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Gedenkgottesdienst - Zur Flutkatastrophe

Gedenkgottesdienst an die Opfer der Flutkatastrophe

Ein Albtraum ist Realität geworden. Die Strände Südostasiens sind zu Todesstreifen geworden. Das Meer hat tausendfaches Leben einfach verschluckt. Die Bilder der Zerstörung gehen uns nicht mehr aus dem Kopf, die Nachrichten mit den immer höher angesetzten Opferzahlen wollen nicht enden. Wir sind angesichts des unermesslichen Leids betroffen, geschockt, sprachlos, hilflos.
Wir wenden uns an Gott, an den, der diese Welt geschaffen hat, der sie uns anvertraut hat und der seinen Bund mit den Menschen geschlossen hat. Ihm vertrauen wir unsere Fragen und Klagen an, mit ihm wollen wir schweigen, von ihm erhoffen wir uns Beistand und Ermutigung, ihn bitten wir um Hilfe für die Opfer.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Lesung: Psalm 8 unter EG 705

Klagegebet aus der Zeitung

Zuspruch:

Ich aber habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre.
Lukas 22,32

Gebet:

Gott, am liebsten wäre uns, das Leben könnte ein Fest sein, eine Freude, ein Tanz, ein Glück, möglichst ohne Ende.
Aber je mehr Tage und Jahre, Ereignisse und Menschen unser Leben zu einer Lebensgeschichte werden lassen, umso deutlicher wird uns: Jede Lebensgeschichte ist auch ein Stück Leidensgeschichte.
Herr, wenn die toten Punkte kommen, dann lass uns mit dir reden, von dir hören, aus dir leben: damit wir standhalten, durchkommen, weiterleben - damit unser Leben über die Hürden hinweg gelingt.
Gemeinde Amen.

Kurzansprache:

Unbegreifbar ist das, was wir seit ein paar Tagen über die Fernsehbilder und Nachrichten mit ansehen, miterleben müssen. Von einem Moment zum anderen, ohne jede Vorwarnung, wurden die Küsten Südostasiens von der unbändigen Wucht der Tsunamis erfasst und viel tausendfaches Leben ertränkt. Wie in einer zweiten Sintflut hat das Wasser Menschen verschluckt und Gebäude dem Erdboden gleichgemacht. Fast stündlich wurden Zahlen über die Opfer nach oben korrigiert, eine Schreckensmeldung folgte auf die andere. Was ist da nur passiert...?

Es ist eine "Katastrophe", so sagen wir. Doch ist es das wirklich? Die ursprüngliche Bedeutung des griechischen Wortes katastrophä meint ein Geschick, zu dem die Menschen von "oben herab" verurteilt werden, als Strafe für ihr schuldhaftes Verhalten gegenüber den Göttern. Auch das Neue Testament kennt nur diese Bedeutung: Sodom und Gomorra wurden von Gott

"zum Untergang verurteilt"
(2.Petr 2,6)

, weil die Bewohner nicht nach Gottes Gebot lebten. Wer die Ereignisse in Südostasien eine Katastrophe nennt, gibt die Schuld letztendlich den Menschen, die ihnen zum Opfer gefallen sind.

Dabei war es nichts weiter als ein geologisches Phänomen, das soviel unschuldiges Leben zerstörte. Niemand hat daran Schuld: weder ein rachesüchtiger Gott noch eine dekadente, an sich selbst übersatte Gesellschaft, noch nicht einmal Terroristen können wir dafür verantwortlich machen! Die Erde hat gebebt, weiter nichts. Ich glaube, es sind nicht nur die unglaublich hohen Zahlen, das unermessliche Ausmaß dieser Tragödie, die uns so hilflos dastehen lassen, sondern es ist auch diese brutale Sinnlosigkeit, die uns ohnmächtig macht. Für dieses grauenvolle Leid gibt es keine Erklärung, keinen Grund, keine Kausalität, auf die wir in irgendeine Weise Einfluss hätten.

