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Predigt - Glaube, lebendiges Vertrauen

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus Amen

Liebe Gemeinde, am Rande des Dorfes Dragacz, ganz in der Nähe von Graudenz an der Weichsel, gegenüber einer sehr alten Kirche liegt ein kleiner Friedhof. Die Menschen, die hier ihre letzte Ruhe fanden, sind unbekannt und namenlosen. Die Grabsteine, soweit sie noch vorhanden sind, weisen keine Name und keine persönlichen Daten auf. Nur die Jahreszahlen, in einem Zeitraum von 200 Jahren, an denen sie die letzte Ruhe fanden, stehen auf den Grabsteinen. Niemand kennt ihre Geschichten. Unbekannt ist ihr Alter. Unbekannt sind und bleiben sie für immer; was und wen sie liebten oder hassten bleibt ein Rätsel.

Sie ruhen dort, weil sie dazugehören sollten, ganz gleich wer sie waren und was mit ihnen war. Tief ergriffen von diesem Friedhof bewegten mich ernsthaft folgende Fragen: Glaubten sie an Christus? - Schrieen sie verzweifelt in ihrer letzten Not und riefen sie Jesus als Retter an? So wie der Hauptmann im Evangelium. - Fluchten einige? - Hofften sie nicht alle auf ein Wunder? -  Was glaubten sie?

Meine Gedanken an diese verstorbenen Menschen hielten mich lange gefangen und ich versuchte die eine oder andere Begebenheit unserer Tage in diesem Zusammenhang zu realisieren. Stellen sie sich vor, ein vollkommen fremder Mensch, der auch noch zu einer Gruppe Neonazis gehört, die ihnen verhasst ist, kommt auf sie zu und will etwas von ihnen. Das erste, was wir erleben ist doch Abwehr, Ablehnung und der Gedanke: Wie werde ich den wieder los? Es entsteht ein Gefühl, dass man dieses Gegenüber abschütteln will. Nein ich will damit nichts zu tun haben.

Jesus allerdings geht mit solch einer Situation anders um. Wir haben sie eben im Evangelium gehört. Ein namenloser Offizier, ein Hauptmann, aus der Garnison in Kapernaum trifft sich mit Jesus. Der Hauptmann, er ist Vorgesetzter. Er hat Soldaten unter sich. Er kann ihnen befehlen und sie müssen gehorchen. So ist dies nun mal beim Militär, der Untergebene muss gehorchen und der Vorgesetzte hat die Macht. Es entwickelt sich, während der Hauptmann über seine Ängste und Hoffnungen berichtet, ein Gespräch über den Glauben.

Genauso, liebe Gemeinde, wie er als Vorgesetzter die Macht über seine Untergebenen hat, und das ist der feste Glaube des Hauptmanns, traut er Jesus die Macht zu, der Krankheit zu befehlen, an der sein Knecht leidet. Der Hauptmann hält es auch nicht für nötig, dass Jesus in sein Haus kommt, in das Haus eines Heiden, um den Kranken zu sehen um ihm die Hand aufzulegen, damit er gesund werde.

„Sag nur ein Wort und mein Knecht wird gesund“. Als Jesus das hörte, staunte er und sagte zu den Leuten, die ihm folgten: „Wahrhaftig, solch ein Vertrauen habe ich in Israel nirgends gefunden!“ Ein Wort wie ein Schlag mitten ins Gesicht für alle umstehenden und zuhörenden Juden. Sie sind voller Bedenken, Fragen und Zweifel. Und der Hauptmann? Er zeigt zuversichtliche Gewissheit. Und deshalb handelt auch Jesus nach dem Glauben dieses Hauptmannes. Seine Gewissheit, dass er hier bei Jesus Hilfe bekommen kann, hatte er nicht erst dann, als Jesus mit ihm gesprochen hatte und ihm die Zusage gemacht hatte: „Geh nach Hause! Wie du es im Vertrauen von mir erwartet hast, soll es geschehen“. Diese Gewissheit war bereits vorher da. Der Glaube des Hauptmanns schloss die Gewissheit ein. Anders geht es auch gar nicht. Glaube, der nicht zugleich Gewissheit ist, dass bei Jesus Christus alle Hilfe ist, das ist kein Glaube. Glaube, das ist das lebendige Vertrauen zu dieser Macht Gottes, dem wir das eigene wie das fremde Leben anvertrauen.

