Predigt "Machtwechsel"
Text. 1. Korinther 15,20 – 28
20 Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind.
21 Denn da durch einen Menschen der Tod gekommen ist, so kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten.
22 Denn wie sie in Adam alle sterben, so werden sie in Christus alle lebendig gemacht werden.
23 Ein jeder aber in seiner Ordnung: als Erstling Christus; danach, wenn er kommen wird, die, die Christus angehören;
24 danach das Ende, wenn er das Reich Gott, dem Vater, übergeben wird, nachdem er alle Herrschaft und alle Macht und Gewalt vernichtet hat.
25 Denn er muss herrschen, bis Gott ihm »alle Feinde unter seine Füße legt« (Psalm 110,1).
26 Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod.
27 Denn »alles hat er unter seine Füße getan« (Psalm 8,7). Wenn es aber heißt, alles sei ihm unterworfen, so ist offenbar, dass der ausgenommen ist, der ihm alles unterworfen hat.
28 Wenn aber alles ihm untertan sein wird, dann wird auch der Sohn selbst untertan sein dem, der ihm alles unterworfen hat, damit Gott sei alles in allem.
Liebe Gemeinde!
Zu Beginn des Gottesdienstes haben wir den alten Osterhymnus angestimmt: „Christ ist erstanden“. Und wir glauben oder möchten es glauben können: „Wär er nicht erstanden, so wär die Welt vergangen.“
Aber noch ist es, wie es immer war: Der Tod ist überall, und nichts gibt es, was uns so gewiss wäre wie er. Auch wenn das Leben nicht stirbt. Wir werden sterben. Wir sind nicht geschützt davor, zu Tode betrübt zu werden. Wir sehen die Macht des Todes ungebrochen: als Lust an der Vernichtung von Menschen, als alles zerstörende Kraft, als drohende Vergeblichkeit, als Sinn auslöschende Gewalt.
Also sollten wir aufhören zu bekennen: „Christ ist erstanden von der Marter alle“ ?
Zumal auch die Umfragen zeigen: Nur 30% der Deutschen glauben an die Auferstehung Jesu. Nochmals nachgefragt, sollten wir aufhören zu bekennen: „Christ ist erstanden von der Marter alle“ ?
Der Apostel Paulus antwortet darauf mit einem klaren Nein: „Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendesten unter allen Menschen.“ Und fährt dann mit einem „nun aber“ fort.
Textlesung
Paulus geht es um einen Machtwechsel. Allerdings um einen endgültigen. Er spricht über das Ende - nein, nicht der Welt, sondern über das Ende der vielen Herrschaften. Gottes Allmacht kommt zum Zuge - und die Geschichte Jesu Christi endlich zum Ziel. Gott hat das Zepter in der Hand - und niemand und nichts wird es ihm streitig machen.
Daher ist die Auferweckung Jesu zuerst einmal Gottes großes JA zu Jesu Leben, Predigen, Heilen, Leiden und Sterben. Insofern sind das irdische Leben, Leiden und Sterben Jesu einerseits und das Leben des Auferstandenen seit Ostern andererseits zwei Seiten ein und derselben göttlichen Medaille.
Was nützt uns die Auferstehung Christi? Darauf antwortet der Heidelberger Katechismus: Erstlich hat er durch seine Auferstehung den Tod überwunden, damit er uns die Gerechtigkeit, die er uns durch seinen Tod erworben hat, könnte teilhaftig machen.
Zum anderen ist die Auferweckung Jesu als Erstling von den Toten der Hinweis, dass Gott ein Gott der Lebenden und nicht der Toten ist! Gewiss der Tod ist der ärgste Feind des Lebens - unseres Lebens. Aber - so Paulus - auch dieser Gegner wird irgendwann einmal das Handtuch werfen müssen. Und das will er beizeiten ein für allemal klarstellen. Wie er sich das denkt, das hat er uns in Jesus ja schon mitgeteilt: gestorben, begraben - aber dann auch auferstanden. Das heißt, es mag zwar den Tod noch geben - aber er hat nicht das letzte Wort. Das liegt - wie das erste - bei Gott. Und es lautet: Es werde...!
