Predigt - Kantate 2009
Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus Amen.
Liebe Gemeinde, heute ist der Sonntag Kantate. Das heißt „singet!“. Von einem Gottesdienst, der unter einem solchen Thema steht, verspricht man sich Leichtigkeit und Schwung, Freude und Jubel; oder? Aus welchem Grund sollten wir sonst singen, wenn nicht aus Freude.
Und dann hören wir diesen Predigttext. Worte aus dem Mathäusevangelium, die nicht so leicht und beschwingt und spritzig daherkommen, sondern die von Mühsal und Beladensein sprechen und vom Joch, welches zu tragen ist.
Da möchte man im ersten Moment verständnislos mit dem Kopf schütteln. Und ist uns dann noch nach Singen zumute?
Sicher wird in der Kirche immer gesungen, gleich an welchem Tag und zu welchem Anlass. Das Singen gehört einfach dazu, wir kennen es nicht anders. Und wir singen auch mit, soweit wir es können. Singen wir immer aus vollem Herzen mit, können wir überhaupt noch aus vollem Herzen singen?
Zum Singen gehört ja eine bestimmte Stimmung, wer gut aufgelegt ist, der singt fröhlich mit. Wer Freude zum Ausdruck bringen will, der singt oder pfeift, wer sich unbeschwert fühlt, der trägt ein Lied auf den Lippen.
Wenn wir jemanden singen hören, dann können wir davon ausgehen, hier ist jemand der gute Laune hat. Im Gottesdienst ist das ein bisschen anders, da singen wir, weil es dazu gehört, weil unsere Lieder auch Gebete sind, und ein Gottesdienst ohne Gesang wäre eine sehr traurige Angelegenheit.
Aber ich frage noch mal, ist uns eigentlich zum Singen zumute? Können und dürfen wir überhaupt fröhlich singen in unseren Gottesdiensten, angesichts der Welt, wie wir sie im Augenblick erleben? Ist unser persönliches Leben so, dass wir aus innerer Fröhlichkeit heraus die Stimme zum Singen erheben mögen?
"Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du dies den Weisen und Klugen verborgen hast und hast es den Unmündigen offenbart. Ja, Vater; denn so hat es dir wohlgefallen".
Sicher könnte man lange darüber streiten, was Jesus hier meint, was den Wissenden unter uns verborgen ist und den Nichtwissenden offenbar ist. So denke ich, es geht hier einfach um den Glauben an Jesus, ja, das Vertrauen zu ihm als dem Sohn Gottes und die Zuversicht in ihm als den Heiland und Erlöser.
Und mir fällt dazu ein, wie wahr das doch ist, was Jesus sagt, wie oft ich das schon erfahren habe, dass die einfachen Menschen, die nicht alles und jedes hinterfragen, einen viel leichteren Zugang zum Glauben haben.
Das stimmt doch gar nicht, meinen sie jetzt vielleicht. Oft, ja sehr oft haben sie schon erlebt, dass sie mit den Worten vom Glauben an Jesus Christus bei ihren Mitmenschen nicht landen konnten, dass sie nur Ablehnung und Kopfschütteln darüber geerntet haben, was sie etwa über die Auferstehung und die Hoffnung der Christen weitergeben wollten.
„Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht“.
Ausgerechnet mit den Mühseligen hat er sich abgegeben. Nicht mit denen, denen das Leben so gut von der Hand geht. Hinter deren Lebensführung hat er ein warnendes Fragezeichen gesetzt, mit welchem Recht sie so sicher seien. Aber die Mühseligen und die Beladenen, die hat er zu sich gerufen.
Die, deren Schultern überbelastet sind, die sich quälen, die an ihren Lasten herum schieben und herumrücken, um sie leichter zu machen und die sich schleppen, die kaum noch können, die hat er gerufen.
Wie kommt es aber, dass ausgerechnet die sich noch nicht um ihn versammeln? Sind diese von ihren Lasten und ihren Mühseligkeiten so eingenommen? Oder trauen sie Jesus nicht, dass er die Lasten nehmen kann? Vermuten sie vielleicht, er verspreche zu viel?
