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Predigt und Liturgie - Die Welt ist nicht im Lot

Text: Johannes 5,24-29
24 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurch gedrungen.
25 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Es kommt die Stunde und ist schon jetzt, dass die Toten hören werden die Stimme des Sohnes Gottes, und die sie hören werden, die werden leben.
26 Denn wie der Vater das Leben hat in sich selber, so hat er auch dem Sohn gegeben, das Leben zu haben in sich selber;
27 und er hat ihm Vollmacht gegeben, das Gericht zu halten, weil er der Menschensohn ist.
28 Wundert euch darüber nicht. Denn es kommt die Stunde, in der alle, die in den Gräbern sind, seine Stimme hören werden,
29 und werden hervorgehen, die Gutes getan haben, zur Auferstehung des Lebens, die aber Böses getan haben, zur Auferstehung des Gerichts.

Liebe Gemeinde!
"Die Welt ist nicht im Lot" - treffende Worte von Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff bei der Trauerfeier für Robert Enke.
Denn der Tod holt uns in unserem Leben immer wieder ein. Unsere Endlichkeit ist und bleibt Realität dieses Lebens. Das hat uns der Tod von Nationaltorwart Robert Enke, gerade in seiner Tragik, überdeutlich vor Augen gehalten. Viele hat er aus dem Alltagtrott herausgerissen, rund 40.000 Menschen sind am vergangenen Sonntag zur Gedenkfeier in der AWD-Arena in Hannover zusammengekommen. Nein, von einer "Kirche der Fans", wie die Arena betitelt wurde, möchte ich nicht sprechen; schließlich hält sich die Göttlichkeit des Fußballs doch in Grenzen (wie nicht zuletzt Robert Enke durch seinen Freitod bezeugt hat). Dennoch hat sich das Stadion in einen Ort verwandelt, an dem Menschen ihrer Trauer und ihrer Fassungslosigkeit Ausdruck verliehen. Die (Fußball-) Welt schien für eine Zeitlang stillzustehen.
"Die Welt ist nicht im Lot"  diese Worte sind in zweierlei Hinsicht zutreffend:

1) Wann immer ein Mensch stirbt, gerät die Welt derer, die er hinterlässt, aus den Fugen; das Lebensgefüge ist auf den Kopf gestellt, nichts ist mehr, wie es war. Dieses Leben, das wir so gerne als Selbstverständlichkeit hinnehmen, ist (un)gemein zerbrechlich. Am heutigen Ewigkeitssonntag auch "Totensonntag" bezeichnet, erleben dies viele evangelische Christinnen und Christen besonders bewusst. Vielerorts ist es Brauch, die Gräber der verstorbenen Angehörigen zu besuchen und sich an sie zu erinnern. Auch als Gemeinde gedenken wir der Toten, wenn die Namen der Verstorbenen gleich verlesen werden.
Was uns dabei verbindet, sind nicht nur der erlebte und durchlebte Abschiedsschmerz und das Gefühl unendlichen Verlustes, sondern zugleich das Vertrauen auf das, was Gott uns durch Jesus verheißen hat:
Lesung der Verse 24 -25
Das ist das Versprechen Jesu, dass auch an der tragischsten, schmerzhaftesten Stelle in unserem Leben, seinem Ende, Gott alles wieder ins rechte Lot rücken will, ja durch Jesu Leben, Sterben und Auferstehung schon ins rechte Lot gerückt hat. Denn mit Jesu Auferweckung hat Gott dem Tod ein Ende bereitet. Nichts kann uns von Gott trennen. Der Apostel Paulus hat diese Gewissheit in die unvergesslichen Worte gefasst:

Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.
(Römer 8,38-39)

2) Die Welt war schon vorher nicht im Lot. Gerade, weil der selbst gewählte Tod von Robert Enke so sinnlos und unnötig zu sein scheint, vermag er (zumindest für einen Moment) aufzurütteln. Immer wieder verzweifeln Menschen an der Welt oder an ihrem eigenen Leben; verlieren sie jegliches Selbstwertgefühl in dieser knallharten Leistungsgesellschaft, in der nur zählt, wer Erfolge vorweisen kann; kommt ihnen jeglicher Lebensmut abhanden, bis schließlich als einzige "freie Wahl" die des Todes bleibt. Dabei hat der Tod schon viel früher stattgefunden, mitten im Leben sozusagen.

