Predigt "Kerbegottesdienst Gelassenheit"
Lied zur Eröffnung: Kommt herbei / Junger Singkreis im Wechsel alle?
Sprechspiel zur Einführung ins Thema
Thomas Schneider:Was ist Zeit?
Wolfgang Fleißner:Wir kennen gute Zeiten, schlechte Zeiten – wir kennen die Wartezeit – die Hochzeit – die Schlafenszeit, aber auch die Jahreszeit – die Lebenszeit – die Kirchenjahreszeit – die Schulzeit – die Freizeit. Es gibt auch die Lehrzeit – die Urlaubszeit – die Arbeitszeit – die Gleitzeit. Manche Menschen haben viel Zeit – andere haben keine Zeit.
Thomas Schneider:Was ist Zeit?
Wolfgang Fleißner: Im Wartezimmer geht die Zeit nicht vorbei. Doch manchmal sagen wir auch: Huch, schon so spät? Oder wir haben Langeweile und fragen: Wie lang dauert das noch?
Thomas Schneider:Was ist Zeit?
Kyrie
Wolfgang Fleißner: Herr Jesus Christus, du hast uns deine Zeit geschenkt, um uns die Liebe Gottes erfahrbar zu machen. Herr, erbarme dich!
Gemeinde: Herr, erbarme dich!
Thomas Schneider: Du hast uns deine Zeit geschenkt, damit die Schwachen und Hoffnungslosen neuen Lebensmut finden. Christus, erbarme dich!
Gemeinde: Christus, erbarme dich!
Wolfgang Fleißner: Du hast uns deine Zeit geschenkt, um uns zu nicht endendem Leben zu führen. Herr, erbarme dich!
Gemeinde: Herr, erbarme dich!
Vergebungsbitte durch Thomas Schneider
Glorialied: Gl 464
Tagesgebet
Text durch Lektor(in):
»Guten Tag«, sagte der Kleine Prinz.
»Guten Tag«, sagte der Händler.
Er handelte mit höchst wirksamen, durststillenden Pillen. Man schluckt jede Woche eine und spürt überhaupt kein Bedürfnis mehr zu trinken.
»Warum verkaufst du das?« sagte der kleine Prinz.
»Das ist eine große Zeitersparnis«, sagte der Händler. »Die Sachverständigen haben Berechnungen angestellt. Man erspart dreiundfünfzig Minuten in der Woche«.
»Und was macht man mit diesen dreiundfünfzig Minuten?«
»Man macht, was man will ...«
»Wenn ich dreiundfünfzig Minuten übrig hätte«, sagte der kleine Prinz, »würde ich ganz gemächlich zu einem Brunnen laufen ... «
(aus: Antoine de Saint-Exupery, Der Kleine Prinz. © 1950 und 1998 Karl Rauch Verlag, Düsseldorf)
Überleitung durch Thomas Schneider
Wir haben in der Mitte auf diesem Tuch jede Menge Uhren liegen.
Sie alle sagen uns, was die Stunde geschlagen hat.
Sie alle sind ein Sinnbild für ZEIT.
Mit diesen Uhren verbinden sich jeweils andere Erinnerungen, Assoziationen, andere Erlebnisse.
Wir werden diese Uhren jetzt gleich an verschiedene Stellen legen.
Ich möchte alle einladen, diese Uhren zu betrachten.
Vielleicht fällt uns auch zu der einen oder anderen Uhr eine Geschichte oder ein Erlebnis ein.
Wir dürfen uns einen Augenblick ZEIT nehmen, um diesen Gedanken etwas nachzugehen.
Meditative Musik (Junger Singkreis)
Sprechspiel als Katechese
Im Folgenden werden einige Uhren von dem Tuch hoch gehoben und dazu jeweils einer der folgenden Texte gesprochen:
Wolfgang Fleißner: (Stoppuhr)
Zeit erleben wir Menschen ganz unterschiedlich.
Es gibt die Zeit, die uns davonläuft.
Wir hätten noch soviel zu tun, soviel zu erledigen, aber wir kommen gar nicht dazu, alles zu tun.
Es erscheint uns alles zu viel.
Es ist wie in einem Wettkampf.
Wir müssen in kurzer Zeit möglichst viel, möglichst schnell, möglichst gut tun.
Thomas Schneider: (Sanduhr)
Manchmal haben wir das Gefühl, die Zeit ginge gar nicht vorbei.
Sandkorn für Sandkorn fällt nach unten,
aber man kann kaum eine Veränderung wahrnehmen.
Die Zeit wird uns zu lang:
Wie lange muss ich denn noch warten?
