Jesus deckt Betrügereien? Ist das nicht schockierend?
Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus.
Amen.
Heute, liebe Gemeinde, begehen wir gleich zwei kirchliche Feste. Zum einen ist es der Volkstrauertag und zum anderen ist es der Vorletzte Sonntag im Kirchenjahr, der uns an das Jüngste Gericht erinnert.
Am Volkstrauertag trauen wir um die Menschen, die in den Kriegen dieses Jahrhunderts ihr Leben verloren haben. Es hat einen Sog von bösen Taten gegeben.
Am Ende des letzten Jahrhunderts meinten die Deutschen, sie müssten sich einen Platz an der Sonne erobern. Dieses Denken führte direkt in den Ersten Weltkrieg. Danach die Enttäuschungen, die Not, die Wirtschaftskrise, der Judenhass und der Ruf nach dem starken Mann.
Und wieder war das deutsche Volk in einen Sog des Bösen geraten, es kam zum Zweiten Weltkrieg. Uns geht es heute gut; anderen Völkern geht es schlecht, die immer noch von Krieg, Gewalt und Bösem bedroht sind.
Doch geht es uns heute wirklich gut?
Betrügereien, Bestechungen, Unterschlagungen, Veruntreuungen, Steuerhinterziehungen sind wesentliche Elemente, die unsere Gesellschaftsstruktur prägen. Es sind nicht nur die kleinen Leute, die sich korrupter Machenschaften bedienen, nein, es sind auch die großen Leute, die sich ohne Skrupel im großen Stiel dieser Machenschaften hingeben.
Lk 16,1 - 8
1 Jesus wandte sich zu seinen Jüngern und sagte: »Ein reicher Mann hatte einen Verwalter. Über diesen gingen Klagen bei ihm ein; es hieß, er veruntreue ihm sein Vermögen.
2 Da ließ er den Verwalter rufen. ›Was muss ich von dir hören?‹, sagte er zu ihm. ›Leg die Abrechnung über deine Tätigkeit vor; du kannst nicht länger mein Verwalter sein.‹
3 Der Mann überlegte hin und her: ›Was soll ich nur tun? Mein Herr wird mich entlassen. Für schwere Arbeit tauge ich nicht, und ich schäme mich zu betteln.
4 Doch jetzt weiß ich, was ich tun kann, damit die Leute mich in ihren Häusern aufnehmen, wenn ich meine Stelle als Verwalter verloren habe.‹
5 Nacheinander rief er alle zu sich, die bei seinem Herrn Schulden hatten. ›Wie viel bist du meinem Herrn schuldig?‹, fragte er den ersten.
6 ›Hundert Fass Olivenöl‹, antwortete der. Darauf sagte der Verwalter: ›Hier, nimm deinen Schuldschein, setz dich schnell hin, und schreib statt dessen fünfzig.‹
7 Dann fragte er den nächsten: ›Und du, wie viel bist du ihm schuldig?‹ Hundert Sack Weizen‹, lautete die Antwort. Der Verwalter sagte zu ihm: »Hier, nimm deinen Schuldschein, und schreib statt dessen achtzig.‹
8 Da lobte der Herr den ungetreuen Verwalter dafür, dass er so klug gehandelt hatte. In der Tat, die Menschen dieser Welt sind im Umgang mit ihresgleichen klüger als die Menschen des Lichts.«
GNÜ 2009
Liebe Gemeinde, wenn ich ganz ehrlich bin, dann muss ich bekennen: Schon manches Mal habe ich mir gewünscht, dass Geschichten wie diese, nicht im Evangelium stehen. Und ich gehe so weit, dass ich sage: Jesus hätte solche Geschichten besser nicht erzählen sollen.
Warum? Weil wahrscheinlich schon damals die Jünger und auch wir heute durch solche Geschichten nicht hinter Jesus her, sondern auf eine falsche Fährte geführt werden.
Was nehmen wir denn aufs erste Hinhören mit?
Fremden Besitz zu verschleudern ist in Ordnung. Urkundenfälschung ist durchaus ein Mittel, sich die Menschen zu verpflichten und gefällig zu machen. Betrug und arglistige Täuschung sind lobenswert.
Liebe Gemeinde, ist das nicht eigentlich ungeheuerlich? Wie würde es uns wohl ergehen, wenn wir uns an einem solchen Verhalten messen würden?
Die Unterschrift unseres Chefs zu fälschen wäre eine tolle Sache. Betrügerischer Konkurs zulasten des Steuerzahlers wäre nicht einmal ein Kavaliersdelikt. Steuerhinterziehung würde vom Finanzamt mit einer Dankesurkunde belohnt. Unvorstellbar, nicht wahr?
Aber warum erzählt Jesus so etwas? Versteht er so wenig von Lohnarbeit, vom Verhalten im Angestelltenverhältnis und von wirtschaftlichen Zusammenhängen überhaupt? Oder will er uns provozieren? Aber wozu?
Und Jesus lobt dann auch noch diese Denkweise, das Verhalten des untreuen Verwalters. Das irritiert. Setzt Jesus da etwa die Zehn Gebote außer Kraft? Ist es jetzt erlaubt, Zahlen zu fälschen, die Firma zu bestehlen und den Chef zu betrügen? Ich denke, nein.
