Predigt und Liturgie - Gott sei Dank, es ist Sonntag
Text: 2.Mose 20,8-11
8 Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligest.
9 Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun.
10 Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des HERRN, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt.
11 Denn in sechs Tagen hat der HERR Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist, und ruhte am siebenten Tage. Darum segnete der HERR den Sabbattag und heiligte ihn.
Liebe Gemeinde!
Als Predigt ist heute der Text aus dem Exodusbuch „Die zehn Gebote“ vorgeschlagen. Aus aktuellem Anlass möchte ich mich auf eines der zehn Gebote beschränken. Auf das Sonntagsgebot. Die EKD hat mit der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen eine Initiative zum Sonntagsschutz gestartet: „Gott sei Dank, es ist Sonntag"
1) Der Sonntag ist Ruhetag. Gott selbst hat es vorgemacht: Es gibt Zeiten der Arbeit und Zeiten der Ruhe: Der Sonntag ist der Tag, an dem nicht gearbeitet wird. In dem kleinen Büchlein: „Hallo, Mr. Gott, hier spricht Anna“ bringt das kleine Mädchen auf den Punkt.
„Gott hat sich nicht ausgeruht, weil er müde war. Er war nicht müde. Am siebten Tag hat er die Ruhe geschaffen. Darum, ist die Ruhe das allergrößte Wunder.“
Gott ruhte - und ließ auch seine Schöpfung eine Pause machen! Das ist es, was wir vernachlässigen: unserer Schöpfung einmal Ruhe gönnen, sie sich erholen lassen. Das täte nicht nur uns gut, weil wir wieder ein Gespür dafür bekämen, respektvoller mit unseren Ressourcen umzugehen, es würde auch das Leben unserer Kinder und Kindeskinder erheblich vereinfachen. Denn nicht wir, sondern sie werden mit den Folgen der Klimaveränderung zu kämpfen haben.
2) Der Sonntag gibt der Woche den Rhythmus. Ohne Rhythmus wäre das Leben Chaos, ohne regelmäßig wiederkehrende Abläufe würde der Mensch krank. Der Sonntag gibt der Woche den Takt an. Denn wie schon eine Werbekampagne der Kirche vor einigen Jahren sehr schön veranschaulichte. „Ohne Sonntag gibt es nur noch Werktage“.
3) Der Sonntag ist Feiertag. Menschen leben nicht nur von der Arbeit. Sie brauchen auch Zeit zum Feiern. Für Christinnen und Christen ist dies Woche für Woche der Sonntag. Dann feiern sie gemeinsam Gottesdienst und hören auf Gottes Wort.
Der Heidelberger Katechismus hat auf die Frage Was will Gott im vierten Gebot? geantwortet:
Gott will zum einen, dass das Predigtamt und die christliche Unterweisung erhalten bleiben und dass ich, besonders am Feiertag, zu der Gemeinde Gottes fleißig komme. Dort soll ich Gottes Wort lernen, die heiligen Sakramente gebrauchen, den Herrn öffentlich anrufen und in christlicher Nächstenliebe für Bedürftige spenden. Zum andern soll ich an allen Tagen meines Lebens von meinen bösen Werken ablassen und den Herrn durch seinen Geist in mir wirken lassen. So fange ich den ewigen Sabbat schon in diesem Leben an.
4) Der Sonntag ist ein Tag der Erinnerung. Menschen haben eine Geschichte, die ihr Leben bestimmt. Und gegen das Vergessen wird schon Israel daran erinnert:
Denn du sollst daran denken, dass auch du Knecht in Ägyptenland warst und der HERR, dein Gott, dich von dort herausgeführt hat mit mächtiger Hand und ausgerecktem Arm. Darum hat dir der HERR, dein Gott, geboten, dass du den Sabbattag halten sollst.
(5. Mose 5,15)
Am Sonntag gedenken wir Christinnen und Christen der Grundlagen unseres Glaubens:
Es ist der Auferstehungstag. Darum heißt der Sonntag auch in manchen Ländern „Tag des Herrn“. So lädt er uns ein der Freude über den Sieg Jesu Raum zu geben.
5) Der Sonntag ist ein freier Tag für die ganze Gesellschaft. Nach biblischer Tradition ist der Sonntag ein freier Tag für alle Menschen.
„Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt.“
Gerade das ist heute wieder zu betonen: Der Sonntag ist nicht nur ein freier Tag für die Mitglieder der Kirchen. Er ist für alle da.
Deshalb macht sich die Kirche für den arbeitsfreien Sonntag stark. Besonders ist daher allen zu danken, die an diesem Tag arbeiten, damit wir uns wohl und sicher fühlen können. Und zugleich haben wir uns dafür einzusetzen, dass ihre Tätigkeiten Ausnahmen bleiben und Arbeit am Sonntag nicht zur Regel wird.
6) Der Sonntag stellt den Menschen in den Mittelpunkt. Maschinen brauchen keine Erholungspausen, sie laufen rund um die Uhr. An Werktagen geben sie das Tempo vor, der Sonntag orientiert sich dagegen am Menschen. Das macht Jesus mit seinem Wort sehr schön deutlich:
„Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen.“
(Markus 2,27)
7) Der Sonntag rückt die Werte ins rechte Licht. Niemand muss immer und überall kaufen müssen, wenn ihm gerade danach gelüstet. Der Sonntag schützt den Menschen davor, falschen Werten nachzulaufen. Er bietet Gelegenheit zur Besinnung auf das, was
wirklich zählt. Martin Luther erinnert daran:
„Den Sabbat heiligen heißt Gottes Wort hören und dem Nächsten dienen, womit man kann. Denn Gott will den Sabbat nicht so heilig halten, dass man den Nächsten in der Not darum lassen oder säumen sollte.“
8) Der Sonntag ist Familientag. In Zeiten zunehmender Arbeitsbelastung und flexibler Arbeitszeiten gewinnt der Sonntag als gemeinsam begangener Tag aller Familienmitglieder an Bedeutung. Diese Möglichkeiten sollten auch den Angestellten im Einzelhandel zu Gute kommen, die bei einer Öffnung der Läden am Sonntag arbeiten müssten.
Nachdem mit der Föderalismusreform die Zuständigkeit für Fragen der Ladenöffnung auf die Bundesländer übergegangen ist, reagieren die Bundesländer höchst unterschiedlich. Manche Bundesländer sind gewillt, die bisher möglichen vier verkaufsoffenen Sonntage pro Jahr beizubehalten oder zu reduzieren. Sie folgen damit dem Verfassungsgebot, den Sonntag und die staatlich anerkannten Feiertage als ,Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung' zu achten. Andere Bundesländer dagegen meinen, die Umsatzchancen des Handels steigern zu können, indem sie die Zahl der verkaufsoffenen Sonntage erweitern und dabei auch die Adventssonntage einbeziehen. Der besondere Schutz des Sonntags wird dadurch in sein Gegenteil verkehrt.
Ein solches Vorhaben nimmt den Menschen vorrangig als Konsumenten wahr. Die Pflicht zum Schutz des Sonntags, die unsere Verfassung dem Staat aufgibt, scheint dabei überhaupt nicht im Bewusstsein zu sein.
9) Der Sonntag gibt Kraft für die neue Woche. Ob Gottesdienst, Wanderung, Spielenachmittag oder Zeit für Lektüre und Gespräch - der Sonntag gibt Raum, um für die Woche aufzutanken. Der Sonntag ist eine lebensnotwendige Atempause für uns Menschen. Oder um es mit Albert Schweitzer zu sagen:
"Wenn deine Seele keinen Sonntag hat, dann verdorrt sie."
10) Der Sonntag ist auch nach fast 2000 Jahren noch lebendig. Kaiser Konstantin hat den Sonntag im Jahr 321 zum öffentlichen Ruhetag erklärt und damit dem Abendland ein wertvolles Kulturgut hinterlassen. Kurzsichtiges Konsumdenken sollte dieses Kulturgut, das in Artikel 140 des Grundgesetzes besonders geschützt ist, nicht zerstören. Unser Leben ist mehr als Arbeit, Kaufen und Besitzen. Dafür steht der Sonntag.
"Der Sonntag ist ein Symbol für die Würde und die Freiheit, die dem Menschen von Gott her zukommen. Durch sie ist das Bild des Menschen in unserer Gesellschaft grundsätzlich geprägt; dabei soll es auch bleiben.“
So heißt es in der Verlautbarung der EKD:
„Gott sei Dank, es ist Sonntag!"
Amen.
Liturgie am 18. So. n. Trinitatis
Umfrage: Was machen Sie gerne am Sonntag?
