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Predigt - Joh4,46-54

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus
Amen.

Liebe Gemeinde, kann es sein, dass wir immer mal wieder darüber nachdenken sollten, was unser Glaube an Jesus Christus eigentlich beinhaltet?

Wenn ich diese Frage hier stelle, die natürlich auch mir gilt, dann gehe ich einfach mal davon aus, dass wir alle an Jesus Christus glauben. Und darüber freue ich mich und danke unserem Herrn Jesus Christus dafür, so wie es auch Paulus tat, wenn er für seine Gemeinden in der Ferne betete.

Ist das nicht schon eine Antwort auf den Inhalt unseres Glaubens an Jesus Christus, dass dieser Glaube Freude und Dankbarkeit hervorbringt? Ja, Freude und Dankbarkeit darüber, dass ich mit meinem Herrn aufs Engste verbunden bin. Christus ist in mir. Christus ist mit mir und nichts kann mich von ihm mehr trennen.

Über den Inhalt unseres Glaubens an unseren Herrn Jesus Christus, berichtet der heutige Predigttext, der im Evangelium bei Joh 4, 46 – 54 steht.

46 Jesus kam auch wieder nach Kana, jenem Ort in Galiläa, wo er das Wasser in Wein verwandelt hatte. Dort suchte ihn ein Beamter des Königs auf, der in Kafarnaum lebte und einen Sohn hatte, der an einer schweren Krankheit litt.
47 Er hatte gehört, dass Jesus von Judäa nach Galiläa zurückgekehrt war, und bat ihn jetzt, nach Kafarnaum herabzukommen und seinen Sohn zu heilen, der im Sterben lag.
48 »Wenn ihr nicht Wunder und außergewöhnliche Dinge seht, glaubt ihr nicht!«, hielt Jesus ihm entgegen.
49 Aber der Beamte des Königs flehte ihn an: »Herr, bitte komm, bevor mein Kind stirbt!«
50 Da sagte Jesus zu ihm: »Geh nach Hause, dein Sohn lebt ´und ist gesund`!« Der Mann glaubte dem, was Jesus zu ihm sagte; auf sein Wort hin machte er sich auf den Weg hinunter nach Kafarnaum.
51 Er war noch nicht dort angelangt, da kamen ihm seine Diener mit der Nachricht entgegen, dass sein Sohn lebte ´und gesund war`.
52 Er fragte sie, seit wann es ihm besser gehe. »Gestern Mittag um ein Uhr hatte er mit einem Mal kein Fieber mehr«, antworteten sie.
53 Da wusste der Vater, dass es genau zu dem Zeitpunkt geschehen war, an dem Jesus zu ihm gesagt hatte: »Dein Sohn lebt ´und ist gesund`!« Und er glaubte an Jesus, er und alle aus seinem Haus.
54 Dieses Wunder tat Jesus, nachdem er von Judäa zurückgekehrt war, und er bewies dadurch in Galiläa ein zweites Mal seine Macht.
NGÜ 2009

Der königliche Beamte, von dem uns der heutige Predigttext berichtet, ist als der Hauptmann von Kafarnaum bekannt. Damals hatte das römische Militär in dieser Gegend das Sagen.

Dieser Hauptmann war ein nüchterner Mann. Er musste am religiösen Kult um den römischen Kaiser teilnehmen und ebenso die römischen Götter verehren. Für sich aber hatte der Hauptmann diese Sache schon länger geklärt.

Die Religion, sie war einfach zu durchschauen: Wie sollte etwas göttlich sein, das so materiell daherkommt? Was ein Teil der Welt ist, kann nicht Gott sein. Aber, was nicht ein Teil der Welt ist, wie sollten wir darum wissen?

Dass er sich trotzdem von Kafarnaum nach Galiläa aufgemacht hat, um für sein krankes Kind zu bitten, ist seiner Frau zu verdanken. Die Frau des Hauptmanns ist die nachdenklichere der Familie. Sie hat es nicht aufgegeben, nach Gott zu suchen.

Auch wenn sie durchaus ihren eigenen kritischen Kopf hat, so weiß sie doch um diese andere Wirklichkeit. Ihrem Mann hat sie gesagt: "Du musst was tun!". So ist er losgezogen.

Denn der Sohn ist krank, auf den Tod krank. Der Hauptmann, er hat nichts übrig für Hokuspokus. Er glaubt nicht daran. Die Götter, die ihm präsentiert werden, hat er innerlich eigentlich abgeschrieben.

Wie soll ein Gott, der ganz anders ist, als alles, was wir greifen und begreifen können, heilen können? Wie soll dieser Jude Jesus, der so kraftvoll im Namen seines Gottes spricht, seinem Sohn helfen können?

Das Johannesevangelium benutzt sonst nirgendwo das Wort Wunder. Es spricht stattdessen von Zeichen. Fast möchte ich sagen, dass der Evangelist Johannes nicht an Wunder glaubt.