Wann passiert denn endlich etwas?
Mir ist so langweilig.
Wolfgang Fleißner: (Wecker)
Manchmal sind wir erschrocken über die Zeit:
Was denn, schon so spät?
Ich habe gar nicht gemerkt, wie die Zeit vergeht.
Meistens sagen wir so etwas, wenn wir uns mit einer Sache besonders intensiv beschäftigen. Wenn wir ganz bei der Sache sind.
Wenn uns etwas erfüllt, dann erleben wir die Zeit als gut gefüllt.
Sie vergeht uns dann viel zu schnell.
Ja, wir merken gar nicht, das sie überhaupt vergeht!
Thomas Schneider: (Sonnenuhr)
Zeit erleben wir auch durch den Wechsel von Tag und Nacht. Von Sonne und Mond.
Es gibt dunkle Zeiten und helle Zeiten.
Es gibt Zeiten, in denen unser Leben von Dingen überschattet wird, die uns beunruhigen, ängstigen oder traurig machen.
Wolfgang Fleißner: (Armbanduhr)
Die Zeit lässt sich kaum fassen und dennoch tragen wir sie immer mit uns herum. Alles, was wir tun, geschieht in der Zeit.
Wir spüren Schritt für Schritt, dass die Zeit vergeht.
Wir spüren, dass wir heute andere Menschen sind als gestern und dass wir morgen andere Menschen sind als heute.
Thomas Schneider: (Backuhr)
Immer wieder gibt es Zeiten, die wir nicht vergessen dürfen:
Den Kuchen aus dem Ofen holen, den Bus nicht verpassen,
eine Verabredung einhalten.
Wenn es viele wichtige Zeiten für uns gibt, dann entsteht der Zeitdruck:
Das muss ich noch machen.
Hieran muss ich denken.
Dies muss ich noch besorgen.
Jenes darf ich auf keinen Fall vergessen.
Lied Herr, gib uns Mut zum Hören (Gl 521), anschl. Halleluja von Taizé
Evangelium (Mt 6,25-34) (Wolfgang Fleißner)
Deswegen sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben und darum, dass ihr etwas zu essen habt, noch um euren Leib und darum, dass ihr etwas anzuziehen habt. Ist nicht das Leben wichtiger als die Nahrung und der Leib wichtiger als die Kleidung? Seht euch die Vögel des Himmels an: Sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln keine Vorräte in Scheunen; euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie? Wer von euch kann mit all seiner Sorge sein Leben auch nur um eine kleine Zeitspanne verlängern? Und was sorgt ihr euch um eure Kleidung? Lernt von den Lilien, die auf dem Feld wachsen: Sie arbeiten nicht und spinnen nicht. Doch ich sage euch: Selbst Salomo war in all seiner Pracht nicht gekleidet wie eine von ihnen. Wenn aber Gott schon das Gras so prächtig kleidet, das heute auf dem Feld steht und morgen ins Feuer geworfen wird, wie viel mehr dann euch, ihr Kleingläubigen! Macht euch also keine Sorgen und fragt nicht: Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken? Was sollen wir anziehen? Denn um all das geht es den Heiden. Euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles braucht. Euch aber muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben. Sorgt euch also nicht um morgen; denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen. Jeder Tag hat genug eigene Plage.
Predigt (Wolfgang Fleißner)
Ich weiß nicht, ob ihr ähnliche Situationen kennt. Ihr wollt jemanden mal eben spontan besuchen, ruft ihn an und bekommt zu hören: »Moment, da muss ich erst mal in meinen Kalender gucken, ob ich kann. Schade, dann kann ich nicht.«
Oder ihr sucht in eurer Leiterrunde einen neuen Termin, und es scheint fast unmöglich, einen Termin zu finden, an dem fast alle können: »Da kann ich auf keinen Fall!« - »Nein, da geht es auch nicht.«
Kalender sind zu einem festen Bestandteil unserer Alltagskultur geworden. Ohne geht kaum mehr etwas. Auch bei vielen Jugendlichen.
Zeit-Management ist ein Markt geworden, wo sich viel Geld verdienen lässt. Doch seltsam, je mehr wir unsere Zeit managen, desto weniger Zeit scheinen wir eigentlich zu haben. Schon Kinder geraten, so berichten Experten, zunehmend in einen Freizeitstress. Und immer bleibt das Gefühl, etwas Wichtiges verpasst zu haben. Aus der Fülle der Angebote, die wir haben, können wir uns halt immer nur auswählen. Schnell kann ein Gefühl entstehen, an wesentlichen Events, Aktionen und Angeboten nicht teilzunehmen.