Eindrücklich hat das Kurt Marti beschrieben:
das könnte manchen herren so passen
wenn mit dem tode alles beglichen
die herrschaft der herren die knechtschaft der knechte
bestätigt wäre für immer
das könnte den herren so passen
wenn sie in ewigkeit herren blieben im teuren privatgrab
und die knechte knechte in billigen reihengräbern
aber es kommt eine auferstehung
die anders ganz anders wird als wir dachten
es kommt eine auferstehung
die ist der aufstand gottes gegen die herren
und gegen den herrn aller herren: den tod
Mag diese Hoffnung auf Gottes Macht noch jenseits unseres Erfahrungshorizontes liegen, irgendwann wird sie Wirklichkeit und sichtbar sein. Gott selbst wird sich unseres Lebens annehmen, so wie sich Jesus um Maria und seine Jünger gekümmert hat, nachdem er auferstanden war und damit deutlich machte: Es gibt keine Macht, die uns an Gott noch zweifeln lässt. Es gibt nichts, dass uns von ihm abhalten könnte. Es gibt niemanden, der an seine Stelle treten wird. Der Machtwechsel ist endgültig vollzogen: von diesem Tag an regiert nur noch ein Element: die Liebe.
Was nützt uns die Auferstehung Christi? Darauf antwortet der Heidelberger Katechismus: Zum anderen werden wir jetzt durch seine Kraft erweckt zu neuem Leben. Mit Paulus gesprochen: „Denn wie sie in Adam alle sterben, so werden sie in Christus alle lebendig gemacht werden…“
In der Gemeinde zu Korinth gab es so genannte Schwärmer. Sie sagten. Wir sind getauft, und so sind wir mit Christus gestorben – gestorben nämlich für diese Welt. Wir sind mit ihm auferstanden – auferstanden in himmlische Freiheit. Und daraus inszenierten sie ihre Unabhängigkeit von den irdischen Verhältnissen, lebten als himmlische Wesen, die zu geschlechtlosen Engeln geworden waren, übten sich ein in die Kunst religiöser Virtuosität, des Zungenredens und der prophetischen Weissagung. Sie kümmerten sich nicht um die Realität. Sie blendeten sie schlichtweg aus.
Davon sind wir heute weit entfernt. Das ist nicht unsere Sicht- und Lebensweise. Wir sind eher gleichgültig oder resigniert: „Es ist doch alles umsonst!“ und folgern daher: „lasst uns essen und trinken; denn morgen sind wir tot!“
Aber die Auferweckung Jesu will uns im übertragenen Sinne zu neuem Leben hier und jetzt erwecken.
Christoph Blumhardt, Pietist und religiöser Sozialist, Leiter des Kurhauses Bad Boll, erinnert seine Gemeinde daran:
„Wer bloß annimmt, dass Christus gestorben und auferstanden ist, der ist noch kein Christ, sondern eben ein Mensch, der gewisse Ansichten hat. Christ aber, Kämpfer und Streiter, ist der, der aus der Auferstehung Christi heraus liest, dass jetzt die ganze Welt Gott untergetan gemacht wird, und das ein Christ mithelfen soll dazu. Wir sollen als Gemeinde Christi in beständigem Kampf leben auf die große Regierungszeit des Königs Jesu Christus hin – das macht uns zu Christen.“ ( Chrsitoph Blumhardt, Jesus ist Sieger, Bd. I,S.71)
Manchmal können wir sie schon jetzt spüren, diese Liebe. Vor allem dann, wenn wir uns von dieser Hoffnung schon jetzt leiten lassen. Und Jesus wollte, dass wir dies, so oft wie es nur geht, tun. Und je öfter uns das gelingt, desto spürbarer wird das, was uns Paulus verspricht, schon jetzt. Wo dieses Leitbild fehlt, wo wir uns von unserem Allzualltäglichen und Allzuallmenschlichen vereinnahmen lassen, da werden wir auch von Gottes Zukunft wenig merken.
Doch da hält Jesus mit seinem Leben und seiner Botschaft gegen - und fordert uns damit auf, ihm nachzueifern. Wenn wir heute an unserem Nächsten so handeln, als ginge es um Jesus selbst, wenn wir Hungrigen zu essen geben, wenn wir Durstigen das Wasser reichen, wenn wir Fremden ein Dach über dem Kopf bieten und wenn wir Nackte bekleiden und Kranke besuchen und Gefangene nicht alleine lassen, wenn wir also das Notdürftigste für unsere Nächsten tun, dann erleben wir, dass Gottes Reich Besitz von uns ergreift und schon jetzt wahr wird, dann erleben wir diesen Machtwechsel, der noch bevorsteht, schon heute. Allerdings: Wo dies alles fehlt, verlieren wir unsere Zukunft und es geht dort heute schon zu wie in der Hölle...
Denn das ist die gute Botschaft des Osterfestes, liebe Gemeinde: Nicht die Hoffnung stirbt zuletzt, sondern der Tod. Nicht die Durchhalteparolen machen uns stark, sondern der Glaube. Nicht „alles wird gut", sondern am Ende wird Gott sein. Alles in allem.
Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden - dieser Ruf der ersten Christen möge auch in unseren Herzen brennen, damit wir fröhlich mit Herzen Mund und Händen bekennen können: „Des solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein.“ Amen.
Liturgie
Orgelvorspiel
Begrüßung
Jesus Christus spricht: Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle. Offenbarung 1,17-18
Lied: Christ ist erstanden EG 99
Abkündigungen
Lied. Gelobt sei Gott im höchsten Thron EG 103,1-6
Votum
Leben braucht Liebe.
Liebe schenkt Leben.
In dieser Nacht geschieht etwas Wundervolles.
Liebe ruft ins Leben, Leben erwacht aus Liebe.
Der Vater ruft den Sohn.
Und sein Sohn hört ihn selbst im Tod.
Die Erde hält ihn nicht.
Der Stein kommt ins Rollen.
Auferweckt! Auferstanden! Jesus lebt!
Und wir mit ihm.
Im Namen des Vaters, der das Leben liebt,
im Namen des Sohnes, der die Liebe lebt,
im Namen des Heiligen Geistes,
der uns beides schenkt,
feiern wir das Leben, die Liebe,
Gottes Dienst an uns.
Der Herr sei mit euch
Gemeinsame Psalmlesung: EG 778
Kyrie
Jesus Christus lebt.
Neues Leben schafft sich in unserem Alltag Raum.
Du, Gott, lässt Wirklichkeit werden,
was wir erhoffen: des Todes Tod.
Hilf uns, daran zu glauben.
Gegen alle Widerstände in der Welt und in uns.
Gott, erbarme dich...
Gnadenspruch
Unser Leben liegt in Gottes Händen.
Seine Liebe hat er uns in seinem Sohn geschenkt.
Christus spricht: Ich lebe und ihr sollt auch leben.
Wie er lebt, dürfen auch wir das Leben erhoffen.
Lobpreis
Liedvers: Allein Gott in der Höh’ sei Ehr EG 179,1
Kollektengebet
Jesus war der Erste.
Gefolgt ist ihm bisher niemand.
Aber wenn die Zeit kommt, dann schenke uns,
Gott, den Lebenden und den Toten,
was du uns durch deinen Sohn versprochen hast:
Ewigkeit mit dir.
Darauf vertrauen wir. Daran glauben wir.
Für uns. Und für die Welt.
Darum loben und preisen wir dich du menschenfreundlicher Gott, der du die Grenze des Todes geöffnet hast. Dir dreieiniger Gott, sei Lob und Preis in Ewigkeit.
Schriftlesung. 1. Samuel 2,1-2+6-8a
Gemeinde: Halleluja
Evangeliumslesung: Markus 16,1-8
Lied: Wir wollen alle fröhlich sein EG 100,1- 5
Predigt. 1. Korinther 15,19-28
Lied: Jesus lebt, mit ihm auch ich! EG 115,1-3+5
Glaubensbekenntnis
Lied. Er ist erstanden EG 116, 1- 3
Abendmahlsliturgie
Liturg:
Gepriesen seist du, Gott, du Kraft des Lebens.
Du schenkst uns dieses Brot,
die Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit.
Lass es zum Brot des Lebens werden.
Du schenkst uns diesen Saft,
die Frucht des Weinstocks und der menschlichen Arbeit.
Lau ihn zum Kelch des Heils werden.
Wie die Körner von den Feldern und die Beeren
von den Weinbergen jetzt auf diesem Tisch
vereint sind in Brot und Saft (Wein),
so lass dein Volk bald versammelt werden
von den Enden der Erde in deinem Reich.
Friede sei mit euch.
Gemeinde:
Und mit deinem Geist.
Liturg:
Erhebet eure Herzen.
Gemeinde:
Wir erheben sie zu Gott.
Liturg:
Lasst uns Gott danksagen.
Gemeinde:
Das ist würdig und recht.
Liturg:
Ja, es ist würdig und recht, dich zu preisen
und dir immer und überall zu danken.
Durch dein lebendiges Wort hast du alles erschaffen
und für gut befunden.
Du hast die Menschen nach deinem Bilde geschaffen,
dass sie an deinem Leben teilhaben
und deinen Glanz widerspiegeln.
Als die Zeit erfüllt war, gabst du uns Christus
als den Weg, die Wahrheit und das Leben.
Darum, Gott, verkündigen wir mit allen Engeln und Heiligen
und singen mit ihnen das Lob deiner Wunder.
