Predigt - Gründonnerstag 2009
Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus Amen
Liebe Gemeinde,
Gründonnerstag ist der letzte Tag, an dem Jesus mit seinen Jüngern zusammen war um Abschied zu feiern. Was an Leiden und Schrecken kommen sollte, dass wussten seine Jünger noch nicht. Es war Sitte bei Festessen, dass den Gästen der Staub von den Füßen gewaschen wurde. Normalerweise erledigen diesen Job der niedrigste Diener, aber sie hatten keinen Diener, also musste einer von ihnen das machen. An diesem Abend wusch Jesus den Jüngern die Füße.
Dem anderen den Kopf waschen, dieses Gegenteil von dem, was Jesus getan hat, verstehen wir eigentlich ganz gut. Wir erheben uns gegenüber unseren Nächsten und fangen an von oben herab ihnen all das aufzuzählen, was er oder sie sich zu Schulden haben kommen lassen. Und hinterher sind wir dann stolz darauf, dass wir unseren Nächsten einmal wieder gründlich die Wahrheit gesagt haben. Wie kommt es, dass wir Christen unseren Dienst an der Welt nur so wenig wahrnehmen, dass wir uns lieber selbst bedienen, statt anderen zu dienen?
Offenbar liegt es daran, dass wir uns von Jesus Christus nicht die Füße waschen lassen wollen. Wir handeln meist wie Petrus, aufrecht, forsch und fromm. Schon Petrus wollte sich den Knechtsdienst von Jesus nicht gefallen lassen. Wer sich aber den Knechtsdienst Jesu nicht gefallen lässt, der lässt Jesu Hoheit nicht gelten, er nimmt ihn nicht als Christus an. Doch in unserem heutigen Predigttext, wir haben ihn eben im Evangelium gehört, geht es nicht um Kopfwaschen, sondern ums Füßewaschen und dazu muss man sich bücken. Jesus, er tut es, denn dies sollte einen besonderen Sinn für seine Jünger haben, aber auch für seine Gemeinde.
Doch was will Jesus uns damit sagen?
Durch die Fußwaschung, die Jesus an uns vornimmt, will er uns ermächtigen, Knechte der Unreinen zu werden, Freunde der Sünder zu werden und Dienst an der Welt für ihn zu tun. Denn nur Geheilte können heilen und nur die, denen vergeben ist, können vergeben, nur die, denen Christus gedient hat, können ihm dienen. Es besteht noch Hoffnung für uns. Jesus begann den Jüngern die Füße zu waschen. ─ Also auch uns ? ─ Ja, er will es tun. Er muss es tun, wir müssen sein Amt annehmen. Denn Jesus sagt:
„Wenn ich dich nicht wasche, so hast du keinen Teil an mir."
Ein Mensch, der von seinem Herzen bereit ist, Jesus Christus nachzufolgen, ist dann rein, wenn er sich auf ihn einlässt. Das Blut Jesu wäscht ihn rein von aller Schuld. Das wird durch die Taufe zum Ausdruck gebracht. Bei der üblichen Babytaufe wird dieser Gesichtspunkt nicht mehr so recht deutlich, aber ursprünglich sind ja auch keine Babys getauft worden, sondern erwachsene Menschen, die mit der Taufe ihre Umkehr und Hinwendung zu Gott ausdrücken wollten.
Und in der Taufe sind ihnen sinnbildlich und real die Sünden abgewaschen worden. Wer Jesus nachfolgt, der ist rein, des wegen sagt Jesus hier:
„Ihr seid rein, aber nicht alle“.
Dies bezog sich auf Judas, der nur äußerlich zu Jesus gehörte, aber innerlich andere Ziele verfolgte und Jesus auch darum verraten hat. Und so wie der niedrigste Diener den Gästen die Füße wusch, so will Jesus uns dienen. Mit seiner Liebe und mit seiner Vergebung beugt er sich tief hinunter in den Dreck, um uns zu dienen.
Ich denke, wir tun gut daran, seinen Dienst anzunehmen und ihn nicht aus falschem Stolz zurückzuweisen, weil wir denken, keine Vergebung zu brauchen. Wer sich von ihm nicht die Füße waschen lässt, der kann keine Gemeinschaft mit ihm haben. Diese Fußwaschung ist, so denke ich, ein weiterer Hinweis auf eine andere Waschung und zwar auf das Abwaschen unserer Sünden.
Jesu Fußwaschung ist beispielhaft für das Zusammenleben seiner Jünger. Denn kein Jünger erhebt sich über den anderen, weil er Sünde an ihm sieht. Ganz im Gegenteil hilft jeder seinen Nächsten von der Sünde loszukommen. Die Jünger, sie verweisen ihre Nächsten auf die Vergebung, die Jesus Christus erworben hat, und sie vergeben selbst ihren Nächsten.
Mit diesem Liebesdienst, liebe Gemeinde, fängt eine jede und ein jeder beim anderen an und wartet nicht, bis ein anderer anfängt. Dies geschieht so zu sagen untereinander, das heißt also, gegenseitig. Dieser Liebesdienst besteht im Vergeben. Es ist Jesu Gabe an seine Gemeinde{zu ihrer ständigen Erneuerung. Mit seiner Liebe und seiner Vergebung beugt Jesus sich tief hinunter in den Dreck, um uns zu dienen. Und wir tun gut daran, seinen Dienst anzunehmen und nicht ihn aus falschem Stolz zurückzuweisen, weil wir meinen, keine Vergebung zu brauchen.
Wir alle spüren, dass das Evangelium von der Fußwaschung, mehr ist als nur ein Appell zu sozialen Diensten und auch mehr ist, wie wir miteinander umgehen sollen. Es ist eine Tat Jesu und damit ein Werk seiner Liebe, ja ein Werk seiner göttlichen Liebe, einer Liebe, die nicht Halt macht, sondern aufs Ganze geht. Liebe Gemeinde, Jesus möchte mit uns Gemeinschaft haben. Diese Gemeinschaft mit uns ist ihm so wichtig, dass er alles dafür her gibt. Und dieser Dienst des Füßewaschens ist ja nur der Anfang. Sein viel größere Dienst wurde erst im weiteren Verlauf des Abends deutlich und zwar als Jesus das Brot nahm und sagte: das ist mein Leib. Jesus, er vergleicht sich mit Brot.
Und nach dem Mahl sagte Jesus etwas, das seine Jünger noch nie so gehört hatten:
"Dies ist mein Blut, mit dem der Neue Bund zwischen Gott und den Menschen besiegelt wird. Es wird für euch zur Vergebung der Sünden vergossen."
Jesus, er tat dies als Zeichen. Als Zeichen dafür, dass seine Jünger und auch wir, liebe Gemeinde, zu ihm gehören. Ein Zeichen dafür, dass Jesus uns Anteil an seinem Leiden, aber auch an seiner Auferstehung gibt. Er hat diesem Brot und diesem Wein eine neue Dimension verliehen. Er in Brot und Wein, er ist jetzt unser Abendmahl, unser Stärkungsmahl vor unserem Aufbruch ins Risiko, ja, auf einem wagemutigen Weg, den Gott uns zumutet. An diesem Abend verstanden seine Jünger dies noch nicht. Erst später, als sie wussten, wie es mit Jesus weiterging, da taten sie, was er ihnen aufgetragen hatte.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus Amen.
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