Mitten in diese Situation hinein fällt der Satz aus dem Evangelium:
»Sorgt euch nicht!« Wer diesen Satz ganz bewusst an sich heran lässt, merkt vielleicht, dass er ganz schön viel Sehnsucht in uns auslösen kann. Mir gehen direkt jede Menge Bilder durch den Kopf, wenn ich dieses Evangelium höre.
Ich sehe mich im Liegestuhl am Strand unter Palmen, vielleicht noch ein cooles Getränk in der Hand.
Ich sehe mich im Bett, ohne Wecker den Tag verschlafend.
Ich sehe mich auf einer Party, tanzend, kein Gefühl mehr für Zeit, einfach die Musik in mich aufnehmend.
Wahrscheinlich gibt es bei jedem von euch ähnliche Bilder.
Das Evangelium lädt uns ein, immer wieder einmal aus dem Stress des Alltags heraus zu brechen. Sich eine Atempause zu gönnen und sich darauf zurück zu besinnen, dass das Wesentliche in unserem Leben nicht planbar ist, sondern uns geschenkt wird. Es könnte jede Menge Druck von uns nehmen, wenn wir darauf vertrauen könnten, dass Gott um uns und unser Leben in Sorge ist. Jesus hat aus diesem Vertrauen heraus gelebt und ist mit einer unglaublichen Lebensfülle beschenkt worden. Dass auch wir immer mehr in ein solches Vertrauen hinein finden, das wünsche ich uns.
Lied: Meine Zeit steht in deinen Händen – Junger Singkreis und alle
Fürbitten (Lektor/in)
Barmherziger Gott, in deinen Händen steht alle Zeit, bei dir sind wir und unsere Anliegen gut aufgehoben. Darum bitten wir dich:
- Wie oft hören Menschen, die ein Gespräch brauchen: Ich habe jetzt keine Zeit? Gott, du Herr des Lebens: (Alle: Schenke uns Zeit.)
- Wie oft möchten wir etwas Wichtiges tun und stellen fest: Ich habe jetzt keine Zeit. Gott, du Herr des Lebens: (Alle: Schenke uns Zeit.)
- Wie oft fühlen wir uns getrieben, fremdbestimmt und unter Druck.
Gott, du Herr des Lebens: (Alle: Schenke uns Zeit.)
- Wie oft erleben wir die Zeit, die wir haben, nicht als Geschenk sondern als Langweile. Gott, du Herr des Lebens: (Alle: Schenke uns Zeit.)
Ja, guter Gott, unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet bei dir. So preisen wir dich, Gott, der du die Zeit in deinen Händen hältst, jetzt und alle Zeit.
Amen.
Gabenbereitung: Wenn wir das Leben teilen (junger Singkreis)
Sanctus: Gl 469
Friedenslied: Herr, gib uns deinen Frieden
Impuls nach der Kommunion (Wolfgang Fleißner)
Ein in Meditation erfahrener Mann wurde einmal gefragt, warum er trotz seiner vielen Beschäftigungen immer so gesammelt sein könne.
Er sagte:
Wenn ich stehe, dann stehe ich,
wenn ich gehe, dann gehe ich,
wenn ich sitze, dann sitze ich,
wenn ich esse, dann esse ich,
wenn ich spreche, dann spreche ich ...
Da fielen ihm die Fragesteller ins Wort und sagten:
Das tun wir auch, aber was machst du darüber hinaus?
Er sagte wiederum:
Wenn ich stehe, dann stehe ich,
wenn ich gehe, dann gehe ich,
wenn ich sitze, dann sitze ich,
wenn ich esse, dann esse ich,
wenn ich spreche, dann spreche ich ...
Wieder sagten die Leute:
Das tun wir doch auch.
Nein, wenn ihr sitzt, dann steht ihr schon,
wenn ihr steht, dann lauft ihr schon,
wenn ihr lauft, dann seid ihr schon am Ziel ...
(Aus dem Zen-Buddhismus)
Dank: Gl 262
Wolfgang Fleißner: Der Herr segne dich mit der Gelassenheit, die Dinge zu ertragen, die nicht zu ändern sind.
Thomas Schneider: Der Herr segne dich mit der Kraft, da zu wirken, wo deine Hilfe gefragt ist.
Wolfgang Fleißner: Der Herr segne dich mit dem Mut, neu anzufangen, wo keine Hoffnung mehr zu sein scheint.
Thomas Schneider: So segne dich der barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
Amen.
Lied: Komm, Herr, segne uns