Predigt "DNS-Molekül"
Ökumenischer Gottesdienst zur KerbGuldental 01.08.2004 Windesheim 05.09.2004
Eingangslied
Danke für diesen guten Morgen
Begrüßung und Kyrie
Pfr. Wolfgang Fleißner und ich begrüßen Sie herzlich zu diesem Gottesdienst am Kerbesonntag.
Wir danken jetzt schon Herrn Eckenroth für die musikalische Gestaltung.
Wir danken allen, die diesen Raum für unseren Gottesdienst hergerichtet haben.
Gott ist der Kern unseres Glaubens, er ist der "Kern" der Welt.
Heute wollen wir nachdenken über den Kern unseres körperlichen Lebens, unsere Körperzellen und deren Kern, der das Geheimnis unseres biologischen Lebensprogramms enthält.
Vor über 50 Jahren entdeckten zwei Biologen, wie eine lebende Zelle ihre Eigenschaften vererbt.
Sie entdeckten den Code des Lebens, ohne ihn schon zu entschlüsseln.
In den letzten Jahren dann überstürzten sich die Nachrichten von immer neuen Entschlüsselungen von Genen des Menschen und einzelner Tierarten.
Sind wir am Anfang eines neuen Zeitalters, in der jeder Mensch für die anderen durchsichtig wird?
Dürfen wir hoffen, dass in naher Zukunft über die Gene des Menschen jede Krankheit zu heilen ist oder für alle Zeit beseitigt werden kann?
Werden wir unsere eigenen Schöpfer?
Vor dem Altar hängt ein Modell des Moleküls, das alle Eigenschaften des Lebewesens in sich trägt - eine sogenannte Doppelhelix.
Sie schaut aus wie das komplizierte Schaltbild eines elektronischen Geräts in der Gebrauchsanweisung.
Forscher beginnen, die Geheimnisse des Lebens zu erkennen.
Wird es für uns ein Segen sein? Oder wird es dazu dienen, wenige Menschen noch mächtiger und viele Menschen abhängiger zu machen von anderen?
Lasst uns darüber nachdenken und dazu Gottes Hilfe erbitten:
- Herr, du hast das Leben geschaffen und du hast es uns Menschen in die Hand gelegt, damit wir darüber herrschen und dafür sorgen. Oft fehlt uns das rechte Verantwortungsbewusstsein dafür.
Herr, erbarme dich! - Alle: Herr, erbarme dich!
- Herr, du bist uns nahe gekommen in deinem Sohn. Er wurde unser Bruder und nahm für uns sogar den Tod auf sich. Wie oft vergessen wir, dass du uns zu Schwestern und Brüdern berufen hast.
Christus, erbarme dich! - Alle: Christus, erbarme dich!
- Herr, du begleitest uns, wo wir gehen und stehen. Wie oft vergessen wir, dass wir dein verlängerter Arm sind, dass du durch uns wirken willst, dass durch unseren Kleinmut dieser Arm steif wird.
Herr, erbarme dich! - Alle: Herr, erbarme dich!
Glorialied
Großer Gott
Tagesgebet
Herr, je mehr wir Menschen leisten können, desto mehr sind wir auf deine Hilfe angewiesen. Du hast uns zu Herrschern der Erde berufen. Lass uns nicht vergessen, dass wir auch Brüder und Schwestern jedes anderen Geschöpfs sind - durch Christus, unsern Herrn.
Lesung
Jakob zog aus Beerscheba weg und ging nach Haran. Er kam an einen bestimmten Ort, wo er übernachtete, denn die Sonne war untergegangen, Er nahm einen von den Steinen dieses Ortes, legte ihn unter seinen Kopf und schlief dort ein. Da hatte er einen Traum: Er sah eine Treppe, die auf der Erde stand und bis zum Himmel reichte. Auf ihr stiegen Engel Gottes auf und nieder. Und siehe, der Herr stand oben und sprach: Ich bin der Herr, der Gott deines (Groß-) Vaters Abraham und der Gott Isaaks (deines Vaters). Das Land, auf dem du liegst, will ich dir und deinen Nachkommen geben. Deine Nachkommen werden zahlreich sein wie der Staub auf der Erde. Du wirst dich unaufhaltsam ausbreiten nach Westen und Osten, nach Norden und Süden, und durch dich und deine Nachkommen werden alle Geschlechter der Erde Segen erlangen. Ich bin mit dir, ich behüte dich, wohin du auch gehst, und bringe dich zurück in dieses Land. Denn ich verlasse dich nicht, bis ich vollbringe, was ich dir versprochen habe. (Jakob erwachte aus seinem Schlaf und sagte: Wirklich, der Herr ist an diesem Ort und ich wusste es nicht. Furcht überkam ihn und er sagte: Wie ehrfurchtgebietend ist doch dieser Ort! (Gen 28,10-17)
Zwischengesang:
Wo Menschen sich vergessen
Halleluja
Evangelium nach Matthäus
Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch vor dem, der Seele und Leib ins Verderben der Hölle stürzen kann. Verkauft man nicht zwei Spatzen für ein paar Cent? Und doch fällt keiner von ihnen zur Erde ohne den Willen eures Vaters, Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt. Fürchtet euch also nicht! Ihr seid mehr wert als viele Spatzen (Mt 10,28-31).
