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Predigt - Mit Blindheit geschlagen

1 Szene: Mit Blindheit geschlagen

Verse 13-16
13 Und siehe, zwei von ihnen gingen an demselben Tage in ein Dorf, das war von Jerusalem etwa zwei Wegstunden entfernt; dessen Name ist Emmaus.
14 Und sie redeten miteinander von allen diesen Geschichten.
15 Und es geschah, als sie so redeten und sich miteinander besprachen, da nahte sich Jesus selbst und ging mit ihnen.
16 Aber ihre Augen wurden gehalten, daß sie ihn nicht erkannten.

Ingo: Meine Augen gehalten, das hört sich für mich sehr vertraut an. Manchmal meistens dann wenn ich einen wichtigen Termin habe sind meine Augen auch wie gehalten. Ich habe alles zusammen gepackt, versucht an alles zu denken, nur noch mein Schlüssel. Mein Schlüssel? Wo habe ich den denn wieder hin getan. Und dann fängt das Suchen an. Erst durchsuche ich hektisch meine Taschen: Hosen, Jacken usw. dann laufe ich wie ein aufgeschreckter Hahn durch die ganze Wohnung schaue hier und dort, bis ich glaube überall geschaut zu haben, wo der Schlüssel hätte sein können. Aber nichts.

Gerhard: Und was machst du, wenn du ihn dann nicht gefunden hast?

Ingo: Dann beginnt der zweite Durchlauf. Ich überlege mir noch mal wo ich den Schlüssel als letztes gebraucht habe. Irgendwo muss er ja sein. Ich gehe noch einmal akribisch die Orte durch, diesmal etwas kontrollierter, weniger hektisch. Ich schaue noch mal in der Jacke nach Innentasche, Außentasche, doch oft bleibt der Schlüssel verschwunden. Einfach weg.

Nun kommt der dritte Versuch. Innerlich den Termin schon abgeschrieben, gehe ich nochmals ganz ruhig durch die Wohnung, fast absichtslos, tue so als würde ich den Schlüssel gar nicht suchen. Manchmal klappt es und ich entdecke den Schlüssel an den idiotischsten Orten. Manchmal steckt er noch im Schlüsselloch, oder er ist von Schlüsselbrett einfach nur herunter gefallen.

Gerhard: Du, Ingo, bei der Beschreibung deiner Schlüsselsuche fällt mir der erste Teil unseres heutigen Evangeliums ein. Da sind 2 Jünger unterwegs, von Jerusalem nach Emmaus. Was heißt, sie sind unterwegs, sich laufen davon. Unter dem Motto: Augen zu, und los. Sie haben bestimmt Gründe, wieso sie auf und davon laufen. Jesus, ihr Herr und Meister, ist tot. Aus!, Schluss!, die Hoffnungen sind mit ihm begraben.

Ingo: Man könnte sagen: Sie haben auch einen Schlüssel verloren, den Schlüssel zu ihrem Leben und ihrer Zukunft. Sie sehen alles vor sich und verstehen nichts.

Gerhard: Ja, Sie bekommen sogar noch einen Begleiter, der ein Schlüssel für sie sein könnte, aber sie erkennen ihn nicht. Sie sind von Blindheit geschlagen.

2. Szene Der Durchblick fehlt

Vers 17-24
17 Er sprach aber zu ihnen: Was sind das für Dinge, die ihr miteinander verhandelt unterwegs? Da blieben sie traurig stehen.
18 Und der eine, mit Namen Kleopas, antwortete und sprach zu ihm: Bist du der einzige unter den Fremden in Jerusalem, der nicht weiß, was in diesen Tagen dort geschehen ist?
19 Und er sprach zu ihnen: Was denn? Sie aber sprachen zu ihm: Das mit Jesus von Nazareth, der ein Prophet war, mächtig in Taten und Worten vor Gott und allem Volk;
20 wie ihn unsre Hohenpriester und Oberen zur Todesstrafe überantwortet und gekreuzigt haben.
21 Wir aber hofften, er sei es, der Israel erlösen werde. Und über das alles ist heute der dritte Tag, daß dies geschehen ist.
22 Auch haben uns erschreckt einige Frauen aus unserer Mitte, die sind früh bei dem Grab gewesen,
23 haben seinen Leib nicht gefunden, kommen und sagen, sie haben eine Erscheinung von Engeln gesehen, die sagen, er lebe.
24 Und einige von uns gingen hin zum Grab und fanden's so, wie die Frauen sagten; aber ihn sahen sie nicht.

