Gottesdienst - In einem anderen Licht besehen
Gottesdienst am Samstag, 22. August 2009 in Guldental, Kirchgarten
Musikalische Einstimmung
Begrüßung und Abkündigungen
Zu diesem Abendgottesdienst begrüßen wir sie vom Festausschuss recht herzlich. Ganz besonders heißen wir Johann und seine Eltern, seine Verwandten und Freunde willkommen. Er soll heute getauft werden.
Das Thema unseres Gottesdienstes lautet: In einem anderen Licht besehen.
Zunächst noch einige Abkündigungen
Aus der Unruhe des Tages wollen wir nun zu Ruhe kommen. Die Sorgen dieser Woche wollen wir Gott anvertrauen. Für Gelungenes und manch Überraschende wollen wir Gott loben und preisen. Kurzum uns und unsere Mitmenschen, unsere Welt in einem anderen Licht besehen.
So feiern wir Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Mit dem Kanon Hevenu shalom begrüßen wir einander und zünden die Lampions und die Teelichter an.
Lied: Hevenu shalom EG 453
Lasst uns im Wechsel von Männern und Frauen den Psalm sprechen:
Männer: Halleluja! Lobet, ihr Knechte des Herrn, lobet den Namen des Herrn!
Frauen: Gelobt sei der Name des Herrn von nun an bis in Ewigkeit!
Männer: Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang sei gelobet der Name des Herrn!
Frauen: Der Herr ist hoch über alle Völker; seine Herrlichkeit reicht, so weit der Himmel ist.
Männer: Wer ist wie der Herr, unser Gott, im Himmel und auf Erden?
Frauen: Der oben thront in der Höhe, der hernieder schaut in die Tiefe,
Männer: der den Geringen aufrichtet aus dem Staube und erhöht den Armen aus dem Schmutz,
Frauen: dass er ihn setze neben die Fürsten, neben die Fürsten seines Volkes;
Männer: der die Unfruchtbare im Hause zu Ehren bringt, dass sie eine fröhliche Kindermutter wird.
Halleluja!
Lied: Halleluja aus Taizé EG 182,1
Kyriegebet mit einzelnen Strophen
1. Ich danke dir, dass du Leib und Seele zur Ruhe kommen lässt.
Deine Hand war über mir und hat mich behütet und bewahrt.
Vergib allen Kleinglauben und alles Unrecht dieser Woche
und hilf, dass ich denen vergebe, die mir Unrecht getan haben.
Gemeinde: Meine engen Grenzen EG 600,1
2. Vieles, was in mir war, geht mir nach, verfolgt mich bis in die Nacht.
Dir, mein Gott, vertraue ich alles an: die unerledigten Dinge,
die Menschen, die mir in dieser Woche begegnet sind,
die Sorgen, die nicht verschwinden wollen.
Gemeinde: Meine ganze Ohnmacht EG 600,2
3. Gott, du allein weißt, was diese Woche wert war.
Ich habe vieles getan und vieles versäumt.
Ich habe vieles versucht und vieles nicht vollendet.
Ich habe aus Unglauben gehandelt und entschieden
und bin den Menschen viel Liebe schuldig geblieben.
Gemeinde: Mein verlorenes Zutraun EG 600,3
4. Ich möchte allen vergeben, die mir Unrecht getan haben.
Ich möchte von allem Hass, allem Neid und aller Verachtung frei sein.
Vergib du auch mir alle meine Schuld.
Ob diese Woche Frucht gebracht hat, weiß ich nicht.
Du allein siehst es. Du allein kannst meine Mühe segnen.
Gemeinde: Meine tiefe Sehnsucht EG 600,4
Zuspruch aus 1.Samuel 16,7
Denn nicht sieht der HERR auf das, worauf ein Mensch sieht.
Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der HERR aber sieht das Herz an.
Weil Gott uns in einem anderen Licht ansieht, können wir aufatmen und uns freuen.
Darum loben und preisen wir ihn.
Lied: Lobet und preiset ihr Völker den Herrn EG 337
Auf Ihren Tischen wird nun der erste Gang aufgetragen. Greifen Sie zu. Stärken Sie sich. Denn bekanntlich geht die Liebe durch den Magen. Auch Gottes Liebe zu uns.
