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Predigt - Gleichnis im Evangelium

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus Amen.

Liebe Gemeinde, das Gleichnis im Evangelium, unserem heutigen Predigttext, welches wir soeben hörten erzählt uns von zwei Brüdern. Obwohl wir recht viel über den Charakter der beiden Brüder erfahren, bleibt doch vieles offen. Offen bleibt, warum der jüngere Bruder weggeht. Was war der Anlass, was war sein Motiv?

Und es bleibt offen, wie es dem älteren Bruder zwischenzeitlich ergeht. Wie schaut er dem jüngeren Bruder nach und was spielt sich in seinem Inneren ab, nachdem der jüngere gegangen ist und er zu Hause geblieben ist?

Die Geschichte vom Verlorenen Sohn, wie sie genannt wird, gehört, so denke ich, mit zu den schönsten Geschichten des Neuen Testamentes. Dieses Gleichnis spricht sehr viele Elemente unseres Lebens an, so dass dies zu vielen Lebensbereichen etwas zu sagen weiß.

Seit der Vertreibung aus dem Paradies sind wir Menschen in unserer Heimat fremd und wir sehnen uns zurück nach dem Paradies. Hier und heute nicht zu Hause zu sein, ja, in der Heimat fremd zu sein, da bleibt die Sehnsucht nach dem anderen Ort und wir werden neidisch auf diejenigen, die sich dorthin aufgemacht haben.

In unserem Predigttext wird der Zustand der Heimat, aus welcher der jüngere Sohn weggelaufen ist, nicht geschildert.
Der jüngere Sohn bricht aus eigenem Entschluss auf, lässt die verletzten Eltern und den Bruder zurück und folgt der Verheißung eines anderen Lebens. Er ist auf der Suche nach dem Verlorenen.

Die eigentliche Enttäuschung ist, dass auch das Neue so schäbig, wie das Alte ist. Ja, schlimmer noch, das, was er hatte, das hat er verloren und er bringt seine Talente durch, er muss mit den Schafen leben und hat seine Menschenwürde verloren.

Zu gleich ist der ältere Bruder enttäuscht. Er war nicht schnell genug, um mit zu laufen und er sitzt zu Hause. Er ist wütend auf den Weggelaufenen, der das Haus zurückgelassen hat.

Wir spüren förmlich die Situation am Esstisch der Familie. Der ältere Sohn spricht es nicht an und gibt doch insgeheim jedem am Tisch die Schuld daran, dass sein jüngerer Bruder durchbrennen konnte. Gerne wäre auch er durchgebrannt und so verliert er jegliche Freude daran, wie er seine Zukunft gestalten soll.

Der Neid gegen den aufgebrochenen jüngeren Bruder wendet sich schnell gegen die eigene Umgebung. Das Paradies fern und unerreichbar, macht die Realität unerfreulich. Die Hoffnung, zu der ich mich selbst nicht mehr durchringen kann und der Weg, den ich nicht mehr mitgehen kann, wenden sich gegen das Leben selbst.

Der Junge Mann, er zieht seines Weges. Er lebt nach seinen Vorstellungen. Die materiellen Werte sie sind für ihn gleichgültig geworden. Er will den eigenen Weg suchen, ja, aus dem Vollen schöpfen und dabei geht alles verloren.
Sein Erbe hat er im wahrsten Sinne des Wortes verjubelt. Er gerät in Hungersnot und Arbeitslosigkeit. Und dann nimmt er einen Eineurojob, so würden wir heute sagen, an. Er hütet Schweine.

Damals war dies das Allerletzte, was man machte. Schweine waren unreine Tiere, sie zu hüten war die Aufgabe derer, die wirklich völlig am Ende waren. Er ist am Ende.

Da kam er zu sich selbst. Mit diesen Worten beschreibt Jesus die entscheidende Wende im Leben des verlorenen Sohnes. Er hatte sich vom Vater seinen Erbteil auszahlen lassen und war in ein fernes Land gezogen.

Dort führte er sein Leben in Saus und Braus, bis er all sein Geld ausgegeben hatte und durch eine Hungersnot in große Not geriet. Er arbeitete als Schweinehirt, und weil niemand ihm zu essen gab, war er drauf und dran, von dem Schweinefraß aus dem Futtertrog zu essen.

Doch da kam er zur Besinnung und ging in sich. Er erinnerte sich an seinen Vater und er erkannte, was er ihm schuldig geblieben war, er empfand Reue und beschloss, zu seinem Vater zurückzukehren.

Er kam zu sich selbst, heißt es wörtlich. Und indem er zu sich selbst fand, fand er zu Gott und zu seinem Vater zurück.

Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und gegen dich. Der Vater aber nahm ihn mit Freuden wieder in sein Haus auf.
An dieser Stelle, liebe Gemeinde, frage ich mich, ob das nicht in besonderer Art und Weise die Aufgabe unseres Alters ist?

Wenn wir aufhören, uns nach außen auf die Welt und ihre Äußerlichkeiten zu richten, ja, wenn wir den aktiven Lebenskampf, den weltlichen Ehrgeiz und das Streben nach materiellen Gütern hinter uns haben, dann sich nach innen zu wenden, um zu uns selbst zu kommen.

Und da beginnt er ganz neu über sein Leben nachzudenken. Warum müssen wir immer erst an einen Endpunkt kommen, bis wir merken, dass wir auf dem Holzweg sind?

Immer wieder erlebe ich das auch, leider bei mir selbst. Erst muss die Karre tief in den Dreck gefahren sein, bis ich mal wieder merke, so geht das nicht. Und ich denke, eine jede und ein jeder von uns könnte solche Beispiele nennen, wo wir an dem Punkt angekommen waren, wo es nicht mehr weiter ging und wir dann erst wieder zur Besinnung kommen mussten.

Ja, ich will in mich gehen, denn ich sterbe hier vor Hunger. Ja, ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen. Können wir das nachsprechen? Und wenn nicht, wo stehen wir dann in unserer Beziehung zu Gott?

Das ist vielleicht die bittere Wahrheit unseres heutigen Predigttextes und dass er uns erst dahin führen will, dass wir unsere eigene Schwäche, Schuld und Verlorenheit erkennen.
Kaum ist der jüngere Sohn zu Hause angekommen feiert der Vater ein großes Fest. Gottes Begeisterung für uns ist nicht in Maßstäben unserer Gerechtigkeit zu messen.

Die Versöhnung, die er feiert, sprengt alle Vernunft. Alle Welt, alle Sünder, ja, alle, die es nicht Wert scheinen, sie kommen zusammen, weil Gott das Fest des Glaubens mit ihnen feiern will. Recht und Vernunft hin oder her, es wäre doch schade, beim großen Fest des Glaubens nicht dabei zu sein.

Wer sich Jesus anvertraut, liebe Gemeinde, wer diesem Herrn gehorsam ist und mit seiner Macht und seinem Eingreifen rechnet, der kann gewiss sein, was er zusagt, das gilt auch für uns heute: „Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“

Ich kann mich jederzeit an ihn wenden und darf mit ihm rechnen, wenn ich mit jemandem nicht zu recht komme, ja, wenn eine schwierige Entscheidung zu treffen ist, wenn eine Krankheit belastet, wenn die Weltpolitik die Kehle vor Angst zuschnürt. Das Vertrauen zu Jesus Christus geht nicht ins Leere.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.   Amen.

Erstellt: 10.3.2011
Zuletzt aktualisiert: 31.3.2011 16:40 Uhr
Redakteur (nicht zwingend Autor): Anders Grüning

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