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Predigt - Eheversprechen

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus Amen.

Mk10,2-9
2 Da kamen einige Pharisäer und versuchten, ihm eine Falle zu stellen. Sie fragten ihn: »Ist es einem Mann erlaubt, seine Frau wegzuschicken?«
3 Jesus antwortete mit der Gegenfrage: »Was hat Mose euch denn für eine Vorschrift gegeben?«
4 Sie erwiderten: »Mose hat erlaubt, daß ein Mann seiner Frau eine Scheidungsurkunde ausstellen und sie dann wegschicken kann.«
5 Da sagte Jesus: »Mose hat euch diese Vorschrift nur gegeben, weil ihr euer Herz gegen Gott verhärtet habt - und damit eure Hartherzigkeit ans Licht kommt.
6 Gott hat am Anfang den Menschen als Mann und Frau geschaffen.
7 Deshalb verlässt ein Mann Vater und Mutter, um mit seiner Frau zu leben.
8 Die zwei sind dann eins, mit Leib und Seele. Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins.
9 Und was Gott zusammengefügt hat, das sollen Menschen
nicht Scheiden.«
Gute Nachricht 1997

Liebe Gemeinde, „was Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden". So hat es uns Jesus Christus überliefert. Und so hören es Ehepaare bei ihrer kirchlichen Trauung.

Weich ein Glück, dass viele von uns ihre Lebenserfüllung in der Ehe nicht nur suchen, sondern diese auch in der Ehe finden. Welch ein Segen für die Ehefrauen und Ehemänner selbst, für ihre Kinder, Enkel und für ihre Nächsten.

Was bisher von den vielen gelungenen Ehen an Gutem in unsere Gemeinde, ja in unsere Gesellschaft ausstrahlt, das ist, so denke ich, ein Segen.

Doch wenn wir dieses christliche Ehe-Ideal anschauen, so scheint es von der Realität der Ehe unserer Zeit weit entfernt zu sein. Die Ehe, sie ist in der Krise. Die Medien sprechen vom Auslaufmodell. Die Menschen heute wollen und können sich nicht mehr ein Leben lang binden.

Der heutige Mensch ist bindungsscheu und er möchte sich höchstens nur eine kurze Zeit an wechselnde Lebensabschnittspartner binden. Außerdem ist ihm die klassische Rollen des Ehemanns und der Ehefrau recht fragwürdig geworden und er sieht diese Rollen als altmodisch an.

Früher, liebe Gemeinde, da hatten Eltern vier Kinder, heute haben Kinder vier Eltern. Hier tut sich ein weiteres Problemfeld auf. Ehe und Elternschaft. Zu allen Zeiten und in allen Kulturen war es den Menschen klar, dass man heiratet, um eine Familie zu gründen.

Nicht so in unserer Republik. Sechzig Prozent aller Ehen sind kinderlos. Manchmal gewiss ungewollt. Aber meistens bewusst. Die Folgen der Kinderarmut für unsere Gesellschaft werden langsam bewusst. Wir Deutschen sind ein vergreisendes und auf lange Sicht gesehen ein sterbendes Volk.

Viele Ehen scheitern, und viele Menschen leben in Partnerschaften ohne Trauschein. Ist die Ehe ein Auslaufmodell? Ja, Ehe und Familie sind in der Krise. Und liegt es nicht im Grunde ganz entscheidend daran, dass man sich zuvor vom Christentum verabschiedet hat? Von den Werten und Idealen der christlichen Ehe?

Ich bin überzeugt, liebe Gemeinde, wenn eine Lebensform Zukunft hat, dann ist es die christliche Ehe. Die Ehe, die gegründet ist auf den Prinzipien der Treue, der Unauflöslichkeit und der Elternschaft.

Die Ehe, in der Mann und Frau nicht nur aufeinander bauen, sondern auf Gott. Wo sie sich vor Gott verantwortlich, aber auch von Gott getragen wissen in guten und schlechten Tagen, in Gesundheit und Krankheit.

Aus dem Gespräch zwischen Jesus und den Pharisäern hören wir einen Gegensatz heraus. Da gibt es einen Kurs, der die Scheidung erlaubt. Im 5. Buch Mose gibt es dazu eine Anweisung mit dem Hinweis auf einen Scheidebrief, der die Trennung möglich macht.

Und da gibt es die harte Linie, die Jesus vertritt: Gott hat Mann und Frau füreinander geschaffen und was er zusammenbringt, soll der Mensch nicht trennen. Ja, und wir wissen, dass in diesem Sinne die katholische Kirche von der Unauflöslichkeit der Ehe ausgeht. Geschiedene können nicht noch einmal kirchlich getraut werden und ihnen wird sogar der Zugang zur Kommunion verwehrt, sie sind sozusagen exkommuniziert.