Was können wir dann aber tun ...?
Klagen, wenn uns danach ist, schweigen, wenn die Trauer uns übermannt und helfen, wo es in unserer Macht steht. Wir haben einen Gott, der uns hört, dem unsere Gebete, unsere Fragen, auch unsere Wut und Angst nicht gleichgültig sind. Wir sind eine Gemeinschaft, wir haben Menschen um uns, die uns nicht alleine lassen, eine Gemeinde, die beten kann, mit und ohne Worte. Und wir haben die Möglichkeit, zu helfen: sicher finanziell, aber auch durch unser Gebet, unsere Solidarität, die den Betroffenen Hoffnung machen und Lebensmut geben kann, auch über tausende von Kilometern hinweg.

Darum sind wir zusammengekommen; im Vertrauen auf unseren Gott, der unser Leben liebt, ein Zeichen zu setzen gegen die Ohnmacht; im Vertrauen auf unseren Gott, der diese Welt geschaffen hat, ein Zeichen zu setzen gegen die Not und das Leid; im Vertrauen auf unseren Gott, der unser Atem ist, ein Zeichen zu setzen gegen die Hoffnungslosigkeit.
Amen.

Lied: "Jeder Teil dieser Erde"

(zu finden etwa im EG RWL Nr. 672 oder oder in "Mein Liederbuch für heute und Morgen" unter der Nummer B72)

Aktion "Gebet"

Unter dem Weihnachtsbaum steht die Krippe. Hier wollen wir unsere Gebete und Wünsche ablegen und so mit ihnen hier im Altarraum einen Gebetsteppich entstehen lassen. Er soll uns in den nächsten Wochen das Leid nicht vergessen lassen, aber auch ein Zeichen dafür sein, dass wir die Hoffnung nicht aufgeben und an der Zusage Gottes festhalten, dass er seiner Schöpfung treu bleibt.
(Während der Aktion kann Instrumentalmusik gespielt werden.)

Fürbitten:

Gott,
wir begreifen noch nicht,
was geschehen ist.
Wir sehen die Bilder,
hören die Nachrichten
und kommen uns hilflos und ohnmächtig vor.

Kyrie Eleison ...

Gott,
wir bitten dich für diejenigen,
die Angehörige oder Freunde vermissen,
dass sie die Hoffnung nicht aufgeben,
dass du Menschen zueinander führst,
die sich im Chaos verloren haben.

Kyrie Eleison ...

Gott,
wir bitten dich für die Kinder,
die ihre Eltern verloren haben
und für die Eltern,
die um ihre Kinder trauern.
Begleite sie in ihrer Trauer
und schenke ihnen Menschen an die Seite,
die zuhören und verstehen können.

Kyrie Eleison ...

Gott,
wir bitten dich,
dass du den Menschen trotz der notwendigen Eile,
die Toten zu begraben,
Zeit zur Trauer schenkst
und die Möglichkeit,
das Erlebte zu verarbeiten.

Kyrie Eleison ...

Gott,
wir bitten dich für die Hilfskräfte,
die sich an die Arbeit gemacht haben,
die Not vor Ort zu lindern.
Gib ihnen Kraft,
den Menschen helfen zu können.

Kyrie Eleison ...

Gott,
wir bitten dich für die Verantwortlichen in den Regierungen,
dass sie Wege finden und Mittel freimachen,
den Betroffenen unbürokratisch Hilfe zukommen zu lassen
und dafür zu sorgen,
dass sich eine solche Tragödie nicht wiederholt.

Kyrie Eleison ...

(Stille)

Vater Unser ...

Segen:

Gott,
der Schöpfer des Lebens,
segne euch mit seiner Liebe zu den Menschen.
Gott,
der Schöpfer des Lebens,
segne Euch mit seiner Hoffnung für die Zukunft.
Gott,
der Schöpfer des Lebens,
segne Euch mit seinem Glauben an einen neuen Himmel und eine neue Erde.

Erstellt: 2.1.2005
Zuletzt aktualisiert: 3.4.2011 11:02 Uhr
Redakteur: Anders Grüning

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