Ernten - Danken - Feiern
Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus Amen.
Liebe Gemeinde, heute ist Erntedankfest - da denken wir gewiss zuerst an all das, was für uns auf den Feldern der Bauern und vielleicht in unseren eigenen Gärten gewachsen ist.
Die vielen guten Gaben Gottes, die unsere Augen erfreuen, unseren Körper ernähren und unser Herz dankbar stimmen.
Nichts daran ist selbstverständlich, denn in den letzten Jahren häufen sich die Naturkatastrophen, die in einem Teil auf unserer Erde durch Überschwemmungen und in einem anderen Teil durch sengende Hitze die Ernten vernichten.
Deshalb müssen und sollen wir wirklich dankbar sein, dass wir ernten durften und keinen Mangel haben.
Dankbarkeit, so denke ich, muss auch Folgen haben, sie muss sichtbar sein und im Teilen und Schenken erfahrbar werden. Besonders den Menschen gegenüber, deren Ernte nicht so gut und reich ausgefallen ist.
Liebe Gemeinde, warum sollte nun nicht auch Gott, der uns mit einer solchen Fülle guter Gaben überschüttet hat, von uns erwarten dürfen, dass wir uns in unserem Herzen, unserem Denken und Handeln erkenntlich zeigen?
Jes 58, 7 - 12
7 Ladet die Hungernden an euren Tisch, nehmt die Obdachlosen in euer Haus auf, gebt denen, die in Lumpen herumlaufen, etwas zum Anziehen, und helft allen in eurem Volk, die Hilfe brauchen!
8 Dann strahlt euer Glück auf wie die Sonne am Morgen, und eure Wunden heilen schnell; eure guten Taten gehen euch voran, und meine Herrlichkeit folgt euch als starker Schutz.
9 Dann werdet ihr zu mir rufen, und ich werde euch antworten; wenn ihr um Hilfe schreit, werde ich sagen: 'Hier bin ich!' Wenn ihr aufhört, andere zu unterdrücken, mit dem Finger spöttisch auf sie zu zeigen und schlecht über sie zu reden,
10 wenn ihr den Hungernden zu essen gebt und euch den Notleidenden zuwendet, dann wird eure Dunkelheit hell werden, rings um euch her wird das Licht strahlen wie am Mittag.
11 Ich, der Herr, werde euch immer und überall führen, auch im dürren Land werde ich euch satt machen und euch meine Kraft geben. Ihr werdet wie ein Garten sein, der immer genug Wasser hat, und wie eine Quelle, die niemals versiegt.
12 Was seit langer Zeit in Trümmern liegt, werdet ihr wieder aufbauen; auf den alten Fundamenten werdet ihr alles von neuem errichten. Man wird euch das Volk nennen, das die Lücken in den Stadtmauern schließt und die Stadt wieder bewohnbar macht.«
(Gute Nachricht 1997)
Eine ganz wichtige Sache wird uns heute am Erntedankfest durch Jesaja gesagt: Der Weg zu Gott führt über meine Nächste und meinen Nächsten.
Auch Jesus hat das in seinen Gleichnissen zum Ausdruck gebracht. Der reiche Kornbauer, der reiche Mann aus dem Gleichnis vom armen Lazarus, der eilige Priester aus dem Gleichnis vom barmherzigen Samariter, der Pharisäer aus dem Gleichnis vom Zöllner:
Sie alle wollten angesehen sein vor Gott und vor den Menschen, nur die Menschen haben sie nicht gesehen und deshalb hat auch Gott nichts von ihnen wissen wollen.
Wir feiern das Erntedankfest nicht nur, weil es bei uns Tradition ist. Ernten - Danken - und Feiern - das sind Bestandteile unseres heutigen Lebens genau so wie früher. Und auch in Zukunft wird dies so sein.
Ernten - Danken - Feiern - worum geht es dabei?
Ernten, das ist doch ganz einfach, werden Sie jetzt denken. Wir leben ja nicht in der Stadt, wo die Salatköpfe im Supermarktregal liegen und der Rosenkohl in abgewogenen Portionen in Netzen verkauft wird und wir zum Teil gar nicht mehr wissen, wie und wo all das alles wächst, wovon wir uns ernähren.
