|

Predigt und Liturgie - Das Gebet ist ein Reden des Herzens

Kolosser 4,2-6
2 Seid beharrlich im Gebet und wacht in ihm mit Danksagung!
3 Betet zugleich auch für uns, dass Gott uns eine Tür für das Wort auftue und wir das Geheimnis Christi sagen können, um dessentwillen ich auch in Fesseln bin,
4 damit ich es offenbar mache, wie ich es sagen muss.
5 Verhaltet euch weise gegenüber denen, die draußen sind, und kauft die Zeit aus.
6 Eure Rede sei allezeit freundlich und mit Salz gewürzt, dass ihr wisst, wie ihr einem jeden antworten sollt.

Liebe Gemeinde!
Der heutige Sonntag heißt "Rogate!" auf deutsch "Betet!" In einem alten Lehrbuch für Konfirmanden ist zu lesen, was "Beten" ist: "Das Gebet ist ein Reden des Herzens mit Gott in Bitte und Fürbitte, Dank und Anbetung." Das ist sehr gut ausgedrückt, „ein Reden des Herzens“. Und das Beten steht einer Verheißung: "Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan." (Mt 7,7)

Beten und reden, mit Gott in der Stille ein Gespräch führen und in der Welt seinen Mund vernehmbar auftun, das sind nicht zwei verschiedene Paar Schuhe, sondern zwei Seiten einer Medaille. Jedenfalls nach dem, was unser Predigttext sagt:

"Seid beharrlich im Gebet" und redet allezeit freundlich und mit Salz gewürzt" - diese beiden Aufforderungen also bilden seinen Rahmen. Derjenige, der das schreibt - ob es Paulus selbst ist oder einer seiner Schüler, das kann man nicht mit Sicherheit sagen - hat seine Erfahrung mit beidem gemacht: mit dem Beten und mit dem Reden. Es scheint, als sitze er im Gefängnis, wahrscheinlich, weil er Dinge gesagt hat, die andere nicht hören wollten. Über die frohe Botschaft haben sich schon damals längst nicht alle gefreut... Wohl deshalb, weil sie allen gilt und auch unangenehme Wahrheiten ausspricht.

Apropos unangenehme Wahrheiten: Deutschland wird ja in jüngster Zeit nicht gerade mit frohen Botschaften überhäuft und auch die Kirchen müssen eine Kröte nach der anderen Schlucken. Die neueste Kröte heißt "Spiritualität in Deutschland" und fasst die Ergebnisse einer Umfrage der Identity Foundation mit Sitz in Düsseldorf zusammen. Kurz gesagt: Unserer Kirche wird ein spirituelles Armutszeugnis ausgestellt. Alle suchen nach Lebenssinn und religiösen Erfahrungen - nur nicht bei uns! Unsere Volkskirche erreicht mit dem, was sie auf diesem Sektor zu bieten hat, gerade einmal 10% aller Befragten. Die anderen suchen das, was sie suchen, woanders. Will heißen: Die Kirchen zehren nicht mehr von der Zahl der ihnen treu Verbundenen, "sondern von ihrem gesellschaftlichen Status und ihrer institutionellen Macht." (Christoph Quarch, evangelischer Theologe in Publik-Forum 9/2006, S.29) Das sind gesalzene Worte, die eine einfache Wahrheit freundlich verpacken: Unsere Institution existiert auf Pump. Wir haben den größten Teil unseres wichtigsten Kapitals verloren: die Menschen.

Dabei sind wir ja spirituell nicht verarmt! Bietet uns nicht das Gebet die Möglichkeit, eines der eindrucksvollsten spirituellen Erfahrungen machen zu können, nämlich Gott selbst zu begegnen? Und bieten wir nicht jeden Sonntag in unseren Gottesdiensten - und oft darüber hinaus - Raum und Zeit, diese Begegnung zu ermöglichen? Warum aber finden dann hier nicht mehr Menschen das, was sie für ihr Leben, ihren Glauben suchen? Verstehen sie uns nicht? Oder verstehen wir sie nicht? Hören sie uns nicht zu? Oder reden wir an ihnen vorbei?

