Predigt "Christi Himmelfahrt"

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Die Frage nach dem Himmel, wo er ist und wie er aussieht, sie wird uns immer beschäftigen, erst recht am heutigen Tage an Christi Himmelfahrt. Wie können wir uns den Himmel vorstellen? Übersteigt es gar unser Vorstellungsvermögen, wenn wir über den Himmel sprechen? Jesus hat sich komischer Weise zurückgehalten und uns keine konkrete Beschreibung des Himmels gegeben, obwohl die Menschen, die ihm damals nachfolgten, gerne von ihm erfahren hätten, wie der Himmel aussieht. Für Jesus waren andere Dinge wichtiger.

Im Johannesevangelium allerdings, Kapitel 14, 2, da wird uns gesagt, was der Himmel ist: "In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen. Wenn's nicht so wäre, hätte ich dann zu euch gesagt: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten?" Jesu Himmelfahrt bedeutet also, dass er unterwegs ist, um für uns eine bleibende Wohnung bei Gott zu bereiten. Die Himmelfahrt Jesu, seine Rückkehr zum Vater ist also wichtig für uns. Denn es geht um die endgültige Vollendung unseres Lebens.

Und weiter hören wir in Vers 3, dass es für Jesus eine Rückkehr auf diese Erde geben wird: "Wenn ich hingehe, euch die Stätte zu bereiten, will ich wiederkommen und euch zu mir nehmen, damit ihr seid, wo ich bin." Soweit die Aussage Jesu über die Bedeutung seiner Himmelfahrt. Für Jesus war es nicht wichtig, wie der Himmel aussieht. Die Welt Gottes, liebe Gemeinde, übersteigt unsere Vorstellung vom Himmel.

Unsere Vorstellungswelt von der Begrifflichkeit Himmel ist wesendlich einfacher: Wir sehen den Himmel über uns. Da sind die Wolken, da sind der Mond, die Sonne und die Sterne. Das ist der Raum, durch welchen Flugzeuge, Raketen und Satelliten fliegen. Ja, liebe Gemeinde, Gottes Himmel gibt es, aber mit Fernrohren, Radar, Raketen und Flugzeugen können wir ihn nicht erreichen. Wir können nur an ihn glauben. Der Himmel wird unsere zukünftige Bleibe bei Gott sein.

Wir leben in der Erwartung zwischen Jesu Himmelfahrt und seinem Wiederkommen. Es wird der Tag und die Stunde kommen, wann, das wissen wir nicht, aber dann werden wir ihn sehen. Bis dahin dürfen wir die Botschaft von Himmelfahrt weitersagen: Jesus ist gekommen, Jesus ist unsichtbar unter uns und Jesus wird kommen. Sein Weg führt von Karfreitag über Ostern zu seiner Himmelfahrt.

Offb 1,4 - 8

4 Johannes schreibt an die sieben Gemeinden in der Provinz Asien:
Gnade und Frieden sei mit euch von Gott
- von ihm, der ist und der war und der kommt -
und von den sieben Geistern vor seinem Thron
5 und von Jesus Christus, dem treuen Zeugen, der als erster von allen Toten zu neuem Leben geboren worden ist und über die Könige der Erde herrscht.
Ihm, der uns liebt, ihm, der sein Blut für uns vergossen hat, um uns von unseren Sünden freizukaufen.
6 Der uns zu Königen gemacht hat und zu Priestern,
die seinem Gott und Vater dienen dürfen: Ihm gehört die Ehre und die Macht für alle Zeiten! Amen.
7 Gebt acht, er kommt mit den Wolken! Alle werden ihn sehen, auch die, die ihn durchbohrt haben. Alle Völker der Erde werden seinetwegen jammern und klagen; das ist gewiss! Amen.
8 "Ich bin der Erste und der Letzte - der ist und der war und der kommt, der Herrscher der ganzen Welt", sagt Gott, der Herr. 
(Gute Nachricht 1997)

Dieses Schreiben des Johannes an die Gemeinden in der Provinz Asien, ist eigentlich ein Bekenntnis des Glaubens und zugleich eine Vision vom Wiederkommen Jesu mit Macht und Herrlichkeit. Alle die ihn dann sehen, werden begreifen, was Jesus Christus, ehe er in den Himmel aufgefahren ist, für uns alle am Kreuz vollbracht hat.

Sein Kommen ist für alle sichtbar, nicht nur die, die gläubig sind, werden ihn sehen. Verpassen werden wir ihn auch nicht und es muss uns auch niemand sagen, wenn Jesus da ist. Wir müssen auch keine Spekulationen anstellen, noch angstvoll in die Zukunft blicken, nein, das müssen wir nicht. Wer heute mit Jesus lebt, der darf sich auf sein Kommen freuen. Als den Gekreuzigten werden wir Jesus erkennen. Wenn Jesus kommt, dann wird nichts vertuscht werden, sondern alles, was hier auf dieser Erde Böses getan wurde und allem voran die Kreuzigung Jesu wird zur Sprache kommen.

Bis dahin, liebe Gemeinde, gibt es für uns zwei Möglichkeiten: entweder wir glauben an Jesus oder wir werden am Ende zu denen gehören, die über ihr Leben jammern und klagen. Denn wer von uns nicht zu Jesus gehört, wird bei seinem Kommen jammern und klagen. Dann werden wir erkennen, dass Gott die Fäden in der Hand hält. Und alle anderen Fäden, welche wir ohne Gott in der Hand halten, die führen ins Leere.