Halleluja
Ansprache
1) Das Modell des DNS-Moleküls ist der winzige Kern einer Zelle.
In Wirklichkeit ist er komplizierter als dieses Modell:
Denken wir uns um die Spirale herum unendlich viele Atome von Kohlen- und Stickstoff, von Wasser- und Sauerstoff. Und in der Anordnung ist der Code versteckt, der alle Eigenschaften des Lebens enthält, den "Fahrplan" jeder Zelle und jedes Lebensvorgangs. Gottes Schöpfung erscheint durch diese Entdeckungen in unseren Augen noch großartiger als es schon vorher für uns war.
2) Die Biologen helfen uns eigentlich, Gott noch mehr zu verehren. Wenn wir hier Gottes Geheimnis feiern, geht es nicht darum, wissenschaftliche Informationen zu bekommen. Wichtiger ist, uns hier von Christus an die Hand nehmen zu lassen und mit ihm seine Liebe weiterzutragen. Ist in diesem chemischen Modell nicht auch eine Botschaft für unseren christlichen Auftrag zu erkennen?
1) Ein Literaturwissenschaftler hat einmal gesagt, das DNS-Modell ist so etwas wie eine neue Himmelsleiter. So wie im Alten Testament Jakob im Traum eine Himmelsleiter sieht, die ihn mit Gott verbindet, so sei die neue Erkenntnis der Biologie über die Erbanlagen im Zellkern die Leiter zu einer neuen Qualität von Menschsein: der Mensch als Herrscher der Natur.
2) Die Leiter ist ein erstes Symbol für unseren Glaubensweg: Er geht bergauf. Stufe für Stufe, ist oft sehr anstrengend und gefährlich, wenn wir uns nicht gut festhalten.
Die Sprossen sind ein zweites Symbol: Im biochemischen Modell besteht jede Sprosse aus zwei Grundstoffen, die die beiden Leiterseiten verbinden. Fehlt einer der Stoffe, so gibt es keine Sprosse, Ähnlich ist es bei allem, was wir tun: Denken wir nur an die körperliche, materielle Seite der Dinge, dann fehlt die geistige; denken wir nur an die geistige, fehlt die körperliche Seite. Nur beide zusammen ergeben eine tragfähige Sprosse. Die Philosophen würden sagen: Materialismus allein und Idealismus allein bringen uns nicht weiter. Der Mensch besteht aus zwei Seiten, aus Leib und Seele. Oder die andere Frage: Ist der Einzelmensch wichtiger oder die Gesellschaft? Wer nur an sich denkt, schadet der Gesellschaft und letztlich sich selbst. Wer nur an die Gesellschaft denkt und nicht auch an sich, kommt auch nicht weiter. Wir sind beides: einzigartiges Individuum und Teil der Gesellschaft, die jeden Einzelmenschen überlebt.
1) Oder die dritte Frage: Ist die Vergangenheit wichtiger oder die Zukunft? Halten wir nur die Zukunft, den Fortschritt für wichtig, sägen wir unsere Wurzeln ab. Denken wir nur an die gute alte Zeit, dann vergessen wir, dass das Ziel des Weges nicht hinter uns, sondern vor uns liegt. Nur Zukunft und Vergangenheit zusammen ergeben eine Sprosse auf unserer Leiter, die tragfähig ist. Wer "einseitig" entscheidet und handelt, hat immer nur eine halbe Sprosse, und auf der kann er nicht stehen und nicht weiter hinaufklettern. Erbitten wir von Gott Hilfe, auf der Lebensleiter weiterzukommen!
Credolied
Dona nobis pacem
Fürbitten
(Die markierten Wörter werden jeweils nach den einzelnen Bitten an das Modell der Doppelhelix angeheftet.)
1.: Herr öffne uns die Augen,
dass wir sehen, was zu sehen ist!