Aber, Johannes weiß auch, dass dies, was Jesus getan hat, Zeichen sind, die auf etwas Anderes, etwas viel Fundamentaleres verweisen. Die Zeichen, die Jesus tut, verweisen auf eine Wirklichkeit, die nicht einfach für ein paar weitere Jahre gesund machen.

Wenn ihr nicht Wunder und außergewöhnliche Dinge seht, glaubt ihr nicht!

Sicher haben wir schon oft bei einem Abschied gesagt: „Rufe mich an“, wenn wir mit den Abschiednehmenden die Verbindung aufrechterhalten wollten. Ob wir Gottes Aufforderung „Rufe mich an“ auch als die Absicht Gottes auffassen, mit uns Verbindung zu bekommen?

Unser Predigttext, so denke ich, macht das deutlich. Der Vater des kranken Jungen hat Jesus gehört. Er überlegt nicht nur, was zu tun ist, sondern er nimmt die Verbindung mit Jesus auf und geht zu ihm.

Niemandem von uns ist damit geholfen, wenn uns nur der Gedanke kommt: eigentlich müsste ich beten. Nein, wir müssen uns mit unseren Anliegen tatsächlich an Jesus Christus wenden. Nur so lassen wir erkennen, dass wir Vertrauen und auch den Glauben zu Gott haben. Bei Menschen, die nicht mit Jesus Christus sprechen, also nicht beten, ist das kaum anzunehmen.

Jesus selbst hat als Beter gewusst, welche Kraft einem Menschen aus der Erhörung des Gebetes zufließen kann. Jesus, er hat ebenso gewusst, dass ein nicht erhörtes Gebet den Menschen anfechten kann, ja den Glauben erschüttern kann und ihn vielleicht zerstören kann.

Was der Predigttext weiter verkündet ist, die letzte Wirklichkeit, die uns trägt. Dies ist keine Wirklichkeit, die wieder genommen werden kann, nicht wie ein guter Job, wie Einkommen, Wohlstand, ja auch wie Gesundheit. Die Wirklichkeit, die der Predigttext verkündet, geht tiefer. Es ist das, was unser letztes Vertrauen verdient und tragen will.

Das Kind des Hauptmanns und seiner Frau ist krank. Es ist krank zum Tode. Die Gesundheit, die Jesus ihm schenkt, geht tiefer als es ein Sieg über die Krankheit sein kann. Es ist das Leben, das Gott uns in der Taufe schenkt, ja, Halt und Gemeinschaft in der Ewigkeit.

Diese Ewigkeit ist nicht ein fernes Danach. Es ist das Leben, das wir hier erfahren dürfen. Dieses Leben soll nicht nur oberflächlich sein und für heute und morgen glücklich sein. Es soll ein volles Leben sein, gerade auch in den Stunden, in denen das Leben hier und heute schmerzlich und schwierig wird.

Als der Hauptmann loszog, um bei Jesus für seinen Sohn zu bitten, wusste er noch nicht, worauf er sich da eingelassen hatte. Er ist losgegangen, wohl aus freier Entscheidung, aber doch vor allem, weil auch seine Frau hinter ihm stand.

Wohin das führen sollte, ahnte er anfangs noch nicht. Später erst, als er wieder daheim war, dämmerte es ihm, dass die Begegnung mit Jesus keine vorübergehende Episode gewesen sein kann, so wie man mal in der Kirche war und dort einen festlichen Gottesdienst mitgefeiert hat.

Das Vertrauen des königlichen Beamten wurde nicht enttäuscht. Auf dem Rückweg kamen ihm seine Hausangestellten entgegen mit der guten Nachricht:

„Dein Kind lebt!“

Und als er sich näher erkundigte, da stellte er fest: Sein Sohn war genau in dem Augenblick fieberfrei geworden, als Jesus das Wort gesagt hatte:

„Dein Sohn lebt.“

Und am Ende unseres Predigttextes heißt es: Und er glaubte an Jesus, er und alle aus seinem Haus.

Glauben heißt also: nicht enttäuscht werden. Desto fester und fröhlicher glaubte er nun, und zusammen mit ihm kamen alle zum Glauben, die zu seinem Haushalt gehörten:

„Er glaubte mit seinem ganzen Hause.“

So schenkte Jesus dem Mann und seinen Angehörigen schließlich doch Zeichen und Wunder.

Der Hauptmann von Kafarnaum, in all seiner Nüchternheit hat gemerkt, dass er auf einmal Herr eines Hauses war, in welches Gott Einzug gehalten hat.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus
Amen.

Erstellt: 22.4.2011
Zuletzt aktualisiert: 18.5.2011 20:17 Uhr
Redakteur (nicht zwingend Autor): Anders Grüning

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