Wir sehen also, liebe Gemeinde, dass die Himmelfahrt Jesu, seine Rückkehr zum Vater wichtig für uns ist. Denn es geht um die endgültige Vollendung unseres Lebens. Unser heutiger Predigttext, die Vision des Johannes, unser Bekenntnis zum Glauben hat heute genau soviel Gültigkeit, wie damals. Denn unser Glaube hat heute, genauso wie damals und auch künftig mit dem lebendigen Gott und seinem Sohn Jesus Christus zu tun.

Sehen Sie, liebe Gemeinde, auch das ist Himmelfahrt. Die Erinnerung daran, dass am Ende Gnade und Friede sein werden. Wohl nicht von Menschenhand, aber er wird mit den Wolken des Himmels kommen.
Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.
Amen

Liturgie - Gebete - Fürbitten

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geiste. Amen. Der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen, Gott, aber wir vertrauen dem Wort deines Sohnes, der gesagt hat: Und ich, wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.

Psalm 47 im Wechsel      
Schlagt froh in die Hände, alle Völker, und jauchzet Gott mit fröhlichem Schall!  Gott fährt auf unter Jauchzen, der Herr beim Hall der Posaune. Lobsinget, lobsinget Gott, lobsinget, lobsinget unserm Könige! 

Denn Gott ist König über die ganze Erde; lobsinget ihm mit Psalmen! Gott ist König über die Völker, Gott sitzt auf seinem heiligen Thron.   Die Fürsten der Völker sind versammelt als Volk des Gottes Abrahams; denn Gott gehören die Starken auf Erden; er ist hoch erhaben. Amen.

Kyrie
Herr, manchmal bleibst du uns ein Rätsel.
Gerade der Anfang und das Ende der Geschichte,
die uns von dir überliefert ist, klingt so phantastisch.
Deine Geburt, deine Auferstehung, deine Himmelfahrt -
alles ist so voller Wunder.
Und wir begreifen nur schwer, was du uns damit sagen willst
und uns für unser Leben hinterlassen hast.
Dennoch: Wir glauben an dich.
Trotz unserer Fragen, auch mit unseren Zweifeln,
entgegen unserem aufgeklärten Wissen, gegen jede Vernunft. Herr, erbarme dich...
Zuspruch: Jesus Christus spricht: Und auch ihr habt nun Traurigkeit; aber ich will euch wieder sehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen. (Joh.16,32)

Kollektengebet
Herr, du scheinst manchmal so weit weg zu sein.
Und doch bist du uns so nahe, wie niemand anderes.
Der Himmel ist ja mitten unter uns. Und mit ihm bist du es auch.
In Dankbarkeit bitten wir dich: Lass uns deinen Himmel auf Erden spüren;
den Frieden, der darin herrscht, die Liebe, die ihn erfüllt, die Weite, die er schenkt. Er soll unser Leben durchdringen und die Welt in deinem Sinne verändern. So regiere du, Herr, Sohn des lebendigen Gottes, unseren Verstand und unser Herz, mit dem Vater und dem Heiligen Geist, jetzt und in Ewigkeit. Amen.

Fürbitten
Herr, im Himmel geschieht dein Wille, doch auf Erden sind wir oft weit davon entfernt.

So bitten wir dich: Mach ein Ende mit den Terroranschlägen im Irak, in Afghanistan, in allen von Gewalt erschütterten Ländern und mache einen Anfang mit dem Frieden, der Menschen unterschiedlicher Religion und Kultur miteinander leben lässt.

Mach ein Ende mit dem Hass, der Menschen an Leib und Seele, Wunden zufügt und mache einen Anfang mit der Liebe, die uns zu Schwestern und Brüdern macht.

Mach ein Ende mit den Verdächtigungen und Bespitzelungen, unter denen viele zu leiden haben, die sich nichts haben zu schulden kommen lassen und mache einen Anfang mit dem gegenseitigen Vertrauen, der in jedem Menschen zuerst das Gute erkennt, das du in ihm bist.

Mach ein Ende mit den kleinen und großen Streitereien, die unser Leben nur schwerer machen und oft zu nichts führen als zu Kummer und Schmerz und mache einen Anfang mit der Sanftmut, mit der wir einander begegnen sollten.

Mach ein Ende mit dem Raubbau der Natur, der Zerstörung unserer Umwelt und der Ausbeutung von Mensch und Tier, die wir aus Profitgier betreiben und mache einen Anfang mit der Sensibilität, die wir brauchen, um unsere Welt für unsere Kinder zu erhalten.

Mach ein Ende mit dem Aberglauben, der den Mensch zum Gott und über alles und jeden erhaben macht und mache einen Anfang mit dem Gespür für den Himmel, den du auf Erden und mitten unter uns baust und der uns demütig erkennen lässt, dass du der Herr der Welt bist. Lasst uns gemeinsam beten:

Segen
Herr, wir leben hier - segne uns.
Du schickst uns in die Welt - behüte uns.
Du gibst uns Aufgaben - lass dein Angesicht über uns leuchten.
Wir versagen oft - sei uns gnädig.
Wir fühlen uns oft allein - erheb dein Angesicht auf uns.
Gib uns und der Welt Frieden. Amen.

Erstellt: 4.6.2006
Zuletzt aktualisiert: 11.4.2010 12:10 Uhr