Was Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden. Unsere katholischen Schwestern und Brüder scheinen hier Jesus ganz auf ihrer Seite zu haben mit seinem strengen Kurs in Ehesachen.

Darf ein Eheversprechen gelöst werden? Hat Jesus gewollt, dass die Gemeinschaft der Christen in der Kirche so etwas kennt oder gar regelt wie Ehescheidung?

Zu allererst will Jesus, dass wir sehen, welches Geschenk die Verbindung von Mann und Frau in der Ehe ist. Dass wir in der Ehe Gemeinschaft finden. Zwei werden ein Fleisch sein. Der Mensch ist ein Wesen, fähig zu vertrauen. Zwei Menschen können sich so aneinander verlieren, dass aus zwei eins werden. Nicht als Lebensabschnittspartnerschaft, sondern als Hingabe.

Wie Alles steht auch dies unter dem Zeichen des Kreuzes. Wie Alles ist auch die Ehe zweier Menschen erlösungsbedürftig. Wie in Allem kann auch in der Ehe das Leid dieser Welt erlebt werden.

Dies allein kann jedoch kein Grund sein, davon abzugehen, dass das Eheversprechen ein Vielleicht oder mal sehn meint. Das Eheversprechen hängt direkt mit unserem Glauben an Gott zusammen. Wir berufen uns dabei zu Recht auf Jesus und die Radikalität seines Glaubens.
Die Regelung bezüglich der Abfindung bei Ehescheidung im 5. Buch Mose, hatte Moses getroffen wegen der Hartherzigkeit der Menschen.

Das bedeutet doch wohl, dass es trotz der von Gott gewollten Unauflösbarkeit der Ehe vorgekommen ist, dass Männer ihre Frauen verlassen hatten, um zu einer anderen zu gehen. Damit in solch einem Fall die erste Frau nicht in Armut fällt, hat das Gesetz des Mose dafür eine Regelung treffen müssen.

Auf dieser Linie, welche die Frauen diskriminiert, liegt auch die Art, wie einmal die Pharisäer eine Frau zu Jesus bringen, die beim Ehebruch ertappt wurde und nun gesteinigt werden soll.

Wo, so fragt man sich, bleibt da eigentlich der dazugehörige Mann? Zum Ehebruch gehören doch mindestens zwei. Wir wissen, dass Jesus diese Frau vor ihren Anklägern in Schutz genommen hat; er sagte:

"Wer von euch ohne Sünde ist der werfe den ersten Stein."

Darauf hin ging einer nach dem andern still davon.

Jesus stellt die gleiche Würde von Mann und Frau heraus. Als die Pharisäer ihn um eine Stellungnahme zur Ehescheidung bitten, ist ihm dies ganz wichtig: Gott hat sie gleichberechtigt zur Partnerschaft, zum Miteinander und Füreinander erschaffen, damit sie eine Einheit bilden sollen.

Und es kann nicht im Sinne Gottes sein, dass jetzt der Mann gleichsam eine Schere in die Hand bekommt, mit der er die Bindung an seine Frau durchschneiden kann, während seine Frau nur von seiner Gnade oder Ungnade abhängig ist.

Merken wir, Jesus verfolgt seine strenge Position deshalb, weil er den schwächeren Teil nämlich die Frauen, in Schutz nehmen will und vor der Willkür männlicher Übermacht schützen will.

In der Ehe wird dies alles konkret. Mann und Frau, Ehemann und Ehefrau, sind gleichwertig und gleichberechtigt. Da, wo sich beide Ehepartner dessen bewusst sind, ist eine Scheidung immer eine Verletzung.

Nicht nur die Ehepartner verletzen sich, auch die Ordnung Gottes wird verletzt. Und genau dies gehört zu unserer Realität. Wir verletzen die Ordnung Gottes und verletzen zugleich uns, einer den anderen.

Verbote, Gesetze, Verordnungen können diese Verletzungen, die wir anrichten, nicht verhindern und auch nicht heilen. Sie können uns an Schuld erinnern und gegebenenfalls warnen.

Dies gilt auch da, wo wir in einer Ehe scheitern. Wir wissen, dass wir gescheitert sind, dass wir aneinander schuldig geworden sind. Aber da, wo wir keinen gemeinsamen weiteren Weg finden können, steht trotz unseres Scheiterns unsere Zuversicht auf die Liebe Gottes. Durch seine Wunden sind wir geheilt        Amen.


Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Erstellt: 11.3.2011
Zuletzt aktualisiert: 31.3.2011 16:38 Uhr
Redakteur (nicht zwingend Autor): Anders Grüning

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