Gemeinde: Sanctus-Lied
Liturg:
Gott, du Kraft des Lebens, du bist heilig,
und dein Ruhm kennt keine Grenzen.
Sende herab deine Leben spendende Kraft des Geistes,
dass dieses Brot und dieser Saft
für uns zum Leib und Blut Christi werden.
Erfülle uns mit deinem Frieden,
wenn wir nun tun, was Jesus Christus geboten hat:
In der Nacht, in der Jesus verraten wurde,
nahm Jesus das Brot, sprach das Dankgebet,
brach das Brot, gab es ihnen und sprach:
Nehmt hin und esst;
das ist mein Leib,
der für euch gegeben wird.
Solches tut zu meinem Gedächtnis.
Desgleichen nahm Jesus nach dem Mahl den Kelch,
sprach das Dankgebet,
gab ihnen den Kelch und sprach:
Nehmt hin und trinkt alle daraus;
dieser Kelch ist das neue Testament in meinem Blut,
das vergossen wird für viele.
Solches tut, so oft ihrs trinkt, zu meinem Gedächtnis.
Liturg und Gemeinde:
Deinen Tod, o Her, verkündigen wir und deine Auferstehung preisen wir,
bis dass du kommst in Herrlichkeit.
Vaterunser
Christe, du Lamm Gottes
Jesus Christus,
du hast deinen Freundinnen und Freunden versprochen:
Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch.
Gewähre uns allezeit diesen Frieden.
Liturg:
Lasst uns einander ein Zeichen der Versöhnung und
des Friedens geben und zu unserer Nachbarin,
zu unserem Nachbarn sprechen: Friede sei mit dir.
Friedensgruß
Austeilung des Abendmahls
Lied. Er ist erstanden EG 116,5
Fürbitten
Gott, an diesem Tag,
schenkst du der Welt Hoffnung:
- dass Arme nicht arm
und Kranke nicht krank bleiben;
- dass sich Einsame nicht verlassen
und Ausgegrenzte nicht übergangen fühlen;
- dass Frieden möglich
und Krieg unmöglich wird;
- dass der Tod am Ende ist
und die Toten erst am Anfang stehen.
Gott,
stärk unseren Glauben, dass wir dieser Hoffnung
um deines Namens willen in unserem Alltag
Gesicht und Gestalt geben. Amen.
Segen
Du Gott des Lebens segne uns.
Segne uns mit der liebe des Vaters.
Segne uns mit der Entschlossenheit deines Sohnes.
Segne uns mit der Lebendigkeit deines Geistes.
Im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.
Lied: O herrlicher Tag, o fröhliche Zeit EG 560,1-5
Kyrie
Gott, unser Vater,
wo die Liebe regiert,
ist deine Zukunft schon angebrochen,
wo wir in deinem Sinne reden und handeln
bist du schon der Herr der Welt.
Doch wissen und erleben wir,
dass dies an so vielen Orten nicht gilt.
Wie oft spüren wir all die anderen Mächte,
die nicht das Leben fördern,
sondern den Tod bringen,
die uns den Glauben manchmal so schwer machen,
dass wir an dir verzweifeln.
So bitten wir dich:
Lass uns immer wieder spüren,
dass uns keine Macht der Welt
von deiner Liebe trennen kann.
Kyrie Eleison ...
Kollektengebet
Gott, unser Vater,
in Jesus Christus liegt unsere ganze Hoffnung,
dass diese Welt sich dir entgegendreht.
Hilf uns,
daran mitzutun,
dass deine Zukunft -
von Tag zu Tag mehr -
zu unserer Gegenwart wird
und die Erde sich wandelt
zu deinem Reich.
Auf dass du mit dem Sohn und dem Heiligen Geist
lebst und regierst
von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Fürbitten
Gott, unser Vater,
wir bitten um einen Machtwechsel,
überall dort,
wo Leben dem Tod ausgeliefert ist.
Wir bitten um einen Machtwechsel,
überall dort,
wo sich Menschen im Hass begegnen.
Wir bitten um einen Machtwechsel,
überall dort,
wo Tyrannen Menschen unterdrücken.
Wir bitten um einen Machtwechsel,
überall dort,
wo Menschenrechte auf der Strecke bleiben.
Wir bitten um einen Machtwechsel,
überall dort,
wo Gewalt zur Konfliktlösung gebraucht wird.
Wir bitten um einen Machtwechsel,
überall dort,
wo Luxus der Grund für Armut ist.
Wir bitten um einen Machtwechsel,
überall dort,
wo deine Schöpfung missbraucht wird.
Wir bitten um einen Machtwechsel,
überall dort,
wo deine Liebe nicht regiert.