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Predigt - Hebr5,7-9

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus Amen.

Hebr 5,7-9
7 Als er noch auf der Erde lebte, hat Jesus sich im Gebet mit Bitten und Flehen an Gott gewandt, der ihn vom Tod retten konnte; mit lautem Rufen und unter Tränen hat er seine Not vor ihn gebracht. Weil er treu zu Gott hielt, ist er schließlich auch erhört worden
8 Und doch: Obwohl er Gottes Sohn war, hat er zunächst durch das, was er durchmachen musste, Gehorsam gelernt.
9 Nachdem er nun das Ziel erreicht hat, ist er für alle, die ihm gehorchen, zum Begründer ihrer endgültigen Rettung geworden.
Gute Nachricht 1997

Liebe Gemeinde, in unserem Predigttext ist vom Gehorsam die Rede, doch was genau ist denn Gehorsam?

Gehorsam ist keine Tugend. Er kann ebenso gut ein Laster sein. Das Dritte Reich baute auf den beiden Lastern Raffgier und Gehorsam auf. Eine ganze Führungsclique hat sich unsäglich am Vermögen der von ihnen Ermordeten und Vertriebenen bereichert.

Und viele andere waren gehorsam. Sie frönten dem Laster des Gehorsams, dessen Gift so süß ist, weil man sich so unendlich tugend-und heldenhaft dabei vorkommen kann.

Die Propaganda eines Josef Goebbels war laut. Die Marschmusik der Nazis war dröhnend. Heutzutage dröhnt genug Lärm von Werbung oder diverser politischer Ideologien an unsere Ohren.

Doch die Stimme des Gewissens, die Stimme Gottes ist leise. Man muss schon sehr tief hören, um die Stimme Gottes zu verstehen und dem Gewissen zu gehorchen.

Dass einer oder eine von uns, an dem, was er oder sie durchmachen müssen, gehorsam lernen sollen, wie wir es im Predigttext hörten, ist für mich ein fremder Gedanke.

Vertrauter wird mir dieser Gedanke auch nicht dadurch, dass es Jesus ist, der hier von seinem, ja, von unserem himmlischen Vater dieser Leidenserziehung unterzogen wird.

Vorbild ist Jesus ja allemal für uns, die wir seine Geschwister sind. Aber wollen wir es ihm hier gleichtun? Wollen wir auch am Leid Gehorsam lernen?

Müssen wir leiden? Ja, manche Menschen schon. Aber vielleicht würden wir doch sagen, die so richtig großes Leid haben, sind heute sicher nicht hier in der Kirche.

Denn Leid, das ist doch eher eine schwere Krankheit, ein ganz schlimmes Schicksal und große Trauer und Verlassenheit, wenn ein Mensch von uns gegangen ist, tiefe seelische Depression, Hoffnungslosigkeit vor einem ganz dunklen Verhängnis.

Wir, die heute hier sitzen, sind dagegen doch gut dran. Uns plagen vielleicht die Beschwernisse des Alters, wir machen uns Gedanken um die Ausbildung unserer Kinder oder Enkel, wir sorgen uns angesichts der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung oder um den eigenen Arbeitsplatz oder den eines Angehörigen.

Und es ist sicher richtig, dass es hier Unterschiede gibt. Manchmal mögen wir von diesen kleinen Beschwerden ja gar nicht im Zusammenhang mit wirklichem "Leid" sprechen.

Und trotzdem, sagen sie ihrem Arzt einmal, sie hätten da so ein kleines Stechen im Rücken...ein richtiger Schmerz wäre es ja nicht, aber es wäre doch unangenehm.

Er wird ihnen antworten: Schmerz ist alles, was nicht so ist, sich nicht so anfühlt, wie es sein soll. Genau so ist das beim Leid: Auch schon kleine Beschwerden, Sorgen, Ängste verursachen uns Leiden.

Denn sie lenken uns ab von den guten, schönen Dingen des Lebens, sie binden unsere Gedanken, sie machen uns unglücklich und nehmen uns die Freude daran, in dieser Welt zu sein. Also noch einmal: Müssen wir leiden? Ja, wir alle haben Leid und es ist uns gegeben, "dass wir daran Gehorsam lernen."

Jesus hat den Gehorsam bis zum Tod am Kreuz im Garten Gethsemane erst lernen müssen. Er hat geweint, geschrieen, gefleht und um ein besseres Schicksal gebetet.

Die leise Stimme Gottes oder leise Stimme des Gewissens zu hören und ihr zu gehorchen, ist schwer und wohl auch oft mit einem schweren Kampf verbunden. Jesu Schreien, seine Angst, sein Todeskampf waren nicht umsonst. Er ist erhört worden. Sein Tod und seine Auferstehung sind die Grundlage unserer ewigen Rettung.

Er lebt, und wir sollen auch leben!
(Joh. 14,19b)

Jesus Christus, einzig geborener Sohn des Vaters, lernt durch Leiden den Gehorsam. Der Sohn gehorcht dem Vater. Und wer dem Sohn gehorcht, findet dadurch "ewiges Heil", also Glück und Erfüllung ohne Beschränkung durch Zeit oder Tod, für sein ganzes Leben.

Beim Gehorsam, liebe Gemeinde, geht es um etwas ganz anderes. Vielleicht schickt Gott uns auch hier schwere Tage, durchwachte Nächte, drückende Sorgen oder auch Zeiten der Krankheit.

Aber das hat eine Absicht. Und die liegt vorn, sie will uns über uns selbst hinaus und zu Recht bringen, will uns führen und uns helfen, dass wir unser Verhalten überprüfen und uns ändern.

Wenn wir also das Leid, das uns drückt, so nehmen, dass wir an ihm zum Gehorsam finden, dann geht es um etwa Gutes, eine Haltung, die unser Leben, unsere Freude, die Erfüllung unserer Tage fördert, uns glücklicher und zufriedener machen will.

Als Menschen werden wir ständig mit verschiedenen Gehorsamsforderungen konfrontiert. Sie mögen als verlockende Werbung gut verpackt sein, aber nüchtern betrachtet ist es so: Zu Glauben bedeutet die grundsätzliche Entscheidung:

"Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen"
(Apg 5,29)

Liebe Gemeinde, als Christen können wir das durchaus "Gehorsam" nennen, Gehorsam gegenüber Gott. Er will ja doch, dass wir nicht bei unserem falschen Verhalten stehen bleiben -besonders da, wo es die Gemeinschaft mit anderen Menschen betrifft.

Ich bin aber davon überzeugt, dass in vielen Dingen, die wir Leid nennen, eine solche Aussicht verborgen ist, ein Handeln unsererseits, zu dem uns Gott mit dem Leiden bringen will, führen will.

Er hat nicht zuerst vor, uns zu bestrafen, unsere Sünde, unsere Fehler heimzusuchen, uns klein zu machen und seine Macht über uns zu zeigen. Gott ist unser Vater! Und der Vater will immer das Beste für seine Kinder Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Erstellt: 24.4.2011
Zuletzt aktualisiert: 18.5.2011 10:48 Uhr
Redakteur (nicht zwingend Autor): Anders Grüning

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