Predigt - In Gemeinschaft bleiben heißt Versöhnung leben
Text: 1. Korinther 10,16 – 17
16 Der gesegnete Kelch, den wir segnen, ist der nicht die Gemeinschaft des Blutes Christi? Das Brot, das wir brechen, ist das nicht die Gemeinschaft des Leibes Christi? 17 Denn ein Brot ist's: So sind wir viele ein Leib, weil wir alle an einem Brot teilhaben.
Liebe Gemeinde!
Jetzt ist es also entschieden: Jens Lehmann wird bei der Fußballweltmeisterschaft im Tor die Nummer Eins sein. Oliver Kahn hat das Nachsehen und muss erst mal auf die Ersatzbank. Ob er da überhaupt hin will, das stand nach der Bekanntgabe noch offen. Zu groß ist die Enttäuschung, als dass der "Titan" aus Bayern diese Kröte einfach schlucken kann. In der Presse wurde darüber spekuliert, ob er sich überhaupt noch für die WM zur Verfügung stellt.
Die Deutsche Nationalmannschaft ist eine zusammen gewürfelte Gemeinschaft von hoch dotierten Fußballspielern aus ganz verschiedenen Vereinen. Dass da der Ball nicht immer rund läuft, nicht immer rund laufen kann, ist logisch. Natürlich sind alle froh, dabei zu sein. Aber jeder hat auch seine eigenen Interessen und besitzt seinen eigenen Erfahrungsschatz, den er mitbringt. Das bereichert das Spiel, wenn das gemeinsame Ziel, Weltmeister zu werden, im Auge behalten wird. Doch es birgt auch die Gefahr, dass die Mannschaft nicht jene Homogenität findet, die sie für ein ordentliches Abschneiden braucht. Insofern ist es schon spannend, wie Olli Kahn mit Klinsis Entscheidung umgeht. Bleibt er dabei und stützt er seine Mannschaft auch aus der zweiten Reihe? Das wäre eine großartige und respektable Geste, die vielleicht auch anderen deutlich machen würde, dass Zweiter zu sein nicht bedeutet, als Verlierer zu gelten. Oder sagt er "Tschüss" und dreht seinen Kollegen den Rücken zu? Nun hat er Ja gesagt.
Was wir da gerade aus dem Bereich Sport miterleben, ist ja so weit von anderen Bereichen unseres Lebens nicht entfernt - auch nicht vom kirchlichen Alltag. Auch wo zwei oder drei sich im Namen Jesu versammeln, gibt es unterschiedliche Interessen, Vorstellungen und Wünsche. Und nicht allen können wir gerecht werden, so sehr wir uns auch darum bemühen. Bei uns geht es zwar nicht um irgendeinen Titelgewinn und es gibt auch keine Duelle, um eine bestimmte Position besetzen zu können. (Bei uns müssen sonntags schließlich alle auf die Bank.) Doch auch bei Kirchens geht es nicht immer heilig zu. Obwohl es heißt, wir gehörten zur communio sanctorum, zur Gemeinschaft aller Heiligen. Doch die muss nicht erst trainiert und erarbeitet werden. Die wurde uns quasi schon in die Wiege gelegt. Auch wenn man uns das nicht immer ansieht. Oder wir selbst es von Zeit zu Zeit nicht glauben können.
Das war jedenfalls der Fall, als Paulus seinen Brief an die Korinther schrieb.
Es gab Knatsch in der Gemeinde. Und zwar nicht zu knapp. In dieser Situation erinnert Paulus die Gemeindeglieder an den Abend, als Jesus verraten wurde. An die Worte, die er den Seinen für die Zeit nach seiner Kreuzigung mitgab. Und daran, dass er damit eine Gemeinschaft stiftete, die die Menschen über alle Unterschiede und Streitigkeiten hinweg miteinander und mit Jesus untrennbar verbindet. "So sind wir viele ein Leib, weil wir alle an einem Brot teilhaben." Das gilt auch für uns heute, an diesem Ort. Wenn wir zusammen kommen, uns um den Altar versammeln und miteinander Brot und Wein teilen, dann gibt es nichts, was uns trennt. Nicht von Gott und nicht von unseren Nächsten.
Meinen Konfirmanden lese ich immer wieder gern die Geschichte vom dem Bäcker in Paris vor. Sie versinnlicht stets aufs Neue, wie Brot wirkt.
Brot in deiner Hand.
An der Jakobstraße in Paris liegt ein Bäckerladen; da kaufen viele hundert Menschen ihr Brot. Der Besitzer ist ein guter Bäcker. Aber nicht nur deshalb kaufen die Leute des Viertels dort gern ihr Brot. Noch mehr zieht sie der alte Bäcker an: der Vater des jungen Bäckers. Meistens ist nämlich der alte Bäcker im Laden und verkauft. Dieser alte Bäcker ist ein spaßiger Kerl. Manche sagen: Er hat einen Tick. Aber nur manche; die meisten sagen: Er ist weise er ist menschenfreundlich. Einige sagen sogar: Er ist ein Prophet. Aber als ihm das erzählt wurde knurrte er vor sich hin: "Dummerei ..."
