Predigt "Liebeserklärung von Gott"
Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen
Bestimmt kennen Sie alle das Gefühl, so richtig verliebt zu sein? Unsere Gedanken kreisen dann Tag und Nacht um den geliebten Menschen. Wo ist er oder sie jetzt im Moment? Was macht sie oder er jetzt? Und wann sehen wir uns endlich wieder? Bis zum nächsten Treffen erscheint uns die Zeit unendlich lang. Ja, die Zeit der Abwesenheit fällt uns schwer. Am liebsten möchten wir die andere oder den anderen überhaupt nicht mehr loslassen bzw. ihn oder sie weggehen lassen.
Die lebenswichtigen Dinge, sie treten schlicht und einfach in den Hintergrund, die Schule oder der Beruf und auch unsere Freunde sind uns dann nicht mehr so wichtig. Den einen Menschen, den ich liebe, ist mir dann wichtig und sonst kein anderer mehr. Unser Herz ist dann voller Gefühle und Zuneigung; wir fühlen uns leicht, ja wir schweben dann wie auf Wolken. Solcher Gefühle sind wunderbar und wir wünschen uns, dass sie immer so bleiben.
Können wir eine solche intensive Liebe auch Gott gegenüber so empfinden?
Hören wir hierzu den Predigttext für den heutigen Sonntag, den 1. Sonntag nach Trinitatis.
5. Mose 6, 4 – 9
4 Höre, Israel! Der Herr ist unser Gott, der Herr und sonst keiner.
5 Darum liebt ihn von ganzem Herzen, mit ganzem Willen und mit aller Kraft.
6 Behaltet die Gebote im Gedächtnis, die ich euch heute verkünde!
7 Prägt sie euren Kindern ein, und sagt sie euch immer wieder vor - zu Hause und auf Reisen, wenn ihr euch schlafen legt und wenn ihr erwacht.
8 Bindet sie euch zur ständigen Erinnerung an den Arm und auf die Stirn.
9 Schreibt sie auf die Türpfosten eurer Häuser und auf die Tore eurer Städte.
Gute Nachricht 1997
Wer bestimmt eigentlich unser Leben? Und woher nehmen wir uns unsere Kraft zum Leben? Was hat sich alles in unserem Leben durch seine Kraft entfaltet? In unserer Kindheit haben wir das, was uns geprägt hat erfahren dürfen. Unser Verstand, unsere Vernunft sind genauso gewachsen, wie unsere Gefühle. Gestärkt wurden wir immer wieder durch den Geist des Herrn, der uns mit Neuem beschenkt hat. Das, liebe Gemeinde, sollen wir uns zu Herzen nehmen. So denke ich, dass damit auch viele persönliche Erlebnisse, die wir in unserer Kindheit erleben durften, verbunden sind. Ich denke an unsere Schutzengel, ja, ich denke an Unerklärliches und ich denke auch an die Bestürzungen, die wir in unserem Leben erfahren haben.
Ist es nicht so, dass wir meistens erst hinterher erkennen, dass Gott uns durch seine Engel behütet, geprüft und auch bewahrt hat? Prägt sie euren Kindern ein, und sagt sie euch immer wieder vor - zu Hause und auf Reisen, wenn ihr euch schlafen legt und wenn ihr erwacht.
Liebe Gemeinde, es geht schlicht und einfach um die Weitergabe unseres Glaubens im Alltag, in der Schule, im Beruf, in der Freizeit oder anders gesagt um die Weitergabe unseres Glaubens unseren Nächsten gegenüber. Der Herr ist unser Gott, der Herr und sonst keiner. Darum liebt ihn von ganzem Herzen, mit ganzem Willen und mit aller Kraft.
Das sollen wir auch unseren Kindern weitersagen, was unser Leben bestimmt. Gott, er klärt so mancherlei Beziehungen in unserm Leben auf. Ich denke hier an die Erfahrungen, die eine jede und jeder von uns in seinem und in ihrem Leben bisher in der Liebe gemacht hat. Wenn wir wirklich von diesen Erfahrungen ergriffen sind, dann sind sie kein Zufall, sondern sie sind von Gott hervorgerufen. Höre mal wieder tief in dich hinein. Wer hat dich zum Glauben gebracht?, die Gemeinde, die Nachbarin, der Nachbar?
Wer oder was trägt uns? Sind es unsere jahrelangen Lebenserfahrungen mit Freunden, oder vielleicht Texte und Lieder aus dem Gesangbuch?
Höre, Israel! Der Herr ist unser Gott, der Herr und sonst keiner.
Höre! Du bist eine unvergängliche Person. Gott hat etwas Großes mit dir vor. Er kann dich aus Schwierigkeiten und Trübseligkeiten herausholen, er kann dich heilen und in ein neues Leben hinein nehmen.
