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Predigt und Liturgie - Glauben verbindet

Text: Gal 6, 10
10 Darum, solange wir noch Zeit haben, lasst uns Gutes tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen.

Liebe Gemeinde!

„Verzag nicht, du Häuflein klein“ haben wir eben gesungen. Der Feldprediger des schwedischen Königs Gustav Adolfs, Johann Fabricius, dichtete es 1632, kurz vor der Schlacht bei Lützen, in der der schwedische König am 6. November 1632 fiel.

Wer war Gustav Adolf II?

Im Chor der Riddarholmskirche in Stockholm wurde der Leichnam des Schwedenkönigs nach der zwar siegreichen, aber für ihn tödlichen Schlacht bei Lützen (1632) beigesetzt. Die Lebensstationen Gustav Adolfs sind dort in folgenden Versen zusammengefasst:
In schwerer Zeit begann er seinen Lauf
 
Gustav II. Adolf übernimmt im Alter von 17 Jahren (1611) nach dem Tode seines Vaters den schwedischen Thron sowie einige ungelöste Aufgaben: Auseinandersetzungen sind auszufechten mit Dänemark um die südschwedische Landschaft Schonen, mit Russland um Finnland sowie mit der polnischen katholischen Wasalinie, die berechtigte Erbansprüche auf den schwedischen Thron geltend macht. Es gelingt, mit Dänemark (1613) und Russland (1617) Frieden zu schließen, ebenso im Krieg gegen Polen (1629, mit französischer Vermittlung).

Die Religion hatte er lieb

Gustav Adolf ist in seinem Denken und Handeln durch den Protestantismus und durch Deutschland beeinflusst: Seine Mutter war eine lutherische Herzogin von Holstein, auf deutschen Universitäten war sein Hauslehrer ausgebildet worden.
Die lutherische Auffassung von der Aufgabe des Staates bestimmt Gustav Adolfs politisches Verständnis: Der Staat hat die Aufgabe, das menschliche Zusammenleben auf dem Boden des Rechts zu ordnen und diese Ordnung gegebenenfalls mit der Schärfe des Schwerts zu bewahren. Kriegführung zur Verwirklichung eigener Interessen ist verboten, zum Schutz der Untertanen, als Verteidigungskrieg, jedoch erlaubt.

Die Feinde warf er zu Boden

Zum Bettag 1623 rückt der König den Schweden die Verfolgung der Evangelischen und den Religionskrieg in Deutschland ins Bewusstsein. Gustav Adolf ordnet u.a. an, für die um ihres Glaubens willen Verfolgten öffentliche Fürbitte zu halten (1625); er gewährt den Evangelischen aus Deutschland Asyl (1627) und entschließt sich (1629), in den Krieg einzugreifen: Er landet (1630) mit seinem Heer in Pommern. Nachdem die Kaiserlichen unter Tilly Magdeburg eingenommen hatten (20.5.1631), gewinnt Gustav Adolf die Schlacht von Breitenfeld vor den Toren Leipzigs (17.9.1631) - und damit die Freiheit für das gesamte evangelische Nord- und Mitteldeutschland. Der legendäre Ruhm Gustav Adolfs nimmt hier seinen Anfang. Als "Löwe von Mitternacht" wird er auf seinem Siegeszug bis nach Mainz und München mit Jubel begrüßt. Wo Evangelische ihrer Rechte verlustig gegangen waren, gibt er sie ihnen zurück.

Die Bedrängten hat er befreit

Die 16 Monate seines Eingreifens in den Krieg führen die Rettung des Protestantismus herbei. Die für die Gegenreformation einmalig günstige Situation von 1629 ist nicht wieder herzustellen. Schon dieses Teilergebnis reicht aus, um das Überleben des Protestantismus zu sichern und das Erbe der Reformation zu bewahren. 

Wie ehrt man einen solchen Glaubensmann?

