|

Predigt - Lk17,1-10

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus
Amen.

Liebe Gemeinde, bestimmt erinnern Sie sich noch an ihre Jugendzeit. Da kommt man gestresst nach einem ganzen Tag Schule nach Hause und kaum hat man die Türe hinter sich geschlossen, da heißt es schon: Bis zum Abendbrot könntest du noch schnell den Mülleimer raus bringen und beim Metzger Wurst einkaufen.

Was da im Kopf abgeht und einem über die Lippen kommt, das brauche ich wohl nicht weiter auszuführen.

Oder der berufstätige Mann, oder die Frau, seit Wochen arbeiten sie 10 Stunden täglich in der Firma. Ausgelaugt und erschöpft stecken sie den Schlüssel ins Schloss und kommen kaum durch die Tür, weil der Schulranzen davor liegt und stolpern danach über die Turnschuhe des Sohnes oder der Tochter.

Noch mit dem Arm im Mantel hört man durch die halboffene Küchentür: Schatz, kannst du dich gleich mit Anna über Mathe machen, damit sie ins Bett kann.

Und noch ein Beispiel: Da ist eine ältere Frau im wohlverdienten Ruhestand. Sie hat ihr Leben lang gearbeitet. Jetzt will sie auf Reisen gehen. Ja, sparsam war sie schon immer. Jetzt hat sie Zeit und Muße, sich etwas zu gönnen. Immerhin haben die letzten Jahre sie ganz schön ausgemergelt.

Veränderungen, die steckt man nicht mehr einfach so weg. Alles kostet mehr Kraft und mehr Zeit, ja auch die Erholung. Und dann, dann der Knoten, Untersuchungen, Operation und Bestrahlungen. Jetzt, wo man sich es hätte schön machen können.

Allen drei Geschichten ist gemeinsam, dass man sich selbst an einer Grenze befindet, der Grenze, wo man erschöpft ist und eigentlich meint, nicht mehr zu können.

Und genau an dieser Grenze werden wir noch einmal gefordert und wir haben das Gefühl: Hört denn das nie mehr auf.

Ich will meine Ruhe, ja, ich will meine Ruhe. Schließlich bin ich auch nur ein Mensch. Jetzt ist es genug. Ich kann einfach nicht mehr.

Über eine ganz ähnliche Geschichte berichtet uns auch der heutige Predigttext, der im Evangelium bei Lk 17, 7 – 10 steht.

Lk 17, 7 - 10
»Angenommen, einer von euch hat einen Knecht, der ihm den Acker bestellt oder das Vieh hütet. Wenn dieser Knecht vom Feld heimkommt, wird dann sein Herr etwa als Erstes zu ihm sagen: ›Komm und setz dich zu Tisch!‹?
8 Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: ›Mach mir das Abendessen, binde dir ´einen Schurz` um und bediene mich! Wenn ich mit Essen und Trinken fertig bin, kannst auch du essen und trinken.‹?
9 Und bedankt er sich hinterher bei dem Knecht dafür, dass dieser getan hat, was ihm aufgetragen war?
10 Wenn ihr also alles getan habt, was euch aufgetragen war, dann sollt auch ihr sagen: ›Wir sind Diener, weiter nichts; wir haben nur unsere Pflicht getan.‹«
NGÜ 2009

Ich denke, wir wissen alle, was ein Knecht ist, auch wenn es diese bei uns nicht mehr gibt. Die Sprache und die Bilder stören uns nicht. Wir haben den Inhalt genau gehört und der bringt uns auf die Palme. Ist das nicht unerhört?

Da kommt einer, der Knecht, er ist müde von seiner Arbeit auf dem Feld und dann muss er auch noch dem Herrn das Essen kochen, bevor er sich selbst hinsetzen und essen kann. Und genau so, erleben auch wir oft unser Leben.

Das ist nicht weiter anstößig, aber dass dieses Beispiel, Jesus erzählt haben soll, das ist empörend: Sklaventreiberworte sind das und die können doch nicht von Jesus stammen.

Wenn wir das, was Gott uns aufgetragen hat, ja, wenn wir das getan haben, sollen dann wir sagen, dass wir nur einfache Diener sind und getan haben, was unsere Pflicht war und was wir schuldig waren zu tun?

Eine unerhörte Provokation. Jesus auf der Seite der Ausbeuter und Unterdrücker.

Dass es uns so gut geht und wir eigene Möglichkeiten haben, ist das ein Grund, andere schlecht zu machen? Ist es ein Grund jeden Harz IV Empfänger als Schmarotzer zu bezeichnen, dem man die Hilfe zum Lebensunterhalt ruhig kürzen soll, weil einige diesen Anspruch ausnutzen?

