|

Predigt - Gott hat alles auf den Kopf gestellt

Text: 1. Samuel 2,1 – 8a

Liebe Gemeinde!
Halleluja. Dies ist der Tag, den der HERR macht; lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein. Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaft auferstanden. Halleluja.
Das ist der Grund unserer Zusammenkunft. Christus lebt. Jesus war tot und ist wieder lebendig. Das Grab war verschlossen und bewacht. Nun ist der Stein weggewälzt und das Grab leer. Die Frauen waren entsetzt und verängstigt. Die Jünger am Boden zerstört und fassungslos. Doch nun hoffen sie, können es nicht begreifen, was geschehen sein soll: Jesus ist auferstanden. Er lebt. Wo der Tod war, ist jetzt Leben. Wo Hoffnungslosigkeit war, ist jetzt neuer Lebensmut.

Wer geweint hat, freut sich: Halleluja. Dies ist der Tag, den der HERR macht; lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein. Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaft auferstanden.

Halleluja. Fürwahr, ist das nicht Grund genug zur Freude; denn Gott hat alles auf den Kopf gestellt. Doch wir können uns nicht so recht freuen, denn wir leben in modernen Zeiten und da ist die Auferstehung schon etwas - sagen wir: - Sonderbares. Sie passt so gar nicht in unser Weltbild. Was zu Ende ist, ist zu Ende. Basta! Und der Tod ist ja nun wirklich so etwas von einem Ende, dass man schon ziemlich verrückt sein muss, noch ein Danach zu erwarten.
Doch wir können uns nicht recht freuen, denn wir leben in modernen Zeiten und vertrauen auf die Wissenschaft, dass die Gentechnik irgendwann einmal den Code für den Alterungsprozess außer Kraft setzen möge, die schlimmsten Krankheiten mit Stammzellkorrekturen besiege. Brauche ich da noch einen Auferstehungsglauben?

Vielleicht hilft uns der Psalm der jungen Frau Hanna der Auferstehung etwas näher zu kommen.

1 Und Hanna betete und sprach: Mein Herz ist fröhlich in dem HERRN, mein Haupt ist erhöht in dem HERRN. Mein Mund hat sich weit aufgetan wider meine Feinde, denn ich freue mich deines Heils.
2 Es ist niemand heilig wie der HERR, außer dir ist keiner, und ist kein Fels, wie unser Gott ist.
3 Lasst euer großes Rühmen und Trotzen, freches Reden gehe nicht aus eurem Munde; denn der HERR ist ein Gott, der es merkt, und von ihm werden Taten gewogen.
4 Der Bogen der Starken ist zerbrochen, und die Schwachen sind umgürtet mit Stärke.
5 Die da satt waren, müssen um Brot dienen, und die Hunger litten, hungert nicht mehr. Die Unfruchtbare hat sieben geboren, und die viele Kinder hatte, welkt dahin.
6 Der HERR tötet und macht lebendig, führt hinab zu den Toten und wieder herauf.
7 Der HERR macht arm und macht reich; er erniedrigt und erhöht.
8 Er hebt auf den Dürftigen aus dem Staub und erhöht den Armen aus der Asche, dass er ihn setze unter die Fürsten und den Thron der Ehre erben lasse.

Das ist also diese Frau - Hanna. Bis vor kurzem konnte sie keine Kinder kriegen, jetzt ist sie schwanger. Sie spricht - nein: sie singt förmlich - ein Gebet. "Mein Herz ist fröhlich in dem HERRN, mein Haupt ist erhöht in dem HERRN." Ersteres können wir sofort nachvollziehen, aber warum ist ihr Haupt erhöht? Mutterstolz? 

Es ist wohl doch etwas anderes. Damals war man als Frau, die keine Kinder bekam, nicht gut gelitten und es war eher die Regel als die Ausnahme, dass der Ehemann sie dann links liegen ließ, sich entweder zusätzlich eine andere suchte oder gleich ganz verschwand. Heute ist das ja auch mal umgekehrt der Fall. 

Wie dem auch sei, Hanna hat sich von anderen Frauen lange Zeit spitze Bemerkungen anhören und sich verhöhnen lassen müssen. Nicht nur, dass sie selbst an sich zweifelte, sie wurde auch von den anderen nicht für voll genommen. Das ist nun vorbei. Sie kann wieder erhobenen Hauptes durch die Straßen gehen.

