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Predigt - Eine besondere Einladung

Gnade sei mit euch und Frieden von Gott, unserem Vater, und unserem Herren Jesus Christus.

Der Predigttext des heutigen Karfreitags steht im 5. Kapitel des zweiten Korintherbriefs. Der Apostel Paulus schreibt dort an die Gemeinde in Korinth:
Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selbst und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung.
So sind wir nun Botschafter an Christi Statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi Statt: Lasst euch versöhnen mit Gott!
Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt.

Liebe Gemeinde,

1. Eine Einladung

Stellen wir uns vor, wir würde heute eine Einladungskarte bekommen.
Manche Einladungen legen wir schnell zur Seite. Sind froh wenn wir einen Grund finden abzusagen oder beachten sie nicht weiter.
Bei manchen Einladungen ist das aber anders. Wir freuen uns wenn wir eine solche Einladung bekommen. Und auch wenn wir an dem betreffenden Tag nicht können, freuen wir uns darüber, dass diese Person an uns gedacht hat. Die Einladung sagt uns: "Mensch lass dich einladen! Ich will dich endlich mal wieder bei mir haben!"
Eine solche Einladung ist fast schon als wären wir bereits dort. Vielleicht rufen wir auch direkt an um unserer Freude Ausdruck zu verleihen.
Auf der Außenseite unserer heutigen Einladung steht: "Lasst euch versöhnen mit Gott" ein ungewöhnlicher Einladungs-Text.
Was ist das überhaupt für eine Einladung, die uns heute am Karfreitag zu geht? An einem solchen Tag ist doch wohl kaum etwas Freudiges zu erwarten?
Der Absender der Einladung ist der Apostel Paulus, der diese Einladung als erstes an die Gemeinde in Korinth geschickt hat, jedoch nicht an sie allein sondern sein Blick geht weiter und so gilt seine Einladung auch uns heute hier.

2. Unsere Schuld

 

2.1. Will ich mich versöhnen lassen

Aber will ich diese Einladung heute aufmachen?
Will ich mich gerade heute mit Gott versöhnen lassen?
Mit dem Gott der Jesus an Karfreitag sterben lässt, obwohl ich es nicht wollte?
Kann Gott nicht andere Wege suchen und finden zum Heil der Welt - Wege mit weniger Schrecken und Schmerz. Wofür ist Christus am Kreuz gestorben.
Wenn wir in die Antworten der Bibel und der Kirche schauen, sehen, lesen und hören wir immer:

"Jesus ist für unsere Sünden gestorben."

2.2. Die kleine Münze Sünde

Doch das Wort Sünde hat seinen Schrecken schon lange verloren. Sünde ist zu einem kleinen Wort geworden, was wir überall verwenden wenn wir ein wenig vom rechten Weg abgekommen.
- Wenn ich in zu Ostern zu viel Schoko-Eier gegessen habe, dann habe ich wieder ein wenig gesündigt.
- Falschparken oder ein wenig zu schnell fahren, diese kleinen Verkehrssünden begehen wir doch alle.
- Vielleicht sehe ich eine hübsche Frau und denke mir, die wäre schon eine Sünde wert.
Fürs Falschparken oder für ein paar Kalorien zu viel ist Jesus sicher nicht gestorben am Kreuz. Der Satz

"Jesus ist für unsere Sünden gestorben."

meint etwas ganz anderes.

2.3. Schuld

Heute können wir Sünde am besten mit einem anderen Wort übersetzen, was ganz ähnlich klingt und doch etwas anderes meint als die kleine Verfehlungen unseres Alltags.
Schuld. Das Wort "Schuld" ist auf den ersten Blick auch nicht spektakulär aber es ist ernsthafter als unser Gebrauch von Sünde. Das Gefühl schuldig zu werden ist keinem von uns fremd. Und es gibt Situationen im Leben wo ich alleine aus meiner Schuld nicht heraus finde. Wenn ich denke wie unsere Wirtschaft funktioniert.

So werden wir alle schuldig am Raubau an der Natur und an der Ausbeutung der Menschen in den ärmeren Ländern. Ich denke an Tat aus der Vergangenheit. Vielleicht würde ich viel geben manches in meinem Leben ungeschehen zu machen. Situationen in denen ich leichtsinnig war und einen Moment nicht aufgepasst habe. Hätte ich noch Bremsen können als das Kind zwischen den Autos hervor lief?