1. Gang
Lied: Lobet und preiset ihr Völker den Herrn EG 337
Kollektengebet
Lasst uns beten: Jesus Christus, in deinem Namen sind wir versammelt.
Du bist mitten unter uns. Lass uns ruhig werden. Lenke unsere Sinne auf dich.
Lass uns deine Stimme hören.
Wir sind unterschiedliche Menschen - durch dich gehören wir zusammen.
Gib ihnen deinen Geist, Phantasie, Geduld und Verständnis füreinander.
Lass das Vertrauen zu dir wachsen, stärke unsere Hoffnung, die in Angst und Tod trägt.
So loben und preisen wir dich Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist, der du lebst und regierst von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Lesung aus Lukas 18,9-14 in verteilten Rollen
Erzähler: Er sagte aber zu einigen, die sich anmaßten, fromm zu sein, und verachteten die andern, dies Gleichnis:
Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, um zu beten, der eine ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. Der Pharisäer stand für sich und betete so:
Pharisäer: Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die andern Leute, Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner. Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme.
Erzähler: Der Zöllner aber stand ferne, wollte auch die Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach:
Zöllner: Gott, sei mir Sünder gnädig!
Erzähler: Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus, nicht jener. Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.
Lied: Hört, wen Jesus glücklich preist EG 670, 1-9
Dialogpredigt, s.u. S.5
Lied: Lasst uns miteinander EG 645
2. Gang Einander begegnen auf Augenhöhe können wir am besten an Tischen. Reichen Sie sich gegenseitig die nun gebrachten Gaben.
Lied: Lasst uns miteinander EG 645
Taufe
An dieser Stelle möchte ich recht herzlich den Täufling Johann Wilhelm, seine Eltern, Großeltern und Paten begrüßen..
Wenn wir als Kirche Kinder taufen, so nehmen wir auf, was Jesus gesagt hat:
„Lasst die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht; denn solchen gehört das Reich Gottes.“
Und am Ende seines irdischen Lebens sagte Jesus:
„Gott hat mir unbeschränkte Vollmacht im Himmel und auf der Erde gegeben. Darum geht nun zu allen Völkern der Welt und macht die Menschen zu meinen Jüngern und Jüngerinnen!
Tauft sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes
macht zu Jüngern und Jüngerinnen und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch aufgetragen habe.
Und das sollt ihr wissen: Ich bin immer bei euch, jeden Tag, bis zum Ende der Welt.“
(Matthäus 28,18-20)
Gebet
Wir feiern in diesem Gottesdienst die Taufe von Johann.
Wir bitten Gott, dass du uns allen offene Ohren und wache Augen, ein liebevolles Herz und einen klaren Verstand schenkst, um den rechten Weg ins Leben zu finden und zu gehen.
Wir bitten Gott, dass wir als Eltern, Paten und Gemeinde gute Vorbilder für seinen eigenen Lebensweg sind.
Darum bitten wir Gott, schenke uns allen Mut, Geduld und Hoffnung durch dienen heiligen Geist. Amen.
Glaubensbekenntnis mit der Gemeinde gesprochen
Frage an Eltern und Paten/Patinnen
• Deshalb frage ich dich Johann:
Willst du dich taufen lassen in die Gemeinschaft mit Gott,
die für uns erfahrbar wird in der Gemeinschaft mit Jesus Christus und im Heiligen Geist,
so antworte: Ja!
• Deshalb frage ich euch Eltern und Paten:
Wollt ihr Johann begleiten, dass er im christlichen Glauben erzogen werde,
damit er erfahre, auf welchem Fundament er bauen kann,
so antwortet: Ja!
• Deshalb frage ich euch als Gemeinde:
Wollt ihr Johann Wilhelm annehmen als sei es euer eigenes Kind
und ihn mit Eurem Gebet und Rat begleiten, dass er Heimat finde in der Gemeinde,
so antwortet: Ja!
Ich taufe dich Johann Wilhelm hinein
in die Gemeinschaft mit Gott (Wasser),
in die Liebe Jesu Christi (Wasser),
in die Macht Heiligen Geistes (Wasser).
