Predigt - Lk3,1-14
Liebe Gemeinde, heute feiern wir den 3. Advent. Die Vorbereitungszeit vor Weihnachten löst bei vielen von uns zwiespältige Gefühle aus.
Auf der einen Seite ist die Adventszeit eine Zeit der Erwartung und der Sehnsucht nach Frieden, Gemeinschaft und Liebe. Das kommende Weihnachtsfest stellt den von Gott gesandten Jesus in den Mittelpunkt. Deshalb lädt auch die Vorweihnachtszeit zu Stunden der Besinnung ein. Heute brennen 3 Kerzen am Adventskranz.
Aber es gibt auch eine zweite Seite der Vorweihnachtszeit. Gemeint ist die Hektik der Weihnachtsvorbereitungen. Es wird überlegt, was wir den Verwandten und Freunden sowie Freundinnen zu Weihnachten schenken können.
Die Veranstaltungen verschiedener Gruppen, in Vereinen und Gemeinden konzentrieren sich ebenso auf diese Zeit vor Weihnachten. Keine andere Zeit des Jahres ist so geprägt von Geschäftigkeit, von vorbereitenden Überlegungen und Tätigkeiten wie die Adventszeit. Keine andere Zeit im Jahr gibt so viel Veranlassung für gemeinsame Vorhaben wie die Vorweihnachtszeit.
Heute, am 3. Advent, erinnert die Kirche an den Mann, der Jesus vorausging und den Messias ankündigte. Er war eine auffällige Gestalt. Er hüllte seinen Körper in ein Kamelfell und trug um die Hüfte einen ledernen Gürtel. Er war Vegetarier und höchstwahrscheinlich trug er auch lange Haare und einen Bart. Der Name des Mannes lautete Johannes. Er kam selten in eine Stadt, sondern er trat in der Wüste auf.
Mit seiner Predigt wollte er auf das Kommen des Messias vorbereiten, also auf den Menschen, der im Namen Gottes das Heil, den Frieden und die Versöhnung bringen sollte.
Der Text, der von Johannes, dem so genannten Täufer, berichtet, steht bei Lukas im 3. Kapitel, in den Versen 1 -14.
Lk 3,1-14
1 Es war im fünfzehnten Regierungsjahr des Kaisers Tiberius. Pontius Pilatus war Statthalter von Judäa, Herodes Antipas regierte in Galiläa, sein Bruder Philippus in Ituräa und Trachonitis, Lysanias regierte in Abilene.
2 Die Obersten Priester waren Hannas und Kajaphas. Johannes, der Sohn von Zacharias, hielt sich noch in der Wüste auf. Dort erging an ihn der Ruf Gottes.
3 Da machte er sich auf, durchzog die ganze Gegend am Jordan und verkündete: »Kehrt um und lasst euch taufen, denn Gott will euch eure Schuld vergeben!«
4 Schon im Buch des Propheten Jesaja steht: »In der Wüste ruft einer: 'Macht den Weg bereit, auf dem der Herr kommt! Ebnet ihm die Straßen!
5 Füllt alle Täler auf, tragt Berge und Hügel ab, beseitigt die Windungen, und räumt die Hindernisse aus dem Weg!
7 Die Menschen kamen in Scharen zu Johannes, um sich von ihm taufen zu lassen. Er hielt ihnen vor: »Ihr Schlangenbrut, wer hat euch gesagt, dass ihr dem bevorstehenden Gericht Gottes entgeht?
8 Zeigt durch eure Taten, dass ihr es mit der Umkehr ernst meint! Ihr bildet euch ein, dass euch nichts geschehen kann, weil Abraham euer Stammvater ist. Aber das sage ich euch: Gott kann Abraham aus diesen Steinen hier neue Nachkommen schaffen!
9 Die Axt ist auch schon angelegt, um die Bäume an der Wurzel abzuschlagen. Jeder Baum, der keine guten Früchte bringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen.«
10 Die Menschen fragten Johannes: »Was sollen wir denn tun?«
11 Seine Antwort war: »Wer zwei Hemden hat, soll dem eins geben, der keines hat. Und wer etwas zu essen hat, soll es mit jemand teilen, der hungert.«
12 Auch Zolleinnehmer kamen und wollten sich taufen lassen; sie fragten ihn: »Lehrer, was sollen wir tun?«
13 Seine Antwort war: »Verlangt nicht mehr, als festgesetzt ist!«
14 Auch Soldaten fragten ihn: »Was sollen denn wir tun?« Die Antwort war: »Beraubt und erpresst niemand, sondern gebt euch mit eurem Sold zufrieden!«
Gute Nachricht 1997
Der Apostel Lukas beginnt seinen Bericht über Johannes den Täufer, wie es das Alte Testament bei Prophetenberufungen tut. Er ordnet den Beginn des Wirkens von Johannes dem Täufer in das 15. Jahr des Kaisers Tiberius ein, als Pontius Pilatus Statthalter in Judäa war und Hannas sowie Kaiphas als Hohepriester tätig waren.
