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Predigt - Himmelfahrt als Vollendung

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus! Amen.

Liebe Gemeinde,

sicher kennen Sie alle das Kinderbuch ,,Der Struwwelpeter" und ganz bestimmt die Geschichte von dem Hans-Guck-in-die-Luft. Ein Junge, er marschiert recht forsch durch die Welt, den Kopf im Nacken, die Nase hochgereckt und die Augen himmelwärts gerichtet.

Und was passiert? - Er landet zum Schluss im Wasser. Als Kinder haben wir über den Hans-Guck-In-die-Luft gelacht. Ja dumm kam er uns vor.

Es sieht so aus, als sei das ein Tag für Hans-Guck-in-die-Lufte, ein Tag für Menschen, die in den Himmel schauen, einer Gestalt nach, die schon lange nicht mehr zu sehen ist.

Wenig realitätsbezogen, nicht von dieser Welt, so klingen auch die traditionellen Worte der Kirche zu diesem Tag.

Himmelfahrt als Vollendung von Ostern, Himmelfahrt als Fest der feierlichen Amtseinführung Jesu, ,,aufgefahren in den Himmel, sitzend zur Rechten Gottes; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten", ja Christus, Herr und Herrscher der Welt.

Wer will denn von uns mit so hochgereckter Nase durch das Gestrüpp des Alltags gehen?

Christi Himmelfahrt ist ein schöner Tag im Kirchenjahr, eines der fröhlichsten Feste unseres Glaubens. Schade, dass dieser Feiertag weithin nur noch als „Vatertag“ begangen wird und dass die religiöse Weite den meisten gar nicht mehr bewusst ist.

Zum Himmel aufsehen und die Erde nicht vergessen, heißt für Christen, an die Himmelfahrt Jesu Christi und an seine Wiederkehr zu glauben. Aber was bedeutet das nun? Ich gebe zu, dass mir dieser Satz im Glaubensbekenntnis lange große Schwierigkeiten bereitet hat.

Solange nämlich, wie ich mir die Himmelfahrt so vorstellte, wie es die Menschen in der Antike auch taten. Als eine Auffahrt Christi in die Wolken des Himmels über uns. Die antiken Menschen, deren Ansichten unser Denken lange bestimmte, stellen sich die Erde als eine Scheibe vor, über die sich die gläserne Kugel des Himmels wölbte.

Und diese Vorstellung, dass der Himmel Gottes zugleich auch der Himmel über uns sei, war bis in unsere Tage hinein, lange aktuell. Ich erinnere mich gut des Entsetzens einer alten Frau, als sie davon hörte, dass man mit Raumschiffen das All erkunden wollte. Sie meinte, das werde Gott nie zulassen, weil man damit in seine Sphäre eindringe.

Heute wissen wir über diese Materien mehr und stehen doch zugleich ihnen hilflos gegenüber. Wenn denn der Himmel Gottes nicht mehr über uns ist, oben über den Wolken, in einem fernen Jenseits, wo ist er dann? Oder gilt der Satz von der Himmelfahrt Jesu Christi nicht mehr?
Christi Himmelfahrt verbindet Himmel und Erde. Das Fest lenkt unseren Blick auf den Himmel, in den der auferstandene Christus auffährt und von dort her leitet dieses Fest den Blick zurück auf die Erde, die wir jetzt im Licht des Himmels sehen dürfen.

Christus steigt in den Himmel auf, so haben wir es eben in der Epistel, unserem heutigen Predigttext, gehört. Damit war Jesus endgültig aus dieser sichtbaren Welt verschwunden.

Eine Wolke nahm ihn weg, heißt es. Solche Wolken tauchen ─ ähnlich wie die Engel ─ in der Bibel immer dort auf, wo die unsichtbare und nicht greifbare Welt Gottes mit unserer sichtbare Welt in Berührung kommen.

Als Mose zu Gott auf den Berg Sinai stieg, verhüllte ihn eine Wolke. Eine Wolke verhüllte die sog. Stiftshütte, das Heiligtum auf der Wüstenwanderung. In dieser Wolke ging Gott dem Volk Israel voraus, um den Weg zu zeigen.

Bei der sog. Verklärung auf dem Berg Tabor umfasst Jesus und die drei Jünger eine Wolke. Und vom Ende der Zeiten heißt es, Jesus werde auf den Wolken des Himmels daherkommen.

Die Wolke ist sozusagen das Fahrzeug zwischen unserer Welt und Gottes Welt. Mit der Wolke nimmt Gott Jesus in seine Welt auf. Gott nimmt Jesus in den Himmel auf. So haben es unsere Vorfahren gesagt, die genauso wie wir über diese Welt nicht hinaus denken konnten.

Und der Himmel, der war für frühere Generationen automatisch oben. So haben es dann ja auch die mittelalterlichen Künstler dargestellt, als sie die Wolke malten, aus der unten gerade noch die Füße Jesu herausschauten. So einfach war die Vorstellungswelt damals. Hier die Erde, oben der Himmel und unten die Unterwelt.

Zum Himmel schauen, heißt, mit Möglichkeiten rechnen, die in unser Leben gewissermaßen aus dem Hintergrund beeinflussen können, aber nicht aus uns selber.

Weil Jesus Christus in den Himmel aufgefahren ist, ist er eben nicht mehr nur an einem Ort in dieser Welt, sondern er ist um uns in der Gegenwart seines Geistes, so können wir alle an ihm teilhaben. Der Blick zum Himmel heißt für Christen, mit Gott rechnen.

Das dies nicht selbstverständlich ist, zeigen uns die vielen Ausflüge bzw. Spaziergänge der Herren am heutigen Tag. Sie sind doch nichts weiter als ein schwacher Versuch, diesen Tag ohne den Blick zum Himmel, ohne mit der Gegenwart Gottes und der Gegenwart Jesu Christi, zu rechnen und damit fertig zu werden.

Und sie lassen keinen Raum, diesen Tag anders zu gestalten als mit einem Alkoholrausch erhobenen Gefühl. Sie geben keine Hoffnung, keine Aussicht, keinen Lebensmut. Darum lohnt es sich auch nicht, bei ihnen weiter zu verweilen.

Der Himmel, liebe Gemeinde, ist nicht fern, sondern nah. Der Himmel ist eben nicht nur oben. Der Himmel ist nicht weit weg. Gottes Himmel ist überall und er ist ganz nah. Und so bedeutet dies, dass an Himmelfahrt, Gott nicht verschwunden ist, sondern, dass Gott mitten unter uns ist.

Die Jünger konnten das genauso wenig begreifen und schauten sehnsüchtig und wehmütig nach oben. Da musste Gott ihnen schon einen Dolmetscher schicken, einen Engel, der immer dort auftaucht, wo Gott einen kleinen Einblick in seine Welt gibt. Seit der so genannten Himmelfahrt ist Jesus, ja, ist Gott mitten unter uns.

Und auch wir sollen nicht sehnsüchtig oder wehmütig dorthin starren, wo wir ihn vergeblich suchen. Wir könnten ihn ja dort übersehen, wo er im Geringsten und Unscheinbaren anwesend ist.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus    Amen.

Erstellt: 12.10.2010
Zuletzt aktualisiert: 31.3.2011 16:36 Uhr
Redakteur (nicht zwingend Autor): Anders Grüning

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