Gerhard: Sehen und Verstehen fällt den beiden Jüngern wirklich schwer. Ihnen fehlt der Durchblick.

Ingo: Und Jesus versucht für sie so etwas wie ein Blindenführer zu sein. Aber wieso gibt er sich nicht einfach zu erkennen. Öffnet ihnen die Augen, wie er es mit vielen Blinden getan hat. Da könnte Jesus doch sagen: Seit ihr denn blind, erkennt ihr mich nicht wieder?

Gerhard: Nein, er lässt ihnen Zeit. So fragt er, was in Jerusalem geschehen sei. Da sind die Jünger mehr als verwundert. Traurig bleiben sie stehen und erzählen von den Ereignissen in Jerusalem. Sicher weiß Jesus von diesen Ereignissen, er hat sie ja am eigenen Leib gespürt, doch er lässt den Jüngern Zeit und Raum, ihre eigene Deutung des Todes ihres Meisters zu erzählen.

Ingo: Jesus ist hier nicht der tolle Heiler sondern der sensible Zuhörer. Er hilft den Jüngern ihre Fragen, wie "was ist es genau, was mich traurig macht?" zu beantworten. Er wischt nicht einfach die Trauer der beiden weg, sondern nimmt sie in ihrem Schmerz ernst.

Gerhard: Trauer, Frustration und Angst kann in der Begleitung Jesu zur Sprache kommen.

Ingo: Das ist auch eine Erfahrung die ich immer wieder bei Besuchen mache. Dort wo Gott und Jesus ins Spiel kommen, können sich die Menschen öffnen. Sie sprechen anders über sich und die Menschen, die ihnen nahe stehen. Ich brauche dann gar nicht viel zu reden, sondern nur zu hören und so bringen wir dann gemeinsam die Sorgen und Nöte vor Gott.

3. Szene Erklärung / Jesus der Seelsorger

Vers 25-27
25 Und er sprach zu ihnen: O ihr Toren, zu trägen Herzens, all dem zu glauben, was die Propheten geredet haben!
26 Mußte nicht Christus dies erleiden und in seine Herrlichkeit eingehen?
27 Und er fing an bei Mose und allen Propheten und legte ihnen aus, was in der ganzen Schrift von ihm gesagt war.

Ingo: Wenn ich nicht mehr weiter weiß, würde ich mir so einen Freund wie Jesus wünschen. Der einem nicht direkt versucht alles zu erklären, sondern der sich erst mal das anhört was ich zu sagen hast, wie meine Sicht der Dinge ist.

Gerhard: Der dann aber, wenn ich alles gesagt habe, mit seiner Meinung heraus kommt. Dann aber auch nicht mit klaren Worten spart. Sondern klar ausspricht was Sache ist und nicht lange um den heißen Brei herum redet.

Ingo: Auf die Freunde, die immer nur Ja und Amen sagen, kann ich in solchen Situationen gut verzichten. Da brauche ich einen der mir die Augen öffnet.

Gerhard: Genau das versucht Jesus auf dem Weg nach Emmaus, aber die beiden Jünger sind so in ihrer Trauer und Enttäuschung gefangen, dass sie weiter wie blind neben Jesus herlaufen.

Ingo: Manchmal kann man sich den Mund fusslig reden, aber der andere ist wie verbohrt. Dann hilft manchmal schweigen oder etwas gemeinsam machen mehr als alles reden.