Möge Dir Dein Taufspruch aus Sprüche 2,10-11 Wegweisung und Ermutigung sein und bleiben:
Denn Weisheit wird in dein Herz eingehen, und Erkenntnis wird deiner Seele lieblich sein,
Besonnenheit wird dich bewahren und Einsicht dich behüten.
Taufsegen
Gott segne dich:
der Vater, der dich ins Leben gerufen hat und dich mit seinem Schutz umgibt,
der Sohn, der sich für dich hingegeben hat und dir nahe ist in seinem Wort,
und der heilige Geist, der in dir wirkt, damit du wirst und bleibst, wozu du berufen bist:
ein Kind Gottes. Amen.
Lied: Der Himmel geht über allen auf EG 611
Fürbittengebet – eventuell von den Paten gesprochen:
1. Herr, wir danken dir, dass du Johann durch die Taufe in deinen Bund des Lebens aufgenommen hast.
Lass ihn deine Nähe spüren!
2. Herr, wir bitten dich, dass du ihn eine helle Zukunft schenkst. Behüte ihn und sei bei ihm auf seinem Weg
3. Herr, wir bitten dich, schenke den Eltern, den Patinnen und Paten die nötige Kraft und Ausdauer,
ihrem Kind mit Liebe zu begegnen. Lass sie deine Nähe spüren!
4. Herr, wir bitten dich, schenke den Eltern und Johann deinen guten Geist,
dass sie einander achten, fördern und lieben. Behüte sie sei bei ihnen auf ihrem Weg. Amen.
Lied: Komm, sag es allen weiter EG 225,1-3
3. Gang Ein Freudenfest ist die Taufe. Darum greifen Sie nun zu. Sehet und schmecket, wie freundlich unser Gott ist.
Lied: Herr, gib mir Mut EG 669,1-3
Fürbittengebet
1. Lasst uns beten:
Behüte, Gott, alle, die wach liegen oder weinen heute Nacht;
dein Engel beschütze alle Schlafenden.
2. Neige dich zu den Kranken, Jesus Christus, erquicke die Müden.
Segne die Sterbenden. Beruhige die Gequälten und schenke dein Erbarmen den Leidenden,
schütze die Fröhlichen – alles um deiner Liebe willen.
3. Bleibe bei uns, wenn über uns kommt die Nacht der Trübsal und Angst,
die Nacht des Zweifels und der Anfechtung, die Nacht des bitteren Todes.
Bleibe bei uns und allen deinen Gläubigen in Zeit und Ewigkeit.
4. Gott der Hoffnung, erfülle uns mit aller Freude und Frieden im Glauben,
dass wir völlige Hoffnung haben durch die Kraft Heiligen Geistes.
Gemeinsam beten wir weiter mit den Worten Jesu:
Vaterunser
Segen
Bewahre uns, o Herr, wenn wir wachen; behüte uns, wenn wir schlafen:
auf dass wir wachen mit Christus und ruhen in Frieden.
Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige Gott,
Vater, Sohn und Heiliger Geist. Amen.
Liedertanz der Frauen: Bewahre uns Gott, behüte uns Gott
4. Gang Das Beste kommt immer zuletzt. Schmackhaft und süß.
Ein Zeichen, wie Gott uns sieht. Denn so spricht Gott. Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung. (Jeremia 29,11)
Lichtzauber vom Jongleur Tobias Hünlich
Lied: Der Mond ist aufgegangen EG 482,1+3+7
Dialogpredigt (M= Moderatorin S= Pharisäer Simon Z: Zöllner Zachäus P: Petrus)
M: Guten Abend. Wir freuen uns sehr, dass Sie auch heute wieder in unsere Talkshow gekommen sind.
Als Gäste habe ich mir diese Mal einen Pharisäer, Herrn Simon, einen Zöllner, Herrn Zachäus sowie den Öffentlichkeitssprecher der Gruppe Jesu, Herrn Petrus, geladen. Seien Sie alle herzlich willkommen.
Im Vorspann unserer Talkshow haben Sie gehört und gesehen, was Jesus gesehen und kommentiert hat: Zwei betende Männer im Tempel.