Situationen in denen ich nicht den Mut hatte mich einem Befehl zu verweigern, obwohl ich wusste das dieser Unrecht ist. Wenn eine Beziehung auseinander geht, weil keiner zurückstecken will. Wenn ich keine Worte finde am Bett eines Sterbenden, und es dann zu spät ist. Dann kommt ein Gefühl von Schuld auf was mir kein Mensch nehmen kann. Ich merke hier ist eine Chance vertan, die nicht wieder kommt. Wir Menschen haben jedoch Methoden und Wege erfunden um mit Schuld leben zu können.

Wir versuchen die Bedeutung unserer Taten herunter zu spielen:
"Das kann doch jedem einmal passieren..."
Wir versuchen andere für unser Handeln verantwortlich zu machen:
"Das Kind hätte doch mein Auto sehen müssen."
Wir versuchen unsere Schuld und die Schuld anderer gegeneinander aufzuwiegen:
Judenverfolgung? Und was ist mit der Vertreibung 14 Milo. Deutscher?
Doch bei Licht betrachtet merken wir, das diese Entschuldigungen zwar kurzfristig unser Gewissen beruhigen, aber nicht uns unsere Schuld nehmen kann. Wir werden Schuldig an Menschen, an der Natur und damit auch an Gott, dem Schöpfer unserer ganzen Welt.

3. Die Lüge und die Vergebung

Die Schuld können wir nicht von unseren Schultern nehmen. Der Ball liegt bei dem, an dem wir schuldig geworden sind. In seinen Händen liegt unsere Schuld. Ihn ist es überlassen mit unserer Schuld umzugehen. Aber wie?

Machen wir uns dieses an einem Beispiel klar.
Zwei Menschen. Eine Lüge steht im Raum. Die Lüge schien die einfachste Lösung zu sein, doch nun ist der Belogene dahinter gekommen. Die Lüge steht im Raum und damit auch die Schuld.
Der Belogene hat nun verschiedene Möglichkeiten mit der Lüge und somit mit der Schuld des anderen umzugehen.

a) Der Belogene kann die Lüge einfach ignorieren. So tun als währe nie etwas gewesen und wieder zur Tagesordnung übergehen. Dieser Weg scheint bequem, weil kein Konflikt droht, jedoch die Beziehung bleibt auf Dauer gestört, denn die Lüge und die Schuld werden immer zwischen ihnen stehen.

b) Der Belogene kann sich am anderen rächen und es ihm mit gleicher Münze zurückzahlen. Dieser Weg nimmt die Schuld und die Verletzung, die diese Lüge zugefügt hat ernst, jedoch der Beziehung wird es nicht gut tun, sie wird irgendwann an der Last der aufgetürmten Lügen zerbrechen.

c) Der Belogene kann die Lüge dem anderen nachtragen, und bei jeder passenden Gelegenheit dem anderen wieder aufs Brot schmieren. Dieses kann keine Freundschaft lange aushalten. Es wird ein Krampf werden und bald zerbrechen.

Der schwierigste Weg aber auch der einzige, der einen neu Anfang ermöglicht, ist die Vergebung. Sich nicht zu scheuen, die Schuld des anderen offen anzusprechen, aber nicht um ihn lächerlich zu machen, sondern um ihm zu vergeben und so einen neuen Weg in der Freundschaft zu ermöglichen. Vergebung ist jedoch deshalb der schwierigste Weg, weil der Schmerz über die Verletzung durch die Vergebung nicht einfach weg ist. Sondern dieser Schmerz muss nun selbst verarbeitet werden.
Wenn ich vergebe muss ich mich mit meinem Schmerz über die Tat selbst auseinander setzen. Ich zahle ihn nicht mit gleicher Münze zurück sondern durch die Vergebung muss ich die Sache mit mir selbst ausmachen.

4. Die Versöhnung Gottes

Und was hat das alles mit Karfreitag und dem Kreuz auf Golgatha zu tun? Nichts anderes geschieht am Kreuz von Golgatha. Gott rechnet uns unsere Schuld nicht zu, sondern er erleidet sie in sich selbst.
Kein Zorn Gottes muss am Kreuz befriedigt werden, kein blutiges Opfer muss Gott dargebracht werden, sondern seine Liebe zu uns bringt ihn selbst ans Kreuz.