Wir sind erdverbunden, und unser Lebensraum ist landwirtschaftlich geprägt und was zum Ernten dazugehört, das wird nicht vergessen.
Doch das Prophetenwort will noch mehr. Oder anders gesagt, Gott will noch mehr von uns.
Wenn du in deiner Mitte niemand unterjochst und nicht mit Fingern zeigst und nicht übel redest ─ dann wird dein Licht in der Finsternis aufgehen, und dein Dunkel wird sein wie der Mittag.
Hier werden Dinge zusammengebracht, die wir immer fein säuberlich trennen.
Was hat denn unsere Ernte damit zu tun, ob wir über andere schlecht reden? Oder damit, dass wir vielleicht unsere Nächsten bedrücken und mit Fingern auf sie zeigen?
Gut, das mag ja auch nicht schön sein und sich mit Gottes Geboten nicht vertragen. Aber damit, dass wir an Brot und allen Lebensmitteln genug haben, damit sehen wir doch wohl keinen Zusammenhang ─ oder etwa doch?
Liebe Gemeinde, warum sollte nun nicht auch Gott, der uns mit einer solchen Fülle guter Gaben überschüttet hat, von uns fordern dürfen, dass wir uns in unserem Herzen, unserem Denken und Handeln erkenntlich zeigen?
Gott soll der großzügige, uneigennützige Geber aller Gaben für uns bleiben. Es kann und darf nicht sein, dass er von uns irgendetwas zurückerhalten will. Er ist doch kein Mensch, der deshalb schenkt, weil er dann seinen Anspruch auf Gegenleistung geltend machen möchte.
Aus Dankbarkeit für das, was wir haben, was wir letztlich ja von Gott bekommen haben, dem wir dafür auch dankbar sind, daraus wächst eine neue Hoffnung für die Zukunft. Die Hoffnung nämlich, dass das Überleben möglich ist, dass Gott auch globales Leben mit seinem Segen begleiten will.
Ladet die Hungernden an euren Tisch, nehmt die Obdachlosen in euer Haus auf, gebt denen, die in Lumpen herumlaufen, etwas zum Anziehen, und helft allen in eurem Volk, die Hilfe brauchen!
Dann strahlt euer Glück auf wie die Sonne am Morgen, und eure Wunden heilen schnell; eure guten Taten gehen euch voran, und meine Herrlichkeit folgt euch als starker Schutz.
Und etwas weiter heißt es: Ihr werdet wie ein Garten sein, der immer genug Wasser hat, und wie eine Quelle, die niemals versiegt.
Für mich ist das ein Bild, das uns auffordert, das Gute, das wir empfangen haben einzusetzen, um daraus etwas zu schaffen, ja, etwas aufzubauen. Was du geerntet hast, das sollst du säen.
Was du an Gutem empfangen hast, das behalte nicht wie einen Raub, sondern lass auch andere daran teilhaben.
Wir werden doch bekommen und noch reicher werden, wenn wir teilen und geben. Es ist wie mit der Liebe ─ sie macht uns nicht ärmer, wenn wir sie verschenken.
Unser Herz wird nicht leer, wenn wir die Liebe zu einem anderen Menschen fließen lassen. Sie kehrt schöner, reicher und voller zu uns zurück.
Auch die guten Gaben der Ernte kommen aus der Liebe und wir empfangen sie aus Liebe und sollen sie in Liebe weitergeben an die anderen Menschen. So schließt sich dann der Kreis.
Menschen, die füreinander einstehen und dafür eintreten, dass der Garten des Lebens nicht zertrampelt und zertreten wird.
Säe, was du erntest. Säe die Güte Gottes, säe Lebensmöglichkeiten und reiß das Unkraut aus, dass den Lebensmöglichkeiten im Wege steht.
Denn der Weg zur Vollkommenheit führt über Gott. Der Weg zu Gott führt über unsere Nächsten.
Amen.
Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.
Amen.
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