Daher meine erste Frage an Sie, Herr Simon: Ist das ein typisches Gebet eines Pharisäers?
S: Ob das typisch ist, will ich hier nicht kommentieren. Doch zunächst kann ich nichts Anstößiges an seinem Gebet feststellen. Er dankt unserem Gott dafür, was ihm möglich ist. Er hat doch eine ganze Menge vorzuweisen. Und bitte schätzen wir das nicht gering! Der Mensch tut mehr, als er tun müsste, und was er tut, ist großartig. Freiwillig verzichtet er auf unterschiedliche Annehmlichkeiten des Lebens, um für ein höheres Ideal zu leben. Sein Leben will er dafür einsetzen, dass Gott Raum findet in unserem Volk. Er hat nicht nur sein persönliches Lebensglück im Blick, wie er mit dem Rücken zur Wand kommt, wie er sein Schäfchen ins Trockene bringt. Das Wichtigste in seinem Leben ist ihm, dass Gottes Recht in Israel verwirklicht wird. Und das nicht mit Gewalt, sondern durch Vorleben und durch Überzeugungskraft. Ist das nicht ehrenwert?
M: Herr Zachäus, wie kommentieren Sie das Gebet und die Haltung Ihres Kollegen?
Z: Zunächst einmal habe ich Hochachtung vor ihm, dass er sich in den Tempel traut. Fürwahr unser Berufsstand ist ständig Unterstellungen und Anfeindungen ausgesetzt. Da gelten wir als Betrüger. Denn mit Sicherheit hat er nicht zwei Tage in der Woche gefastet, sicherlich auch nicht zehn Prozent seines Einkommens Gott zur Verfügung gestellt. Dass wüssten Herr Simon und seine Tempelclique schon zu verhindern. Wir paktieren ja schließlich mit den Römern, die unsere Arbeitgeber sind. Außerdem will ich darauf hinweisen, dass wir ja ordentliche Bürger dieses Landes sind, keine Hartz IV Empfänger, keine Asozialen, auch wenn die Pharisäer uns wie „Aussätzige“ im übertragenen Sinn behandeln und darum meiden. Es ist daher fast ein Wunder, dass Herr Simon bisher noch nicht seine Nase gerümpft hat, mit mir in einem Raum zu sitzen.
M: Unterlassen Sie bitte doch solche Polemiken, Herr Zachäus.
Herr Petrus, können Sie uns und unseren Zuschauern erklären, warum Jesus diese beiden Männer so gegenübergestellt hat? Gibt es einen Anlass dazu?
P: Vielen Dank erst einmal für die Einladung in Ihre Sendung, der ich gern nachgekommen bin. Von meinem Herrn darf ich allen die besten Segenwünsche überbringen. Leider ist es ihm nicht möglich persönlich zu kommen. Nun zu Ihrer Frage. Ja, Jesus hat eine gute Beobachtungsgabe. Und er hat überhaupt nicht die Absicht, den Pharisäer zu kritisieren, seine Ernsthaftigkeit zu glauben und aus Glauben zu handeln in Frage zu stellen. Doch er will an dem Pharisäer etwas aufzeigen: Sein falsches Selbstvertrauen und sein Hochmut, auf den anderen Bruder von oben herabzuschauen.
S: Und was soll an dem Gebet falsch sein? Das sind doch unbestreitbare Tatsachen. Und was heißt hier Hochmut? Es ist allgemein anerkannt: Zöllner sind wie Betrüger, Räuber und Ehebrecher, kurzum moralisch verwerfliche Subjekte.
Z: Das weise ich auf das Heftigste zurück, Herr Simon. Gerade das Stoßgebet des Zöllners: „Gott, sei mir Sünder gnädig!“ ist doch an Ehrlichkeit und Demut nicht zu überbieten. Er beschönigt nichts. Er rechtfertigt sich nicht. Er schiebt sein Tun und Lassen nicht irgendwelchen Sachzwängen oder anderen Menschen in die Schuhe.
M: Noch mal nachgefragt: Warum aber stellt Jesus ausgerechnet einen Zöllner als Vorbild hin, während der Ehrliche am Pranger Jesu steht?