Der alte Bäcker weiß dass man Brot nicht zum Sattessen brauchen kann und gerade das gefällt den Leuten. Manche erfahren das erst beim Bäcker an der Jakobstraße z. B. der Autobusfahrer Gerard der einmal zufällig in den Brotladen an der Jakobstraße kam. "Sie sehen bedrückt aus" sagte der alte Bäcker zum Omnibusfahrer. Ich habe Angst um meine kleine Tochter antwortete der Busfahrer Gerard. Sie ist gestern aus dem Fenster gefallen aus dem zweiten Stock. – "Wie alt?" fragte der alte Bäcker. "Vier Jahre" antwortete Gerard. Da nahm der alte Bäcker ein Stück vom Brot das auf dem Ladentisch lag brach zwei Bissen ab und gab das eine Stück dem Busfahrer Gerard. Essen Sie mit mir sagte der alte Bäcker zu Gerard ich will an Sie und ihre kleine Tochter denken.
Der Busfahrer Gerard hatte so etwas noch nie erlebt aber er verstand sofort was der alte Bäcker meinte als er ihm das Brot in die Hand gab. Und sie aßen beide ihr Brotstück und schwiegen und dachten an das Kind im Krankenhaus. Zuerst war der Busfahrer Gerard mit dem alten Bäcker allein. Dann kam eine Frau herein. Sie hatte auf dem nahen Markt zwei Tüten Milch geholt und wollte nun eben noch Brot kaufen. Bevor sie ihren Wunsch sagen konnte gab ihr der alte Bäcker ein kleines Stück Weißbrot in die Hand und sagte: "Kommen Sie essen Sie mit uns: Die Tochter dieses Herrn liegt schwer verletzt im Krankenhaus sie ist aus dem Fenster gestürzt. Vier Jahre ist das Kind. Der Vater soll wissen daß wir ihn nicht allein lassen." Und die Frau nahm das Stückchen Brot und aß mit den beiden.
So war das oft in dem Brotladen in dem der alte Bäcker die Kunden bediente. Aber es passierte auch anderes über das sich die Leute noch mehr wunderten. Da gab es z. B. einmal die Geschichte mit Gaston: An einem frühen Morgen wurde die Ladentüre aufgerissen und ein großer Kerl stürzte herein. Er lief vor jemandem fort; das sah man sofort. Und da kam ihm der offene Bäckerladen gerade recht. Er stürzte also herein schloss die Tür hastig hinter sich zu und schob von innen den Riegel vor. "Was tun Sie denn da?" fragte der alte Bäcker. "Die Kunden wollen zu mir herein um Brot zu kaufen. Machen Sie die Tür sofort wieder auf." Der junge Mann war ganz außer Atem Und da erschien vor dem Laden auch schon ein Mann wie ein Schwergewichtsboxer in der Hand eine Eisenstange. Als er im Laden den jungen Kerl sah wollte er auch hinein. Aber die Tür war verriegelt.
"Er will mich erschlagen" keuchte der junge Mann. "Wer? Der?" fragte der alte Bäcker. "Mein Vater" schrie der Junge und er zitterte am ganzen Leibe. "Er will mich erschlagen. Er ist auf neunzig!" – "Das lass mich nur machen" antwortete der Bäcker ging zur Tür schob den Riegel zurück und rief dem schweren Mann zu: "Guten Morgen Gaston! Am frühen Morgen regst du dich schon so auf? Das ist ungesund. So kannst du nicht lange leben. Komm herein Gaston. Aber benimm dich. Lass den Jungen in Ruh! In meinem Laden wird kein Mensch umgebracht."
Der Mann mit der Eisenstange trat ein. Seinen Sohn schaute er gar nicht an. Und er war viel zu erregt um dem Bäcker antworten zu können. Er wischte sich mit der Hand über die feuchte Stirn und schloss die Augen. Da hörte er den Bäcker sagen: "Komm Gaston iss ein Stück Brot; das beruhigt. Und iss es zusammen mit deinem Sohn; das versöhnt. Ich will auch ein Stück Brot essen um euch bei der Versöhnung zu helfen." Dabei gab er jedem ein Stück Weißbrot. Und Gaston nahm das Brot auch sein Sohn nahm das Brot. Und als sie davon aßen sahen sie einander an und der alte Bäcker lächelte beiden zu. Als sie das Brot gegessen hatten sagte Gaston: "Komm Junge wir müssen an die Arbeit."
(Aus: Heinrich A. Mertens: Brot in deiner Hand. Geschichten für Kinder von der Bedeutung des heiligen Mahles 6. Auflage München 1982 S. 5 – 8. )
Wenn wir nun Abendmahl feiern, dann lasst uns daran denken:
- dass wir zusammen- und dazugehören. Denn bei Gott ist niemand die Nummer Zwei. Bei ihm stehen wir alle an erster Stelle. Ein jede/r ist ihm wichtig.
- Gott nimmt sich unserer Sorgen an.
- Gott schenkt Versöhnung. Amen.
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