Da gab es vor 175 Jahren die Idee anstelle des alten Denkmals ein neues und größeres zu seinem Gedenken  zu setzen und  alle Evangelischen um einen Sechser zu bitten. Dagegen regten sich Bedenken und es wurden Vorschläge gemacht, die Sammelungsgelder für sozial-kirchliche Zwecke zu verwenden.
So ruft der Leipziger Superintendent Prof. D. Christian Großmann dazu auf, die Protestanten in der Diaspora zu unterstützen. Gegründet werden soll

"... eine Anstalt zu brüderlicher Unterstützung bedrängter Glaubensgenossen und zur Erleichterung der Not, in welche durch die Erschütterung der Zeit und durch andere Umstände protestantische Gemeinden in und außer Deutschlands mit ihrem kirchlichen Zustand geraten, wie dies nicht selten bei neu entstehenden Gemeinden zu sein pflegt."

So wurde dem schwedischen König Gustav Adolf II. ein „lebendes Denkmal“ gesetzt werden.

In dankbarer Erinnerung setzt sich das GAW bis heute das Ziel:
die Kirchen in der weltweiten Diaspora gesprächsfähig zu machen. Die Menschen in den Partnerkirchen sollen Mut und Selbstvertrauen finden, das Gespräch mit ihrem gesellschaftlichen Umfeld und mit der katholischen oder orthodoxen Mehrheitskirche zu wagen. In manchen Ländern leben noch immer reformierte und lutherische Kirchen ohne nennenswerte Kontakte protestantischer Ökumene nebeneinander. In anderen Ländern müssen evangelische Gemeinden unterschiedlicher nationaler und sozialer Herkunft erst zu einer Kirche zusammenwachsen
In den 175 Jahre ist das GAW seinem Leitbild - wie wir heute zu sagen pflegen - treu geblieben:
Darum, solange wir noch Zeit haben, lasst uns Gutes tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen.

Warum ist das denn nun wichtig im Zeitalter der Ökumene?

Müssen wir Evangelische noch besondere Verbindungen pflegen? , fragen manche. Ich bin überzeugt, diese Arbeit ist wichtig, weil der Protestantismus weltweit für besondere Grundsätze steht:

Freiheit

Der Gedanke, dass ein Christenmensch niemandem untertan ist und gleichzeitig jedermann untertan, prägt die reformatorischen Kirchen. Nicht Papst, nicht Kaiser, nicht Kirche können ein evangelisches Gewissen binden. Gleichzeitig bindet es sich selbst an Verantwortung. Das macht resistent gegen alle Bevormundung und Einschüchterung.

Rechtfertigung allein aus Gnade

Evangelische bleiben kritisch gegenüber Ablass und Werken, die vor Gott Geltung verschaffen sollen. Damit stehen sie ein für die Würde jedes Menschen, sei er in seinen Fähigkeiten noch so eingeschränkt. Daraus erwächst Mut, für die Menschen am Rand der Gesellschaft einzutreten.

 

Priestertum aller Getauften

Es ist ein besonderes Kennzeichen unserer evangelischen Kirche, dass nicht nur Ordinierte Verantwortung übernehmen, sondern gleichermaßen Nicht-Ordinierte in Synoden und Kirchenleitung und dass Frauen wie Männer Ämter übernehmen können.

Vielfalt der Meinungen

Das Einzelgewissen hat Verantwortung. Wir dürfen selbst nachdenken, wir sollen von der Bibel her selbst urteilen, auch in Glaubensfragen. Das macht widerständig gegen Vorgefertigtes. Die Bibel und Jesus Christus im Zentrum geben einen festen Ausgangspunkt für die Ermöglichung von Vielfalt.

 

Zusammenhalten von Glaube und Vernunft

Dass der Mensch als Christ keinen Denkverboten unterliegt, dass Glaube und Vernunft zusammengehalten werden, macht den Protestantismus offen für den Dialog im 21. Jahrhundert. Wir brauchen diese evangelische Stimme, die widerstandsfähig ist und mutig, die für die Inklusivität und Vielfalt streitet

Noch einmal:
Ich bin überzeugt, der Protestantismus ist mit diesen Grundüberzeugungen zukunftsfähig. Er wird gebraucht in einer Welt der verwirrenden Stimmenvielfalt. Mit aller Klarheit weist er auf Jesus Christus, wie Johannes, der Täufer das tat:

„Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt!“
(Johannes 1,29)