Die frohe Botschaft an Mann, Frau und Kind zu bringen ist uns allen aufgetragen und es ist, das sei gleich gesagt, keine leichte Aufgabe. Selbst für Paulus oder einen seiner Schüler nicht. "Betet"... für uns, dass Gott uns eine Tür für das Wort auftue und wir das Geheimnis Christi sagen können... damit ich es offenbar mache, wie ich es sagen muss." Die Tür öffnet sich nicht bei jedem und Christi Geheimnis bleibt vielen ein solches. Wie soll man’s also sagen? Worte allein reichen wohl nicht! Wer redet, aber nicht lebt, wovon er andere überzeugen will, dem werden die Worte nicht abgenommen. Und wer nur redet, ohne etwas zu tun, produziert nur heiße Luft, die niemand atmen will.
Wer aber tut, was er sagt und lebt, wovon er redet, darf auf Resonanz hoffen. Vor zwei Wochen habe ich in der Frauenhilfe über Friedrich Bodelschwingh referiert, dessen 175. Geburtstag sich am 6. März dieses Jahres jährte. Von ihm wird u.a. berichtet:

"Der chirurgische Chefarzt von Bethel musste Bodelschwingh in einem Fall mitteilen, dass ein Patient nicht mehr zu retten sei. Da platzte Bodelschwingh mit der Frage an den Professor heraus: ‚Haben Sie schon gebetet um seine Rettung?" Der Professor und sein Assistent lächelten diskret. Bodelschwingh übersah das und sagte nur: "Also nein! Gut, dann will ich jetzt einmal die Sache mit Gott bereden!" Wohl eine Stunde lang lag er in seinem Zimmer auf den Knien und betete. Dann ging er wieder in das Krankzimmer jenes Patienten. Hier empfing ihn die pflegende Schwester: "Herr Pastor, seit einer halben Stunde geht es dem Kranken plötzlich besser." Nach einigen Wochen war der Kranke genesen, und der Professor ging zu Bodelschwingh und sagte: "Ich werde nie wieder lächeln wenn Sie zum Beten auffordern!" (W. Hoffsümmer Kurzgeschichten 2,Nr.94 "Dein Glaube ist groß")

Noch einmal: Wer aber tut, was er sagt und lebt, wovon er redet, darf auf Resonanz hoffen, muss allerdings auch mit Konsequenzen rechnen. Beides hat z.B. der katholische Priester und Professor Dr. Gotthold Hasenhüttl erfahren dürfen und müssen, als er auf dem Ökumenischen Kirchentag in Berlin auch Evangelische zur Eucharistie einlud und sie - wie er sagt - nicht als ChristInnen zweiter Klasse behandeln wollte. Er hat damit vielen Menschen, gerade auch denen, die in einer konfessionsverschiedenen Ehe leben und sich nach echter Ökumene sehnen, Mut gemacht. Doch seitdem darf er nicht nur sein Priesteramt nicht mehr ausüben, er wurde auch von den Veranstaltern des Katholikentages, der ja in Kürze in Saarbrücken stattfindet, wieder ausgeladen. Jetzt kann er nur noch am Rande und bei Veranstaltungen von Reformgruppen auftreten. Manchmal sind es die Kirchen selbst, die die Fesseln anlegen, von denen der Kolosserbrief spricht.

