Predigt "Eigentlich bin ich ganz anders, nur komme ich so selten dazu"

Aktion: Steine an der Kirchentür austeilen

Vorspiel

Begrüßung
Eigentlich bin ich ganz anders, nur komme ich so selten dazu!
Uns – das heißt: das Treffpunktteam – hat dieses Wort sozusagen aus dem Herzen gesprochen. Und darum laden wir Sie heute Morgen ein, sich mit uns auf den Weg zu machen,
• wer bin ich  eigentlich
• wie bin ich eigentlich
• warum bin ich nicht so, wie ich eigentlich bin
• warum komme ich so selten dazu, anders zu sein
• wer oder was sagt mir eigentlich, wer ich bin
Sie sehen Fragen über Fragen.

In Ihren Händen halten Sie einen kleinen Kieselstein. Er soll Ihnen ein Hilfe sein, auf dem Weg „eigentlich bin ich ganz anders“.
So lasst uns diesen Gottesdienst feiern im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Lied: Kommt herbei        577,1-3+6

Statements: Eigentlich bin ich ganz anders
a)   Dieser Stein liegt mir schwer auf meiner Seele. Es ist der Stein der Krise.
• Ehekrise    
• Midlife crise
• Wirtschaftskrise
• Beschäftigungskrise

Darum lege ich diesen Stein auf dem Altar ab. Ich bin eigentlich anders. Herr, guter Gott erbarme dich.
Kyrieruf

b)    Dieser Stein liegt mir schwer auf meiner Seele. Es ist der Stein der Erwartungen.
• des Ehepartners  / der  Ehepartnerin
• der Familie
• der Vereine
• der Kirchengemeinde

Darum lege ich diesen Stein auf dem Altar ab. Ich bin eigentlich anders. Herr, guter Gott erbarme dich.
Kyrieruf

c)    Dieser Stein liegt mir schwer auf meiner Seele. Es ist der Stein des Neids.
• die anderen sind reicher
• gesünder
• erfolgreicher
• glücklicher als ich

Darum lege ich diesen Stein auf dem Altar ab. Ich bin eigentlich anders. Herr, guter Gott erbarme dich.
Kyrieruf

d)    Dieser Stein liegt mir schwer auf meiner Seele. Es ist der Stein der verpassten
Möglichkeiten.
• Prioritäten mal anders setzen
• Zeit für sich und Freunde haben
• mal spontan sein
• loslassen können
• über sich selbst lachen können

Darum lege ich diesen Stein auf dem Altar ab. Ich bin eigentlich anders. Herr, guter Gott erbarme dich.
Kyrieruf

e)    Dieser Stein liegt mir schwer auf meiner Seele. Es ist der Stein des Nicht-Nein-
Sagen-Könnens.
• ich kann mich doch nicht drücken
• ich muss den Erwartungen gerecht werden
• ich will doch überall dabei sein
• ich kann’s nicht lassen
• ohne mich läuft nichts

Darum lege ich diesen Stein auf dem Altar ab. Ich bin eigentlich anders. Herr, guter Gott erbarme dich.

Kyrieruf

Eigentlich bin ich ganz anders   -  vielleicht haben Sie sich in der einen oder anderen Rolle wieder gefunden. Nehmen Sie ihren Stein in die Hand und spüren Sie ein paar Augenblicke nach, was hindert mich daran, anders zu sein, woran liegt es, dass ich so selten dazu komme.

Stille

Lied:     Alle eure Sorgen        Mein Liederbuch (rot) B 114

Geschichte: Die traurige Blume Wanka
Was hindert mich, anders zu sein? Woran liegt es, dass ich so selten dazu komme?
Eine Geschichte aus Russland möchten wir Ihnen erzählen. In ihr gibt es Antworten auf diese Fragen. Sie heißt: Die traurige Blume Wanka (erzählt von den Brüdern Bondarenko)

Erzähler: Zur nächtlichen Stunde unterhalten sich die Blumen hinter dem Fensterchen der Großmutter Agafja. Drei Fenster hat das kleine Haus, und alle drei sind mit Blumen voll gestellt. Tagsüber schauen sie auf die Straße, zeigen den Vorübergehenden ihre grünen Blätter und tun so, als könnten sie nur in ihren Blumentöpfen stehen und blühen. Aber in der Nacht, wenn im Haus alles ruhig ist und Großmütterchen schläft und träumt. Dann werden die Blumen munter und sprechen miteinander.

So ist es jede Nacht. Bis der Morgen kommt, haben sich die Blumen immer viel zu erzählen. Schnelle vergehen die Stunden. Eine aber ist still in sich gekehrt und macht ein trauriges Gesicht. Noch nie hat jemand sie blühen  sehen, noch nie hat jemand sie reden hören. Schweigend nur schaut sie durch die Fensterscheiben in die dunklen Augen der Nacht und weint. Aus ihren Blättern  rinnen klare Tropfen – alle sehen es.

