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Predigt - Hebr4,12-13

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus Amen.

Ein Junge kommt von der Schule nach Hause. Seine Eltern sehen ihm am Gesicht an, dass er mal wieder eine schlechte Note hat.

„Das ist nun die dritte Arbeit, die du in den Sand gesetzt hast, du Versager.“

Das trifft den Jungen hart. Ohne ein Wort zu sagen verlässt er das Zimmer. Versager ─ das Wort lässt ihn nicht mehr los, ja, er ist tief getroffen und er kommt darüber nicht zur Ruhe.

Worte, liebe Gemeinde, haben Macht, sie können verletzen und sie können unser Vertrauen und unsere Gemeinschaft zerstören. Aber, Worte können auch das genaue Gegenteil bewirken.

Hebr 4,12-13
12 Das Wort Gottes ist lebendig, es ist eine wirkende Macht. Es ist schärfer als das schärfste beidseitig geschliffene Schwert. So wie ein Schwert tief einschneidet, die Gelenke durchtrennt und das Mark der Knochen freilegt, so dringt das Wort Gottes ins Innerste von Seele und Geist. Es deckt die geheimen Wünsche und Gedanken des Menschenherzens auf und hält über sie Gericht
13 Es gibt niemand, dessen Inneres vor Gott verborgen wäre. Alles liegt nackt und bloß vor den Augen dessen da, dem wir Rechenschaft schuldig sind.
Gute Nachricht 1997

Das sind zunächst einmal erschreckende Worte, von durchdringender Schärfe, radikal, zweischneidig, um nicht zu sagen ─ zwiespältig.

Ja, das müssen wir zunächst auch einfach mal so aushalten. Was nicht unter die Haut geht, kann auch nicht ins Herzen gehen. Und dabei geht es nicht ohne Schmerzen und Widerstand ab.

Wie geht es Ihnen, liebe Gemeinde, mit diesen Versen aus dem Hebräerbrief?

Weichen Sie innerlich einen Schritt zurück, wenn Sie hören, dass kein Geschöpf vor dem Wort Gottes verborgen bleibt?

Wird Ihnen mulmig, wenn Sie hören, dass die nackte Wahrheit ans Tageslicht kommen wird?

Dass Sie für alles Rechenschaft schulden, was Sie liebend gern und möglichst lang unter der Decke halten würden?

Dass da einer über Sie richten wird? Ja, dass der liebe Gott einfach alles sieht?

Beim ersten Hören ist mir das durchaus lieber als die Rede davon, dass das Wort Gottes schärfer sei als jedes zweischneidige Schwert. Das soll durch Mark und Bein gehen und bis in mein Innerstes eindringen.

Gibt es da keine anderen Vergleiche, mit denen die Bibel das ausdrücken könnte, was das Wort Gottes für uns bedeutet? Etwas Kuscheliges, Wärmendes vielleicht und nicht so viel kalter und verletzender Stahl?

Das Wort Gottes, liebe Gemeinde, kann schwer treffen und verletzen, denn es legt den Finger in die Wunde. Das ist hart und bedauerlich. Denn das Wort Gottes unterscheidet zwischen wahr und falsch, gut und böse, Wahrheit und Lüge.

Aber das Wort Gottes will mich nicht vernichten, es will mich nicht fertig machen und zerstören. Gott ist das Gegenteil eines Detektivs, der sein Opfer lange genug ausspioniert und dann schonungslos aufdeckt, um es dann nackt und schutzlos dastehen zu lassen.

Gott, liebe Gemeinde, will Menschen zur Umkehr von falschen Wegen führen. Er will sie heilen. Deshalb heißt es im Hebräerbrief auch nur wenige Verse weiter, dass wir voller Zuversicht vor den Thron der Gnade hintreten dürfen, damit wir Erbarmen und Gnade finden und so Hilfe erlangen zur rechten Zeit.

Wenn wir Gottes Wort schon mit einem kalten Stahl vergleichen müssen, dann wohl nicht mit einem Dolch, einem Schwert oder einem Bajonett, die das Leben zerstören, sondern eher mit einem Skalpell, das der Arzt benutzt, um uns zu heilen.

Gottes Wort, es dient der Heilung. Nur wenn es scharf und richtig schneidend ist, dann kann es das, was im Körper ist, ans Tageslicht bringen und Krankes von Gesundem trennen, damit wir gesund werden.