4. Szene In Emmaus - Augen öffnen

Vers 28-32
28 Und sie kamen nahe an das Dorf, wo sie hingingen. Und er stellte sich, als wollte er weitergehen.
29 Und sie nötigten ihn und sprachen: Bleibe bei uns; denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneigt. Und er ging hinein, bei ihnen zu bleiben.
30 Und es geschah, als er mit ihnen zu Tisch saß, nahm er das Brot, dankte, brach's und gab's ihnen.
31 Da wurden ihre Augen geöffnet, und sie erkannten ihn. Und er verschwand vor ihnen.
32 Und sie sprachen untereinander: Brannte nicht unser Herz in uns, als er mit uns redete auf dem Wege und uns die Schrift öffnete?

Gerhard: Die Begleitung durch diesen Fremden tut den Jüngern gut. Als sie das Dorf Emmaus erreichen, will Jesus seinen Weg weitergehen. Doch die Jünger wollten sich nicht von diesem Menschen trennen, und so richtig fremd war er ihnen wohl schon lange nicht mehr.

Ingo: Deshalb laden sie ihn ein: "Herr, bleibe bei uns, denn es wird bald Abend und der Tag hat sich geneigt." Die beiden Jünger können von der Gegenwart ihres Begleiters nicht genug bekommen

Gerhard: Auch wenn sie noch nicht erkennen wer mit ihnen auf dem Weg ist, so haben sie doch festgestellt das Gespräch hat gut getan, es gibt neue Kraft.
Sie spüren, er kann ihr Leben wieder neu aufschließen, ja ihnen Zukunft erschließen.

Ingo: Und dann geschieht es. "...und als sie miteinander zu Tisch saßen, nahm er das Brot, dankte, brach es und gab es ihnen". Da gingen ihnen die Augen auf, der Schleier der Trauer und Angst, der Mutlosigkeit, reißt entzwei.

Gerhard: Unerwartet erhalten sie neue Antworten, dieser scheinbar Fremde war und ist der Schlüssel für das Leben der Jünger. Mit Mut und Freude können sie wieder aufbrechen.

Ingo: An den Weg zurück in den Alltag ist jetzt nicht mehr zu denken. In einem Moment wird alles anders da verwandelt sich blinde Trauer in helle Frölichkeit.

5. Szene Umkehr

Vers 33-35
33 Und sie standen auf zu derselben Stunde, kehrten zurück nach Jerusalem und fanden die Elf versammelt und die bei ihnen waren;
34 die sprachen: Der Herr ist wahrhaftig auferstanden und Simon erschienen.
35 Und sie erzählten ihnen, was auf dem Wege geschehen war und wie er von ihnen erkannt wurde, als er das Brot brach.

Ingo: Wenn ich diese Verse höre spüre ich etwas von der Begeisterung, die die Jünger in Emmaus überfällt. Keine Zeit sich zu wundern wohin Jesus verschwunden ist, sondern zurück, zurück nach Jerusalem.

Gerhard: Die Freude muss sich einen Weg bahnen muss zu anderen Menschen kommen. Nun heißt es auf, auf nach Jerusalem. Zurück zu den anderen. Ihnen erzählen von dem was ihnen wiederfahren ist. Den anderen neuen Mut machen. Es ist noch nicht alles zu ende. Jesus lebt.

Ingo: Ich kann es mir lebhaft vorstellen wie sie nach Jerusalem kommen und es den anderen zurufen: "Der Herr ist auferstanden." Und die anderen sie wissen es schon und rufen ihnen entgegen. "Der Herr ist wahrhaftig auferstanden und Simon erschienen"

Gerhard: Auch sie haben es am eigenen Leib gespürt. Jesus ist nicht im Grab geblieben. Nach all den schweren Tagen kommt nun neue Freude in ihr Leben.

Ingo: Eine Freude, die durch nichts mehr zu gefährden ist. Denn wenn selbst der Tod nun nicht mehr die letzte Macht ist, vor was sollten sie sich nun noch fürchten.

Erstellt: 8.1.2005
Zuletzt aktualisiert: 4.4.2011 09:46 Uhr
Redakteur: Anders Grüning

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