Die traurige Blume steht neben der Begonie, und die Begonie bedrückt es, dass sie so einen langweiligen, schweigsamen Nachbarn hat.
Dann aber, eines Nachts, als es wieder still geworden ist im kleinen Haus, wendet sich die traurige Blume an die Begonie und spricht:

Traurige Blume: Weißt du eigentlich, wer ich bin?

Begonie: Natürlich, du bist die traurige Wanka.

Traurige Blume: So nennt mich die Großmutter wegen meiner Tränen. Aber niemand  von euch weiß, warum ich weine, und niemand kennt meinen richtigen Namen. Ich heiße Flämmchen.

Begonie: Ein seltsamer Name. Flämmchen? Aber du brennst doch nie und blühst auch nicht.

Traurige Blume: Das ist ja mein Unglück, dass mich die Großmutter nicht blühen lässt. Denn wenn ich ausgeblüht habe, muss ich sterben. Schneidet aber jemand meine Blütenknospen ab, dass sie sich nicht öffnen können ur Blüte, dann kann ich lange leben. Darum wacht die Großmutter darüber, dass sich meine Blütenknospen nicht öffnen, und schneidet sie ab. Aber diesmal hat sie eine übersehen.

Begonie: Übersehen?

Traurige Blume: Ich habe sie versteckt, und morgen, da wird sie blühen.


Begonie (wird unruhig und flüstert) : Warum hast du das getan.? Dann musst du ja…

Traurige Blume: … sterben, willst du sagen.

Erzähler: unterbricht sie die traurige Wanka. Der Mond blickt ins Fenster. In seinem Licht können alle es sehen: Wanda ist nicht mehr traurig. Sie strahlt vor Glück.

Traurige Blume: Es ist wahr, ich muss sterben. Doch vorher werde ich blühen. Und jetzt habe ich etwas, worüber ich mit euch reden kann.

Begonie: Aber du darfst nicht blühen. In deinen Blättern lauert der Tod. Wie konntest du nur, Wanjuschka!

Traurige Blume: Ich konnte einfach nicht anders. Was ist das für ein Leben, wenn ich nicht blühen darf? Ihr habt euch geärgert über mich, weil ich nicht mit euch gesprochen habe. Aber ich wusste einfach nichts zu sagen. Großmutter hat immer meine Blütenknospen abgeschnitten, darum habe ich geweint. Und ihr habt mich die traurige Wanka genannt.

Begonie: Verzeih uns, wir haben ja nichts von dir gewusst.

Traurige Blume: Ich bin euch nicht böse. Ich habe geweint und war ja auch wirklich die traurige Wanka: Aber morgen werde ich blühen, und ihr sollt verstehen, warum man mich Flämmchen nennt.

Erzähler: Am Morgen, als die Sonne aufgeht, hat die traurige Wanka eine Blüte. Großmutter schlägt vor Verwunderung die Hände zusammen.

Großmutter: Ach, du meine Güte, wer hätte das gedacht!

Erzähler: Wanka sagt nichts. Sie hält ihre rote Blüte wie einen leuchtenden Stern über sich. Alle fünf Blütenblätter brennen wie Feuer, und alle Blumen hinter dem Fenster wissen es: Jetzt muss Wanka sterben. Dennoch haben sie ihre Freude an ihrer Blüte. Nur Großmutter wiederholt ein ums andere Mal:

Großmutter: Das hätte ich nicht gedacht.
(Erzählung entnommen aus:  Das neue Kinderbuch, hrsg. V. D. Steinwede, Patmos Verlag S.74f)

Meditative Musik:  Ouvertüre I: Klang der Freude

Einladung: Steine ablegen
Wir laden Sie nun ein, mit ihrem Stein in der Hand nach vorn zum Altar zu kommen. Hier können Sie ihn ablegen als Zeichen dafür, dass Sie bereit sind abzulegen, was Sie daran hindert, eigentlich anders zu sein.

währenddessen Kanon: Das wünsch ich sehr        Menschenskinderlieder Nr. 5

Am Ende der Aktion: Wir haben alles vor Gott gebracht.
Die Steine liegen da auf einem Haufen. Und das ist auch gut so. Denn wir haben somit losgelassen, was uns daran hindert, anders zu sein. Wir dürfen darauf vertrauen, was der Apostel uns zumutet: Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch. (1.Petrus 5,7)

Lied: Herr, deine Liebe        663,1-4

Zuspruch:
Ich kann ganz anders sein, weil Gott uns in Jesus Christus den Weg gewiesen hat. So sagt es der Apostel Paulus: Wenn also ein Mensch zu Christus gehört, ist er schon »neue Schöpfung«. Was er früher war, ist vorbei; etwas ganz Neues hat begonnen. Darum lasst uns beten:

Herr, Jesus Christus,
Du bist es, der mein neues Leben aufbricht
aus dem Einst ins Jetzt ‚aber’
aus dem Alten ins Neue hinein
aus der Dunkelheit in Dein wunderbares Licht
aus der Zerrissenheit in Dein Heil
aus der Enge in die Weite
aus dem Tod in Deine Auferstehung
aus  dem Leid zu Deiner Freude
aus dem Nein in Dein Ja
aus der Gefangenschaft in Deine Fülle
aus meiner Asche in Deine Schönheit
Du bis es, Herr Jesus Christus
Der mein Leben hinein genommen hat in Sein Reich
Und mich vor dem Thron Gottes vertritt
Jetzt schon – aber noch nicht voll - endet
Reich – aber noch nicht in letzter Fülle
Herrlich – aber noch nicht verherrlicht
Ich bete dich an! Amen.

Lesung
Markus 14,3-9 nach der Übersetzung Gute Nachricht
Im Neuen Testament wird von einer unbekannten Frau erzählt, die es wagt anders zu sein. Sie stört sich nicht an gesellschaftlichen Konventionen. Sie hält sich nicht an den Maßstab der Vernünftigkeit, sie achtet viel mehr auf ihr Herz. Sie handelt danach und ist gerade durch ihren Mut ganz bei sich selbst. Sie hat erfahren, dass Gott sie für wertvoll achtet, wo andere sie verachten. Sie hat Anerkennung bei Gott gefunden, wo andere mit Fingern auf sie zeigten. Sie hat erkannt, dass nicht meine Leistung, mein Können, mein Sich ins rechte -  Licht - setzen müssen das eigentliche Leben ist. Sie spürt, dass wahres Leben sich dort entfaltet, wo sie hingibt, was sie ist und hat. Darum schenkt sie das Beste. So bezeugt sie: „eigentlich bin ich ganz anders“ – Gott sei Dank.
Diese Geschichte steht bei Markus im 14. Kapitel, die Verse 3-9.

3 Jesus war in Betanien bei Simon, dem Aussätzigen, zu Gast. Während des Essens kam eine Frau herein. Sie hatte ein Fläschchen mit reinem, kostbarem Nardenöl. Das öffnete sie und goss Jesus das Öl über den Kopf.
4 Einige der Anwesenden waren empört darüber. »Was soll diese Verschwendung?«, sagten sie zueinander.
5 »Dieses Öl hätte man für mehr als dreihundert Silberstücke verkaufen und das Geld den Armen geben können!« Sie machten der Frau heftige Vorwürfe.
6 Aber Jesus sagte: »Lasst sie in Ruhe! Warum bringt ihr sie in Verlegenheit? Sie hat eine gute Tat an mir getan.
7 Arme wird es immer bei euch geben und ihr könnt ihnen helfen, sooft ihr wollt. Aber mich habt ihr nicht mehr lange bei euch.
8 Sie hat getan, was sie jetzt noch tun konnte: Sie hat meinen Körper im Voraus für das Begräbnis gesalbt.
9 Ich versichere euch: Überall in der Welt, wo in Zukunft die Gute Nachricht verkündet wird, wird auch berichtet werden, was sie getan hat. Ihr Andenken wird immer lebendig bleiben.«


Lied:    Holz auf Jesu Schulter        97,1-2

Fürbittengebet:  

eventuell mit der ganzen Gemeinde zu sprechen
O Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens,
dass ich Liebe übe, wo man sich hasst,
dass ich verzeihe, wo man sich beleidigt,
dass ich verbinde, da, wo Streit ist,
dass ich die Wahrheit sage, wo der Irrtum herrscht,
dass ich den Glauben bringe, wo der Zweifel drückt,
dass ich die Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält,
dass ich ein Licht anzünde, wo die Finsternis regiert,
dass ich Freude mache, wo der Kummer wohnt.

Herr, lass du mich trachten:
nicht (so sehr), dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste;
nicht (so sehr), dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe;
nicht (so sehr), dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.
Denn wer da hingibt, der empfängt;
wer sich selbst vergisst, der findet;
wer verzeiht, dem wird verziehen;
und wer stirbt, erwacht zum ewigen Leben.

Vaterunser

Segen
Gott allen Trostes und aller Verheißung
segne uns und behüte uns;
begleite uns mit deiner Liebe,
die uns trägt und fordert;
lass dein Angesicht leuchten über uns
und sei uns gnädig,
denn deine Güte schafft neues Leben;
wende dein Angesicht uns zu
und schenke uns Heil;
lege deinen Namen auf uns,
und wir sind gesegnet.

Einladung zum Brunch

Lied:   Bewahre uns Gott            171,1-4

Orgelnachspiel

Erstellt: 6.3.2008
Zuletzt aktualisiert: 11.4.2010 17:39 Uhr
Redakteur: Simone Schreiner