Höre! Dein Schöpfer, er hat dich gewollt, er ist derselbe, der dich von Ängsten und Trostlosigkeiten befreit. Durch seinen Heiligen Geist bewirkt er Neues in dir, damit du leben und lieben kannst.
In vielen Fällen werden Beziehungen nicht von uns selbst hervorgerufen, sie gehen auf einen Stifter zurück. Gott ist es, der in diesen Prozessen wirkt, in unseren Erfahrungen und ebenso in dieser Entwicklung. Die Liebe, die es zwischen zwei Menschen gibt, sie bleibt nicht immer so euphorisch, wie sie am Anfang war. Im Laufe der Jahre haben wir uns an sie gewöhnt, unsere Gefühle, die verändern sich. Eine Beziehung kann in die Brüche gehen. Ein Mensch kann sich von seinem Nächsten oder seiner Nächsten abwenden und wir können uns auch von Gott abwenden.
Gott allerdings will sich von uns Menschen nicht abwenden. Er bleibt uns immer zugewandt, ja, er wartet, er hofft auf Umkehr und Rückkehr und er gewährt uns Zeit, gibt uns neue Chancen. Dazu ist eine große und gewaltige Liebe nötig. Liebe Gemeinde, Gott hat sie. An seiner Liebe kann sich unsere Liebe orientieren und erneuern.
Höre, Israel! Der Herr ist unser Gott, der Herr und sonst keiner.
Dies, liebe Gemeinde ist ein Bekenntnis, es ist eine Liebeserklärung von Gott
Von Gott her ist das „Ja“ zu einer jeden und jedem von uns in einer einzigartigen Weise bereits gesagt ─ in Jesus, in seinem Reden und Handeln, in seinem Kreuz und in seiner Auferstehung und ebenso in dem Heil, mit dem er in unserer Taufe einen verbindlichen Anfang gesetzt hat.
Und unser Ja? Es schließt ein, dass Verletzungen nicht ausbleiben. Es schließt ein, dass wir vielleicht sogar scheitern. Und dennoch bietet unser „Ja“ die Chance, dass die Liebe wachsen und reifen kann. Die Liebe, die sich immer wieder bewähren muss. Aber die uns auch trägt. Durch seine Kraft dürfen wir uns stärken lassen, durch seine Liebe anstecken lassen und falls nötig, sogar einen Neuanfang wagen. So kann die Liebe zu Gott stets wachsen und sich erneuern. Amen
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen
Liturgie
Wochenspruch:
Christus spricht: Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.
Mt 11,28
Kyrie
Gott,
oft meinen wir zu wissen,
was richtig ist
auf unserem Weg durch das Leben.
Doch leicht verlieren wir dabei aus dem Blick,
dass es nicht nur den einen richtigen Weg gibt;
und andere Menschen ganz anders sind und handeln.
Schenke uns Einfühlungsvermögen und Geduld,
den anderen zuzuhören und sie zu verstehen.
Gib uns den Mut und die Freiheit,
uns gemeinsam auf den Weg zu dir zu machen
mit allen Unterschieden,
die uns trennen,
in der Hoffnung,
sie eines Tages zu überwinden.
Herr, erbarme dich ...
Kollektengebet
Gott,
wir danken dir,
dass wir heute hier versammelt sind.
Unterschiedliche Erlebnisse aus der vergangenen Woche bringen wir mit.
Unsere Verschiedenheit und unsere unterschiedlichen Erfahrungen
machen es uns nicht immer leicht,
zusammenzufinden.
Vor dir dürfen wir nun alles ablegen,
was uns belastet.
Bei Dir hat alles seinen Platz.
Was uns trennt,
können wir in dieser Stunde loslassen
und uns öffnen:
für dich
und für einander.
Lass unter uns deine Liebe und Annahme erstrahlen
und deinen Willen lebendig werden.
Fürbitten
Gott,
du hast uns deine Liebe geschenkt,
bedingungslos,
als Vorschuss für unser Leben.
Du willst,
dass deine Liebe auf der Welt
durch uns lebendig bleibt:
unter uns,
in unserer Gemeinde,
bei den Menschen,
denen wir in unserem Alltag begegnen.
Bei den Einsamen,
bei den Kranken,
bei den Trauernden,
bei den Mutlosen,
bei denen,
die keine Zukunft sehen.
Bei denen,
denen wir vielleicht nie begegnen werden:
Menschen in Kriegsgebieten –
Gefangene, Kindersoldaten, Verletzte,
Menschen,
die durch eine Katastrophe alles verloren haben,
Menschen,
die vor Hunger sterben,
Menschen,
die ohne Zugang zu medizinischer Versorgung sind,
Menschen,
die Unrecht erleiden
und hilflos ausgeliefert sind.