Er will tatsächlich erquicken. Er hat es auch getan an denen, die kamen. Von denen kann man auch die Bestätigung hören, ja, er tut es. Es muss etwas dran sein. Aber, in der Apotheke wurde noch keiner gesund, es sei denn, er nahm die Tabletten. Von Christus wurde noch keiner erquickt, es sei denn, er ging hin.
Ja, mühselig und beladen müssen wir sein, wenn wir von ihm erquickt werden wollen. Oder besser gesagt, das muss uns in unserem Leben bewusst geworden sein, wie arm, wie unerfüllt wir, trotz aller Güter inmitten eines Lebens in Wohlstand und Luxus, bei einer Karriere, die steil nach oben führt, doch sind. Aber wir wollen niemandem einreden, dass ihm oder ihr etwas fehlt ─ der Frieden der Seele, die Ruhe und die Gelassenheit eines getrosten Glaubens.
Jesus lädt uns zuerst einmal ein, den Ballast unseres Lebens zu ihm zu bringen. Er ist der Ort, wo wir die Lasten des Lebens erst einmal abwerfen können. Denn die Welt, so macht uns Jesus deutlich, liegt nicht allein in unseren Händen, sondern auch in seinen Händen.
„Alle Dinge sind mir von meinem Vater übergeben worden“.
Der Gott des Himmel und der Erden, den Jesus mit einem Lobpreis besingt, dieser Gott hat seinem Sohn die Verantwortung für die ganze Welt anvertraut, auf seinen Schultern ruht die Zukunft allen Lebens dieser Welt. Deshalb kann er sagen: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen sei, ich will euch erquicken“.
Er ist sozusagen die erste Anlaufstelle, für die Probleme unseres Lebens, für das, was unser Leben schwer macht. Das Leid der Welt liegt auch auf seinen Schultern, das können wir nicht oft genug sagen und nicht oft genug hören.
Gottes Sohn, er selber trägt die Hindernisse des Lebens.
Jesus spricht nicht nur davon, dass wir bei ihm Lasten loswerden können, nein, er spricht auch davon, dass weiter ein Joch auf uns liegt. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.
Ein Leben ohne Last, das weiß auch Jesus, das gibt es nicht. Immer wieder wird uns etwas belasten. Aber wer sein Leben Jesus anvertraut, wer glaubt, dass Jesus sein Leben trägt, der weiß, dass das Joch des Lebens nicht allein auf den eigenen Schultern liegt.
„Ich will euch erquicken“
, sagt Jesus. Eine festere Zusage ist niemals ergangen. Sie ist ein Becher Wasser für den Verdurstenden, sie ist ein wärmendes Feuer für den Erfrierenden, sie ist die Freiheit für den Gefangenen, sie ist die Wegweisung für den Verirrten und sie ist Heimat für den Heimatlosen.
Gerade an der Stelle, wo die Last am meisten drückt, da werden wir von Jesus erquickt. Es gibt keine Last, von der Jesus nicht entlasten könnte und es gibt auch keine Mühsal, die er uns nicht nehmen könnte.
Deshalb, liebe Gemeinde, lädt Jesus uns zu sich ein. Er ist anders als wir, er ist kein Mensch wie wir. Jesus, er geht nie an uns vorbei, er ist es, der uns ruft: „Kommt her zu mir“! Er ruft die, die ihre Last spüren und darunter leiden und nicht weiter können. Ja, es sind dieselben, die Hunger und Durst haben nach Freude, Ruhe und Frieden und dies nirgends finden können.
Ja, es sind dieselben, die überall gesucht haben und sie sind zerbrochen und sie sind mit leeren Händen zurückgekommen, entmutigt, enttäuscht, müde und hoffnungslos. Sie haben sich selber aufgegeben und niemand kann mit ihnen etwas anfangen. Nur einer noch, Jesus Christus. „Ich will euch erquicken“, sagt er.
Was Jesus damit meint, liebe Gemeinde, drücken die Worte: „So werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen“. Von innen her fängt seine Hilfe an. Jesus, er reinigt das Herz. Er nimmt die Last ab, die Vergangenheit, die unvergebene Schuld und die quälenden Gedanken.
Liebe Gemeinde, das ist Erquickung wie ein Glas Wasser bei furchtbarem Durst. Eine Jede und ein jeder von uns weiß, wie gut das tut. Es ist eine Neubelebung, die Jesus Christus schafft; kommet!
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.
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