Das heißt nicht, dass wir unser Tun, unsere Verantwortung für unsere Nächsten beiseite legen. Ganz gewiss nicht. Aber sie bekommt ihren menschlichen Stellenwert, es wird gesehen, als ein menschliches Tun, das begrenzt ist und demgegenüber Gott weit mehr zu bieten hat. Und dieses Wirken Gottes ist dann auch nicht beschränkt auf bestimmte Glaubensgemeinschaften, sondern sie gilt jedem Menschen. Auch das steckt in dieser Geschichte, in der Jesus den Knecht des römischen Hauptmann heilt.

Einen Heiden und dazu noch einen Angehörigen der Besatzungsmacht, den stellt Jesus seinen Hörern als Vorbild im Glauben dar. Es können also die Letzten, die wie der heidnische Hauptmann von einem lebendigen Gott gar nichts wissen, im Glauben die Ersten werden.

Und die Juden? Sie, die einst als erste von Gott wussten, werden die Letzten sein. Und wir, die wir zur Gemeinde Jesu Christi gehören? Ja, gerade wir, die wir zu seiner Gemeinde gehören, wir müssen genau darauf achten, damit wir nicht die Letzten werden, anstatt die Ersten zu sein. Aus den Worten Jesu wird uns deutlich, dass er seine Hilfe denen gewährt, die sie glaubensvoll von ihm erhoffen und ihm zutrauen, dass er helfen kann. Liebe Gemeinde, Jesus wartet geradezu auf solch einen Glauben. Solcher Glaube hilft. Nicht der Glaube derer, die ganz genau wissen, was Glauben ist. Die für jedes und alles eine fromme Erklärung bereithalten. Die den Menschen Forderungen und Verhaltensanweisungen auflegen. Glaube ist Vertrauen.

Sicher, solch ein Schritt des Glaubens will gewagt sein und ich denke, dass Glaube immer ein Wagnis ist. Alle unsere Bedenken unseres Verstandes müssen zurücktreten, wie hier bei dem heidnischen Hauptmann. Der Hauptmann, er lässt seinen Stolz hinter sich und er erlebt, was er auch in aller Deutlichkeit zum Ausdruck bringt, dass Jesus Christus eine ganz andere und auch viel größere Vollmacht hat, als er selbst.

Der Hauptmann, er befiehlt den Soldaten und Jesus? Jesus, er befiehlt der Krankheit. Jesus, er ist der Herrscher in seinem Bereich, den wir trotz aller unserer Nachforschungen nicht beherrschen. Und auch das sollten wir uns bewusst machen, dass Jesus dort befiehlt, wo er es will und nicht, wo wir es wollen. Dies darf uns natürlich nicht daran hindern, uns selbst und unsere Nächsten diesem Herrn anzuvertrauen. Sicher, liebe Gemeinde, dazu gehört eine ganz beträchtliche Menge Mut, den Gang zu Jesus zu wagen.

Doch solcher Glaube hilft. Nicht der Glaube derer, die ganz genau wissen, was Glauben ist. Die für jedes und alles eine fromme Erklärung bereithalten. Glaube, das ist das lebendige Vertrauen zu dieser Macht Gottes, dem wir das eigene wie das fremde Leben anvertrauen. Das heißt nicht, dass wir unser Tun, unsere Verantwortung für unsere Nächste und unseren Nächsten beiseite legen sollen. Und auch das soll uns ein Vorbild sein, welches uns der Hauptmann gibt, dass auch wir mit den Sorgen und Nöten unserer Mitmenschen vor Jesus Christus treten dürfen. Dass auch wir für sie beten und bitten sollen. Dass wir uns füreinander stark machen bei ihm, bei Jesus und so miteinander immer mehr die Gemeinschaft werden, die Jesus mit seiner Gemeinde bauen wollte.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus      Amen

Erstellt: 11.4.2009
Zuletzt aktualisiert: 31.3.2011 16:41 Uhr
Redakteur: Anders Grüning

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