Das kann doch nicht wahr sein, werden Sie vielleicht jetzt denken. Jesus deckt solche Betrügereien. Ist das nicht schockierend?
Dann kann also ein Buchhalter, der diesen Predigttext gerade gehört hat, morgen, gedeckt durch das Wort Jesu, betrügerische Machenschaften vornehmen?
Natürlich nicht. Jesus weiß, wie es in der Welt zugeht. Und wir erwarten selbstverständlich, dass Jesus ein solches Vorgehen hart verurteilt.
Er aber spricht, ohne die tatsächlichen Verhältnisse gut zu heißen, ganz offen über diese korrupten Machenschaften. In der Welt wird gelogen und betrogen, alle sind nur auf ihren eigenen Vorteil aus.
Was hat sich Jesus wohl dabei gedacht, als er den Zuhörern von damals und auch uns heute ein solches Gleichnis erzählt?
Der Verwalter befand sich in einer verzweifelten Situation, seine berufliche Existenz war zerstört. Er scheint am Ende zu sein. Und durch sein kluges, entschlossenes Handeln sichert er sich seine Zukunft.
Es wird also nicht der Betrug des Verwalters gerechtfertigt, sondern Jesus lobt die Klugheit des Verwalters, der seine eigene Situation richtig beurteilt und daraus Folgerungen zieht, um so seine künftige Existenz sicherzustellen.
Was hat sich Jesus dabei gedacht, als er den Zuhörern von damals und auch uns heute ein solches Gleichnis erzählt?
Jesus, so denke ich, er erwartet von uns, die wir in seiner Nachfolge stehen, ebenso eine entsprechende Klugheit bei der Ausbreitung und Verkündigung seines Reiches. Wie ein roter Faden zieht sich es sich durch die gesamte Verkündigung von Jesus.
Gott wird seine Zurückhaltung wieder aufgeben, er wird wieder in diese Erde eintreten und die Geschichte aller Menschen beenden. Gott wird diese Welt zu einer neuen Welt umgestalten, zu einem Reich, in dem wir Gerechtigkeit erfahren und in Liebe und Frieden leben können.
Und wir werden Gott unmittelbar begegnen dürfen, wie in einer großen Familie werden wir um Gott versammelt sein.
Doch eines dürfen wir dabei nicht vergessen, das Reich Gottes wird mit einem Gericht beginnen. Wir müssen uns im Gericht Gottes bewähren, ehe wir in seinem Reich Einlass finden.
Und wer von uns seine Einladung erhalten hat, der wird keine Zeit mehr haben zu überlegen, ob sich eine jede und ein jeder von uns für die Sache Jesu verantwortlich fühlt. Wir haben dann keine Zeit mehr uns darüber Gedanken zu machen, dass wir ohne Jesus unser Leben verwirkt haben.
Und es wird dann auch nicht angehen, sich mit hinhaltenden Gedanken zu beschäftigen. Das muss ich mir noch gut überlegen; überstürzen, nein, das kann ich nicht; bevor ich ein Risiko eingehe, muss ich erstmal die Vor- und Nachteile abwägen. Wer es sich von uns zu leicht machen will, der wird das Reich Gottes verfehlen.
Liebe Gemeinde, Jesus will uns mit seiner Geschichte sagen, dass auch wir einmal unsere letzte Chance bekommen. Einmal müssen auch wir uns mit dem Gedanken vertraut machen, dass es ein Ende hat mit uns und dass wir von hier gehen müssen. Einmal müssen wir begreifen, dass wir Rechenschaft geben müssen für alles, was wir getan haben und was wir unterlassen haben.
Lasst uns deshalb die Zeit nutzen, die Jesus uns anbietet. Damit können wir jetzt, Gottes Reich auf Erden mitbauen, ein Reich der Liebe und der Zuversicht, ein Reich, das der Zukunft gewiss ist. Wir können es, weil Jesu Zusage uns dazu kräftigt und Gottes Liebe uns dabei begleitet.
Es liegt nun an uns, ob wir dem Gericht Gottes entgegengehen oder der Liebe Gottes. Gott hat uns in der Gegenwart Jesu eine einmalige Chance gegeben. Es liegt nun auch an uns, ob wir der Zukunft unseres Volkes, unserer Kirche und unserer eigenen alltäglichen Zukunft getrost entgegen gehen können. Der Liebe nämlich gehört die Zukunft. Und Jesus will, dass wir an seiner Seite jetzt in diese Zukunft gehen. Die Liebe Gottes, die uns Jesu Gegenwart anbietet, ist unsere Chance.
So wie sich der Verwalter durch sein kluges, entschlossenes Handeln seine Zukunft sicherte, so müssen wir uns nach Jesu Mahnung blitzschnell auf die neue Situation einstellen, uns rasch entscheiden und ebenso entschlossen handeln um uns so unsere Zukunft bei Gott zu sichern.
Wir alle, ohne Ausnahme, haben hier auf Erden nur eine kurze Zeitspanne zu leben und deshalb möchte Jesus, dass wir in seiner Verkündigung unsere Klugheit genau so einsetzen, wie der Verwalter in unserem heutigem Predigttext.
Amen
Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.
Amen.
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