Alles andere lenkt ab oder führt in die Irre.
Von diesen Grundüberzeugungen her unterstützt das Gustav Adolf Werk vielfältige Projekte der evangelischen Diaspora: Aufbau von Gemeindezentren, Kirchen, Schulen und Ausbildungsstätten, pflegt den Austausch und die Begegnung.
Bei aller kulturellen Unterschiedlichkeit wissen wir uns geeint in der biblischen Verwurzelung, in der Taufe und im Erbe der Reformation. Das werden wir feiern als Gemeinschaft heute hier im Abendmahl und an den Abendmahlstischen in aller Welt, an denen Menschen sich heute versammeln.
So halten wir die Gewissheit wach: wir sind Kinder Gottes, Teil einer weltweiten Familie der Getauften.
So lasst uns nun einstimmen in das aus Siebenbürgen stammende Lied: Noch kann ich es nicht fassen. Amen.

Liturgie

Wochenspruch:

Denn bei dir ist die Vergebung, dass man dich fürchte.
(Psalm 130,4)

Psalm 143 unter EG 760.1

Eingangsgebet aus Ostafrika: Deine Güte ist ausgeschüttet

Herr,
du machst uns satt, du hältst mich am Leben.
Du schenkst mir Kraft und Gesundheit.
Was gehört schon mir?
Sogar der Leib, den ich kleide und ernähre,
gehört mir nicht.
Und was gebe ich dir -  für deine Liebe?
Liebe ich dich? Gehorche ich dir immer?
Manchmal mache ich es mir leicht,
manchmal gehe ich krumme Wege,
manchmal überhöre ich dich.
Herr, verwandle mein Herz, öffne meine Augen
für deine Schönheit und Güte.
Sie sollen sehen,
wie deine Güte in so vielen Menschen wirksam ist.
Sie sollen sehen, wie du die Menschen liebst.
Deine Güte ist ausgeschüttet über viele Menschen neben mir.
Herr, guter Gott, erbarme dich.

Zuspruch:

Wie sich  ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der HERR über die, die ihn fürchten.
(Psalm 103,13)

Kollektengebet aus Äthiopien: Sein Reich ist ohne Ende

Wir erheben, Herr, unsere Augen zu dir,
und richten unsere Gedanken auf dich,
der du warst vor der Erschaffung der Welt
und der du lebst in Ewigkeit.
Niemand kennt deinen Anfang und dein Ende;
du bist unendlich.
Niemand kann dich erkennen oder sehen.
Nur du kennst dich selber.
Dein Reich ist ohne Ende,
deine Macht unveränderlich,
deine Größe grenzenlos.
Du bist allen unsichtbar
und siehst doch alles.
Du bist ohne Anfang,
letztendlich bringst du alles zu einem guten Ende.
Alles ist von dir,
alles ist durch dich und auf dich hin geschaffen.
Du bist in allem, du bist über allem.
Deine Herrlichkeit ist verhüllt,
deine Kraft verborgen.
Nur du allein kannst dich offenbaren.
Du lässt deine verborgene und einzigartige
Herrlichkeit alle erkennen, die dich preisen.
Du zeigst ihnen durch deine Gnade deine Barmherzigkeit.

Fürbittengebet aus Südafrika: Eintracht leben

Himmlischer Vater, wir sagen dir Dank,
dass wir durch unseren Herrn Jesus Christus
in Eintracht miteinander und
im Einklang mit deiner Schöpfung  leben dürfen.
O Schöpfer Gott,
du hast alles Leben erschaffen,
und alles Leben ist vor dir kostbar -
aller Kreatur hast du Nahrung gegeben;
der Mensch und die Natur sind
Teil deines göttlichen Planes.
Lehre uns der Herausforderung gerecht zu werden,
unserem Tun Grenzen zu setzen und
ein Leben des Miteinander zu erlernen.
Lehre uns der Herausforderung
zur Verkündigung des Evangeliums gerecht zu werden,
damit alle Völker und Nationen
dein befreiendes Wort erfahren.
Wir bitten dich,
dass durch unseren Herrn Jesus Christus
allen Menschen die Liebe Gottes zuteil werde,
die stärker ist als Selbstsucht und Habgier,
und die uns dazu befreit,
als Kinder Gottes in Eintracht miteinander zu leben.

Vaterunser

Erstellt: 5.11.2007
Zuletzt aktualisiert: 31.3.2011 17:07 Uhr
Redakteur: Anders Grüning

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