Lesung der Verse 26-29

Und so treffen Jesu eindringliche Worte auch die noch Lebenden, insbesondere die, denen Lebenssinn und Lebensmut abhanden gekommen sind. Gott will uns Menschen, seine Geschöpfe ins Leben zurückrufen. Und das ist eigentlich ganz leicht, müssen wir doch nur auf Gottes Botschaft hören: Gott, der selbst das Leben in sich hat, hat jedem Menschen das Leben geschenkt. Deshalb ist jedes Leben schon in sich kostbar, allein durch die Liebe, die Gott allen Seinen Geschöpfen entgegenbringt. Es braucht keine Verdienste und Leistungen, um uns zu beweisen; Gott misst das Leben nicht daran, wie nützlich es ist.
Jesus erinnert uns daran, dass wir Gott niemals abhanden kommen, Nicht der Tod hat das letzte Wort, sondern Gott spricht sein Lebenswort. So wie er Jesus aus dem Grab gerufen hat, so wird er auch uns aus dem Tod ins Leben rufen.
Hier und heute ruft Gott uns aus der Trauer ins Leben zurück, gerade dann, wenn wir dunkle Stunden und Tage durchleben, wenn unser Leben zerbricht oder wenn wir einen geliebten Menschen verloren haben. Hier und heute ruft uns Gott zu:

Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!
(Jesaja 43,1)

3) „Die Welt wird im Lot sein“ diese Hoffnung begleitet uns.  Nicht der Tod hat  das letzte Wort. Daran erinnert uns Jesus: Gott ruft uns zur Auferstehung, direkt zum Leben oder zum Gericht. Gott setzt selbst wieder ins Lot, was aus den Fugen geraten ist. Denn allzu oft und allzu gern wollen wir selbst Richter über andere sein, maßen wir uns an, über Gut und Böse, über Leben und Tod zu entscheiden und vergessen dabei die Warnung Jesu:

Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet… Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge und nimmst nicht wahr den Balken in deinem Auge?
(Matthäus 7,1+3)

Ja, das Gericht Gottes will nicht hinrichten, nicht in Angst und Schrecken jagen, sondern vielmehr aufrichten und ausrichten auf ein Neues Leben. Dafür steht das Kreuz Jesu. Es ist eine Hinrichtung – nicht im Sinne eine Verurteilung, sondern eine Hinrichtung zum Leben. Darin zeigt sich seine göttliche Liebe und Barmherzigkeit:

Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.
(Johannes 3,16)

„Die Welt wird im Lot sein“ – Gottes Wort führt letztendlich ins Leben. Martin Luther King hat diese Hoffnung mit den schönen Worten ausgedrückt:

„Komme, was mag, Gott ist mächtig. Wenn unsere Tage verdunkelt sind unsere Nächte finsterer als tausend Mitternächte, so wollen wir stets daran denken, dass es in der Welt eine große, segnende Kraft gibt, die Gott heißt. Gott kann Wege aus der Ausweglosigkeit weisen. Er will das dunkle Gestern in ein helles Morgen verwandeln – zuletzt in den leuchtenden Morgen der Ewigkeit.“

Amen.

Liturgie am Totensonntag, 22.11.2009

Wochenspruch:

Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.
Psalm 90,12

Kyrie

Wenn wir die Welt nicht mehr verstehen,
wenn alles um uns dunkel erscheint,
wenn wir die Zukunft aus den Augen verlieren,
wenn Kälte uns frösteln lässt,
wenn Resignation anstelle von Hoffnung tritt,
wenn unser Reden verstummt,
wenn wir vergessen haben, wonach wir suchen,
dann hab Erbarmen mit uns, Gott,
und lass dich von uns finden.

Zuspruch

Fürchte dich nicht vor dem, was du leiden wirst! …Sei getreu bis an den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben.
(Offenbarung  2,10)

Kollektengebet

Du, Gott des Lebens,
leuchte uns mit deinem Licht,
umhülle uns mit Wärme,
erfrische uns mit deinem Wort
und nimm uns bei der Hand
auf unserem Weg
und führe uns ins Leben,
das ewig ist bei dir.

Totengedenken

Wir erinnern uns – erinnern uns an Menschen

deren Namen wir nachher hören werden.

Erinnern uns an Menschen,

deren Namen hier nicht genannt werden.

Erinnern uns auch an die vielen Namenlosen,

um deren Sterben wir wissen.

Erinnern uns daran,

dass Tausende von Menschen auf den Kriegsschauplätzen dieser Welt

umgebracht werden.

Erinnern uns daran,

dass Millionen vorzeitig an Hunger sterben.

