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Predigt - Geh aus mein Herz und suche Freud

Text: EG 503,1-6 und 13-14

Liebe Gemeinde!
Endlich sind die Ferien da! Das schöne Sommerwetter hat uns schon vor den Ferien in gute Laune versetzt. Nun freuen sich viele unter uns auf unvergessliche Ferientage, suchen Erholung für ausgepowerte Seelen und hoffen auf neue Kräfte, die ihnen der Urlaub schenke möge.
Endlich haben wir einen Termin gefunden, an dem alle Gäste dabei sein können, freuen sich die Eltern, deren Kinder heute getauft werden. Lisa und Lennox freuen sich schon lange auf diesen großen Tag. Für Lisa geht zugleich die Kindergartenzeit zu Ende und nach den Ferien geht sie in die Schule.  Für Lennox ist es das erste große Fest, das er bewusst miterlebt. Und das ist auch gut so, dass sie beide mit wachen Augen und Ohren, mit ganzem Herzen erleben dürfen, was heute geschieht.

„Geh aus mein Herz und suche Freud“ – so haben wir eben gesungen. Es ist ein fröhliches und kraftvolles Lied, dessen Text Paul Gerhard 1653 gedichtet hat, das wunderbar den Sommer, seine Leichtigkeit und Fröhlichkeit beschreibt. In mehreren Strophen wird hier die Natur malerisch beschrieben, die im Sommer am schönsten ist. Es wird spürbar, wie ansteckend Freude ist, wie das Herz aufgeht und selbst über sich hinaus wächst angesichts der Vielfalt in Wald und Flur.

Bei genauerem Hinsehen haben wir hier jedoch keine Naturbeschreibung vor uns, wie sie in manchem Reiseprospekt zu finden ist, sondern wir werden ermutigt die Natur als „des großen Gottes großes Tun“ zu sehen. In dieser Funktion ist die „liebe Sommerzeit“ eine Zeit, die das Herz des Menschen in besonderem Maße füllen kann.
Damit ist aus meiner Sicht etwas anderes gemeint als überfüllte Strände, Sonnenbaden und Grillparties. All diese Dinge machen Spaß und haben auch ihre Berechtigung.

Doch im Paul-Gerhardt-Lied wird uns eine andere Kost angeboten.
Es geht um die Freude des Herzens, verursacht durch Gottes Gaben und sein Tun.
Herz meint herkömmlich unser Inneres. Der Kernpunkt unseres Wesens. Der Sitz der Gefühle. Geh mein Herz! Gehe dahin, wo Du bekommst, was dich im Kern deines Wesens erfreut! Denn was dich erfreut, macht dich stark. Für Paul Gerhard gibt es nur eine Antwort: Es sind die Gaben Gottes. Es ist die Schöpfung Gottes, die Natur: Gärten, Blumen, Bäume, Wiesen, Vögel, Bienen usw., in denen sich Gottes Tun an uns widerspiegelt. Und damit Gott selbst.
Die Welt, in der wir leben, scheint für den Dichter vollkommen. Dass die Welt auch ein ganz anderes Gesicht hat, wissen und erfahren wir täglich. Das wusste und erlebte auch Paul Gerhard. Er hat die meiste Zeit seines Lebens während des 30-jährigen Krieges verbrachte. Und selbst in der Nachkriegszeit waren noch marodierende Soldaten unterwegs, die außer dem Kriegshandwerk nichts gelernt hatten, Felder verwüsteten und weiterhin Häuser plünderten, u.v.m.
Im Chaos dieser Zeit erhebt er seine Stimme und erzählt von der Schönheit der Schöpfung und seiner Kraftquelle. Darauf scheint es ihm anzukommen. Er zeigt einen Weg auf, der das Innere des Menschen nährt und den Weg in eine „bessere“ Zukunft eröffnet. In eine Zukunft ganz in Gottes Sinne.

Davon erzählt auch Antoine Exupery in seinem Buch „Der kleine Prinz“. Er reist durch das Weltall. Dabei kommt der kleine Prinz letztlich auf den siebten Planeten, die Erde. Nach einem Gespräch mit einer Schlange durchquert er die Wüste in Afrika und begegnet einer Blume, findet einen Rosengarten und trifft schließlich den Fuchs, der ihm durch viele regelmäßige Treffen zum Freund wird. Dabei erklärt der Fuchs dem kleinen Prinzen:

„Man kennt nur die Dinge, die man zähmt“ und verrät ihm am Ende der Begegnung sein Geheimnis: „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“

Darum geht es heute bei Eurer Taufe: Gott schenkt Euch seine Freundschaft. Sie ist nur mit dem Herzen zu spüren. Auch wenn gleich Wasser über Eure Köpfe ausgeschüttet wird, so ist es ein Hinweis, Gott erfrischt Euch an Leib und Seele, Gott stärkt Euer Herz, das es fröhlich werde.
Darum geht es, wenn jetzt die Ferienzeit uns Zeit und Muse schenkt, die ansonsten so rar ist, weil die Stechuhr den Takt vorgibt, zu erkennen, welch großes Wunderwerk Gott immer wieder Jahr für Jahr uns schenkt, zu spüren, welch großes Herz Gott für uns Menschenkinder hat.

Jesus sagt einmal:

„Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über. Ein guter Mensch bringt Gutes hervor aus dem guten Schatz seines Herzens.“
(Matthäus 12,34-35).

Darum lasst uns die beiden nächsten Verse singen.

Gemeinde: 503,13+14

Zu dieser Glaubenswelt werdet Ihr, liebe Lisa und Lennox, heute eingeladen.
In dieser Glaubenswelt zu wachsen, zu grünen und zu blühen, ist unsere Bestimmung.
Denn Gott schenkt uns seine Zusage:

„Fürchte dich nicht! Ich bin bei dir.“

Auf seinen Geist und Hilfe dürfen wir allezeit trauen. Im Gebet uns immer wieder an Gott wenden.
Denn Gott schenkt uns seine Gnade. Dieses alte Wort meint im ursprünglichen Sinn: Nähe. Gott ist uns in Christus genaht. Er ist unser Freund. In der Taufe erfahrt ihr es ganz persönlich. Und auf dem Weg des Glaubens verändert seine Gnade immer wieder Menschenherzen zum Guten. Dadurch können wir im Glauben reifen, wenn wir uns unser Denken und Reden, unser Tun und Lassen von Gottes Wort, seinen Geboten bestimmen lassen. Dadurch gewinnen wir wie Paul Gerhardt eine positive Welt- und Weitsicht.
Daraus können wir Kraft schöpfen für die Bewältigung der Aufgaben in Beruf, Schule und wo auch immer wir gefordert sind.
Ich möchte euch alle ausdrücklich ermutigen, in den anstehenden Ferien die wunderschöne Natur zu genießen. Für uns Christen ist sie Gottes Geschenk an uns. Wir haben in den Ferien Zeit Berge, Wälder und Strände zu genießen. Möge sich entspannt und in Ruhe ein Weg finden, der in uns Gott Raum gibt. Auf diese Weise werden wir, ob klein oder groß, jung oder alt, Blumen im Garten Gottes.

Und nicht nur den Eltern und Paten der heutigen Täuflinge, auch uns als Gemeinde sei es nochmals mit den Worten des Fuchses aus dem Buch „Der kleine Prinz“ gesagt:

„Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast.“

Amen.

Erstellt: 10.3.2011
Zuletzt aktualisiert: 31.3.2011 16:35 Uhr
Redakteur (nicht zwingend Autor): Anders Grüning

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