Ist es etwa nicht ehrenwert, dass da einer regelmäßig den Gottesdienst besucht?
Und nicht nur besucht, sondern geistlich prägt? Dazu sich in der Gemeinde engagiert und obendrein neben viel Zeit auch Geld und Nervenkraft in die Gemeinde investiert?
Ist Gott der Andere lieber, der fast unbemerkt hin und wieder in der Gemeinde auftaucht, um sein Gewissen zu beruhigen, der zu allem fähig, aber zu nichts zu gebrauchen ist?
P: Jesus spielt hier nicht den einen gegen den anderen aus. Er hält uns mit dem Gleichnis den Spiegel vor und macht darauf aufmerksam, dass wir beide, den Pharisäer und den Zöllner in uns tragen.
Was Jesus an dem Pharisäer in uns kritisiert sind nicht die u.U. lobenswerten Taten, sondern das Vertrauen auf sich selbst, die irrige Meinung, meine Leistung mache mich vor Gott angenehm und liebenswert.
Dagegen stellt sich der Zöllner unter das Urteil Gottes, bekennt sich als Sünder, als Übeltäter, der nichts vorzuweisen hat, was ihn vor Gott gefällig machen könnte.
Aber aufgepasst: wo wir als Zöllner mit unserer Ehrlichkeit und Demut nur kokettieren, weil wir meinen, so würden wir Gott wohl gefallen, sind wir dann doch wie der Pharisäer, nämlich selbstgefällig.
M: Wenn ich Sie, Herr Petrus, recht verstanden habe: Im Grunde wissen wir doch ganz genau, dass wir Gottes Liebe uns nicht verdienen können. Und doch fallen wir immer wieder auf die Leistungsfalle herein. Und Jesus, ihr Freund und Meister, weist darauf, wie befreiend die Botschaft ist, dass der gerechtfertigt vom Tempel nach Hause geht, der sich unter Gott und seine unverdiente Gnade stellt.
S: Da muss ich doch ein wenig gegenhalten: Sagt nicht Ihr Jesus: „An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen“? Zum Glauben gehört doch auch die Umkehr. Darum sind uns als Pharisäer die Weisungen der Thora so wichtig und müssen folglich beherzigt werden.
Z: Na, da kann ich Ihnen nur sagen. Stimmt. Als Jesus in mein Haus eingekehrt bin, habe ich vor lauter Freude, über so viel Wertachtung öffentlich versprochen: „Siehe, Herr, die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück.“
P: Ich möchte mich gern noch einmal wiederholen. Jesus geht es nicht um die Verwerfung einer Personengruppe, sondern um die Aufdeckung der eigenen Selbstgerechtigkeit. Wenn wir uns in dem Pharisäer, in seiner Selbstüberhebung und Menschenverachtung, erkennen und bekennen: So sind wir Menschen, dann handeln wir wie der Zöllner. Der Reformator Johannes Calvin hat dieses Gleichnis Jesu sehr treffend ausgelegt. Denn dann kann das, so schreibt er, „die einzige Stütze unseres Glaubens sein, dass Gott uns angenommen hat, nicht weil wir es verdient hätten, sondern weil er unsere Sünden nicht anrechnet.“
M: Gleich soll hier ein Junge getauft werden. Bitte sagen Sie mit einem Satz, was Sie ihm für sein Leben wünschen.
Z: Was ich Dir und uns allen ans Herz lege, ist diese Weisheit: Gott ist und bleibt Dir gnädig. Darum lebe aus der Gnade.
S: Was ich heute aus diesem Gespräch mitnehme und gern dem Täufling auf seinen Weg mitgebe: Nicht die Werke machen die Person, sondern die Person macht die Werke.
P: Ich möchte Dir und uns alle das Herzstück des christlichen Glaubens mitgeben: Wir sind von Gott wert geachtete und geliebte Menschen, gerufen zum aufrechten Gang – für eine menschliche Welt.
M: Ich danke für Ihr Kommen und für das gute Gespräch. Und freue mich, wenn ich Sie am Sonntag, den 30. August, um 10.30 Uhr an dieser Stelle zum Radfahrtag zum Thema „Auf Entdeckungstour“ erneut begrüßen darf.
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