Wir vertrauen darauf, dass für die, die namenlos bleiben, dieselbe

Zusage gilt wie für die, die mit Namen vorgelesen werden:

»Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird

nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr

sein. Siehe, ich mache alles neu.«

Wir vertrauen darauf, dass sie bei dir Frieden haben und dein

ewiges Licht für sie leuchtet.

Verlesung

Lasst uns in Liebe der Menschen gedenken

die Gott aus dieser Zeitlichkeit abgerufen hat,

und in der Stille beten für ihren ewigen Frieden: –

Gott, gib ihnen die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihnen.

Deine Gnade tilge alle Sünde und Schuld,

deine Barmherzigkeit walte in deinem Gericht,

deine Liebe besiege alle Macht der Finsternis.

Wir bitten dich auch für alle Trauernden,

Angefochtenen und Verzagten:

Richte die Gebeugten auf durch dein Wort,

die Zweifelnden mache gewiss durch die Erkenntnis deiner Wahrheit,

die Betrübten erquicke durch deinen Trost und Frieden.

Wir bitten dich, Gott, für die Nächsten,

die du aus unserer Mitte abrufen wirst,

und für uns alle:

Stärke und erhalte uns in deinem Dienst,

wecke und mehre in uns die Liebe,

die in allem nach dir Verlangen trägt,

und führe uns durch Vergebung der Sünde zum ewigen Leben.

Glaubensbekenntnis

 

Abendmahl

Großer Gott,

am Ende des Kirchenjahres

blicken wir zurück auf das Vergangene.

Und wir müssen sehen, dass wir zu oft nicht

mutiger bekannt,

treuer gebetet,

fröhlicher geglaubt

und brennender geliebt haben.

Hilf du uns, dass wir den richtigen Weg einschlagen

und nicht von ihm abkommen.

Führe uns in unserem Bekennen und Beten.

Stärke uns in unserem Glauben und Lieben.

Erbarme dich unser und vergib uns unsere Schuld.

Zusage:

Denn es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der HERR, dein Erbarmer. (Jesaja 54,10)

Präfation

Würdig und Recht ist es,
Dir zu singen,
Dich zu preisen,
Dir Dank zu sagen,
Dich an jedem Orte Deiner Herrschaft anzubeten:
denn Du bist der unaussprechliche,
unergründliche,
unsichtbare,
unbegreifliche Gott,
Du,
der Du ewiglich
und immer gleich bist,
Du und Dein eingeborner Sohn
und Dein Heiliger Geist.
Du hast uns aus dem Nichts hervorgebracht
und hast uns,
so wir gefallen waren,
wieder erhoben
und hast nichts ungesehen gelassen,
bis Du uns in den Himmel gebracht hast,
um uns Dein zukünftiges Reich zu schenken.
Für all dieses sagen wir Dir Dank
und Deinem eingebornen Sohn
und Deinem Heiligen Geist,
für alle uns erwiesenen Wohltaten,
die bekannten oder unbekannten,
die offenbarten oder nicht offenbarten.

So sei du nun nahe
in dem lebendigen Zeichen deiner Gegenwart.
Sei gegenwärtig in dem Mahl,
das du uns hinterlassen hast.                                                                                                                                                     Darum  wollen wir  mit einstimmen in diesen Gesang
mit dem Lob deiner Herrlichkeit: Heilig…

Fürbitten

Gott des Lebens,
gib neues Leben,
denen, die heute trauern;
die nicht wissen, wie sie mit dem Verlust
eines geliebten Menschen fertig werden sollen;
denen, die um das Leben eines Menschen bangen;
denen, die die Angst vor dem eigenen Sterben lähmt.

Gib neues Leben
denen, die die Hoffnungslosigkeit überkommt;
die ihren Lebensmut verlieren;
die nicht wissen, wie es weitergehen kann;
die sich nicht mehr trauen, eigene Schritte zu gehen.

Gib neues Leben
denen, die nie eine echte Chance gehabt haben;
die schon bei ihrer Geburt abgestempelt wurden;
die immer wieder Ablehnung erfahren haben;
denen ihr Leben selbst egal geworden ist.

Gib neues Leben
denen, die von Ängsten gequält werden;
die sich schwach und müde fühlen;
die sich allein durchs Leben kämpfen müssen.

Gott des Lebens,
steck uns an mit deiner Lebendigkeit.
Wecke in uns immer neu
die Lust aufs Leben;
und stärke unser Vertrauen,
dass unser Leben in dir bewahrt bleibt,
auch, wenn wir sterben.

Erstellt: 11.3.2011
Zuletzt aktualisiert: 9.4.2011 20:26 Uhr
Redakteur: Anders Grüning

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