Predigt - Lebendig und kräftig und schärfer
Text: Hebr 4,12-13
12 Denn das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer als jedes zweischneidige Schwert, und dringt durch, bis es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens
13 Und kein Geschöpf ist vor ihm verborgen, sondern es ist alles bloß und aufgedeckt vor den Augen Gottes, dem wir Rechenschaft geben müssen.
Grüß Gott, ihr frommen Schwestern und Brüder
zur närrischen Zeit lass ich mich gern bei euch nieder.
Erinnern Sie sich noch an den Hai vor drei Jahren,
als wir nach Köln zum Kirchentag gefahren?
Seine Zähne blieben im Maul verschlossen,
gut zu erkennen war er mit der Rückenflossen.
Viele taten sich schwer mit diesem markanten Hai
ob das wohl ein christliches Symbol sei?
Erinnern Sie sich an die Losung noch:
„lebendig und kräftig und schärfer" ? doch
so sei das Wort Gott gestern, heute, ewiglich
wie ein gutes Schwert zweischneidiglich,
durchdringt es Seele und Geist eines jeden
bis ins Mark und Bein mit seinem Reden.
Ein Richter der Gedanken ist Gottes Wort
und der Sinne des Herzens immerfort.
kein Geschöpf bleibt vor ihm verborgen,
mit seinen Freuden und seinen Sorgen,
vor Gottes Augen ist alles bloß und aufgedeckt,
was wir allzu gern hätten für immer versteckt,
denn ihm müssen wir Rechenschaft geben
über unser Tun und Lassen, über unser Leben.
Denn Gott irrt kein Kleid, ob arm oder reich,
vor ihm stehen wir einst alle gleich.
Da hör ich auch schon die Kritiker sagen,
typisch Kirche. Will die Moral einklagen
uns Menschen machen angst und bang,
knechten und knebeln ein Leben lang,
in Unfreiheit und Unmündigkeit halten
und dauernd brav die Hände falten,
um stets Ja und Amen zu allem zu sprechen,
niemals die göttlichen Gebote zu brechen.
Wer sich so sein ganzes Leben still verhält,
am Ende im Gericht auch Gott gefällt.
Doch wir wollen Gottes Gericht nicht kennen,
wir uns selber Herrn des Lebens nennen.
Halt ein! ruf ich als Narr mit Blick auf Gottes Wort,
überhebt euch nicht – sonst werdet ihr zum Spott.
Ich gebe zu, die Worte können mich erschrecken,
Furcht, Angst und Traumata in mir erwecken,
und mehr als einmal hab ich mich selbst gefragt,
wozu die Bibel solche Drohungen auszusprechen wagt?
Was sollen sie bewirken? Worauf wollen sie zielen?
Abschrecken wie einst die Atomlager, die vielen,
die den kalten Krieg in Europa haben stabilisiert?
Oder wollen solch Drohungen gut dosiert,
mir wie die Angst vor einem Albtraum den Schlaf rauben?
Oder mir eindringlich den Rat geben zu glauben,
sich nicht zu sehr auf sich selbst zu verlassen,
sondern vielmehr die Hoffnung wachsen zu lassen,
dass Gott solch Drohungen nur dann ernstlich benützt,
weil er uns vor uns selbst, vor dem Abgrund beschützt?
Wahrlich: Gott kennt unsre verborgensten Gedanken,
die Abgründe unseres Herzens sind ohne Schranken:
Da sucht einer ein paar Millionen vom Staat zu fordern,
weil andere ihr Geld illegal ins Ausland beordern,
und er im Besitz ist von solchen brisanten Daten,
die aufdecken könnten den größten Steuerschaden.
Welch Bredouille ergibt sich daraus für alle?
Ein Deal mit einem Kriminellen ist’s in jedem Falle!
Kann dieses Material als Beweismittel vor Gericht bestehen?
Darf der Staat selbst ein Rechtsbruch begehen,
um dem Gemeinwohl, dem kleinen Mann zu beweisen,
dass die Großen den Fiskus können nicht beschei…?
Und anders gefragt: was wäre wohl geschehen,
wenn der Staat kein Riesenhaushaltdefizit als Lehen?
Und ist es nicht peinlich, sich auf solche Machenschaften einzulassen,
weil mit legalen Mitteln solche Betrüger sind nicht zu fassen?