• Schlafen. Und auf jeden Fall Fußball. Was noch, was noch, was noch...?
• Mit meinen Kindern spielen. Da geht ein ganzer Tag bei "flöten", ja, mehr mach ich da nicht.
• Auf'm Sofa liegen, was mit Freunden machen, schwimmen gehen. Ja, das wars.
• Ausschlafen, ehrlich gesagt. Ja. [Und was noch?] Das war's eigentlich. Eigentlich nur entspannen von der Arbeit. Das ist der einzige Tag mal.
• Bei meinen Eltern essen gehen. Sonst auch nichts. Ausruhen. Ja, das war's eigentlich.
• Was machen wir? Wir frühstücken morgens gemeinsam - wie immer. Mein Mann geht dann Skat spielen. Und wenn er mittags nach Hause kommt, so zwischen zwölf und eins, dann gibt's Mittagessen. Und der Nachmittag, der ist variabel. Wir gehen leider nicht in die Kirche, obwohl wir und mein Mann sehr viel Kirchensteuer bezahlen. Der sagt immer, für das Geld kann er sich ’nen eigenen Pastor halten.
• Ich gehe natürlich sonntags in die Kirche.
Begrüßung
"Ich gehe natürlich sonntags in die Kirche." -
So treffen wir uns hier - heute am Sonntagmorgen zum Gottesdienst,
um immer wieder auch ein Gefühl dafür zu bekommen,
wie kostbar der Sonntag ist -
dieser Tag, der die Alltäglichkeit unterbricht,
dieser Tag, an dem wir das Leben feiern.
Wir feiern miteinander Gottesdienst
im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Kyriegebet
Gott,
du lädst uns ein zu dir mit allem, was uns bewegt, zu kommen.
So bringen wir zu dir unsere Unruhe
dass du uns Ruhe gibst.
So legen wir vor dir ab den Eifer unserer Tage
dass du uns den Frieden schenkst.
So richten sich auf dich unsere kreisenden Gedanken
dass du ihnen ein Ziel gewährst.
So gestehen wir dir Versäumnisse, Fehler und Schuld,
dass du uns vergibst.
Komm zu uns, wenn wir in der Stille bekennen,
was uns besonders beschwert...
Vergib uns und erneure uns durch deinen Geist.
KYRIE ELEISON ...
Zuspruch
Und so vollendete Gott am siebenten Tage seine Werke, die er machte, und ruhte am siebenten Tage von allen seinen Werken, die er gemacht hatte.
Und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, weil er an ihm ruhte von allen seinen Werken, die Gott geschaffen und gemacht hatte.
(Genesis 2,2-3)
Kollektengebet
Gott, du schenkst mir den Sonntag,
um den Rhythmus finden
zwischen Arbeit und Erholung,
Anstrengung und Entspannung,
Alltagsroutine und schöpferischer Kreativität,
die mich erneuert.
um den Rhythmus finden
und ihn nicht wieder verlieren.
Um den Rhythmus bewahren,
der mich erfrischt
und immer wieder neu aufstehen lässt.
Ein Tag, der mich stärkt.
Ein Tag, der mein Leben erhält.
Sonntag.
Darum sind wir hier.
Dir zu danken.
In Ewigkeit zu danken.
Fürbittengebet
Gott, wir danken dir für den Sonntag -
danken dir für die Unterbrechungen des Alltags.
Lass uns diesen Tag bewahren.
Wir bitten dich für alle Menschen, junge und alte, kleine und große – schenk ihnen, schenk uns immer wieder ein Aufatmen,
dass wir uns immer wieder neu aufeinander einlassen können.
Wir bitten dich für alle, die sonntags arbeiten müssen.
Schenke auch ihnen Phasen der Erholung.
Lass die Unterbrechungen des Alltags für niemanden untergehen.
Wir bitten dich für alle, die Macht haben über Arbeit und Brot.
Schenk ihnen Ehrfurcht vor diesem Tag und vor dir.
Gott, wir danken dir für den Sonntag -
danken dir für die Unterbrechungen des Alltags.
Lass uns diesen Tag bewahren.
Vater unser im Himmel...
Segen
Gehen wir in diesen Sonntag mit dem Segen Gottes.
Gott segne dich und behüte dich.
Gott lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei die gnädig.
Gott erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen.
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