Vielleicht ist es wirklich so: Dass die Kirchen erst wieder den Weg zu den Menschen finden müssen, bevor die wieder zurück in die Kirche finden können. So hat es jedenfalls auch schon Jesus gemacht. Er hat nicht gewartet, sondern ist auf die Menschen zugegangen. Überzeugt hat er nicht nur mit seinen Worten, sondern auch mit dem, was er tat; mit der Art, wie er ihnen begegnete und mit der Freiheit, die er sich gegenüber dem religiösen Establishment nahm, die er aber auch denen zugestand, die er aufsuchte und die zu ihm kamen. In all dem offenbarte sich seine bedingungslose Liebe. Sie ist das ganze "Geheimnis Christi": die Liebe zu Gott und die Liebe zu den Menschen. Unser Beten und Reden bilden ihre beiden Seiten. Wer Gott im Gebet sucht, der wird auch zu den Menschen finden. Und wer den Menschen mit seiner Liebe begegnet, bleibt auch mit Gott im Gespräch. So sollten wir allen begegnen, die auf der Suche sind. Ich bin mir sicher, wir finden einen gemeinsamen Weg. Es braucht nur ein bisschen Mut, die Ketten abzulegen. Amen.

Eingangsspruch: Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet. (Ps.66,20)
Kyrie
Vater, nicht nur im Gebet erfahren wir Deine Liebe.
Aber im Gespräch mit dir bist du uns besonders nahe.
Hilf uns, dass wir in Kontakt bleiben,
damit wir spüren: ja, du bist bei uns,
jede Minute unseres Lebens begleitest du uns.
Kyrie Eleison ...
Zuspruch: Der HERR ist meine Stärke und mein Schild; auf ihn hofft mein Herz, und mir ist geholfen. Nun ist mein Herz fröhlich, und ich will ihm danken mit meinem Lied. (Ps 28,7)

Kollektengebet
Du hörst zu, Vater, wenn wir mit dir reden.
Du bist für uns da, wenn wir dich brauchen.
Es gibt keine Macht, die das verhindern kann.
Dafür danken wir dir und bitten dich:
Hilf, dass wir ebenso denen begegnen,
die dich suchen. Auf dass dein Haus voll werde.
So wollen wir dich loben und preisen, himmlischer Vater,  der du lebst und regierst mit dem Sohn und dem Heiligen Geist von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Liturgie

Eingangsspruch

Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet.
(Ps.66,20)

Kyrie

Vater, nicht nur im Gebet erfahren wir Deine Liebe.Aber im Gespräch mit dir bist du uns besonders nahe.Hilf uns, dass wir in Kontakt bleiben,damit wir spüren: ja, du bist bei uns,jede Minute unseres Lebens begleitest du uns.Kyrie Eleison ...Zuspruch: Der HERR ist meine Stärke und mein Schild; auf ihn hofft mein Herz, und mir ist geholfen. Nun ist mein Herz fröhlich, und ich will ihm danken mit meinem Lied.
(Ps 28,7)

Kollektengebet

Du hörst zu, Vater, wenn wir mit dir reden.Du bist für uns da, wenn wir dich brauchen.Es gibt keine Macht, die das verhindern kann.Dafür danken wir dir und bitten dich:Hilf, dass wir ebenso denen begegnen,die dich suchen. Auf dass dein Haus voll werde.

So wollen wir dich loben und preisen, himmlischer Vater,  der du lebst und regierst mit dem Sohn und dem Heiligen Geist von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Fürbitten

Vater,hilf uns, die Kriege in der Welt zu beendenund Konflikte friedlich zu lösen.Hilf uns, deine Schöpfung zu bewahrenund sie unseren Kindern lebenswert zu hinterlassen.Hilf uns, Gerechtigkeit nicht nach Gesetz,sondern mit Liebe zu verwirklichen.Hilf uns, im Glauben frei zu werden.Hilf uns, auf Menschen zuzugehen.Hilf uns, Vater, einander Schwestern und Brüder zu sein.

Erstellt: 21.5.2006
Zuletzt aktualisiert: 31.3.2011 17:15 Uhr
Redakteur: Anders Grüning

Kommentare (Beta-Test)

Keine Kommentare
Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*
*
*


*
Bei neuen Kommentaren benachrichtigen.