Dass ich in diesem Land geboren bin, ist das mein Verdienst? Ist dies ein Grund meinen Stolz weiter zu tragen, der unseren ausländischen Mitbürgern und Mitbürgerinnen als Hass entgegenschlägt?

Es gibt über 7 Milliarden Menschen auf der Erde, ganze 82 Millionen davon sind deutscher Herkunft. Die Bundesrepublik ist nicht viel größer als ein Fleck auf der Weltkarte, und wir nehmen uns so furchtbar wichtig.

Schau über den Zaun, lerne dich selbst richtig wahrzunehmen und einzuschätzen. Das höre ich aus unserem heutigen Predigttext heraus. Ja, wo Menschen aufgefordert werden, schau mal auf die andere Seite, versetz dich doch einmal in die Lage des anderen und du wirst deine Situation und Position ganz anders einschätzen.

Und genau dieses neu einschätzen lernen, das geschieht auch am Ende des Predigttextes. Wir lernen unsere Lebensposition ganz anders einzuschätzen, wenn wir uns von Gott mal sagen lassen: Ihr seid nicht die Herren der Welt, ihr seid die armseligen Knechte, die nur tun, was sie schuldig sind zu tun. Vor Gott seid ihr alle Knechte und nicht die Herren.
Liebe Gemeinde, so geht man nicht mit Menschen um. Vielleicht könnten wir uns noch retten, indem wir sagen: Das steht ja nur als Beispiel bei Lukas. Vielleicht hat das Jesus gar nicht gesagt. Und doch, so denke ich, ist das der falsche Weg.

Jesus, er provoziert. Er provoziert uns, damit wir etwas lernen, damit wir etwas dazu lernen. Wir kennen ja auch den anderen Jesus: Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch Ruhe geben.

Doch wir sind nicht immer mühselig und beladen – bilden wir uns das ja nicht ein! Es gibt die mühseligen und beladenen Zeiten, sicher.

Aber es gibt auch andere Zeiten, da haben wir Kraft und Stärke, wir stehen mitten im Saft und das Alter spielt keine Rolle.

Und wenn wir fit sind, dann heißt es: Wenn wir das, was Gott uns befohlen hat, ja, wenn wir das getan haben, dann sollen wir sagen: Wir sind Diener, weiter nichts; wir haben nur unsere Pflicht getan.

Wir Menschen empfangen nicht etwas für unser Tun, sondern vor allem Tun steht längst die Liebe Gottes zu uns Menschen. Wir empfangen die Geschenke des Lebens, nicht weil wir sie verdient haben. Weder die guten Dingen, noch die schweren Lasten des Lebens sind der Lohn für unser Tun.

Gott begegnet uns, ohne unser Tun, mit dem Geschenk seiner Güte. Unser Tun im Blickfeld Gottes ist die schlichte Pflicht und Schuldigkeit, die wir Gott aus Dankbarkeit entgegenbringen.

Und vieles davon ist auch sehr wenig und oft sogar mit dem Gefühl verbunden, du hättest noch viel mehr tun können. Aber Jesus will dies nicht vertiefen, er will uns nicht schlechter machen als wir sind.

Er will uns dafür öffnen, im Blick auf Gott nicht den gesellschaftlichen Gedanken von Lohn und Anerkennung einzutragen, sondern er will uns dafür öffnen, unser Tun, unser Leben als dankbares Leben gegenüber Gott zu sehen und auch zu verstehen. Was wir tun und lassen, das sind wir ihm aus Dankbarkeit schuldig.

Und ich finde es schön, dass Gott uns Menschen in seinen Dienst nimmt, dass wir seine Knechte sein dürfen, dass wir in seiner Welt Dienst für Gott, Gottesdienst tun dürfen. Denn dieser Dienst ist ein Dienst für das Leben und für die Hoffnung.

Dazu ermutigt uns Jesus hier heute Morgen im Gottesdienst, auch wenn wir zunächst ärgerlich und vielleicht auch traurig über seine Sicht unseres Lebens waren. In seinen Worten liegt es, mit unseren wenigen Möglichkeiten, die wir haben, im Dienste Gottes die Welt zu gestalten und so ein Stück an Gottes Reich mitzubauen. Amen

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus
Amen.

Erstellt: 22.4.2011
Zuletzt aktualisiert: 18.5.2011 09:33 Uhr
Redakteur (nicht zwingend Autor): Anders Grüning

Kommentare [KEINE Anfragen!]

Keine Kommentare
Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*
*
*


*
Bei neuen Kommentaren benachrichtigen.