Ja, lass uns die Lage in unserer Welt.
den großen Zusammenhang kennen,
damit wir die Aufgaben, die uns gestellt,
und das, was heut Not tut, benennen!
L.: Herr, öffne uns die Augen!
A.: Wir bitten dich, erhöre uns!
2.: Herr, öffne uns die Ohren,
dass wir hören, was zu hören ist!
Wir stecken ja gerne den Kopf in den Sand
und lassen uns lenken und führen,
gib uns einen nüchternen, wachen Verstand,
dass wir, was vorgeht, erspüren!
L.: Herr, öffne uns die Ohren!
A.: Wir bitten dich, erhöre uns!
3.: Herr, öffne uns die Lippen,
dass wir sagen, was zu sagen ist!
Wir reden sehr gerne von dem, was nicht stimmt
und wollen es "denen" schon zeigen.
Doch wenn es uns Ärger und Nachteile bringt,
dann pflegen wir weiter zu schweigen.
L.: Herr, öffne uns die Lippen!
A.: Wir bitten dich, erhöre uns!
4.: Herr, öffne uns die Hände,
dass wir ändern, was zu ändern ist!
Wir tun ja manch Gutes und spenden auch Geld
und lassen uns dann und wann rühren.
Nur ändert das wenig am Zustand der Welt,
an den Mächten, die da regieren.
L.: Herr, öffne uns die Hände!
A.: Wir bitten dich, erhöre uns!
5.: Herr, öffne uns die Zukunft,
lass erscheinen in der Welt dein Reich!
L.: Herr öffne uns die Zukunft!
A.: Wir bitten dich, erhöre uns!
(aus; Lothar Zenetti, Texte der Zuversicht, München 1971, S. 47)
Lied zur Gabenbereitung
Sonne der Gerechtigkeit
Gabengebet
Unsere kleinen Gaben auf dem Altar, Brot und Wein, stehen für deine Schöpfung, die du uns gegeben hast. Durch menschliche Arbeit wurde aus Trauben Wein und aus Getreide Brot. Segne du diese Gaben, dass sie für uns zur Gegenwart deines Sohnes werden, Jesus Christus, der mit dir lebt und herrscht in Ewigkeit.
Sanctus
Heilig (Schubert)
Friedenslied
Dona nobis pacem
Kommunionlied
Meditation nach der Kommunion
1) Lasst uns danken für die großen Entdeckungen der Biologen und Mediziner. Sie zeigen uns, dass unser Körper eines der größten Wunder der Schöpfung ist. Sie haben schon viele Möglichkeiten entdeckt, kranken Menschen zu helfen.
2) Lasst uns Mut haben zur Forschung. Wenn es um die Wahrheit geht, um das Geheimnis, wie die Kräfte der Natur zusammenwirken, um die Sorge, wie kranken Menschen geholfen werden kann. Dann ist die Forschung immer auf dem richtigen Weg.
1) Lasst uns den Blick bewahren und weiter schärfen für den Reichtum der Natur. Wie viele Arten von Lebewesen sind in den letzten Jahrzehnten durch uns schon unwiederbringlich verschwunden. Lasst uns Schützer der Natur sein!
2) Lasst uns auch mutig der Forschung ihre Grenzen zeigen, wenn einzelne Vertreter aus Gewinnsucht Leben und Werte aufs Spiel setzen. Solange wir leben, stehen wir alle in der Versuchung, mehr an uns als an die Gemeinschaft zu denken, eher an finanziellen Gewinn als an die Werte der Schöpfung.
1) Lasst uns der Vorstellung widerstehen, dass das Leben und die Gesundheit irgendwann "machbar" sind. Die Geheimnisse des Lebens werden für unseren begrenzten, "endlichen" Verstand nie ganz enthüllt werden, weil sie aus dem unendlichen Schöpfergeist kommen.
2) Lasst uns die Natur stets als ein Geschenk betrachten, das uns anvertraut ist und das wir an die nächste Generation unversehrt weitergeben sollen.
1) Lasst uns die Natur auch als ein Geschenk betrachten, das allen gegeben ist und nicht nur uns, die wir vielleicht gerade den günstigsten Zugriff haben. Die anderen sind unsere Geschwister, die in gleicher Weise wie wir "Erben" der Schöpfung sind.
Danklied
Von guten Mächten
Schlussgebet
Herr, du hast deine Schöpfung in unsere Hände gelegt. Mach uns stark und liebevoll in dieser Verantwortung durch Christus, unsern Herrn.
Schlusslied
Komm, Herr segne uns