Und ist es nicht beunruhigend, wenn Bürger darauf bestehen,
auf solche Weise mit Steuerflüchtlingen umzugehen?
Von alters her: Gott hofft auf Gerechtigkeit, wartet auf Rechtsspruch,
doch siehe, da ist Geschrei über Schlechtigkeit, siehe, da ist Rechtsbruch.
Fürwahr das Wort Gottes ist schärfer als ein zweischneidiges Schwert.
legt bloß unsere Gesellschaftsmaskerade von ach so kulturellem Wert.
Um zu ergründen, warum allerorts die Dämme reißen,
will ich auf Nathan, den Propheten, verweisen.
Ihn hat Gott einst zum König David gesandt,
dessen Ehebruch mit Batseba war niemanden bekannt.
Nathan erzählt David von einem Reichen und seinem Trachten,
das einzige Schaf seines armen Nachbarn zu schlachten,
um es dem Gast zu servieren mit Miene ganz unschuldig.
Da ruft David empört: Der Mann ist des Todes schuldig!
„Du bist der Mann!“ sagt Nathan darauf zu ihm unerschrocken
denn du und kein andrer hast die Grenze des Lebens gebrochen.
Fürwahr das Wort Gottes ist schärfer als ein zweischneidiges Schwert.
Da hilft kein Leugnen, da ist keine Ausrede noch etwas wert,
da hilft kein Verweis, dass die Zeit und Umstände so schlecht waren,
da hilft kein Entschuldigen, dass alle anderen auch so verfahren.
Dass mein Handeln und Lassen Konsequenzen hat,
dass mein Denken und Fühlen anderen gegenüber Folgen hat,
will Gottes Wort einem jeden persönlich schonungslos offenbaren
damit wir nicht blindlings in den alten Bahnen weiterfahren:
als gäbe es nur ein Dichten und Trachten, nämlich nach Geld,
als wären wir die alleinigen Herren und Richter dieser Welt,
als müssten wir immer weiter auf Pump alles verprassen,
aus Angst wir könnten heute den Just for fun verpassen.
Doch Gottes Wort, so weiß die Bibel, ist lebendig und kräftig.
Es kommt nicht brutal und verletzend, doch gewaltig und mächtig.
Darauf dürfen und können wir hoffen und uns verlassen:
„vor Gott bleibt nichts verborgen“, als Chance zu fassen.
Ihn brauchen wir nicht zu täuschen, vor ihm uns nicht zu verstellen.
Das ist vor Gott nicht nötig, denn er will vielmehr erhellen,
damit wir befreit aus den Fallstricken unsres Lebens,
uns nicht weiterhin müssen selbst rechtfertigen - vergebens.
Mit Gott im Rücken – dann brauch ich mich nicht zu sorgen,
ich müsse cooler sein als ich bin, hinter Masken verborgen.
Ich müsse immer gut gelaunt, als Gewinnertyp gestylt sein
wie’s in mir aussieht, wen interessiert’s – nur mich allein!
Mit Gott im Rücken darf ich „Ich“ sein mit allen Facetten,
denn er wird mich mit seinem lebendigen Wort retten,
denn sein Gesetz, ist nicht der kalte Buchstabe, der berechnet,
sondern der Geist der Liebe, die das Böse nicht zurechnet.
Nochmals Gott will uns durch sein Schwert nicht hinrichten,
hat einst Christoph Blumhardt gesagt, sondern herrichten:
auf den Weg des Friedens, auf den Weg der Liebe er uns weist.
Darauf dürfen wir auch heute noch hoffen: auf Jesu Geist.
So wie er uns heute mit seinem guten Wort will begleiten,
so wird er einst im Gericht stehen uns zur Seiten,
denn sein Wort allein löst aus Sünde, Kummer und Schmerz
macht schon heute uns heil an Verstand, Seele und Herz.
So will Gottes Wort uns nicht mit Furcht und Angst erschrecken,
vielmehr will es ermutigen, die guten Gaben in uns zu entdecken,
damit wir als seine Narren stets wagen frisch und unverzagt,
zu glauben, zu lieben, zu hoffen, wie Jesus es uns gesagt.
Nun schließe ich die Narretei ab in Christi Namen.
Das Ende heißt wie stets: So soll es sein. Amen.
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