Gott ignoriert nicht unsere Schuld. Er tut nicht so als währe alles in bester Ordnung zwischen uns und ihm. Gott nimmt unsere Schuld ernst. Gott rächt jedoch auch nicht unsere Schuld. Denn wer wollte vor Gott bestehen wenn er uns unsere Schuld vorrechen würde. Wir alle währen ausnahmslos verloren, wenn Gott uns nach unserer Schuld richten wollte.

Gott trägt uns unsere Schuld auch nicht nach. Gott und wir selbst wissen, dass wir nicht ohne Schuld leben können, wenn Gott uns dann diese auch noch immer vorhalten würde, dann wäre unser Leben wirkliche Hölle. Gott wählt den schwierigsten Weg nicht wir müssen für unsere Schuld leiden, sondern Gott macht die Schuld mit sich aus. Er rechnet sie uns nicht an sondern erträgt die Schuld der Welt in sich selbst. Am Kreuz macht Gott mit unserer Schuld ernst, tot ernst.

Dabei bleibt das Kreuz eine Zumutung. Schuld, Leid und Schmerz nirgendwo wird dies alles deutlicher als unter dem Kreuz auf Golgatha. Aber das Kreuz erinnert uns auch an die Schwere unserer Schuld. Gott wicht unsere Schuld nicht einfach weg, sondern er leidet an ihr, er erleidet sie. Das Kreuz bleibt in dieser Welt und macht uns unsere Schuld deutlich. Aber das Kreuz ist kein Zeichen des Sadismus, wie es zur Zeit im Kino dargestellt wird, sondern das Kreuz ist aus Sicht der Evangelien ein Zeichen der Liebe Gottes zu uns Menschen. Jesus, der Sohn Gottes, geht seinen Weg hier auf der Erde konsequent zu ende. Sein ganzes Leben ist Hingabe für die Menschen. Und diese Hingabe findet am Kreuz ihren Höhepunkt.

5. Folgen für uns

Aber was bedeutet das für uns, was bedeutet das für uns und unsere Schuld heute und hier?
Gottes Tat an Golgatha hat folgen für uns Christen heute und hier, für uns und unseren Umgang mit der Schuld. Erinnern wir uns an unsere Einladung. Wir werden eingeladen uns versöhnen zu lassen mit Gott.

Das heißt: Ich darf mich versöhnen lassen. Ich darf mich versöhnen lassen angesichts meiner Schuld. Was gewesen ist, braucht dich nicht mehr zu entmutigen. Du brauchst dich nicht immerzu selbst zu verurteilen. Steh zu deiner Schuld, steh dazu was nicht gerade in deinem Leben ist, denn Gott hat dir deine Schuld vergeben.
Ich darf mich versöhnen lassen mit meiner Begrenztheit. Ich kann alleine die Welt nicht retten. Sondern Gott umfängt meine engen Grenzen und stellt unsere Füße auf einen neuen weiten Raum.
Ich darf mich versöhnen lassen angesichts meiner Bedürftigkeit. Ich bin nicht der autonome, starke Mensch als den ich mich gerne sehen würde. Bei Gott darf ich schwach sein, auch zu meinen Fehlern offen stehen und zugeben das ich andere zum Leben brauche.

6. Die Einladung

Wir haben ein wenig in die Einladung hineingelesen. Eine besondere Einladung. Wir haben etwas gespürt von der besonderen Festatmosphäre, von Liebe und Ernsthaftigkeit. Ein Fest bei dem Leid, Schuld und Schmerz nicht zugeschüttet werden müssen, um feiern zu können. Ein Fest bei dem der Gastgeber selbst davon gezeichnet ist, wie wir bedrückt werden und wie wir andere bedrücken. Ein Fest angesichts des Todes, doch siehe "Neues ist geworden".

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft regiere und bewahre unsere Herzen und unsere Sinne in Christus Jesus.
Amen.

Erstellt: 8.1.2005
Zuletzt aktualisiert: 4.4.2011 09:49 Uhr
Redakteur: Anders Grüning

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