Darum ist es gut, dass das Wort Gottes dies alles immer wieder in Frage stellt. Ja, es tut gut zu hören, dass dies nicht alles ist. Das ist nicht so, wie es am Anfang war und auch nicht so, wie es am Ende sein soll.

Gott will die Hoffnung auf die verheißene Ruhe in uns wach halten, auch in persönlichen Lebenskrisen:

Es ist doch möglich, dass das, was ich bisher nur als Einengungen meiner Möglichkeiten verstehen konnte, sinnvoll werden kann. Eine Krankheit, eine Schwäche, ein Versagen, können diese nicht auch am Ende trotzdem Sinn gewinnen?

Den Ruf Gottes, sein Wort, wir kennen es längst. Wohl niemand von uns, der nicht irgendwann mal die 10 Gebote gehört, oder das Gebot der Nächstenliebe, oder der Barmherzigkeit oder der Feindesliebe gelesen hat. Das sind in der Tat Aussagen, die kein vielleicht oder schauen wir mal zulassen.

Der Anspruch Gottes, der allein schon in den Geboten formuliert ist, wo wir angesprochen und gefragt werden, wie hältst du es mit Gott, mit der Ruhe des Feiertages, mit lügen oder begehren und manchem mehr aus?

Wie ist dein Verhältnis zu deinem Nächsten und deiner Nächsten, zu deinem Nachbarn, zu deinen Arbeitskollegen, zu deiner Ehefrau zu deinen Kindern oder vielen anderen?

Bin ich überhaupt bereit, Gottes Wort für mein Leben als bedeutsam anzusehen? Stelle ich mich unter Gottes Willen und lasse ich mich von seinem Wort leiten, lenken, ermahnen und trösten, ja lasse ich mich richten und aufrichten?

Wie wir uns auch entscheiden mögen, liebe Gemeinde, es kann letztlich nicht davon abhängen, ob Gottes Wort auch für mich und uns gilt. Denn Gottes Wort ist gesagt, er hat zu uns gesprochen, er hat sich in seiner Geschichte mit den Menschen durch Jesus Christus offenbart.

Ja, Gottes Wort stellt uns vor eine Entscheidung, vor ein Ja oder Nein. Es trifft uns nicht nur äußerlich, sondern bis in unser Innerstes, bis in unser Gewissen hinein.

Dort, wo sich eine jede und ein jeder der Verantwortung stellen muss, wie hältst du es mit Gott und deinem Nächsten aus? Was tust du dafür, dass Leben geschützt, erhalten und gefördert wird? Wem vertraust du, in guten und in schlechten Tagen, im Leben und im Tod?

Gottes Wort erreicht uns auch dort, wo nach außen hin ein ganz anderes Bild vorherrscht. Und was uns verborgen bleibt, Gott kennt unsere Gedanken und unsere Sinne.

Wie oft haben dies schon gläubige Menschen erfahren, dass Gottes Wort das einzige ist, was uns zum Leben führt.

Aber Gottes Wort will auch ernst genommen werden. Es fordert uns heraus. Nicht alles, was wir für fromm halten, lässt sich von Gott her auch wirklich rechtfertigen.

Nicht alles, was wir für richtig halten, ist auch im Sinne dieses wegweisenden Wortes. Und manches, was bei uns schon lange Gewohnheit ist, steht ihm sogar entgegen.

Gottes Wort will Beachtung finden und es lässt sich nicht in die Ecke drängen. Wo man sich ihm entgegenstellt, dort ist es, wie ein zweischneidiges Schwert. Und es liegt in der Natur der Sache, dass man sich ganz gewaltig an solch scharfen Gegenständen verletzen kann, wenn man sie nicht richtig handhabt.

Gottes Wort ist aber nicht nur scharf ─ es ist vor allem lebendig. Ja, wir sollen es verstehen und auch lernen, uns um dieses Wort zu mühen, den es ist aller Mühe Wert.

Für Gottes Wort und seinen Willen einzutreten, ist aller Mühe wert, denn genau dieses lebendige und kraftvolle Wort und nur dieses Wort ─ allein dieses Wort führt zum Leben.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Erstellt: 24.4.2011
Zuletzt aktualisiert: 18.5.2011 10:48 Uhr
Redakteur (nicht zwingend Autor): Anders Grüning

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