Johannes predigte nicht nur, sondern er vollzog auch die Taufe zur Vergebung der Sünden. Johannes wollte Menschen auf das Endgericht Gottes vorbereiten. Und weil das Kommen des Messias nahe war, konnte es für ihn nur eine veränderte Lebenseinstellung geben.
Weil das göttliche Endgericht bevorstand, rief er die zahlreichen Menschen, die zu ihm in die Wüste gekommen waren, zur Buße auf.
Lukas verbindet diesen Aufruf mit einem Zitat aus dem Alten Testament aus dem Buch des Propheten Jesaja und bietet damit sozusagen den Hintergrund für das, was der göttliche Auftrag des Johannes ist.
„Bahnt für den Herrn einen Weg durch die Wüste, baut eine Straße für unseren Gott! Füllt die Täler auf, ebnet Berge und Hügel ein, räumt alle Hindernisse aus dem Weg! Der Herr wird kommen in seiner ganzen Herrlichkeit, und alle Menschen werden es sehen“.
Jes 40,3-5
Schauen wir doch einmal auf unser Leben zurück. Ich kann mir schon vorstellen, dass diese Bilder des Propheten Sicher gibt es da viele Stationen an denen wir in tiefen Tälern stecken, links und rechts gibt es keinen Ausweg, kein Licht, keine Hoffnung, ein bestimmter Weg muss gegangen werden, ob wir wollen oder nicht.
Da gibt es Hügel und Berge, die wir überwinden müssen und schwere Tage und schwere Zeiten, ja qualvolle Mühe und harte Arbeit, die wir hinter uns lassen müssen. Da gibt es die Beschwernisse der Zeit und gegen Menschen, die uns nichts Gutes gönnen, gegen die wir ankämpfen müssen.
Da gibt es aber auch vielleicht Zeiten, an denen wir an oberster Stelle stehen und alles überblicken können, Stellen, an denen wir sehr weitsichtig sind und vielleicht auf andere herabschauen, die mühevoll unterwegs nach oben sind.
Wie ist eigentlich mein Lebensweg? Klar und gerade, zielstrebig nach vorne, meinen Wünschen, Vorstellungen und Lebensidealen folgend, oder ist mein Lebensweg krumm und schief, geprägt von vielen Umwegen?
Ich wollte nicht, aber ich musste in eine Richtung gehen, die eigentlich nicht richtig war, es blieb mir gar nichts anderes übrig. Ich bin Wege gegangen, die mir nicht recht waren, ich habe Dinge tun müssen, die ich heute bereue.
Ein Neuanfang, liebe Gemeinde, ja eine Veränderung kommt auf uns zu und damit kann es auch in unserem Leben einen Neuanfang geben.
Jesus Christus zeigt uns, dass die Täler nicht Täler bleiben müssen und dass wir die Berge hinter uns lassen können und dass die krummen Wege uns dennoch zu Gott führen können und dass die unebenen Wege unseres Lebens nicht ohne unseren Gott gegangen werden.
Wir können das Vergangene vergangen sein lassen, ja, wir dürfen die Schuld der vergangenen Tage hinter uns lassen. Wir brauchen nicht immer auf die traurigen Tage früherer Zeiten zu blicken. Wir dürfen das Vergangene wirklich vergangen sein lassen. Es gibt einen Neuanfang.
Dies hat Johannes damals den Menschen angekündigt, und viele Menschen sind zu ihm gekommen, um seinen Worten zu lauschen. Als die Menschen nun als Zeichen der Umkehr die Taufe empfangen haben, blieb allerdings eine wichtige Frage im Raum stehen. Was sollen wir denn tun?
Merken sie, liebe Gemeinde, dass Umkehr ein geistlicher Akt ist, dass man das Alte hinter sich lässt, um sich neu an Gott zu orientieren?
Und genau darum geht es Johannes, darum geht es auch den Christen, wenn sie seine Botschaft in der Adventszeit laut werden lassen. Unser Leben soll sich ausrichten an der Umkehr zu Gott, an der Umkehr zu Christus, der dem neuen Leben Gestalt gegeben hat, der dieses neue Leben hat lebendig werden lassen.
Dieser Christus bringt uns durch sein Kommen das Heil Gottes, er nimmt die Schuld unseres Lebens auf sich, er trägt die Lasten, die wir im Leben auf uns geladen haben. Dessen dürfen wir gewiss sein, dafür ist er in die Welt gekommen.
Gott kommt in diese Welt! Das ist die Botschaft von Weihnachten. Deshalb sollen die Hindernisse auf dem Weg des Erlösers zu uns, zur Seite geräumt werden. Die meisten Hindernisse tragen wir in uns selbst.
Aber, was hat ein Mensch davon, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber zuletzt sein Leben verliert? Womit will er es dann zurückkaufen?
(Matth. 16,26)
Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus Amen.
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