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Predigt - Joh1,43-51

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus Amen.

Liebe Gemeinde,

vor 10 Tagen, da feierten wir Heilig Abend. Die meisten von Ihnen waren an diesem Abend hier oder anderswo im Gottesdienst.

Die Erinnerungen sind noch wach. Und einige von uns denken jetzt vielleicht an das Glockengeläut und an die altbekannten Lieder, oder an den Kerzenschein, der unsere Kirche erfüllte und vielleicht auch an den frischen Tannenduft, der hier im Raum schwebte.

Dies alles gehört für viele von uns an Weihnachten einfach dazu. Die gut besuchten Gottesdienste am Heiligen Abend zeigen das.

Es ist auch die Sehnsucht und die Hoffnung, dass wir dort finden könnten, was im Alltag so schwer zu finden ist, wovon an Weihnachten um so mehr geredet und gesungen wird: von Frieden und Liebe.

Frieden und Liebe in der Familie, in der Welt, Frieden wohl auch für die eigene Seele. Dass die Ängste und Sorgen wenigstens für nur ein paar Tage aufhören, dass man sich hinein nehmen lassen kann in den friedlichen Glanz des Weihnachtsfestes, ja, das hoffen sehr viele, jedes Jahr wieder.

Und jeder von uns, der zum Weihnachtsgottesdienst ging, wusste auch: Das alles kann ich mir und meiner Familie allein nicht schaffen. Da muss noch etwas hinzukommen.

Und was so viele Menschen zu Weihnachten in die Gottesdienste bringt, ist die Hoffnung, dass dort Gott selbst Frieden gibt und die Liebe erneuert.

Dieser Wunsch, Gott zu begegnen und so Frieden und Liebe zu finden, das gehört auch zu Weihnachten, auch wenn viele das nicht von sich sagen können.

Aber auch die Enttäuschung verbreitet sich bei vielen von uns. Der Gottesdienst war viel zu voll und zu unruhig, die Predigt vielleicht zu lang und der Abend dann zu Hause war voller Spannungen und Konflikte.

Dies ist der 1. Sonntagsgottesdienst im neuen Jahr. Ist dies vielleicht auch ein neuer Anfang mit Gott? Und wo ist es dann überhaupt noch möglich Gott zu begegnen? Wo lässt sich dann Frieden finden und die Liebe neu entfachen?

Antwort auf diese Fragen könnte der heutige Predigttext geben, er steht im Johannesevangelium, Kapitel 1, Vers 43 -51.

43 Als Jesus am nächsten Tag nach Galiläa aufbrechen wollte, begegnete ihm Philippus. »Folge mir nach!«, sagte Jesus zu ihm.
44 Philippus stammte aus Betsaida, der Stadt, aus der auch Andreas und Petrus kamen.
45 Philippus sah Natanaël und sagte zu ihm: »Wir haben den gefunden, über den Mose im Gesetz geschrieben hat und der auch bei den Propheten angekündigt ist! Es ist Jesus, der Sohn Josefs; er kommt aus Nazaret.« ­
46 »Aus Nazaret?«, entgegnete Natanaël. »Was kann aus Nazaret Gutes kommen?« Doch Philippus sagte nur: »Komm mit und überzeuge dich selbst!«
47 Als Jesus Natanaël kommen sah, sagte er: »Seht, da kommt ein wahrer Israelit, ein durch und durch aufrichtiger Mann!«
48 Verwundert fragte Natanaël: »Woher kennst du mich?« Jesus antwortete: »Schon bevor Philippus dich rief, habe ich dich gesehen; ich sah dich, als du unter dem Feigenbaum warst.«
49 Da rief Natanaël: »Rabbi, du bist der Sohn Gottes, du bist der König von Israel!«
50 Jesus entgegnete: »Weil ich dir gesagt habe, dass ich dich unter dem Feigenbaum sah, glaubst du. Aber du wirst noch viel Größeres erleben.«
51 Und er fuhr fort: »Ich versichere euch: Ihr werdet erleben, dass der Himmel offen steht und die Engel Gottes von dem Menschensohn hinauf-und zu ihm heruntersteigen.«
NGÜ 2009

Jesus wollte nach Galiläa. Scheinbar zufällig begegnet er dabei dem Philippus. Philippus stammt aus Betsaida am See Genezareth. Juden und Griechen lebten dort zusammen. Schon der Name Philippus, zu Deutsch heißt das der Pferdefreund; dies sagt eine Menge über ihn aus. Es ist ein griechischer Name.

Wenn jüdische Eltern ihrem Kind einen griechischen Namen geben, dann zeigen sie damit, dass sie nicht zu den frommen Juden gehören. Der jüdische Glaube ist in dieser Familie nicht so wichtig. Und so wurde Philippus vermutlich nicht religiös erzogen.

Jesus spricht ihn an: Folge mir nach! Und Philipus reagiert sofort. Offenbar muss Philippus von dieser Begegnung mit Jesus so beeindruckt sein, dass er gleich hingeht und seinen Freunden davon weitererzählt.

Nathanel macht eine ungewöhnliche Erfahrung. Da nimmt mich jemand so wahr, wie ich bin. Er sieht nicht nur meine Schattenseiten, sondern auch meine Suche nach Wahrhaftigkeit, mein Bestreben, aufrecht und offen durchs Leben zu gehen.

Eine aufrüttelnde und keine alltägliche Begegnung, die Nathanel erstaunt fragen lässt: Woher kennst du mich?

