillt.
Kennen Sie das Gesetz von der Erhaltung der Unzufriedenheit? Das funktioniert folgendermaßen:
Da ist man auf der Schule, und die Schule ist zwar ganz nett und interessant, aber oft auch nervig. Und man denkt sich: "Wenn ich erst mal die Schule hinter mir habe und in der Ausbildung oder im Studium bin - dann geht's mir gut." Dann ist man in der Ausbildung oder im Studium, und man wird gewahr: "Oh nein - da gibt es ja noch die Abschlussprüfung - das Examen!" Und man sagt sich: "Wenn ich das erst mal hinter mir habe - dann geht's mir gut!" Dann ist man auf Arbeitsplatzsuche, und man sagt sich: "Wenn ich erst mal eine Arbeitsstelle habe - dann geht's mir gut!" Und dann: "Wenn ich erst mal die Partnerin / den Partner fürs Leben gefunden habe - dann geht's mir gut. - Wenn wir erst mal Kinder haben - dann geht's uns gut. - Wenn erst mal die Kinder aus dem Gröbsten raus sind - dann geht's uns gut. - Wenn ich erst mal die Midlife-Crisis überwunden habe - dann geht's mir gut. - Wenn ich erst mal in Rente bin - dann..."
Dass man mich richtig versteht: Ich finde es völlig in Ordnung, sich auf Dinge zu freuen, die in der Zukunft liegen. Allerdings sollte man deswegen nicht die Grundfragen an das Leben immer weiter verschieben. Z.B. die Frage: "Was macht eigentlich mein Leben wertvoll, gelungen?" Könnte doch sein, dass die Antwort auf diese Frage ganz woanders liegt? Dass die Frage selbst berechtigt ist - diese Unruhe, die wir verspüren.
Jesus sagt: 'Eure Bedürfnisse sind berechtigt. Eure tiefe Sehnsucht nach Leben ist berechtigt. Dieses Gefühl: 'Das kann doch nicht alles gewesen sein. Das Leben ist doch noch mehr. Und: Ich bin noch mehr-' - dieses Gefühl stimmt. Es kommt nur darauf an, sie an die richtige Adresse zu richten.' Und diese Adresse ist Jesus selbst:
"Ich bin das Brot des Lebens", sagte Jesus zu ihnen. "Wer zu mir kommt, wird niemals wieder Hunger leiden, und wer an mich glaubt, wird nie wieder Durst haben."
Schon damals wurde das angezweifelt. Er behauptet, so denken die Zuhörenden, vom Himmel zu kommen – dabei kennen wir seinen Vater und seine Mutter. Der kommt doch von nebenan, nicht von oben!
Noch immer und immer wieder wird das angezweifelt. Warum weben sich viele Menschen ihre eigene Patworkdecke des Glaubens, suchen und sammeln sich auf dem Markt der religiösen Angebote das, was in ihre Vorstellungen zu passen scheint? Weil sie damals wie heute immer wieder neue Sensationswunder erwarten.
Damals forderten sie nach dem Speisewunder weitere Zeichen. Heute suchen Menschen immer noch nach dem letzten Kick. Sie finden Jesu Aussage: „Gott verlangt nur eins von euch: Ihr sollt den anerkennen, den er gesandt hat“ (Joh 6,29 Gute Nachricht), schlicht unzeitgemäß, unattraktiv.
Ein Experiment:
Liebe Gemeinde!
Glaubt ihr, dass dies ein echter Zehneuroschein ist? Dieser Zehneuroschein ist für euch, ich verschenke ihn an einen von euch, glaubt ihr das?
Warten, ob jemand nach vorne kommt und ihn sich holt. Dann fortfahren:
- Liebe Gemeinde, schade, das keine/r nach vorn kam. Warum so kleingläubig? Wovor haben Sie Angst? Denn… siehe unter 3.
- Liebe Gemeinde, schön, das eine/r so mutig war, nach vorn zu kommen, um sich den Geldschein abzuholen, denn
- das ist Glauben: aufhorchen auf ein Wort, aufstehen, hingehen und empfangen, was in
dem Wort versprochen wurde, und schließlich damit leben.
Zuletzt geht es um das Abendmahls-Brot. Am Schluss dieser langen Auseinandersetzungen weist Jesus noch auf einen anderen Aspekt hin:
Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit. Und dieses Brot ist mein Fleisch, das ich geben werde für das Leben der Welt. (Joh 6,51)
Damit macht er klar: das Kauen dieses Brotes nährt Leib und Seele auch über das Sterben hinaus. Darum gibt Jesus sein Leben für uns dahin. Und Martin Luther hat dafür ein schönes Bildwort verwendet: „Gott ist ein glühender Backofen voller Liebe, der von der Erde bis an den Himmel reicht.“
Noch einmal: „Ich bin das Brot des Lebens“, sagt Jesus und lädt uns ein, von ihm alles, ja wirklich alles zu erwarten. Das zu erleben und neu zu schmecken, das schenke uns Gott. Amen.
Liturgie
Wochenspruch:
Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. Röm 5,8
Kyrie
Wir Menschen handeln oft nicht in deinem Sinne,
Schöpfer des Lebens.
Viel zu oft verfolgen wir unsere eigenen Interessen,
nehmen uns selbst zu wichtig
und achten nicht auf das Recht der anderen.
Daraus kann sehr viel Leid entstehen,
Leid, das verhindert werden könnte,
würden wir nicht nur unseren eigenen Vorteil suchen.
Nicht immer ist es böser Wille, der uns dazu verleitet,
viel öfter ist es Gedankenlosigkeit und Gleichgültigkeit.
Hilf uns, dass wir uns beidem widersetzen. Kyrie Eleison ...
Zuspruch.
Jesus sagt: Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe. Joh 10,11
Kollektengebet
Dein Sohn, Schöpfer des Lebens,
hat uns Mitmenschlichkeit gelehrt.
Er hat jedeN danach behandelt, was er/sie ist:
dein Geschöpf, geschaffen aus Liebe,
beatmet mit deinem Geist, unendlich wertvoll,
für die Ewigkeit bestimmt.
Dem wollen wir folgen, so schwer es uns auch manchmal fällt,
und in unserem Nächsten nicht den Feind,
sondern unsereN Schwester/Bruder zu erkennen,
die/der dein Antlitz trägt.
Das bitten wir dich, der du mit dem Sohn und dem Heiligen Geist lebst und regierst von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Fürbitten
Schöpfer des Lebens,
dich bitten wir um deinen Beistand:
Erinnere uns an die Liebe,
die du uns schenkst,
wenn wir anderen unsere Liebe verweigern.
Erinnere uns an die Freiheit,
die du uns einräumst,
wenn wir das Leben anderer einengen.
Erinnere uns an die Barmherzigkeit,
mit der du uns umgibst,
wenn wir hartherzig handeln.
Erinnere uns an die Geduld,
die du für uns aufbringst,
wenn wir zu viel von anderen erwarten.
Erinnere uns an die Wahrheit,
die du bist,
wenn wir nicht ehrlich mit anderen umgehen.
Erinnere uns an den Segen,
den du uns spendest,
wenn wir für andere nur schlechte Worte übrig haben.