Wir merken uns: Auferstehung hat wohl etwas mit Freude und wiedererlangtem Selbstbewusstsein zu tun. Hanna betet singend weiter: "Der HERR tötet und macht lebendig, führt hinab zu den Toten und wieder herauf. Der HERR macht arm und macht reich; er erniedrigt und erhöht.“

Hier wird ein Glaube sichtbar, der darum weiß, dass alles in Gottes Hand ist. Nicht nur die schönen und guten Dinge des Lebens, auch die Krisen und sogar Katastrophen. Während wir heutzutage dazu neigen, Gott doch einen guten Mann sein zu lassen, ihn oft als "lieben" Gott verniedlichen und möglichst von den dunklen Seiten des Lebens abzuschotten versuchen, war es für einen Israeliten undenkbar, ihn irgendwo raushalten zu wollen. Gott ist ja Gott und dann hat er eben nicht nur die Macht, Leben zu spenden, sondern es auch zu nehmen, nicht nur reich zu machen, sondern auch arm, nicht nur zu erhöhen, sondern auch zu erniedrigen. Das klingt für uns beim ersten Hinhören vielleicht etwas erschreckend, es hat aber auch sein Tröstliches. Nichts in der Welt geschieht ohne Gott. Es gibt keinen Ort und keine Zeit der Welt, die Gott verlassen würde und deshalb gottverlassen wäre.

Darum: Auferstehung hat etwas damit zu tun, dass Gott uns nicht aus den Händen fallen lässt. Hanna betet singend weiter: "Er hebt auf den Dürftigen aus dem Staub und erhöht den Armen aus der Asche, dass er ihn setze unter die Fürsten und den Thron der Ehre erben lasse."

Wissen Sie noch, welche Worte der Pfarrer / die Pfarrerin spricht, wenn ein Mensch beerdigt wird? Asche zu Asche und Staub zu Staub. Schließlich sind wir von Erde genommen und sollen auch wieder zu Erde werden. So heißt es jedenfalls in der Bibel. Hanna singt davon, dass man aus dem Staub und der Asche rauskommt. Damals sang sie von den Dürftigen und Armen. Heute würde sie vielleicht auch über die Toten solches verkünden.

Darum: Auferstehung hat etwas damit zu tun, dass Asche nicht Asche und Staub nicht Staub bleibt, sondern Gott zu neuem Leben erwecken wird.
Kurz gesagt. Gott hat alles auf den Kopf gestellt. Darüber freut sich also Hanna. Darüber freuen sich die Jüngerinnen und Jünger. Und das hat Folgen:            Wer unten ist, den holt er nach oben, Und wer oben ist, erlebt: das man für sein Brot arbeiten muss. Denn damit Menschen satt werden können, und vor allem damit alle Menschen satt werden können, dafür muss man hart arbeiten, und dafür müssen Menschen sich einsetzen – auch und gerade die Satten. 

Gott hat alles auf den Kopf gestellt. Deshalb müssen die Starken, die, die die Kriege führen, erleben, wie es ist, wenn „die Bogen zerbrechen“. Deshalb müssen sie lernen ohne Waffen auszukommen. Denn das ist notwendig, damit auch Schwache und Strauchelnde Einfluss bekommen.

Dabei geht es nicht um Rache. Im Psalm der Hanna geht es nicht darum, dass die andere Frau ihres Mannes ihre Kinder verlieren soll, dass sie nun so unglücklich sein soll wie Hanna zuvor.

Dabei geht es nicht um ein hämisches: „Recht geschieht’s euch!“ Auch die Ostergeschichte erzählt nichts davon, dass diejenigen, die beim Tod Jesu triumphiert haben, jetzt selbst ohne Hoffnung in Todesangst leben sollen. Denn es geht nicht um Vergeltung, sondern um die Erfahrung von Menschen ganz unten – hoffnungslos, hilflos, traurig – dass Gott sie nach oben bringt, dahin ,wo das Leben weitergeht, wo sie Hilfe bekommen, Hoffnung schöpfen und froh werden können. Davon singt Hanna. Davon erzählen die Evangelien. Und wir sind eingeladen, auf solch einen Gott unser Vertrauen zu setzen. Dann werden wir wie Hanna erfahren: „Mein Herz ist fröhlich in dem Herrn.“
Dann werden wir wieder mit ganzem Herzen einstimmen: Halleluja. Dies ist der Tag, den der HERR macht; lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein. Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaft auferstanden. Halleluja.

Erstellt: 13.4.2006
Zuletzt aktualisiert: 31.3.2011 16:52 Uhr
Redakteur: Anders Grüning

Kommentare (Beta-Test)

Keine Kommentare
Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*
*
*


*
Bei neuen Kommentaren benachrichtigen.