Menschen begegnen Jesus, und so fängt Gott mit ihnen eine ganz neue Geschichte an. Ob sie darauf gewartet und gehofft haben, oder ob sie danach gesucht haben, das erfahren wir nicht. Aber, dass sich ihre Situation verändert hat, dieses wird uns berichtet.

Ja, es ist eine Geschichte vom Anfang der Christenheit. Denn damals konnte man Jesus persönlich begegnen.

Und so frage ich mich, ist es überhaupt möglich diese Situation mit der unsrigen zu vergleichen? Was haben wir mit den beiden Männern Phillipus und Nathanael gemeinsam?

Da ist zunächst einmal die Frage: Was kann aus Nazareth Gutes kommen?

Nazareth, das war für Nathanael, der aus Kana stammte, sein Nachbardorf. Nazareth, das war Alltag und somit überhaupt nichts Besonderes.

Nazareth war eben nicht Jerusalem, eine Stadt mit Traditionen und nicht die Stadt, der eine himmlische Zukunft verheißen war und auch nicht die Stadt des Tempels und der festlichen Gottesdienste um dort den Glauben zu stärken und Gott zu finden.

So fragt sich Nathanael: Was ist da schon zu erwarten? Das kenne ich doch, dort ist es nicht anders als hier.

Aber, liebe Gemeinde, gerade im Alltag, in meiner nächsten Umgebung, wo ich es nicht erwarte, da kommt mir Gott entgegen. Wer die Nähe Gottes in den kleinen Dingen des Lebens erwartet, also im Alltag und in der Nachbarschaft, dem werden die Augen geöffnet.

Vielleicht die strahlenden Augen eines Menschen, oder eines Kindes, die mich freudig begrüßen und mir sagen: Schön, dass du wieder da bist. Ich bin froh, dass ich dich habe! Ist das nicht ein Hinweis auf Gottes Nähe?

Dass ich mich endlich wieder aussöhnen konnte mit dem Menschen, der mir soviel Kummer gemacht hat und wir beide jetzt versuchen können wieder neu anzufangen. Ist das nicht ein Hoffnungszeichen Gottes?

Wir machen ja leider auch die umgekehrte Erfahrung in der Begegnung mit anderen. Wenn uns andere Menschen anschauen, kann das ja auch recht zwiespältige Gefühle in uns wecken.

Manchmal werden wir regelrecht gemustert, von oben bis unten, und wir wissen nicht, was da alles an Abschätzigem und Verurteilendem und Geringschätzigem und Spöttischem in diesem Blick liegt.

Und wenn wir mal genauer unsere Aussagen über andere betrachten würden, dann müssten wir eigentlich erschrecken, wie viel an Bewertungen und Beurteilungen darin enthalten ist.

Was kann aus Nazareth Gutes kommen? Kann es sein, dass sich in diesem Menschen, dem Zimmermannssohn, sich Gott zeigt? Kann es sein, dass dieser mehr ist als ein vorbildlicher Mensch, mehr als ein großer Lehrer, von denen es schon so viele gab?

Die Antwort hierauf ist verblüffend: Komm und sieh!

Denn an Gott glauben kann man nur, wenn man sich in Bewegung setzt. Und das ist genau so, als Jesus zu Philippus sagte: Folge mir nach!

Wer Glauben finden will muss sich auf den Weg machen. Es hat keinen Sinn auf einem Punkt stehen zu bleiben. Wer Gott finden will, muss bereit sein sich auf Erfahrungen einzulassen. Man muss sich öffnen, Neues ernst nehmen, und sich persönlich einbringen.

Wer sich auf den Weg macht, wird das finden, was er und sie sucht.

Folge mir nach! sagt Jesus, Komm und sieh! fordert Phillippus Nathanael auf, und nimmt ihn mit.

Wenn man Gott finden will, liebe Gemeinde, muss man Jesus zuhören und zusehen können. Jesus zeigt uns den Weg Gottes. Von ihm kann man hören und lernen, wie Menschen miteinander umgehen, damit der Streit aufhört und Frieden werden kann.

Wenn du an Gott glaubst, dann erlebst du Wunder. Du erkennst dann, dass vieles, was du früher als Zufall bezeichnet hast, ein Wunder und eine Fügung aus Gottes Hand ist.

Du spürst, dass der Himmel über dir und um dich herum nicht leer ist, sondern Gottes Engel über deinem Leben wachen und es schützen. Alles ist auf geheimnisvolle Weise mit allem verbunden. Und du weißt auch, dass du in allen Dingen zu Gott kommen kannst im Gebet und dass er deine Gebete erhört.

Oft nicht so, wie du es dir vorstellst, aber immer so, dass es gut für dich ist. Und deshalb ist es ja auch eigentlich noch viel besser, die eigenen Wünsche einfach loszulassen und ihm zu überlassen, im Vertrauen auf dieses „Ich habe dich gesehen, schon längst, ich weiß doch, was du brauchst."

Folge mir nach! sagt Jesus. Wo Menschen in ihrem Alltag zu Nachfolgern Jesu werden, da ist der Himmel offen. Da kann man Gott erfahren.

Wo sich Menschen an Jesus orientieren, und sich auf den Weg machen, bleibt es nicht beim Alten. Für sie verändert sich die Welt, auch wenn der Alltag zunächst derselbe ist.

Wo Menschen Jesu nachfolgen, da ist der Himmel offen, da ist ein Stück Himmel mitten in unserem Leben. Da kann die Liebe wachsen und Frieden werden — mitten unter uns.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus Amen.

Erstellt: 24.4.2011
Zuletzt aktualisiert: 18.5.2011 10:48 Uhr
Redakteur (nicht zwingend Autor): Anders Grüning

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